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„Wahrheiten“ und „das Licht der Welt“

„Wahrheiten“ und „das Licht der Welt“

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von Stefan Frischauf [1]

Erläuterung

Dieser Essay ist das Ergebnis von rund 10 Tagen gefilterter „Nachrichtenflut“. Dabei wurden von einem Menschen, der ähnlich Alan Alexander Milnes „Pu der Bär“ ein Wesen „von geringem oder mäßigem, durchschnittlichen Verstand“ ist diese Nachrichten mit anderen Vorschlägen und Themen aus der Vergangenheit abgeglichen. „Wiedergekäutes“ findet sich dabei genauso wie „Wiedergefundenes“ und „in neuem Licht Betrachtetes“.

Ob die immer wieder an der Schnittstelle zwischen „individuellem und kollektivem Gedächtnis“ aufeinander stoßenden Bilder und Gedanken, die dann mit Erfahrungswerten in grauen Zellen da abgeglichen werden Fluch oder Segen darstellen: das wird sich zeigen. Mein Vater als Teamleitender Handwerksmeister und mein härtester Lehrer hat mir immer gesagt, ich müsse „Menschenkenntnis“ und „Lebenserfahrung“ sammeln. Wahrscheinlich hat er Recht. Auch wenn mich das tatsächliche Leben bisher gelehrt hat, dass solche Regeln keinen Wert (mehr) haben. Aber auch das kann ja vielleicht doch noch (wieder) werden.

 


Inhalt

 

1. Prolog

Die Welt ist ein sehr komplexer Ort. Eigentlich ein Paradies. Bisher haben wir nur wenige Nachweise für „außerirdisches Leben“ gefunden. Hier und „da draußen“. Umso mehr: ein Paradies. Mit Himmel und Hölle gleichermaßen auf Erden.

Im „Anthropozän“ – also dem schon vom Namen her umstrittenen „geologischen Erd-Zeitalter“, in dem der Mensch als die den Planeten bewohnende Spezies diesen fragilen Wohnort in einem nie gekannten Ausmaß beherrscht, erscheinen die Dinge umso komplexer. Und fragwürdiger und verwirrender zudem.
„Allein durch den Bergbau wurden mehr Sedimente verschoben,
als alle Flüsse der Erde je geschafft haben.“1
Diesem Satz können viele noch irgendwie zustimmen. Auch wenn die wenigsten auch nur ahnen, was dies bedeutet zum Beispiel alleine für die Wasserhaltung und die Instandhaltung der geologischen Tektur unter einem ehemaligen Bergbaugebiet wie dem Ruhrgebiet als Umbaustelle der 1. Industriellen Revolution hier. Einer Landschaft, wo im späten 18. Jahrhundert das Schürfen nach „schwarzem Gold“ in den Tiefen im großen Maßstab begann. Die Landschaft darüber aber von Fördertürmen und Hochöfen in dem, was der Oberhausener Soziologe Roland Günther „Das Tal der Könige“2 der Industriekultur nennt beherrscht wurde. Einer der faszinierendsten Kulturlandschaften Europas. In jeder Beziehung.
Auch vom MSV über Schalke bis zum BVB und ihren Fans.
Den Menschen dort im Schmelztiegel Ruhrpott.

„Homo sapiens verursachte die Erderwärmung, ließ die Meeresspiegel ansteigen, zerstörte die Ozonschicht und bewirkte die Versauerung der Ozeane.“1
Da scheiden sich dann die Geister. Disput und Gezeter sind unvermeidlich.
Bald geht alles in den üblichen Beschimpfungen und „Shitstorms“
(die Übersetzung schenke ich mir jetzt hier) unter.

 

2. „Verschwiegene Wahrheiten“: auch Wissen-schafft unterliegt
evolutionären „demokratischen Meinungsbildungsprozessen“

In einer hervorragend recherchierten und aufbereiteten „Spurensuche“ im Bonner Generalanzeiger zeigt Wolfgang Wiedlich auf, was das heißt:

„Es ist Fünf vor Zwölf”: Das erzählen uns Politik und Medien seit 30 Jahren, obwohl die Treibhausgas-Weltemission von Jahr zu Jahr steigt. Die Klimaszenarien blenden extreme Gefahren aus.“3
In der Klimaforschung müssen die Akteure ja viele Daten und Forschungsergebnisse aus ganz verschiedenen Einzelwissenschaften gemeinsam abgleichen und auswerten. Ein Prozess, bei dem zwangsläufig „erhöhter Diskussionsbedarf“ entsteht. In dem entsprechend „mächtige Interessenten“ auch eine „verstärkte Notwendigkeit des Einspruchs“ sehen.
Ähnlich wie bei der Definition des Anthropozän durch die Geologen wird deutlich, wie Klimaforscher da auch als Menschen einfach entsprechend vielen Einflussgrößen (gesellschafts-) politischer Natur ausgesetzt sind. Wie sie somit auch „Irrungen und Wirrungen“ unterliegen. Wie jeder Mensch. Und erst Recht: wie jede Gruppe von Menschen.

„Seit Jahren dreht sich jedoch der Wind. Brandmarkten Klimaskeptiker die IPCC-Reports lange als panikschürend, erscheinen sie heute wie weichgespülte Konsenspapiere. Die Realität überholt ständig die Vorhersagen. Woran liegt das? Wurden extreme Szenarien aussortiert? Wie einst bei der NASA extreme Ozonwerte? Als 2007 der vierte Report des UN-Weltklimarats erscheint, fehlt ein Diagramm. Es zeigte auf einen Blick, was alles passieren kann, wenn die Durchschnittstemperatur um zwei, drei oder vier Grad steigt. Ein riskantes Diagramm, denn es enthält Wertungen, die dem IPCC nach dem Verständnis der Politik nicht zustehen.“3
Wiedlich hebt denn auch deutlich die Stimmen erfahrener unabhängiger Forscher vom  „Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)“, im Deutschen oft auch als „Weltklimarat“ bezeichnet hervor: Den NASA-Forscher James Hansen, „Warner und Erdklimaforscher der ersten Stunde“ und Kevin Anderson von der Uni Manchester. Da die Regierungen selbst die Mitglieder des IPCC vorschlagen, scheiden diese beiden von vorneherein aus: „Doc Hansen“, wie er liebevoll in den US genannt wird, ist schon mehr als zehn Mal bei Umwelt- und Klimaschutz-Demonstrationen verhaftet worden und Anderson fliegt aus CO2-Gründen nicht.

Europa-Abgeordnete der Grünen wie Ska Keller indes schreiben:
„Die Erdgaspipeline Nordstream 2 zementiert die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und schadet den Interessen Polens und der Ukraine. Diese Pipeline braucht niemand!“ Und in leider gängiger transatlantischer Kalter-Kriegs-Rhetorik im Stile vom „System Mcleyen“4 als „Vorhut der Kanzlerin im Verteidigungsministerium“ setzt die junge Frau aus Brandenburg in weißer Schrift auf grünem Grund hinzu:
„Nordstream 2: Das hilft allenfalls Putin und Gerhard Schröder.“5

Was ist jedoch als Übergangslösung die Alternative?
Wie so oft sagen die Grünen das nicht.
Doc Hansen sagt seit Beginn der Erweiterungsarbeiten der „Keystone-Pipeline“ zur Keystone-XL-Pipeline für den Transport der Athabasca-Ölsand-Vorkommen im westkanadischen Alberta zu Erdölraffinerien in Illinois, Oklahoma und Nebraska6 zu Beginn der 2010er Jahre, dass „Fracking“ nicht nur Kanada und die US „kaputt macht“, sondern auch eine Weiterführung von Klimaschädlicher Politik bedeutet, die so nicht zu verantworten ist. Er rief damals zudem offen zu zivilem Ungehorsam auf und war einer der prominenten verhafteten Demonstranten dort.
Am Ende seiner zweiten Amtszeit im November 2015 stoppte Präsident Obama den Bau von Keystone XL und Trump genehmigte im März 2017 ihren Weiterbau.6

Der „Sanktionismus“ als „Aushungern wollen“ auch ehemaliger Partner:
die Gaspipeline von Russland und die Abnahme von teuer und riskant gewonnenem, über den Atlantik geschippertem Fracking-Gas als ewige Fortführung einer längst gescheiterten „Globalisierung unter der Alleinherrschaft der Pax Americana“ ist da nur ein Aspekt. Völlige Erstarrung. “Grüne”, die das negieren, scheinen manche Schüsse nicht gehört zu haben. Oder nicht hören zu wollen.

„Die Erde ist in einer tödlichen Spirale. Radikale Maßnahmen werden erforderlich sein, um uns zu retten“7 – titelt George Monbiot im britischen Guardian.
Ein Stadtplaner aus Boston, der Berater von US-Präsident Obama damals, Anfang der 2010er Jahre war, sprach auch von „Anpassung an den Klimawandel“, der mittel- und langfristig die einzige Chance sei. Für uns? Für die Menschheit? Vielleicht.
Panik und überstürzte einseitige Maßnahmen sind immer schlecht.
Ignoranz auch.

 

3. Die zur Gewissheit werdende Ahnung von der Erfordernis
drastischer Änderungen macht das Thema der
„internationalen Zusammenarbeit“ anstelle von
„Globalisierung als Jede(r) gegen Jede(n)“
zur existentiellen Erfordernis

Ganz gleich, was transatlantische Machtverwalter mit grünem Anstrich und von Mckinsey teuer beratene „Familienverteidigungs-Ministerinnen“4 im Dunstkreis der obersten Machtverwalterin da, der Kanzlerin sagen.
„Denn sie wissen nicht, was sie tun“? Scheinbar.

„Das Problem ist politisch. Eine faszinierende Analyse des Sozialwissenschaftlers Kevin MacKay besagt, dass Oligarchien eine viel fundamentalere Ursache des Kollapses von Zivilisationen gewesen sind als soziale Komplexität oder Energiebedarf. … Ökonomische Eliten, die von sozialer Dysfunktion profitieren, blockieren die erforderlichen Lösungen. Die oligarchische Kontrolle von Macht, Politik, Medien und öffentlichen Diskursen erklärt das zu beobachtende institutionelle Versagen, das uns nun näher zur Katastrophe bewegt. … Aufgrund der Tatsache, dass wir unsere eigene Haut nicht retten können ohne den Wettstreit mit der oligarchischen Kontrolle sind der Kampf für Demokratie und Gerechtigkeit und der Kampf gegen den drohenden Kollaps unserer Umwelt ein und dasselbe. Erlaubt es nicht denen, die die Krise verursacht haben, die Grenzen politischer Tätigkeit zu setzen! Erlaubt es nicht denen, deren magisches Denken uns in dieses Chaos gebracht hat, uns zu sagen, was getan werden kann und was nicht!“7
Auch dies sagt George Monbiot.

Einigkeit und Recht und Freiheit und der Kampf gegen die Zerstörung unserer Umwelt offenbaren die größten Chancen im Kampf gegen sozialen Raubbau, Hartz IV und (Neo-) Feudalismus. Auch und gerade durch internationale Zusammenarbeit.
An den Grundbedürfnissen der Menschen orientiert. Hier wie dort.

Was heißt das konkret?

„Wie soll das gehen?“ Höre ich da schon Einige fragen.
Die von Chris Hedges nach seiner zweijährigen Reise in die Abgründe der US vorgebrachten Forderungen sind da entsprechend auf Deutschland und Europa zu übertragen. Dies wird ja bald hier oben angeführt. Die US sind schon weiter am Abgrund als wir, was die soziale Spaltung der Gesellschaft betrifft. Obdachlosigkeit und explodierte Mieten in Ballungsräumen, die kein normal arbeitender Mensch mehr zahlen kann, sind schon längst die Regel, nicht die Ausnahme. Wir sind jedoch „auf dem besten Wege“ dahin. Es gibt also erstaunliche Übereinkünfte. Die Macht von Großkonzernen verdeckt immer mehr „Globale Probleme“, die nur mit internationaler Solidarität zu lösen sind. Eine Aufgabe auch für zukünftige Generationen. Angstfrei.

4. Letztlich leben wir alle von Luft, Wasser und Liebe.
Und ein bisschen mehr.

Wasser und Luft als „Allmende“, mithin Güter des Gemeinwohls bedürfen weitaus sorgfältigeren Schutzes zum Wohle der Menschen hier wie dort als man es derzeit erlebt. Gerade diese Interessensausgleiche bei Zugang und Ge- und Verbrauch von diesen lebensnotwendigen Gütern sind an Orten mit „vulnerablen und von Krieg und Armut geplagten Bevölkerungsgruppen“ ein Kernproblem. Aber nicht nur dort.
Und Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit kann man nicht nur im globalen Süden nur mit klugen Maßnahmenpaketen und Zielsetzungen entgegentreten.
Beispiel Wasser und seine Kreisläufe: Die diesjährige, seit April anhaltende Trockenheit nicht nur bei uns, sondern auf der gesamten nördlichen Hemisphäre des Planeten hat zum Absinken der Wasserstände in Trinkwasservorratsspeichern bei uns auf derzeit 40-50 % des Normalpegels geführt. Ohne komplexe Wasserkreisläufe, die wir seit Anfang der 1970er Jahre einbauen und überwachen, hätten wir wahrscheinlich schon längst Versorgungsengpässe. Sprich:
„Stell Dir vor, Du drehst den Wasserhahn auf und außer
ein paar brauner Tropfen und röhrender Luft kommt nichts raus!“
Und das kann durchaus bald kommen.

Im „globalen Süden“ indes ist dies schon länger die Regel, nicht die Ausnahme.

  1. Es gibt kaum, oder viel zu wenig geregelte Wasserwirtschaft. Brauchwasser versickert und wird nicht wieder den Wasserkreisläufen zugeführt.
  2. Die Widerstandskräfte gegenüber den Auswirkungen von Klimaveränderungen schwinden zumal in „privatwirtschaftlichem Wildwuchs“ für große Bevölkerungsgruppen auf dem Land und in der Stadt immer mehr.
  3. Ein wesentlicher Grund auch für bewaffnete Auseinandersetzungen. Bis hin zu Kriegen. Einer von vielen Kriegsgründen auf vielen Ebenen an vielen Orten. Wie ich ja auch schon anhand meiner Arbeit 2009 / 10 in Kabul / Afghanistan exemplarisch dargestellt habe.12

Präventive, gute und solidarische Arbeit und internationale Zusammenarbeit in diesem Zusammenhang jetzt heißt, sich darum zu kümmern, dass die Kinder, die da schon in den Brunnen gefallen sind Mittel und Wege finden, da wieder heraus zu kommen. Aus eigenen Kräften und mit Hilfe von den oben Stehenden:

  1. Intensivierung des Ausbaus der geregelten Wasserwirtschaft bei uns. Und Ausbau von Wasserkreisläufen mit Schulung einheimischer Kräfte dort, wo Dürren, Raubbau und Kriege gemeinsam schon viel mehr verwüstet haben.
  2. Erhöhung der Widerstandskräfte einheimischer, höchst „vulnerabler“ Bevölkerungsgruppen. Hier wie dort. Mittels einer ausgleichenden Gesetzgebung denn auch Schaffen von dezentralen / föderalen Steuerungsmöglichkeiten. Insofern auch: Schaffen von Ausgleichmöglichkeiten zwischen Stadt und Land.
  3. Arbeit an existentiellen Kriegsgründen. Systematischer Wiederaufbau. Lernen von- und miteinander durch gute und zielorientierte Zusammenarbeit. Solidarität im Kampf gegen Klimaveränderungen und ihre Folgen. Ganz gleich, ob diese nun direkt nachweisbar von Menschen verursacht sind oder nicht. Verstärkung persönlicher (privater) und gemeinschaftlicher (öffentlicher) Sicherheit mit und für gegenwärtige und zukünftige Generationen.

Im Rahmen von Implementierung und Weiterentwicklung von Energie-autarken oder „Low-Tech-Systemen“ bewirkt  der Einsatz von Pflanzenkläranlagen zudem neben besagter Resilienzsteigerung der Bevölkerung gegen Folgen des Klimawandels auch eine besser durchgrünte (Stadt- und Regional-) Planung und damit auch eine wirksame Bekämpfung von zunehmender Feinstaubbelastung.

Die vielerorts drastisch abgesunkenen Grundwasserspiegel und diese zunehmende Luftverschmutzung durch Verkehr, Hausbrand und Industrie betreffen immer mehr Bewohner des Planeten Erde, seiner Städte und Regionen.
Der Kampf gegen die lokale Umweltzerstörung und die Zusammenarbeit bei der Verbesserung der Qualität und des Zugangs zu Luft und Wasser sind dabei ganz wesentlich. Gemeinschaft bildende Projekte helfen Menschen überall im kleinen und großen Maßstab, im Quartier und in Dorf und Stadt aus Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit heraus. Über die Generationen –
über soziale und ethnische Grenzen hinaus.
Wichtigste Voraussetzung jedoch für all dies ist Einbindung und Auf- und Umbau kommunaler wie staatlicher Organe im Rahmen des Aufbaus föderaler institutioneller exekutiver und legislativer Gewaltenteilung.
„Lastenausgleiche“ im „öffentlichen Recht“ etc., also auch bei Verteilung, Pflege und Zugang zu Gemeingütern, „Allmende“ wie Luft, Wasser und Boden sind erforderlich. Diese zu vermitteln und mit örtlichem Stammes-, Dorf-, Gemeinderecht vereinbar zu gestalten: das ist die große Kunst. Es ist machbar und erforderlich.
Letztlich überlagern sich vielerorts ganz viele verschiedene Zeitschichten.

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5. „Lernen von und Miteinander“

Dies kann sich dabei in der Zusammenarbeit auf vielen Ebenen ausdrücken.
„Neugier“ und „Wissensdurst“, die Bereitwilligkeit, sich auf den oder die andere(n) einzulassen, ihm oder ihr unvoreingenommen gegenüberzutreten und Erfahrungen zu teilen: das ist das Wesentliche.
Einer der Träger des „Alternativen Nobelpreises 2018“, „der Mann, der die Wüste aufhielt“,  Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso dazu:
„Wenn wir etwas nicht selbst ändern können, dann kann Geld es auch nicht.”14
Der Landwirt aus dem armen ostafrikanischen Land, in dem auch die Frau des im August 2010 viel zu früh verstorbenen Christoph Schlingensief Aino Laberenz mit vielen Unterstützern und Partnern Christophs Vision des „Operndorfes“15 weiterführt, erhielt den „Right Livelihood Award“ neben mehreren anderen klugen Menschen, die ganz wesentlich ihre Arbeit in den Dienst der Gemeinschaft gestellt haben. Darunter auch  der australische Entwicklungsarbeiter Tony Rinaudo, der in ähnlicher Weise „in afrikanischen Ländern jahrzehntelang verödete Flächen regeneriert. Seine Methode: Rinaudo pflanzt keine Bäume, sondern zieht sie aus altem Wurzelwerk, das sich im Boden versteckt.“14
Altes Wissen wird dabei von klugen Beobachtern und Pragmatikern in die jetzige Zeit übertragen. Eine „nachhaltige und menschenwürdige Welt“16 ist eine Erfordernis der Zeit. Sie ist pragmatisch gelebter Realismus von durchaus auch erkämpfter Vielfalt, nicht aber der „gescheiterte Idealismus“ von Raubbau und Zerstörung und Krieg und Beherrschung der Welt durch Monokulturen.

Monsanto und Bayer und die Ernährung der Weltbevölkerung ist neben vielen hier angerissenen Beispielen noch einmal ein Kapitel für sich, das hier gesonderter Erwähnung bedarf: „Vorbildlich! Indiens Reis-Revolution – Weltrekordernte ohne Genmanipulation und ohne Pestizide“ überschreiben da die „Netzfrauen“ einen Bericht. „Die Bauern in Bihar nutzten alte Praktiken und SRI (System of Rice Intensification17). Die SRI-Anbaumethode wurde 1983 von dem jesuitischen Mönch Henri de Laulanie in Madagaskar erstmals beschrieben. Norman Uphoff, der Leiter des International Institute for Food, Agriculture and Development der Cornell Universität18 half, die Methode zu etablieren und zu verbreiten.
Bei der SRI-Methode pflanzt der Bauer weniger und in breiteren Abständen sein Getreide oder seine Reispflanzen. Er verwendet wenig Wasser, dafür reichlich organischen Dünger wie Kompost. Der Boden kann so besser atmen, die Wurzeln bekommen mehr Luft. Die Erfolge, die nun im Bihar mit dieser Methode erzielt wurden, gehen in den Schlagzeilen um die Welt.
Wir hoffen, dass dieses System Schule macht und der Welt zeigt, dass es bessere Möglichkeiten gibt, die Welt zu ernähren, anstatt sie mit Genmanipulierten Sorten und gefährlichen Pestiziden zu vergiften.“19

Es versteht sich von selbst, dass Arbeit so eine ganz andere Wertigkeit erfährt als sie es derzeit hat. Arbeit auf dem Feld und in der kleinen Manufaktur, die primär zur Ernährung der eigenen Familie oder Sippe dient und deren Überschüsse eben auch auf dem Markt verkauft werden können ist „nachhaltiger“ und wertvoller als die Menschen durch Groß- und Monokulturen bedingungslos zu Abhängigen zu machen. Erzeugnisse aus landwirtschaftlich größeren Anbauformen indes zur Ernährung in der Stadt können durch höher gewerteten Arbeitseinsatz dort auch „nachhaltiger“ und gesünder so hergestellt und vertrieben werden.
Der zusammengebrochene Turmbau zu Babel wird so zum Steinbruch, bei dem nicht mehr das Patent des Turmbaumeisters und die Vorrechte von dessen Geldgebern und Bauherrn im Vordergrund stehen, sondern kleinteilige Schutzräume für Familien und Sippen. Die Herkunft der Baumaterialien und Steine jedoch aus dem Turmbau bleibt ablesbar.
„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen“20,
wie der österreichische Komponist Anton Bruckner sagt.

 

6. „Geht nicht, gibt’s nicht!“

Sagt Claudio Sozzani zur gerade von der rot-grünen Wiener Stadt-Regierung verabschiedeten neuen Bauordnung. Die geht drastisch gegen steigende Mieten vor und macht Investoren strenge Vorgaben: Sie setzt für zwei Drittel aller neuen Wohnungen die Preise fest. „Die Miete darf hier nicht mehr als fünf Euro netto pro Quadratmeter betragen.“21
Ob damit ähnlich wie beim „Roten Wien“22 mit seinen beschleunigten Genossenschafts-Wohnungsbau-Programmen in den 1920er Jahren ein regelrechter, dem sozialen Ausgleich verpflichteter Bauboom ausgelöst wird, das wird sich zeigen. Das Thema der „Bestandssanierung“ ist mindestens genauso wichtig. Zumal im Hinblick auf Gemeinwohl, Energienetze für erneuerbare Energieformen und ihre Teilhabeformen und die „Erhöhung der Widerstandsfähigkeit“ gegen Klimaveränderungen und und und. Aber solche Gesetzesnovellen können da zumindest wichtige Anfänge markieren, endlich die lange ausgesessenen Themenkomplexe gemeinsam synergetisch anzugehen.
Auch nördlich der Alpen. Und zwischen Rhein und Oder.
Denn das sind alles europäische Themen. Die schrittweise überall hier auf dem kleinteiligen Kontinent angegangen werden müssen. Einem „Europa der Regionen“, in dem diese friedlich nebeneinander und im Dialog und Handel miteinander sich entwickeln können. Und in dem genau das durch Brüssel gefördert wird.
Das „neue Grundsteuer-Konzept“ indes, das Bundesfinanzminister Scholz fordert, zeigt schon in der Überschrift eines Welt-Artikels seine Lückenhaftigkeit. Besser: das völlige Unverständnis der Meinungsführer bei den Sozialdemokraten von dem „drastischen Reformbedarf“ der Bodenpolitik zum Erreichen sozialer Ausgleiche. Also für eine sozialdemokratische Politik, die kämpferisch das Grundbedürfnis des Wohnens und Hausens erstreiten will: „Scholz’ Pläne könnten Mieten weiter in die Höhe treiben“23  weist einmal mehr auf die völlige Stumpfheit „technokratischer Waffen“ im GroKo-Einerlei von Seiten der SPD hin. So wie bei der „Mietpreisbremse“ wird hier mit Wattebäuschen geworfen und man scheint sich gar zu wundern, dass nachher diese mit Wasser und Fett getränkt zurückgeworfen werden und „der kleine Mann und seine Frau“ einmal mehr sehen, dass die „Spezialdemokraten“ nicht bereit sind, für sie einzustehen.

Beim „Sanierungsstau“ von Schul- und Verwaltungsbauten in Deutschland ist zudem ganz deutlich, dass da gesetzliche Anreize zuletzt zu lückenhaft waren:
der Fokus bei der Vergabe von KFW-Krediten auf „energetische Sanierung“ förderte die Konzentration auf die Fassade. Da es sich auch bei Uni-Instituten u.a. überwiegend um Bauten aus den 1950er bis zu den frühen 1970er Jahren handelt, sind jedoch die Themen Schadstoffsanierung und Brandschutz primär denn auch neuen Nutzeranforderungen und Baunormen und rechtlichen Gesetzeswerken anzupassen. Auch, um der Verunsicherung von Baubeteiligten dort in Ämtern und Behörden vorzubeugen und bessere und schnellere Ausführung zu ermöglichen, sollten Schadstoffgutachten und Brandschutzkonzepte bei diesen kritischen Bau-Jahrgängen von vorneherein als planerische Erstmaßnahmen vom Gesetzgeber gefordert und von KFW und anderen zuständigen Instanzen finanziell gefördert werden.

 

7. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!“

Nationale und internationale Zusammenarbeit erfordert den Blick über den Tellerrand. Und klugen Pragmatismus. Der Vorteil der Vielfalt der „sozialen Medien“ im Internet ist: endlich kommen viele Informationen auch über Umwege bei interessierten Lesern an. Wenn Gilbert Kolonko auf Heise Telepolis den ersten Satz der Aussage eines west-bengalischen Journalisten aus Kalkutta / Kolkata als Überschrift nimmt: „In Indien ist alles vergiftet. Luft, Essen und Wasser. Doch die meisten Menschen in Kolkata haben keine Zeit, sich dagegen zu wehren, denn sie kämpfen ums tägliche Überleben”24, dann findet er eben in einer „interessierten alternativen Öffentlichkeit“ auch viele Leser. Die Ernüchterung über unvollständige und lückenhafte, oft nur noch reißerische Information in „Leitmedien“ findet so denn auch andere Kanäle. Im Untertitel zeigt sich dann auch, warum:
„Indiens Verantwortliche und die Weltwirtschaft schreien nach Wirtschaftswachstum – die Folgen für die indische Bevölkerung und die Umwelt sind katastrophal.“24
Denn: es handelt sich um „kluge Systemkritik“, die punktuell an einem fernen Ort ähnliche „globale Schieflagen“ aufzeigt wie bei uns. In anderen Ausmaßen.
Internationale Zusammenarbeit, um diese Themen anzugehen, mahne ich seit rund 10 Jahren an. Das Echo: Schulterzucken zumeist.

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Diese Bilder aus der „indischen Wirtschaftsmetropole“ Bombay / Mumbai  von 2013 verdeutlichen das. Die Übersetzung eines Artikels aus der kritischen indischen Zeitschrift „Tehelka“26 von damals zeigt da zudem, dass großflächige Umweltzerstörung vielerorts die Regel, nicht die Ausnahme ist. Die Reise, die da den Journalisten Atul Chaurasia 600 km entlang von einem der „heiligen Flüsse“ Indiens, den Yamuna geführt hat, ist ein Dokument des Grauens, wie zerstört unser Planet inzwischen ist. Das „Klagelied eines Flusses“27 bedarf auch des Gehörs.
Und der Arbeit an den Ursachen, um diesen Schaden zu beheben.
Auch gibt es manchen Asienkenner, der durchaus zu Recht betont, dass ein „Crash“ der chinesischen Ökonomie aufgrund des Pragmatismus im (Neo-) Konfuzianismus wohl eine geringere Gefahr darstelle als die gigantische Umweltzerstörung im Rahmen des gerade mal in etwas mehr als einer Generation erfolgten
Aufschwungs des „Reichs der Mitte“ zur Weltmacht.
In Indien mit seiner noch schneller wachsenden Bevölkerung stellt die Erfordernis des Umbaus zu einer „nachhaltigen ökologischen Ökonomie“ zumindest eine  gleichfalls gewaltige Herausforderung dar.
Zumal im Hinblick auf Klimawandel und Treibhausgase.

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8. „Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.“

Erich Fried, Status Quo im Zeitalter atomarer Abschreckung.29
Im Zeitalter der Führbarkeit konventioneller Kriege und nun auch der Diskussionen um die Führbarkeit von “begrenzten Atomkriegen” enthält dieser Spruch umso mehr Gültigkeit. Eine noch tiefere Wahrheit mithin.
„Das US Militär ist der größte Verschmutzer der Welt – hunderte von Basen sind schwerst belastet“30 sagt Whitney Web in „Mintpress-News“.
Wie Statistiken oft auf den nationalen Kontext beschränkt bleiben indes verdeutlicht der Untertitel: „Das US Militär produziert mehr gefährlichen Giftmüll als die fünf größten chemischen Fabriken der US zusammen. Das US-Verteidigunsministerium hat seinen Giftmüll überall auf der Welt hinterlassen: abgereichertes Uran, Öl, Flugzeugtreibstoff, Pestizide, Entlaubungsmittel wie Agent Orange und Blei sind da unter vielen anderen Schadstoffen dabei.“30

 

9. „Opa, die Kriege machen die Erde kaputt!“

wie Ludger Elmer im März 2016 seinen damals 6-jährigen Enkel auf „NachDenken in München“ zitiert.31 Die kluge Beobachtung des kleinen Jungen bekommt so ihre eigene „statistische Bewandtnis“. „Verbrannte Erde“ und „Blut und Boden“, aber nicht wirklich erforderliche Auf- und Umbauprozesse fordern unserem Planeten viel ab.
Ob sie ihm alles abfordern? Schwer zu sagen.
„Der Klimawandel ist hier und passiert jetzt“32 zitiert die Tagesschau den Bericht von US-Regierungsbehörden, die „dem Präsidenten nicht gefallen dürften: Demnach sind die Folgen in den USA schon jetzt nicht mehr zu übersehen.
Die Experten fordern dringend, gegenzusteuern.“32
Wie kann aber eine solchermaßen in sich gefangene Nation wie die US im Taumel des „Trumpismus“ und der Dauerkriege weltweit solche Steuerungsfunktionen übernehmen? Oder: wie können wir da „den Amerikanern auf die Sprünge helfen“?

Dass es immer Alternativen zur Hybris des „Neokonservativismus“ der US gab und gibt, das verdeutlichen auch zwei Artikel von Justin Raimondo auf „AntiWar.com“ vom März 2001. Der zuletzt schwer an Krebs erkrankte und inzwischen genesende großartige Journalist und Analytiker gerade auch der US-Außenpolitik schreibt da „Hinter den Schlagzeilen“ noch vor dem 11. September 2001 unter der Überschrift „Amerika, komm nach Hause“33 das, was gerade viele US-Soldaten in Afghanistan nun im Jahr 17 des längsten Kriegseinsatzes von US-Truppen auf verlorenem Posten sich wahrscheinlich am sehnlichsten wünschen. Die tiefgreifende und detaillierte Analyse auch der Regionen der Welt in ihrem Verhältnis zu den US könnte gestern geschrieben worden sein und verdeutlicht die großartige Weitsicht ihres Verfassers. Der verhallte Apell wird zu Recht von der Redaktion von „AntiWar.com“ auch für diejenigen, die erst nach 911 geboren wurden in einem „furchterregenden Ritt auf der Justin Raymondo Zeitmaschine“33 nochmals als Lehrstück nach vorne gebracht.
„TINA: There is no alternative“ – „Das Credo der Alternativlosigkeit“ war immer eine Lüge der Mächtigen, die da das Rad der Zeit anhalten wollten im Moment ihrer größten Machtfülle. Und irgendwann waren sie eben dort komplett erstarrt.
Dann gilt es von anderer Stelle, das Rad wieder gängig zu machen.
„Regime-Change“, die endlosen Kriege und die völlige Erstarrung der US in diesen Kreisläufen bedürfen jedoch auch der klugen Gegenwehr von Seiten ihrer Partner. Und das sind wir. Trotz allem.

„Innerhalb nur eines Jahres wird das Militärbudget um mehr als 10 Prozent erhöht. Noch einmal 4,7 Milliarden Euro mehr für den sowieso schon immens hohen Verteidigungsetat sind für mich nicht akzeptabel. Das ist doppelt so viel wie der gesamte Haushalt des Umweltministeriums. Eine so deutliche Erhöhung des Militärhaushalts ist verantwortungslos. Wir folgen damit klar der Trump-Doktrin, das 2,0%-NATO-Ziel möglichst schnell zu erreichen.“34
So schreibt Marco Bülow, heute aus der SPD ausgetretener MdB aus Dortmund und einer der letzten Aufrechten unter der Überschrift „Haushalt 2019 setzt absolut falsche Prioritäten“34 in seinem Blog. Und: er sollte da nicht alleine gelassen werden.
Dafür bedarf es aber auch pragmatischer Gegenvorschläge.

 

10. Was können wir wie besser machen, um einen Übergang aus der
Erstarrung zu ebnen? Wir wollen uns doch nicht ewig für dumm
verkaufen lassen, oder?

Die Revolution frisst ihre Kinder: „Am Freitagmorgen wurden Raed Fares und sein Mitstreiter Hamoud al-Juneid in ihrer Heimatstadt Kafranbel von Unbekannten auf offener Straße erschossen. “Das Gewissen der Revolution” – so nennt man Kafranbel in der Provinz Idlib, und diesen Beinamen  verdankt die Kleinstadt Aktivisten wie Fares.“35
Das Schicksal des Journalisten Raed Fares, der zwischenzeitlich von den US unterstützt wurde, verdeutlicht auch den „Wankelmut der Kriegs-Unterstützer“ auf allen Seiten nicht nur in Syrien: Mal ist man nützlich, dann wird man fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. In blutig ernsten geostrategischen Machtspielen gibt es kaum eine Chance für kleine, gut verwaltete Städte und Dörfer. Wer da zwischen den Fronten steht, der wird irgendwann zermalmt. So traurig das ist.
Syrien ist inzwischen wie Afghanistan medial nur noch bei größeren Kriegsereignissen von Interesse hierzulande. Karin Leukefeld kennt Afghanistan nicht. Am Abend dieses Freitags, den 23. November 2018 traf ich die einzige in Syrien akkreditierte deutsche Journalistin in Köln, im „Allerweltshaus“ in Ehrenfeld. Nicht weit von der neuen Moschee. Der größten Moschee in Deutschland, die städtebaulich einen neuen „Quartiersankerpunkt“ an den Ringen in Ehrenfeld setzt.
Und die diese wichtige Rolle im Kölner Stadtraum nach den anfänglichen Querelen zur Eröffnung mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan auch im Laufe der Jahre einnehmen wird. Stadträumlich und sozialräumlich.

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Karin Leukefeld schien am Ende ihres Vortrages unter der Überschrift: „Rückkehr zur Normalität?“ zum Thema „Interessen und Perspektiven im heutigen Syrien“ eher ratlos. Ich persönlich bezeichne den Krieg in Syrien in der Relation zu Afghanistan, wo das Trauerspiel schon fast 40 Jahre andauert als “Blitzkrieg”. Ein solcher, der in 7 Jahren ein Zerstörungswerk hingelegt hat, das zu Recht viele Menschen hierzulande mehr an den 2. Weltkrieg erinnert hat.
Ein Zerstörungswerk, an dem zweifelsohne alle Interessensgruppen beteiligt waren. Mit der Zivilbevölkerung einmal mehr als Haupt-Leidtragende.

„Assad ist ein Schwein, aber…“36 zitiert wieder Gilbert Kolonko auf Heise Telepolis viele syrische Freunde und kurze und lange Gesprächspartner. „Selbst Syrer, die keine Assad-Freunde sind, sehen die vom Westen unterstützten Rebellen nicht als Lösung. Was soll ich also vom Gut-und-Böse-Schema halten, das mir unsere Leitmedien vermitteln?“ fragt er weiter zu Recht und kommt über kluge Beobachtungen zu noch klügeren Schlussfolgerungen.
Das letzte Unter-Kapitel trägt denn auch die Überschrift:
„Es braucht Veränderungen, nicht nur in Syrien.“36

Weitere 32 Jahre (39 Jahre Krieg in Afghanistan minus 7 Jahre „Blitzkrieg“ in Syrien) werden wir auch hier in Europa einen weiter ausgreifenden Flächenbrand nicht durchhalten. Insofern bedarf es der wirklichen ernsthaften Bemühungen für Frieden und Wiederaufbau auf allen Ebenen, für alle Völker und Stämme Syriens und im Nahen und Mittleren Osten, wie auch Jürgen Todenhöfer einmal mehr betont.37

 

11. Vom „Erstaunen der Welt“ zum „Licht der Welt“

Die anfänglich hier aufskizzierte junge Klimaforschung sollte ja im Zuge ihrer Zusammenfügung von Daten und Forschungsergebnissen aus vielen Einzelwissenschaften schon fast so etwas wie ein „Gesamtkunstwerk“ darstellen. Und jeder Künstler, dessen Sehnsucht sich ja nicht zuletzt maßgeblich in solchen ambitionierten Werkzielen verwirklicht, weiß auch irgendwann, dass auch solch ein Kunstwerk nie „fertig“ ist. Dass es immer nur „Momentaufnahme“ sein kann. Ein niemals endender Prozess menschlicher Kreativität. Vielleicht auch im Dialog mit Gott als demjenigen, der den Menschen die Materialien für ihre Kreativität gibt, wie Shireen Pasha in dem spannenden Dokumentarfilm „Slowly slowly Mud and Lotus – Langsam langsam Erde und Lotusblumen“ drei afghanische (Kunst-) Handwerker bei ihrer Arbeit sinnieren lässt.38

„Ich suche nicht – ich finde,“39 sagt insofern denn auch Pablo Picasso.
Der „Vorstoß ins Ungewisse“ jedoch ist nicht unbedingt ein wesentliches Charakteristikum der „Moderne“. Auch wenn der Basler Historiker Jakob Burckhardt den Stauferkaiser Friedrich II. als „ersten modernen Menschen auf dem Throne“40 bezeichnete ist dieser „Forschungstrieb“ vielleicht viel älter im Menschsein an sich angelegt als mancher das wahrhaben will.
„Staune und herrsche. Kaiser Friedrich II., der auch König von Sizilien war, gilt als mittelalterlicher Vordenker von Aufklärung und Toleranz. Aber war er wirklich ein Freund der Muslime, wie so oft behauptet wird?“40 fragt da in der Zeit der Berliner Historiker Olaf Bruno Rader41.
Das letzte Unterkapitel „Der Pragmatismus des Augenblicks“ beantwortet eigentlich die Frage, ob Friedrich II. da in diesem Sinne als „Gutmensch oder als skrupelloser Machtmensch“ zu bezeichnen sei. Der wache, staunende Beobachter hatte seine (Verhandlungs-) Gegner und ihre Bräuche erforscht und vermochte sie so als Gegenüber und als Partner zu betrachten. Und das nötige Vertrauen ihrerseits eben auch zu genießen, sodass Sultan Al-Kamil ihm im Vertrag von Jaffa 1229 Jerusalem kampflos überließ. Ein „Machtmensch“ war er also schon. Aber ein überaus kluger.42

Der „Pragmatismus des Augenblicks“ ist auch in der jetzigen Überlagerung vieler verschiedener Zeitebenen maßgeblich. Erstaunlich ist dabei, wie groß überall die Angst vor Veränderung ist. Und wie viele da scheinbar auf dem Schoß von Friedrich Barbarossa, dem Großvater Friedrich II. sitzen und ganz genau über Vorgänge und Motive von Akteuren vor fast 800 Jahren Bescheid zu wissen meinen. Wie sehr aber jüngere Errungenschaften und Kenntnisse scheinbar ruinösem Vergessen anheim gefallen sind. Wasser und die Steuerung von Wasserkreisläufen gehört unbedingt dazu. Unser „Lebenselixier“ Wasser.
Ein neu entdeckter „WASSERKREISLAUF: Eine gigantische Wasserbahn ins Erdinnere – An den Subduktionszonen der Erde verschwinden nicht nur Erdplatten, auch Wasser macht sich auf den Weg in den Mantel – in unerwartet großen Mengen.“43 sollte eigentlich bei jedem „Klimaforscher“ und erst recht bei jedem „Klimaskeptiker“ jenen „Stupor Mundi“ – jenes „Staunen der Welt“ hervorrufen.
Und eine Demut, die Prognosen und ihre Wahrscheinlichkeit schrumpfen, aber die Notwendigkeit des Handelns ob der nun wahrnehmbaren Ereignisse immens wachsen lässt.

„Warum noch SPD?“ fragt Ludger Elmer nach der Bayern-Wahl mit einem einstelligen Ergebnis für die Sozialdemokraten im Freistaat. Er endet mit dem Satz:
„Dass es ein „Weiter-so“ nicht geben kann, das hab‘ ich allerdings schon so oft gehört.“44

Nur mittels der klugen Vereinigung der Themen Umwelt-/ Klimapolitik und Sozialpolitik, die einhergeht mit einer Neubewertung von Arbeit und diese entsprechend auch im Zuge der „Industrie 4.0“ als Wissens- und Technologieaustausch im Sinne des Lernens voneinander programmatisch vorantreibt, können wir das seit Langem gewaltsam angehaltene „Rad der Geschichte“ wieder mit einer „Bewegung links von der Mitte“ zum Rollen bringen.
Die SPD ist dabei ähnlich wie in der Kanzlerschaft Willy Brandts nach den Brüchen der 1968er Spiel entscheidend. Wenn sie diesen „Pragmatismus des Augenblicks“ verschläft, wird sie zu Recht vom Rad der Geschichte überrollt. Den Akteuren, die da von Seiten der Sozialdemokraten in der GroKo das Rad weiter anhalten, wird es dabei buchstäblich die Hand abreißen.

„Das Licht der Welt“ und was da davor und danach kommt: das vermag wohl Harald Lesch am besten zu erläutern. Zumal in seiner Bedeutung für uns.45
Die schweigende Mehrheit, deren Worte ohnehin verhallen.
Auf einer anderen „Meta-Ebene“ zeigt sich aber durchaus auch im Sinne des Lehrers für Theoretische Astrophysik der Ludwig-Maximilian-Universität München, dass das „Licht der Welt“ vielerorts ganz eigene Wege geht und uns in seinen Bann zieht. Etwa am  so genannten „Richterfenster“ im Südquerhaus des Doms zu Köln. Das vom weltweit renommierten Künstler Gerhard Richter entworfene Fenster bietet mit den pixelartig zusammengesetzten farbigen Glasquadraten vielfältige Deutungsmöglichkeiten. Aufgrund methodologisch hochwertiger Glasfügetechniken kann auf Bleiprofile oder ähnliches verzichtet werden. Die Lichtausbeute, der Transmissionsgrad des Glases ist insofern weitaus höher als bei den nach herkömmlichen Verfahrensweisen gefertigten Fenstern im Dom.
Das tausend-und-mehrjährige Bauwerk – man könnte auch sagen – die tausend- und mehrjährige Baustelle erhält insofern einmal mehr ein wegweisendes Element. So wie seinerzeit die filigrane Stahlkonstruktion des Daches, als die Dombauhütte mit Gustave Eiffels Turm in Paris damals um den Ruhm als „größte Stahlkonstruktion der Welt“ in Wettstreit trat. Ein Haus, das Licht und Hoffnung geben soll für Menschen jeder sozialen und ethnischen Herkunft – allen Glaubens – für Christen, Juden, Moslems – für uns alle.46

[7]
Anmerkungen:

  1. https://www.spektrum.de/news/zeitalter-des-menschen/1341897 [9]
  2. https://www.raumnachrichten.de/rezensionen/306-handbuch [10]
  3. http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/wissen-und-bildung/wissenschaft/Verschwiegene-Wahrheiten-article3979505.html [11]
  4. https://www.nachdenkseiten.de/?p=46734[8]
  5. https://www.facebook.com/doerte.christ/posts/10205782193671942?comment_id=10205789775461482 [12] Danke, Doerte Christ.
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Keystone-Pipeline [13]
  7. https://www.theguardian.com/commentisfree/2018/nov/14/earth-death-spiral-radical-action-climate-breakdown [14]
  8. https://www.facebook.com/stefan.frischauf.14/posts/2338456442835668 [15]
  9. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuerdiebstahl-cum-ex-adr-1.4220788 [16]
  10. https://www.facebook.com/andreas.heil.50/posts/10156775226734800 [17]
  11. https://www.tagesschau.de/inland/bnd-pakistanischer-geheimdienst-101.html [18], https://www.tagesschau.de/inland/headley-usagent-terror-europa-101.html [19] und der Film in der ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Spur-des-Terrors-Die-Dokumentation/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=57932342 [20]
  12. https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4490[9]
  13. http://anyarchitectsandengineers-b-blog.tumblr.com/post/76145463451/die-unsichtbaren-st%C3%A4dte-201-die-b-seiten-the [21]
  14. https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-09/yacouba-sawadogo-alternativer-nobelpreis-landwirtschaft-trockenheit-boeden [22]
  15. http://www.operndorf-afrika.com/vision/#unterstuetzer [23]
  16. https://www.br.de/themen/wissen/alternativer-nobelpreis-2018-102.html [24] und https://www.welt.de/vermischtes/article181640558/Alternativer-Nobelpreis-fuer-den-Mann-der-die-Wueste-aufhielt.html [25]
  17. https://de.wikipedia.org/wiki/System_of_Rice_Intensification [26]
  18. http://sri.ciifad.cornell.edu/ [27]
  19. https://netzfrauen.org/2016/01/05/35997/ [28]
  20. https://www.gutzitiert.de/zitat_autor_anton_bruckner_thema_aufmerksamkeit_zitat_4523.html [29]
  21. http://www.spiegel.de/wirtschaft/wien-fuenf-euro-pro-quadratmeter-wohnung-so-geht-s-a-1239764.html [30]
  22. http://dasrotewien-waschsalon.at/startseite/ [31]
  23. https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article184467568/Scholz-Grundsteuer-Plaene-koennten-Mieten-in-die-Hoehe-treiben.html [32]
  24. https://www.heise.de/tp/features/In-Indien-ist-alles-vergiftet-4231989.html [33]
  25. http://anyarchitectsandengineers-b-blog.tumblr.com/post/72353651109/die-unsichtbaren- st%C3%A4dte-201-die-b-seiten-the [34]
  26. http://tehelka.com/ [35]
  27. http://www.ngo-online.de/2013/05/6/klagelied-auf-einen-fluss/ [36]
  28. http://anyarchitectsandengineers-b-blog.tumblr.com/post/76738947163/die-unsichtbaren-st%C3%A4dte-201-die-b-seiten-the [37]
  29. https://philosophieren14.wordpress.com/2014/10/13/wer-will-dass-die-welt-so-bleibt-wie-sie-ist-der-will-nicht-das-sie-bleibt-erich-fried/ [38]
  30. https://www.mintpressnews.com/u-s-military-is-worlds-largest-polluter-hundreds-of-bases-gravely-contaminated/227776/ [39]
  31. https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=3669[10]
  32. https://www.tagesschau.de/ausland/klimwandel-trump-101.html [40]
  33. https://original.antiwar.com/justin/2018/11/21/america-come-home-2/ [41]; Danke einmal mehr an Manfred Hulverscheidt
  34. https://www.marco-buelow.de/haushalt-2019-setzt-absolut-falsche-prioritaeten/ [42]; Danke einmal mehr an Andreas Schlutter
  35. https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-11/syrien-idlib-read-fares-aktivist-erschossen/komplettansicht [43]
  36. https://www.heise.de/tp/features/Assad-ist-ein-Schwein-aber-4170828.html?seite=all [44]
  37. https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer/photos/a.10152271626075838/10155990641105838/?type=3&theater [45]
  38. https://vimeo.com/14905834 [46]
  39. https://mymonk.de/ich-suche-nicht-ich-finde-v-pablo-picasso/ [47]
  40. https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2012/02/Friedrich-der-Staufer/komplettansicht [48]
  41. https://de.wikipedia.org/wiki/Olaf_B._Rader [49]
  42. https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_II._(HRR [50])
  43. https://www.spektrum.de/news/eine-gigantische-wasserbahn-ins-erdinnere/1608912 [51]
  44. https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4685[11]
  45. https://www.youtube.com/watch?v=-OQBJYE2Wrw [52]
  46. http://anyarchitectsandengineers-b-blog.tumblr.com/post/63180072710/b-24-here-b-25-das-so-genannte [53]
  47. http://anyarchitectsandengineers-b-blog.tumblr.com/post/75380271918/die-unsichtbaren-st%C3%A4dte-201-die-b-seiten-the [54]

Alle Fotos © Stefan Frischauf


Dieser Beitrag ist zuerst am 27.11.2018 auf der Seite von Stefan Frischauf [1] erschienen.

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Endnotes:
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  9. https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4490: https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4490
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  13. „Wahrheiten“ und „das Licht der Welt“: https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4740
  14. Letztlich leben wir alle von Luft, Wasser und Liebe. Und ein bisschen mehr.: /?p=4740&print=0&page=2
  15. „Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.“: /?p=4740&print=0&page=3