„Glückliche Gegenwarten!“

Hoffnung auf eine glückliche und friedvolle Zukunft

6. Hoffnung auf eine glückliche und friedvolle Zukunft

kann insofern nur durch kluge Einsicht erwachsen. Und harte Arbeit, um viele Ungerechtigkeiten der Vergangenheit aufzudecken. Und somit die Verpflichtung zu Verbesserungen in der Gegenwart zu erreichen. Aufmerksamkeit für eine mögliche  Zukunft alle Male. Wachsamkeit ist da geboten. In einem Kampf, der nicht zu zerreden und in Mutlosigkeit zu ersticken ist. Einem Kampf, der klug und besonnen geführt werden will.

Die 120 Jahre unter Verschluss gehaltenen NSU-Prozessakten: sollen das „Einzeltätermotiv“ und die Zuordnung zu „organisierter Kriminalität“ bewusst „politische Hintergründe“ und „staatliche Verstrickungen“ verschleiern?

Was geschieht mit den Opfern solcher Verbrechen, was mit den Tätern?

Noam Chomsky spricht von der Sabotage der Arbeit zur Reduzierung der Folgen des  Klimawandels gerade von rund 40 % der Wähler in den US, die noch auf das Erscheinen Christis zu ihren Lebzeiten hoffen als schlimmste Folge der Trump-Ära.

Er spricht aber entgegen vieler anderslautender Aussagen immer noch zu Recht von einem tiefen Klassenbewusstsein von Arbeitern und Handwerkern. Und das besteht nicht nur in den US. Auch bei uns hier.17

Größere Solidarität prekarisierter Arbeitskräfte aus allen Sparten und auf allen Ebenen ist sicher nur über andere Identifikationsmuster zu erreichen. Nicht „Teile und Herrsche“, sondern „Arbeite an gemeinsamen Zielen“ ist da eher als Stichwort auch einer „Gemeinwohl-basierten Ökonomie“ umzusetzen. Zu tun gibt’s reichlich.

Gleichwohl führt Vieles, was da Anreize und Motivationen betrifft uns auch zurück auf die Keimzelle von Gesellschaft: die Familie. Blut ist eben dicker als Wasser.

Die nordirische Autorin Julieanne Campbell schildert bewegend den langen Marsch und die vielen Demütigungen, die die Angehörigen der Opfer der „Bloody Sunday Events“ 1972 durchmachen mussten. Auch ihr damals 17 Jahre alter Onkel, der als „Terrorist“ denunziert wurde. Ein Schatten, der Jahrzehnte über ihrer Familie lag. Letztlich waren es viele Familien gemeinsam, die Gerechtigkeit einforderten für ihre damals umgekommenen Angehörigen. Und diese 2010 auch erhielten.

In Julieannes Falle wurde bestätigt, dass ihr Onkel Jackie Duddy kein „Nagelbomber“ war, wie lange behauptet. Er war unbewaffnet und einer der vielen friedlichen Demonstranten für Bürgerrechte in Nordirland, die von britischen Paramilitärs dort an jenem blutigen Sonntag ermordet wurden. Gerechtigkeit widerfuhr hier den

Opfern und ihren Angehörigen nach 38 Jahren.

Die Linie zu Bob McIlvaine Sr., dessen Sohn am 11. September 2001 in der Lobby des Nordturms des World Trade Centers in New York offenkundig Opfer eines Sprengstoffanschlags wurde und zu Matt Campbell aus dem UK, dessen Bruder Geoff bei 911 umkam: es ist immer die Kraft der Liebe zu ihren Familienangehörigen, die die Menschen diesen langjährigen Kampf für Gerechtigkeit besonders aushalten und durchhalten lässt.

In diesem Fall den Kampf um eine Neu-Untersuchung der Anschläge vom 11. September 2001. Eine Untersuchung vor dem US-Supreme Court, bei der eben auch Geoff Campbell und Bobby McIlvaine und vielen anderen Menschen auf der ganzen Welt – insbesondere im Irak und Afghanistan, die indirekt von den Folgen betroffen wurden Gerechtigkeit widerfahren wird. Eine Untersuchung, die in Anbetracht der vielen grausamen Folgen dieser Ereignisse und ihrer völlig lückenhaften juristischen Aufarbeitung zwingend erforderlich erscheint.

Eine Neu-Untersuchung dieses Kapitalverbrechens, die alleine 3001 in den US registrierte Architekten und Ingenieure und 22.139 Unterstützer aus aller Welt  aus diesen Berufsgruppen (Stand 16.09.2018) und viele Feuerwehrmänner und andere involvierte Berufsgruppen und Angehörige der Opfer stetig einfordern.18

Egon Bahr erzählte 2009 von Willy Brandts erster Reaktion auf den „Unterwerfungsbrief“, den die Botschafter der drei West-Alliierten auch vom vierten Bundeskanzler nach 1945 und 49 erhalten sollten. Brandt weigerte sich zunächst, diesen Brief, der Teilung und Besatzungsstatute fortschrieb, zu unterschreiben.19

Die Souveränität der Bundesrepublik erscheint in diesem Licht betrachtet auch heute, nach „Vier plus zwei“ und „Zwei plus vier“-Abkommen allzu häufig in einem seltsamen Zwielicht. Was da auch medial wie kolportiert wird, zumal nach Verhängung des NATO-Alarms am 12. September 2001 trägt viel zu Verunsicherung und Verdruss vieler Menschen bei.

Wolf Reiser stellt denn auch unter dem bezeichnenden Titel „Two Riders were approaching: Der Anfang vom Ende der deutschen Medien“20 einen spannenden Insiderbericht gerade auch um die Ereignisse des 11. September 2001 herum zusammen. Was so in den Amtsstuben des Journalismus geschieht.  Wie in anderen Amtsstuben auch. Aber die Medien sollen ja auch „vermitteln“.
Irgendwie so im Rauschen zwischen “Öffentlichem” und „Privatem“.
Anspruch und Wirklichkeit eben.

Vieles von dieser tiefen Verunsicherung, die dann zu mehr und mehr Verdruss führt, ist auch als „Vertrauenskrise“ zu bezeichnen.

Wem soll und kann man noch was glauben?

Michael Thumann endet am 7. September 2018 eine Zeit-Kolumne mit dem Absatz:

„Die Konferenz von Teheran steht für die gewaltige Mächteverschiebung in der Region. Das Sagen haben Russland und Iran. Die Türkei kann mitreden. Die Europäer dürfen appellieren und am Ende Euro gegen Einfluss tauschen. Und die USA? Es gab mal eine Teheraner Konferenz, da wurde die Welt neu aufgeteilt. Damals, 1943, waren die Amerikaner die entscheidende Macht. Heute werden sie noch nicht mal gefragt.“ 21

Warum verschweigt der Kolumnist den durch britische und US-Kräfte gesteuerten Putsch gegen die erste frei und demokratisch gewählte Regierung des Iran 10 Jahre später, die Regierung Mossadegh 1953? Mossadegh, der damals die Ölindustrie des Iran verstaatlichen wollte.

Der Putsch und seine Folgen wirken im kollektiven Gedächtnis der Iraner fort. Der Schah und seine pro-westliche Herrschaftsform. Die Entfremdung vieler Menschen von diesem Herrscher. Die iranische Revolution dann im Jahre 1979, eine Generation später. Der Hass auf die US auch im Zuge der religiös motivierten Revolution und der Errichtung des grausamen Mullahregimes danach.

Der historisch bewanderte Autor sollte auch wissen, dass durch alle Reihen der persischen Gesellschaft die Ereignisse nach 1953 tiefe Wunden hinterlassen haben.

Wunden, deren Verschweigen in solchen Momenten zu Mittäterschaft führt.
Wunden, die so ignoriert werden und weiter schwelen.
Steht Ignoranz im Erbe der Aufklärung?

Auch der 17. Jahrestag der Ereignisse vom 11. September 2001 läuft relativ ereignislos in Deutschland und anderswo ab.

Es ist ja alles gesagt worden. Alles ist „aufgeklärt“.

Der NIST-Report 2008 „klärte“ ja auch den Einsturz von Gebäude 7 des World Trade Centers an jenem denkwürdigen Tage. Des dritten Hochhauses, das da am Big Apple in sich zusammenfiel. NIST ist das US-amerikanische Nationale Institut für Sicherheits-Standards. Gebäude 7 fiel „aufgrund der Folgen von Bürobränden“. Ohne jemals von einem vergleichsweise kleinen Flugzeug getroffen worden zu sein.

Zwei Flugzeuge. Drei eingestürzte Hochhäuser. Alles an einem Tag.
Ein Tag, der weiterhin die Sicht auf viele Dinge in der Welt verdunkelt.
Verdunkeln und verschleiern soll?18

Für Deutschland und Europa wird es überlebenswichtig werden, die Zweifel Willy Brandts bei Unterzeichnung der „Unterwerfungsbriefe“ weiter zu vertiefen.

Einem unberechenbaren Partner erhobenen Hauptes gegenüberzutreten.

Mit Entschlossenheit. Herz und Verstand. Mit dem Blick des Adlers und der Eleganz des Igels. Und der Fürsorge des Delfins. Und der Weisheit der Alten.

Es geht ums nackte Überleben in „asymmetrischen Kriegen“.

Letztlich ist da alles Geschehen auf den Krieg „Reich gegen Arm“ zurückzuführen. Und da ist die Familie immer das Nächste, was Du verteidigst.

Schwarz-weiß denkt sich das Ganze aber leichter. Man glaubt, so die verworrene Lage besser erfassen zu können. In einem asymmetrischen Krieg jedoch gibt es keinen wirklichen Schutz. Zumal für Zivilisten. Einfache Bürger.

Nur mit zähen Verhandlungen und gegenseitigen Interessensausgleichen, die zu gemeinsamen Bemühungen für Versöhnung und Wiederaufbau geführt werden, kann so ein Konflikt in einen zunächst sehr engmaschig gesicherten „Friedenszustand“ überführt werden.

Wer diesen Krieg ewig weiterführen will, der verliert jedoch alle Glaub- und Vertrauenswürdigkeit.

Soweit sollte es aber nicht kommen.
Unter im Erbe der Aufklärung agierenden Partnern.
Unter an dieses Erbe anknüpfen wollenden Partnern.
Auch zu Beginn des 18. Jahres nach dem 11. September 2001.
Des 17. + 28. Jahrestages des CIA-gesteuerten Putsches in Chile 1973.
Und der vielen verheerenden Folgen dieser Ereignisse. Überall.

Es ist an der Zeit, Verantwortung und Aufklärung wieder zusammenzuführen.

„Nicht wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils,
sondern wer dazu nötigt.“                                         Niccolo Machiavelli 22

Auch wenn das stetige Drohen und Schüren von Angst und Unsicherheit weitergehen soll: bald schon sollte sich zeigen, dass man Geld nicht essen kann. So wie es Stammesälteste einer hohen Kultur mit klugem Instinkt schon einmal weis gesagt haben. Die Einsicht sollte vor Vertrocknen und Rodung des letzten Apfelbaumes kommen. Und sie wird kommen und sich verbreiten.

 

7. Bildung und (politische) Willensbildung: Sein und Werden

Hans-Peter Dürr25

Ein anderer Friedensnobelpreisträger, der hier noch genannt werden soll,  erhielt diesen in einer Gruppe. Im Jahr nach der Verleihung dieses Preises an Jassir Arafat, Schimon Peres und Jitzchak Rabin „für ihre Anstrengungen zur Lösung des Nahostkonfliktes“6 erhielt Józef Rotblat 1995 stellvertretend für die „Pugwash Conferences on Science and World Affairs“22 „für ihre Anstrengungen, die Rolle von Atomwaffen in der internationalen Politik zu verringern“6 diese „Auszeichnung für besondere Verdienste in der Friedensarbeit“6.

Wie der „polnische Physiker mit britischem Pass“ Józef Rotblat war Hans-Peter Dürr als Mit-Initiator der Pugwash-Konferenzen zunächst Kernphysiker. Als solcher war er in Berkeley Mitarbeiter von Edward Teller24 und später Nachfolger von Werner Heisenberg als geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik in München. In den 1990er Jahren „wandte er sich zunehmend von der theoretischen Physik ab und befasste sich mit erkenntnistheoretischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen“.25

Daneben erhielt Hans-Peter Dürr, der auch Mitglied des „Club of Rome“ war und auch das „Global Challenges Network“ – „Netzwerk für weltweite Herausforderungen“ gründete 1987 den „alternativen Nobelpreis“.

Bildung besteht im Wesentlichen aus Wissen und Erfahrung. Beide wachsen mit der Zeit. Und sie erfordern Foren zum Austausch. In allen Gebieten und auf allen Ebenen. Mit dem entsprechenden Forschungs- und Studienschwerpunkt im Zentrum als aus einem soliden Fundament herauswachsender Spitze. Einer Vertikale, eines Turmes, wie Hans-Peter Dürr sie als „T-Intelligenz“ bezeichnet. Das umgekehrte T symbolisiert dabei nichts anderes als die „breite Basis von Allgemeinbildung“ und die darin verwurzelte „Spitze von Spezialbildung“.

Dürr zeichnet damit ein Systemmodell „klassischer Bildung“ auf und entwickelt die Begrifflichkeit der Gebrüder Alexander und Wilhelm Humboldt so weiter.

Insofern sollte die Universitätsbildung allen Bürgern aller Alterssparten offen stehen.
Für viele ältere Menschen könnte zudem die Möglichkeit zur Promotion als Auswertung manchen Scheiterns am Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit in ihrem vorherigen Berufsleben sehr dienlich sein.

Gerade auch, um so den Diskurs zwischen den Generationen im Sinne eines „Studium generalis“ wie eines ebensolchen specialis wieder zu beleben. Und kommenden Generationen manches Rüstzeug auf den Weg zu geben.
Somit die Universität (wieder) zu einem Ort von Bildung im Sinne von Austausch von
Wissen und Erfahrung weiter zu entwickeln.

Wladimir Putin hat als einziger Politiker in diesem finsteren „Spiel 3.Weltkrieg“ vor kurzem, im Juni 2018 die allgemein Albert Einstein zugeschriebene berühmte Warnung zitiert:

„Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“ 26

Dass Putin da genauso „Machtpoker“ betreibt wie alle anderen in diesem schmutzigen Geschäft, das da „Politik“, besonders in Kriegszeiten ist – das sollte jedem klar sein. Darum soll es hier auch gar nicht gehen.

Einsteins Relativitätstheorie betrachtet primär „das ganz Große“. In diesem Zusammenhang: den Atomkrieg als „totalen und finalen Krieg“. Der dritte Weltkrieg jedoch ist ein Krieg, der da eher Heisenbergs Annäherung an „das  ganz Kleine“ im Rahmen seiner Quantenmechanik entspricht: ein stetiges Zündeln, das zudem der „Unschärferelation“ folgend nur vage darstellbar ist. Ein Ereignis, besser eine Folge von vielen Ereignissen, die durch ihre digitale und informelle Distanzüberbrückung als begrenzte Stellvertreterkriege auf Dauer angelegt aber ähnliche Zerstörungskräfte wie das finale große Ereignis entwickeln.

Unschärfe und Vielfalt der Überlagerungen von allen möglichen Interessenskonflikten zeigen sich da in reißerischen, aber durchaus berechtigten Überschriften wie „Das Gesetz des Stärkeren – Die Renaissance der Antike, verkündet durch John Bolton gegen den Internationalen Strafgerichtshof“ – einem Kommentar von Jochen Mitschka: „Aber mit der neuesten Äußerung von Sicherheitsberater Bolton, zerfällt der letzte Schein von Rechtsstaatlichkeit auf internationaler Ebene. Es gilt wieder das „Naturrecht“, also das Recht des Stärkeren, das die Welt seit Urzeiten bestimmt. Aufklärung, Humanismus, UNO und Völkerrecht werden entlarvt als Potemkinsche Dörfer.“27

Die Berichte von 2013 über Israels Vertragsabschluss mit einer im Eigentum von Robert Murdoch und Dick Cheney befindlichen Firma zur Erschließung von Ölfeldern auf den Golanhöhen, also im mehr oder weniger „annektierten Grenzgebiet“ zu Syrien28 und noch mehr ein Bericht von Ende 2015, in dem Nafeez Ahmed in die Tiefe der Interessen westlicher Firmen aus der Ölbranche zwischen 2010 und 2015 an syrischen Öl- und Gasfeldern geht29 weisen auf die vielen Interessenskonflikte dort im Schatten des Krieges hin. Nafeez Ahmed entlarvt aber auch den Druck westlicher Öl-Magnaten, die in nicht öffentlichen Dossiers eben auch sonst eher tabuisierte Peak-Oil-Szenarios offenlegen: Öl wird kostbarer und teurer, weil die Erschließung neuer Ölfelder entsprechend aufwändiger und kostspieliger wird. Militärische Mittel zur Eroberung eingeschlossen.

Eine Rechnung, die Ahmed schon 2015 zum Scheitern verurteilt sieht.30

Die Debatte um einen möglichen deutschen Kriegseintritt in Syrien entlarvt dann einmal mehr Ausweglosigkeit und Verlogenheit der Kriege im Nahen und Mittleren Osten: der westliche Betrachter, der schon im ersten Golfkrieg 1991 medial auf „gezielte Präzisionsschläge“ eingeschworen wurde, verzweifelt mehr und mehr an den Dingen. Auch Jörg Laus „Kriegsverweigerung“ kann da mit solchen Sätzen wie: „Und wie glaubwürdig ist denn eigentlich eine Politik, die den Gebrauch einer besonders perfiden Terrorwaffe – Giftgas – ahndet, während viel mehr Menschen durch die Angriffe des syrischen Regimes mit primitiven Fassbomben umkommen?“31 nicht wirklich überzeugende Korrekturen an der Glaubwürdigkeit von erster bis „vierter Macht“32 in Deutschland leisten.

Was also tun?

33

Ein kurzes Porträt der 69 an Horst S. 69. Geburtstag abgeschobenen Afghanen zeigt einmal mehr das Dilemma des verdrängten Krieges „Arm gegen Reich“ / „Kampf der Kulturen“ etc. unter einer Vielzahl falscher Flaggen.

Insbesondere „an der Heimatfront“ verwaltet von „Gefechtsfeldtouristen“.

Manche Stimmen sagen, dass der Afghanistan-Krieg Deutschland verändert habe. Ein serbischer Freund von mir, den ich 2011, kurz nach meiner Rückkehr vom Hindukusch nach vielen Jahren wiedertraf, schilderte mir eine ähnliche Ohnmacht und Verzweiflung, die er verspürt hatte seinerzeit im Jugoslawienkrieg. Die Ohnmacht angesichts der Verdrängung der Zerstörung seiner Heimat hierzulande. Und mehr: der stetigen Klärung der Schuldfrage.

Medial und bald auch beim „Fußvolk“.
„Selber schuld“. Die Serben, Ex-Jugoslawen, die Afghanen.
So wie Hartz IV ler ja selber Schuld sind. Ein ewiger Stellvertreterkrieg.
Oben gegen unten. Arm gegen Reich.
Hauptsache, man selbst kann sich oben wähnen.

Ich glaube, es war 2013, als ein Freund hier mir die Nachricht eines Afghanen zutrug, der für deutsche Truppen als Übersetzer gearbeitet hatte. Sein Vater war von Taliban ermordet worden. Der junge Mann, gerade Vater geworden, hatte sich von seiner Familie abgesetzt, um sie zu schützen und war in Afghanistan unterwegs. Er bat um Unterstützung für Asylantrag etc. Also versuchte ich, über meine Kontakte in Kabul dies zu erreichen. Ein Deutscher, der nicht nur in der „deutschen Community“ dort hoch geachtet ist und schon über 40 Jahre im Land lebt und arbeitet antwortete mir, dass er keinen Zugang mehr zu den Festungen Botschaft und Konsulat habe.

Als die „deutsche Flüchtlingskrise“ im Herbst 2015 kam, war ich sehr misstrauisch.
„Deutschland“ wehrt sich „sehr erfolgreich“ gegen jede Veränderung.33

Einmal mehr: Was also tun?

 

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Ein Gedanke zu „„Glückliche Gegenwarten!“

  1. Stefan Frischauf

    Nafeez Mosaddeq Ahmed zeigt hier exemplarisch im Dialog mit anderen progressiven und unabhängigen Experten und Kennern der Region anhand von geleakten Quellen von US-Militär-Dokumenten verschiedener hochrangiger Dienste aus den Jahren 2011-2016, dass:
    a) eine “Demokratisierung” Syriens nie wirkliche Option der US-Politik seit 2011 war,
    b) dass auch “Regime Change” nie wirklich eine Option war und man stattdessen “nur” oder “höchstens” eine Schwächung des Assad-Regimes durch “infiltrierende Unterstützung von oppositionellen Gruppen” – Jihadisten selbstverständlich inklusive erreichen wollte oder konnte,
    c) dass letztlich es alleine um eine Schwächung des schiitischen / iranischen Einflusses in der Region ging,
    d) dass man im Prinzip jetzt die Türkei als regionalen Partner dort alleine mit dem Chaos lässt.

    Dies zeigt indes, wie krank alles, was hier derzeit auch medial bei uns kolportiert und politisch debattiert wird ist:
    1. Iran und Türkei als regionale Kontrahenten in diesem Chaos stehen beide mit dem Rücken zur Wand. Sozusagen:
    kurz vor dem Staatsbankrott.
    2. Andere regionale “Luntenleger” – darunter Saudi-Arabien auf der einen und Israel auf der anderen Seite versuchen weiter aktiv diese Schwächen zu nutzen und weiter zu zündeln.
    3. “Demokratisierung” haben auch diese “lokalen Mächte” als Letztes auf der Agenda.

    Es handelt sich auch bei der zuletzt fortschreitenden Destabilisierung zwischen einem in Folge des Überfalls durch die “Koalition der Willigen” 2003 schwachen Irak gegen den ohnehin angeschlagenen Iran um “Infiltrationsmaßnahmen” verschiedener Seiten, die alles, nur nicht “nachhaltige Befriedung”, geschweige denn “demokratische Strukturen für prosperierende Völkerschaften” auf der Agenda haben.

    Man könnte jetzt also zynisch fragen, ob es sich bei der “Eskalation des syrischen Bürgerkrieges” um eine Art “Betriebsunfall der Geschichte” handelt. Darauf könnte man klug antworten, dass jeder Krieg so eine Dummheit darstellt.
    Weiterhin könnte man klug fordern, dass dieser Schwachsinn endlich aufhört. Von “Gemeinschaften”, die sich auf Werte von Aufklärung etc. berufen, sollte man dies erwarten dürfen.
    Als in einem sich demokratisch wähnenden Staat lebender Mensch, in dem die “Würde des Menschen” wichtigster Grundsatz einer Verfassung ist, sollte man eine Beendigung dieser würdelosen Scheindebatten in seinem Teil der “Wertegemeinschaft” fordern. Jetzt.
    Und ernsthafte Bemühungen, eine Nachkriegsordnung mit Partnern dort in der Region aufzubauen.
    https://mondediplo.com/outside-in/syria-democracy-documents

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