„Wahrheiten“ und „das Licht der Welt“

Letztlich leben wir alle von Luft, Wasser und Liebe. Und ein bisschen mehr.

4. Letztlich leben wir alle von Luft, Wasser und Liebe.
Und ein bisschen mehr.

Wasser und Luft als „Allmende“, mithin Güter des Gemeinwohls bedürfen weitaus sorgfältigeren Schutzes zum Wohle der Menschen hier wie dort als man es derzeit erlebt. Gerade diese Interessensausgleiche bei Zugang und Ge- und Verbrauch von diesen lebensnotwendigen Gütern sind an Orten mit „vulnerablen und von Krieg und Armut geplagten Bevölkerungsgruppen“ ein Kernproblem. Aber nicht nur dort.
Und Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit kann man nicht nur im globalen Süden nur mit klugen Maßnahmenpaketen und Zielsetzungen entgegentreten.
Beispiel Wasser und seine Kreisläufe: Die diesjährige, seit April anhaltende Trockenheit nicht nur bei uns, sondern auf der gesamten nördlichen Hemisphäre des Planeten hat zum Absinken der Wasserstände in Trinkwasservorratsspeichern bei uns auf derzeit 40-50 % des Normalpegels geführt. Ohne komplexe Wasserkreisläufe, die wir seit Anfang der 1970er Jahre einbauen und überwachen, hätten wir wahrscheinlich schon längst Versorgungsengpässe. Sprich:
„Stell Dir vor, Du drehst den Wasserhahn auf und außer
ein paar brauner Tropfen und röhrender Luft kommt nichts raus!“
Und das kann durchaus bald kommen.

Im „globalen Süden“ indes ist dies schon länger die Regel, nicht die Ausnahme.

  1. Es gibt kaum, oder viel zu wenig geregelte Wasserwirtschaft. Brauchwasser versickert und wird nicht wieder den Wasserkreisläufen zugeführt.
  2. Die Widerstandskräfte gegenüber den Auswirkungen von Klimaveränderungen schwinden zumal in „privatwirtschaftlichem Wildwuchs“ für große Bevölkerungsgruppen auf dem Land und in der Stadt immer mehr.
  3. Ein wesentlicher Grund auch für bewaffnete Auseinandersetzungen. Bis hin zu Kriegen. Einer von vielen Kriegsgründen auf vielen Ebenen an vielen Orten. Wie ich ja auch schon anhand meiner Arbeit 2009 / 10 in Kabul / Afghanistan exemplarisch dargestellt habe.12

Präventive, gute und solidarische Arbeit und internationale Zusammenarbeit in diesem Zusammenhang jetzt heißt, sich darum zu kümmern, dass die Kinder, die da schon in den Brunnen gefallen sind Mittel und Wege finden, da wieder heraus zu kommen. Aus eigenen Kräften und mit Hilfe von den oben Stehenden:

  1. Intensivierung des Ausbaus der geregelten Wasserwirtschaft bei uns. Und Ausbau von Wasserkreisläufen mit Schulung einheimischer Kräfte dort, wo Dürren, Raubbau und Kriege gemeinsam schon viel mehr verwüstet haben.
  2. Erhöhung der Widerstandskräfte einheimischer, höchst „vulnerabler“ Bevölkerungsgruppen. Hier wie dort. Mittels einer ausgleichenden Gesetzgebung denn auch Schaffen von dezentralen / föderalen Steuerungsmöglichkeiten. Insofern auch: Schaffen von Ausgleichmöglichkeiten zwischen Stadt und Land.
  3. Arbeit an existentiellen Kriegsgründen. Systematischer Wiederaufbau. Lernen von- und miteinander durch gute und zielorientierte Zusammenarbeit. Solidarität im Kampf gegen Klimaveränderungen und ihre Folgen. Ganz gleich, ob diese nun direkt nachweisbar von Menschen verursacht sind oder nicht. Verstärkung persönlicher (privater) und gemeinschaftlicher (öffentlicher) Sicherheit mit und für gegenwärtige und zukünftige Generationen.

Im Rahmen von Implementierung und Weiterentwicklung von Energie-autarken oder „Low-Tech-Systemen“ bewirkt  der Einsatz von Pflanzenkläranlagen zudem neben besagter Resilienzsteigerung der Bevölkerung gegen Folgen des Klimawandels auch eine besser durchgrünte (Stadt- und Regional-) Planung und damit auch eine wirksame Bekämpfung von zunehmender Feinstaubbelastung.

Die vielerorts drastisch abgesunkenen Grundwasserspiegel und diese zunehmende Luftverschmutzung durch Verkehr, Hausbrand und Industrie betreffen immer mehr Bewohner des Planeten Erde, seiner Städte und Regionen.
Der Kampf gegen die lokale Umweltzerstörung und die Zusammenarbeit bei der Verbesserung der Qualität und des Zugangs zu Luft und Wasser sind dabei ganz wesentlich. Gemeinschaft bildende Projekte helfen Menschen überall im kleinen und großen Maßstab, im Quartier und in Dorf und Stadt aus Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit heraus. Über die Generationen –
über soziale und ethnische Grenzen hinaus.
Wichtigste Voraussetzung jedoch für all dies ist Einbindung und Auf- und Umbau kommunaler wie staatlicher Organe im Rahmen des Aufbaus föderaler institutioneller exekutiver und legislativer Gewaltenteilung.
„Lastenausgleiche“ im „öffentlichen Recht“ etc., also auch bei Verteilung, Pflege und Zugang zu Gemeingütern, „Allmende“ wie Luft, Wasser und Boden sind erforderlich. Diese zu vermitteln und mit örtlichem Stammes-, Dorf-, Gemeinderecht vereinbar zu gestalten: das ist die große Kunst. Es ist machbar und erforderlich.
Letztlich überlagern sich vielerorts ganz viele verschiedene Zeitschichten.

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5. „Lernen von und Miteinander“

Dies kann sich dabei in der Zusammenarbeit auf vielen Ebenen ausdrücken.
„Neugier“ und „Wissensdurst“, die Bereitwilligkeit, sich auf den oder die andere(n) einzulassen, ihm oder ihr unvoreingenommen gegenüberzutreten und Erfahrungen zu teilen: das ist das Wesentliche.
Einer der Träger des „Alternativen Nobelpreises 2018“, „der Mann, der die Wüste aufhielt“,  Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso dazu:
„Wenn wir etwas nicht selbst ändern können, dann kann Geld es auch nicht.”14
Der Landwirt aus dem armen ostafrikanischen Land, in dem auch die Frau des im August 2010 viel zu früh verstorbenen Christoph Schlingensief Aino Laberenz mit vielen Unterstützern und Partnern Christophs Vision des „Operndorfes“15 weiterführt, erhielt den „Right Livelihood Award“ neben mehreren anderen klugen Menschen, die ganz wesentlich ihre Arbeit in den Dienst der Gemeinschaft gestellt haben. Darunter auch  der australische Entwicklungsarbeiter Tony Rinaudo, der in ähnlicher Weise „in afrikanischen Ländern jahrzehntelang verödete Flächen regeneriert. Seine Methode: Rinaudo pflanzt keine Bäume, sondern zieht sie aus altem Wurzelwerk, das sich im Boden versteckt.“14
Altes Wissen wird dabei von klugen Beobachtern und Pragmatikern in die jetzige Zeit übertragen. Eine „nachhaltige und menschenwürdige Welt“16 ist eine Erfordernis der Zeit. Sie ist pragmatisch gelebter Realismus von durchaus auch erkämpfter Vielfalt, nicht aber der „gescheiterte Idealismus“ von Raubbau und Zerstörung und Krieg und Beherrschung der Welt durch Monokulturen.

Monsanto und Bayer und die Ernährung der Weltbevölkerung ist neben vielen hier angerissenen Beispielen noch einmal ein Kapitel für sich, das hier gesonderter Erwähnung bedarf: „Vorbildlich! Indiens Reis-Revolution – Weltrekordernte ohne Genmanipulation und ohne Pestizide“ überschreiben da die „Netzfrauen“ einen Bericht. „Die Bauern in Bihar nutzten alte Praktiken und SRI (System of Rice Intensification17). Die SRI-Anbaumethode wurde 1983 von dem jesuitischen Mönch Henri de Laulanie in Madagaskar erstmals beschrieben. Norman Uphoff, der Leiter des International Institute for Food, Agriculture and Development der Cornell Universität18 half, die Methode zu etablieren und zu verbreiten.
Bei der SRI-Methode pflanzt der Bauer weniger und in breiteren Abständen sein Getreide oder seine Reispflanzen. Er verwendet wenig Wasser, dafür reichlich organischen Dünger wie Kompost. Der Boden kann so besser atmen, die Wurzeln bekommen mehr Luft. Die Erfolge, die nun im Bihar mit dieser Methode erzielt wurden, gehen in den Schlagzeilen um die Welt.
Wir hoffen, dass dieses System Schule macht und der Welt zeigt, dass es bessere Möglichkeiten gibt, die Welt zu ernähren, anstatt sie mit Genmanipulierten Sorten und gefährlichen Pestiziden zu vergiften.“19

Es versteht sich von selbst, dass Arbeit so eine ganz andere Wertigkeit erfährt als sie es derzeit hat. Arbeit auf dem Feld und in der kleinen Manufaktur, die primär zur Ernährung der eigenen Familie oder Sippe dient und deren Überschüsse eben auch auf dem Markt verkauft werden können ist „nachhaltiger“ und wertvoller als die Menschen durch Groß- und Monokulturen bedingungslos zu Abhängigen zu machen. Erzeugnisse aus landwirtschaftlich größeren Anbauformen indes zur Ernährung in der Stadt können durch höher gewerteten Arbeitseinsatz dort auch „nachhaltiger“ und gesünder so hergestellt und vertrieben werden.
Der zusammengebrochene Turmbau zu Babel wird so zum Steinbruch, bei dem nicht mehr das Patent des Turmbaumeisters und die Vorrechte von dessen Geldgebern und Bauherrn im Vordergrund stehen, sondern kleinteilige Schutzräume für Familien und Sippen. Die Herkunft der Baumaterialien und Steine jedoch aus dem Turmbau bleibt ablesbar.
„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen“20,
wie der österreichische Komponist Anton Bruckner sagt.

 

6. „Geht nicht, gibt’s nicht!“

Sagt Claudio Sozzani zur gerade von der rot-grünen Wiener Stadt-Regierung verabschiedeten neuen Bauordnung. Die geht drastisch gegen steigende Mieten vor und macht Investoren strenge Vorgaben: Sie setzt für zwei Drittel aller neuen Wohnungen die Preise fest. „Die Miete darf hier nicht mehr als fünf Euro netto pro Quadratmeter betragen.“21
Ob damit ähnlich wie beim „Roten Wien“22 mit seinen beschleunigten Genossenschafts-Wohnungsbau-Programmen in den 1920er Jahren ein regelrechter, dem sozialen Ausgleich verpflichteter Bauboom ausgelöst wird, das wird sich zeigen. Das Thema der „Bestandssanierung“ ist mindestens genauso wichtig. Zumal im Hinblick auf Gemeinwohl, Energienetze für erneuerbare Energieformen und ihre Teilhabeformen und die „Erhöhung der Widerstandsfähigkeit“ gegen Klimaveränderungen und und und. Aber solche Gesetzesnovellen können da zumindest wichtige Anfänge markieren, endlich die lange ausgesessenen Themenkomplexe gemeinsam synergetisch anzugehen.
Auch nördlich der Alpen. Und zwischen Rhein und Oder.
Denn das sind alles europäische Themen. Die schrittweise überall hier auf dem kleinteiligen Kontinent angegangen werden müssen. Einem „Europa der Regionen“, in dem diese friedlich nebeneinander und im Dialog und Handel miteinander sich entwickeln können. Und in dem genau das durch Brüssel gefördert wird.
Das „neue Grundsteuer-Konzept“ indes, das Bundesfinanzminister Scholz fordert, zeigt schon in der Überschrift eines Welt-Artikels seine Lückenhaftigkeit. Besser: das völlige Unverständnis der Meinungsführer bei den Sozialdemokraten von dem „drastischen Reformbedarf“ der Bodenpolitik zum Erreichen sozialer Ausgleiche. Also für eine sozialdemokratische Politik, die kämpferisch das Grundbedürfnis des Wohnens und Hausens erstreiten will: „Scholz’ Pläne könnten Mieten weiter in die Höhe treiben“23  weist einmal mehr auf die völlige Stumpfheit „technokratischer Waffen“ im GroKo-Einerlei von Seiten der SPD hin. So wie bei der „Mietpreisbremse“ wird hier mit Wattebäuschen geworfen und man scheint sich gar zu wundern, dass nachher diese mit Wasser und Fett getränkt zurückgeworfen werden und „der kleine Mann und seine Frau“ einmal mehr sehen, dass die „Spezialdemokraten“ nicht bereit sind, für sie einzustehen.

Beim „Sanierungsstau“ von Schul- und Verwaltungsbauten in Deutschland ist zudem ganz deutlich, dass da gesetzliche Anreize zuletzt zu lückenhaft waren:
der Fokus bei der Vergabe von KFW-Krediten auf „energetische Sanierung“ förderte die Konzentration auf die Fassade. Da es sich auch bei Uni-Instituten u.a. überwiegend um Bauten aus den 1950er bis zu den frühen 1970er Jahren handelt, sind jedoch die Themen Schadstoffsanierung und Brandschutz primär denn auch neuen Nutzeranforderungen und Baunormen und rechtlichen Gesetzeswerken anzupassen. Auch, um der Verunsicherung von Baubeteiligten dort in Ämtern und Behörden vorzubeugen und bessere und schnellere Ausführung zu ermöglichen, sollten Schadstoffgutachten und Brandschutzkonzepte bei diesen kritischen Bau-Jahrgängen von vorneherein als planerische Erstmaßnahmen vom Gesetzgeber gefordert und von KFW und anderen zuständigen Instanzen finanziell gefördert werden.

 

7. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!“

Nationale und internationale Zusammenarbeit erfordert den Blick über den Tellerrand. Und klugen Pragmatismus. Der Vorteil der Vielfalt der „sozialen Medien“ im Internet ist: endlich kommen viele Informationen auch über Umwege bei interessierten Lesern an. Wenn Gilbert Kolonko auf Heise Telepolis den ersten Satz der Aussage eines west-bengalischen Journalisten aus Kalkutta / Kolkata als Überschrift nimmt: „In Indien ist alles vergiftet. Luft, Essen und Wasser. Doch die meisten Menschen in Kolkata haben keine Zeit, sich dagegen zu wehren, denn sie kämpfen ums tägliche Überleben”24, dann findet er eben in einer „interessierten alternativen Öffentlichkeit“ auch viele Leser. Die Ernüchterung über unvollständige und lückenhafte, oft nur noch reißerische Information in „Leitmedien“ findet so denn auch andere Kanäle. Im Untertitel zeigt sich dann auch, warum:
„Indiens Verantwortliche und die Weltwirtschaft schreien nach Wirtschaftswachstum – die Folgen für die indische Bevölkerung und die Umwelt sind katastrophal.“24
Denn: es handelt sich um „kluge Systemkritik“, die punktuell an einem fernen Ort ähnliche „globale Schieflagen“ aufzeigt wie bei uns. In anderen Ausmaßen.
Internationale Zusammenarbeit, um diese Themen anzugehen, mahne ich seit rund 10 Jahren an. Das Echo: Schulterzucken zumeist.

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Diese Bilder aus der „indischen Wirtschaftsmetropole“ Bombay / Mumbai  von 2013 verdeutlichen das. Die Übersetzung eines Artikels aus der kritischen indischen Zeitschrift „Tehelka“26 von damals zeigt da zudem, dass großflächige Umweltzerstörung vielerorts die Regel, nicht die Ausnahme ist. Die Reise, die da den Journalisten Atul Chaurasia 600 km entlang von einem der „heiligen Flüsse“ Indiens, den Yamuna geführt hat, ist ein Dokument des Grauens, wie zerstört unser Planet inzwischen ist. Das „Klagelied eines Flusses“27 bedarf auch des Gehörs.
Und der Arbeit an den Ursachen, um diesen Schaden zu beheben.
Auch gibt es manchen Asienkenner, der durchaus zu Recht betont, dass ein „Crash“ der chinesischen Ökonomie aufgrund des Pragmatismus im (Neo-) Konfuzianismus wohl eine geringere Gefahr darstelle als die gigantische Umweltzerstörung im Rahmen des gerade mal in etwas mehr als einer Generation erfolgten
Aufschwungs des „Reichs der Mitte“ zur Weltmacht.
In Indien mit seiner noch schneller wachsenden Bevölkerung stellt die Erfordernis des Umbaus zu einer „nachhaltigen ökologischen Ökonomie“ zumindest eine  gleichfalls gewaltige Herausforderung dar.
Zumal im Hinblick auf Klimawandel und Treibhausgase.

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