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„Glückliche Gegenwarten!“

Warum zwei früh mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Regierungschefs so unterschiedlich wirkten.


Warum zwei früh mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Regierungschefs so unterschiedlich wirkten.
Und was das über „unsere Zeit“ (!?) aussagt.
Epilog und Synopsis – „Post-Neoismen 7“

(Teil 6 hier)[1]

von Stefan Frischauf [1]

Für G.R., S.G.P. und S.A.P
und meine Eltern


Inhalt

 

1. Die Gegenwart ist übermächtig.
In ihrer Verdrängung.
Von Vergangenheit. Und Zukunft.
Von Sein.
Und Werden.

1

„71 Jahre zuvor. An einem hellen und wolkenlosen Morgen. Der Tod fiel vom Himmel. Und die Welt war verändert. Ein Lichtblitz und eine Feuerwand zerstörten eine Stadt. Und diese zeigten, dass die Menschheit die Mittel besaß, sich selbst zu zerstören.“

So beginnt Ex-US-Präsident Barack Obamas Rede in Hiroshima im Mai 2016.

Immerhin ist er am Ende seiner zweiten Amtszeit der erste US-Präsident, der den Ort besucht, an dem die erste Atombombe im Kriegseinsatz von den US gezündet wurde. Der daran erinnert. An ein Ereignis, das wie so viele Kriegsereignisse höchst ambivalent beurteilt wird: als Kriegsverbrechen. Oder als Notwendigkeit, um das Grauen des Krieges zu beenden. 71 Jahre, also mehr als zwei Generationen danach.

Aber seine Rede stellt den Krieg in erster Linie als dem Menschen eigenes, in seiner Natur geradezu festgeschriebenes Geschehen dar.2

„Genetisch verwurzelt in der Geschichte des Menschen“.
Wird mancher behaupten.
„Instinktiv bedingt“. Oder „stammesgeschichtlich verwurzelt“.
Könnte man stattdessen auch sagen.

Beides stellt Homo Sapiens Sapiens in einen anderen zivilisatorischen Kontext.

Das „Instinktive“ betont das Tierische, das Animalische. Das, was Homo Sapiens eigentlich als „Krone der Schöpfung“ überwinden lernen sollte.

Das „Stammesgeschichtliche“ indes widerspricht dem Anspruch des „Welt-gewandten“. Des „Globalen“. Insofern widerspricht es auch dem Anspruch einer „aufgeklärten und globalisierten Weltordnung“. Als extrinsische und zugleich auch zu einem gewissen Grade intrinsische Faktoren und Impulse sollten diese durch den sich solchermaßen weit in seiner Evolution wähnenden Menschen überwindbar sein.

Der Unterschied zur Festschreibung im Genom als allein existierender intrinsisch- extrinsisch verkapselter Faktor ist die Dialogfähigkeit:
Das Tier wird seine klügsten Instinkte zum eigenen Überleben und Weiterleben seiner Verwandten entwickeln. Und die Möglichkeit, aus dem Erfahrungsschatz der Stammesältesten zu schöpfen, sie zu befragen, um Entscheidungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart auszutarieren erweitert auch hier ganz wesentlich die Entwicklungsmöglichkeiten. Die Zukunft wird so zum „Zeitfenster“.
Ein Fenster, das Möglichkeiten und Gelegenheiten bietet.

3

Barack Obama beschreibt im weiteren Verlauf seiner Rede in Hiroshima auch die Utopie der Überwindung des Krieges. Für unsere Kinder.
Die Erkenntnis, dass wir alle eine Familie sind, spricht er als Notwendigkeit aus.
Und als Grund, warum „wir nach Hiroshima kommen“.

 

2. „Warum wir nach Hiroshima kommen.“
Und „warum wir in Warschau niederknien.“

25 Jahre, also gerade einmal eine Generation nach Ende des 2. Weltkrieges war der erste Besuch eines westdeutschen Regierungschefs in Polen ein viel erwartetes Ereignis.

Egon Bahr, Berater und Freund von Willy Brandt und manchmal auch als „Architekt der Ostpolitik“ bezeichnet, kam am Ende der Entourage an diesem geschichtsträchtigen Tag zum Mahnmal an jenem Ort, an dem einmal das Warschauer Ghetto gewesen war. Das Gemurmel unter den Journalisten vor ihm erreichte sein Ohr: „Er kniet!“. Egon Bahr selbst konnte diese Geste der Demut, der Kondolenz und der Ehrerbietung wahrscheinlich zuerst gar nicht sehen. Er schildert seine Überraschung ob der Geste des Niederkniens und die Aussage Brandts am Abend dann an der Hotelbar in Warschau:

„Ich hatte plötzlich das Gefühl, Kranz Niederlegen reicht nicht.“ 4

Marek Edelmann, Überlebender des Warschauer Ghettos dazu denn auch:

„Das war ein Einschnitt, nicht nur im Bewusstsein der polnischen Gesellschaft, sondern in der Welt, dass sich etwas in Deutschland verändert hat. […] Willy Brandt hat diese Geste nicht nur für sich persönlich getan, sondern im Namen der deutschen Gesellschaft, und das war etwas Großes.“ 1

Die Bitte um Verzeihung ist eine aktive Tat.
Da springt jemand über den langen Schatten der Vergangenheit und öffnet das Fenster für eine bessere – eine geläuterte Zukunft weit auf.

Willy Brandt wurde Zeit seiner Regierung – Zeit seines Lebens auch heftig dafür angefeindet. Er, der gar im aktiven Widerstand gegen Hitler und die Nazis war konnte so leicht als „Vaterlandsverräter“ und allerhand mehr beschimpft werden.

Seine Geste – „unser Niederknien“ entspringt einem zutiefst menschlichen Impuls. Der Sehnsucht nach Frieden. Eine Geste von jemandem, der zudem den Krieg er-und überlebt hat. Zwischen den Fronten. Der so die tiefen Wunden von Krieg und Zerstörung, von Bruder- und Schwestermord, die er bezeugt hat reinigt und vorsichtig versorgt. Seine eigenen Wunden und die seiner Nächsten. Und die der anderen, die auch Teilen seiner Nächsten einst als Feinde gegenüberstanden.

Tätern und Opfern. Abseits vom Protokoll.

 

3. Friedensnobelpreise: Zeichen globaler Hoffnungen?

1971 erhielt der von 1969 bis 1974 amtierende vierte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland Willy Brandt den Friedensnobelpreis für die Ostpolitik. Für seine und Egon Bahrs Politik der Versöhnung denn auch zwischen Tätern und Opfern jener dunkelsten Phase jüngerer deutscher Geschichte.

Die Ostverträge, „Wandel durch Annäherung“: es gibt viele große und kleine Schritte, die diese Politik des Ausgleichs und der Versöhnung ausmachen. Der Kniefall war der symbolträchtigste Schritt.

1973 erhielten Henry Kissinger und Le Durc Tho den Friedensnobelpreis für das Waffenstillstandsabkommen von Vietnam. Le Durc Tho nahm den Preis nicht an. Er begründete dies mit der Aussage, dass in seinem Land noch immer kein Frieden herrsche.5

2009, zu Beginn seiner Präsidentschaft erhielt Barack Obama den
Friedensnobelpreis „für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken“.6

Gerade das Beispiel des Vietcong-Kämpfers Le Durc Tho zeigt die Tragik und Zerrissenheit des Krieges. Und des Kämpfers selbst darin. Aber auch die tiefe Sehnsucht nach Frieden. Nach Ausgleich und Versöhnung.

Etwas, was im Kosmos des Vietcong-Kämpfers primär sein zerrissenes Land Vietnam betraf. Etwas, was heute viel größere Teile der Welt umfassen muss.
Vielleicht gar im Sinne der „Globalisierung“ den ganzen Erdball.

 

4. Kriege seit 2001 und die erneute Zerrissenheit der Welt

7

Der grausame „vergessene“ Krieg Saudi-Arabiens gegen den Jemen: der Überfall  von Seiten des reichsten Landes auf der arabischen Halbinsel gegen das ärmste Land dort ab März 2015, die „perfektionierte Weiterentwicklung“ gerade des „Drohnenkrieges“ im „Nahen und Mittleren Osten“ ab 2008 / 09, die Zerstörung Libyens, der Beginn des Syrienkrieges 2011: all diese forcierten Kriegstätigkeiten und militärischen Unterstützungsprogramme nicht immer „lupenreiner Demokraten“ fallen in die Regierungszeit Barack Obamas.

Im „Krieg gegen den Terror“, der ja eigentlich auch der globale Krieg „Reich gegen Arm“ ist, scheint jedes Mittel Recht, um eigene Machtzirkel zu sichern.

Hatte Obama nicht die Kraft, gegen die gewaltige Macht des „militärisch-industriellen Komplexes“ in den US und im Westen anzugehen oder fehlte ihm der Mut?

Und zudem auch die Unterstützung: von innen wie auch von außen?

Als am 8. September 2018 vormittags vielerorts die Sirenen heulten in einem langen und intensiven „Probealarm“ reagierten viele Bürger auch hier in Deutschland etwas verstört.

Die Verhandlungen um Idlib am darauf folgenden Tag in Teheran schaffen ja durchaus Perspektiven darauf, dass auch der Westen sich bald auf die größte Herausforderung – einen wie auch immer gearteten „Frieden“, nach rund 7-jährigem „Blitzkrieg“ in Syrien einlassen muss. Was hoffentlich dann auch Auswirkungen auf andere Kriegsorte, wie etwa Afghanistan haben wird. Dort kann man bald von 40 Jahren Kriegszustand sprechen.

In jedem Fall ist ein harter Kampf zu erwarten.

Medial und in und um Idlib selbst.8

Ein oberflächlich betrachtet bisweilen recht kritischer Artikel auf der Seite des „Zentrums für strategische und internationale Studien (CSIS)“ indes verdeutlicht, wie wenig vorbereitet auch das US-Establishment auf andere Möglichkeiten als den „ewigen Krieg“ gerade in diesen Regionen ist. Auch, wie wenig man zivile und militärische Perspektive gleichwertig nebeneinander zu verfolgen vermag.

Autor Anthony H. Cordesman verdeutlicht, dass man da kaum an „Frieden“ und „nachhaltigen Wiederaufbau“ zu denken vermag. Besser: dass die einmal mehr dem „Projekt für ein neues amerikanisches Jahrhundert (PNAC)“ folgenden Akteure auch am Ende des Jahres 17 nach Auslösen des „NATO-Alarms“ am 12. September 2001 diesen Zustand für „alternativlos“ halten und entsprechend handeln.9

 

5. Große Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit und ihr Schicksal

10

Auch der Sohn eines russischen Vaters und einer ukrainischen Mutter und letzte Parteiführer der KPdSU Michail Sergejewitsch Gorbatschow  erhielt 1990 den Friedensnobelpreis.

Viele Russen machen den „Reformer“ und Begründer von „Glasnost“ und „Perestroika“ immer noch für das  Ende der Sowjetunion verantwortlich.

Der populistische Trunkenbold Boris Jelzin spielt dabei jedoch eine sicher viel unrühmlichere Rolle.

Dennoch fragt sich, ob Gorbatschows Versuch der „Reformierung“ eines solchen Imperiums wie der Sowjetunion überhaupt realistische Erfolgschancen hatte. Eine Frage, die sich nur im Rückblick stellen kann.

Zweifelsohne aber hat Gorbatschow sich seinerzeit den drängenden Fragen der Zeit gestellt und Verantwortung übernommen, wo viele heute stetig Verantwortung verschieben. Und mehr:

Er musste im Laufe der Jahre zusehen, dass die Nachfolger seiner Verhandlungspartner die mit ihm ausgehandelten Vertragswerke immer weiter aushöhlten und zu ihren Gunsten auslegten: die NATO-Osterweiterung erwies sich da auch als kritische Lücke in den Vertragswerken von seiner Seite.

Hatte man in der Not damals nicht soweit gedacht?

Lange Zeit hat Gorbatschow zu Beginn der 2010er Jahre Wladimir Putin und die mangelnde innenpolitische Entwicklung Russlands kritisiert. Seit Ausbruch des Krieges in und um sein Mutterland Ukraine 2014 jedoch betrachtet er die Machtfülle Putins als „historische Notwendigkeit“, um das völlige Verschwinden Russlands aus der Weltpolitik zu verhindern. Und er wirft deutlich den US eine gezielte Destabilisierung der Ukraine als Hauptursache für die kriegerische Eskalation dort vor. Gleichwohl hat der weise Mann 2017 einmal mehr gemeinsam mit Franz Alt einen Apell zur nuklearen Abrüstung gestartet.10

11

Die Tragik der Geschichte will es, dass sich zwei Helden jüngerer Zeit, Gorbatschow und Ahmed Schah Massoud zunächst als Feinde gegenübersahen. Der „Löwe von Pandjschir“ hatte aus dieser seiner unwegsamen afghanischen Provinz mit seinen Kämpfern 13 Mal alleine sowjetische Besatzungstruppen zurückgeschlagen.

„Mädchenschulen“, eine demokratische, humanistische Lesart des Koran, furchtlose Bekämpfung auch der Drogen-Warlords: unter dem „Āmer Sāheb-e Schahīd“ – „Unser geliebter Befehlshaber und Märtyrer“12 genannten Tadschiken konnte Pandjschir auch von den Taliban nicht eingenommen werden.

Auch heute noch verehren ihn Mitglieder aller Volksgruppen in Afghanistan: Paschtunen genauso wie  Usbeken, Hazaras, Tadschiken und viele andere.

Im Frühling 2001 warb er vor dem europäischen Parlament in Brüssel für humanitäre Hilfe für die Menschen Afghanistans.

„Auf seinem Besuch nach Europa, bei dem ihn die europäische Parlamentspräsidentin Nicole Fontaine den „Pol der Freiheit in Afghanistan“ nannte, warnte Massoud davor, dass sein Geheimdienst Informationen habe, denen zufolge ein großangelegter Anschlag auf amerikanischem Boden unmittelbar bevorstehe. (…)

Am 9. September 2001 zündeten Abd al-Sattar und Bouraoui el Ouaer, zwei Selbstmordattentäter der al-Qaida, die sich als belgische Journalisten ausgegeben hatten, während eines Interviews mit Massoud in Tachar eine Bombe, die sie in ihrer Videokamera versteckt hatten.“ 12

Die Ermordung Massouds, die Drahtzieher, der Zeitpunkt: da sind noch sehr viele Rätsel und offene Fragen. Fragen, die denn auch gerade im Hinblick auf den Ausbau des Opium-Anbaus und die Rolle der Drogen-Warlords im Hinblick auf die bald darauf gestartete US-geführte Invasion des Westens einer Klärung harren.

13

In diesem Zusammenhang sei hier der Hinweis auf eine andere Heldin, die trotz einseitigem Mandat und Auftrag immer für Ausgleich und Verständigung gearbeitet hat gestattet: Vor einigen Tagen entdeckte ich mit Schrecken und tiefer Trauer, dass diese großartige Frau schon im Dezember 2017 verstorben ist.

Eine Frau, der ich mich in den letzten Jahren zutiefst verbunden gefühlt habe. Wahrscheinlich, weil wir beide hautnah erlebt haben, was ein „asymmetrischer Krieg“ ist. Und weil wir beide das Land, in dem wir das erlebten doch zutiefst respektieren, vielleicht auch lieben lernten. Das Land und die Menschen dort.

Achmad Schah Massouds Afghanistan.

Heike Groos (* 03.08.1960 † 11.12.2017) war Bundeswehr-Stabsärztin und fünffache Mutter. Ihren Ausdruck „Gefechtsfeldtourismus“ für das Tun von Parlamentariern, die Kriegsorte besuchen und über Einsätze dort abstimmen – ich habe ihn oft verwandt. Einmal habe ich F.W. Steinmeier, damals noch Außenminister eine Frage gestellt zu Afghanistan und der Region. Seine Antwort ließ darauf schließen, dass er nicht einmal von den Kulturen dort im viel beschworenen „Kampf der Kulturen“ eine Ahnung hatte. Heiko Maas, der heute fordert, die Leute sollten im „Kampf gegen rechts vom Sofa aufstehen“ hat vom „globalen Krieg Arm gegen Reich“ insbesondere in solchen Ländern wie Afghanistan scheinbar genauso wenig verstanden wie der jetzige Bundespräsident. Von Herrn Seehofer und anderen Vertretern der Parteien mit dem C vorneweg und grün gestrichen Neocons soll hier erst gar keine Rede sein.

Ein Interview mit dem gleichfalls viel zu früh verstorbenen Roger Willemsen legt vieles von Heikes Wunden dar. Aber auch den ganz eigenen Stolz einer Mutter, die den Krieg überlebt hat und dies nicht nur ihren Kindern darlegen will.

Die andere Wege aus Bruder- und Schwestermord erschließen will für sich und die Nachgeborenen.14

Ob Heikes Website von ihren Kindern gepflegt wird oder von jemand Externen, das ist mir nicht bekannt. Ihren eigenen Nachruf möchte ich insofern hier teilen. In tiefer Trauer verneige ich mich vor einer Mutter, einer Soldatin, einer Ärztin – einem Menschen, der ein verdienst- und würdevolles Leben geführt hat:

„Der Volksmund sagt:
„Ein Mann soll ein Haus bauen,
einen Baum pflanzen
und ein Kind zeugen.“
Ich bin eine Frau
und ich arbeite in Männerwelten.
Bei der Bundeswehr,
in Krankenhäusern,
im Rettungsdienst.
Ich habe mich angepasst.
Ich habe drei Häuser gebaut,
fünf Kinder geboren,
und unzählige Bäume gepflanzt.
Aber irgendwie war das nicht genug,
also habe ich begonnen, Bücher zu schreiben.
Jeden Tag lebe ich so,
als wäre es mein letzter,
so wie Martin Luther …
„Auch wenn ich wüsste,
dass morgen die Welt zugrunde geht,
würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ 13

Es ist auch unser Auftrag, diese Wunden endlich einer Heilung zuzuführen.

Den Apfelbaum zu hegen und zu pflegen. Damit er auch bald einmal Früchte trägt.

15

Einer, der immer unermüdlich auf die verheerende Wirkung von nach außen getragenen Kriegen auch für die Bevölkerung zu Hause hingewiesen hat, ist Labour Chef Jeremy Corbyn. Verdientermaßen ist er jetzt seit dem 12. September 2015 in dieser Position und hat Labour nach der „Neo-Liberalisierung“ durch Tony Blairs „New Labour“ mit vielen alten und jungen Kämpen, insbesondere dem jungen Netzwerk „Momentum“ wieder neu aufgebaut.

Schon im Januar 2003 sagte er auf einer Anti-Kriegs-Demonstration zur von langer Hand geplanten Irak-Invasion einer „Koalition von Willigen“ unter Führung der US und des UK in Washington DC:

„Es geht nicht um Frieden. Es geht nicht um Demokratie. Es geht nicht um Gerechtigkeit. Es ist ein Krieg um Öl und die Hauptgewinner werden Rüstungsproduzenten sein, die so viel Geld aus so viel Armut für so lange Zeit herausgezogen haben. Wir sind in einem der reichsten Länder der Welt und auch ich repräsentiere ein reiches Land. Wenn alles, was wir den ärmsten Menschen in den ärmsten Teilen der Welt anbieten können, die unter Wasserknappheit, schlechter Gesundheitsversorgung und AIDS Pandemien und so vielen anderen Ungerechtigkeiten leiden nur Massenzerstörungswaffen und weitere Kriege sind, dann erzeugen wir nur neue Konflikte für die Zukunft.

Eine Welt des Friedens kann nur aufgebaut werden, wenn wir eine Welt auf Basis von sozialer Gerechtigkeit sind!“ 15

Mitte Februar 2003 dann auf der größten Demonstration, die London je erlebt hat mit rund 300.000 – 700.000 Teilnehmern alleine auf den Straßen in der britischen Hauptstadt:

„Sicherlich, die Botschaft, die Menschen heute in London und Glasgow und einfache Bürger überall in diesem Land vortragen ist: ‚Warum verbraten wir Dreieinhalb Milliarden Pfund für einen Krieg, den keiner will? Wenn da gleichzeitig Afrika von einer AIDS-Pandemie heimgesucht wird, wenn ein Viertel der Kinder der Welt an Armut und Hunger sterben?’

Und wir stellen auch fest, dass das Geld für unsere eigene öffentliche Daseinsvor- und -fürsorge nicht ausreicht.

Tausende mehr Tote im Irak werden die Dinge nicht verbessern.

Stattdessen werden wir eine Spirale des Konflikts erleben, Teufelskreise von Hass, Armut und Verzweiflung, die weitere Kriege und Konflikte, Terrorismus, die Krisen und die Armut zukünftiger Generationen nach sich ziehen werden.

Unsere Botschaft hier in London, vorgetragen von den Millionen auf den Straßen ist diese: Wir möchten in einer Welt ohne Krieg leben! Der Weg, uns von der Bürde des Krieges zu befreien ist die Befreiung von der Last der Ungerechtigkeit, der Armut und der Dauerkrise, die damit verknüpft ist. Diese Bewegung gibt diese Botschaft aus an die britische Regierung: ‚Hört auf damit oder bezahlt den politischen Preis dafür!’“ 15

Den Preis zahlten bisher Labour und die britische Gesellschaft mit dem Niedergang des Gesundheitssystems im UK und vielen anderen Defiziten. Und Europa zahlt ihn gemeinsam mit dem UK auch maßgeblich mit dem „Brexit“, der viele Dinge eher „verschlimmbessern“ wird: für die „ordinary people“, wie JC sie nennt im UK ebenso wie für einfache Menschen in Europa, auf dem Kontinent hier.

Aber auch diese Zusammenhänge wird man genauso wie die Folgen des „deutschen Exportbooms“ für den deutschen „Otto Normal“ und seine Frau „Lieschen Müller“ zu verdrängen und zu verheimlichen suchen.

Im medialen Verdrängungskampf „Reich gegen Arm“ geht es auch immer wieder um die Deutungshoheit. Die Macht, (Teil-) Wahrheiten zu verbreiten und andere Bruchstücke derselben Wahrheiten zu verdrängen.

 

6. Hoffnung auf eine glückliche und friedvolle Zukunft

kann insofern nur durch kluge Einsicht erwachsen. Und harte Arbeit, um viele Ungerechtigkeiten der Vergangenheit aufzudecken. Und somit die Verpflichtung zu Verbesserungen in der Gegenwart zu erreichen. Aufmerksamkeit für eine mögliche  Zukunft alle Male. Wachsamkeit ist da geboten. In einem Kampf, der nicht zu zerreden und in Mutlosigkeit zu ersticken ist. Einem Kampf, der klug und besonnen geführt werden will.

Die 120 Jahre unter Verschluss gehaltenen NSU-Prozessakten: sollen das „Einzeltätermotiv“ und die Zuordnung zu „organisierter Kriminalität“ bewusst „politische Hintergründe“ und „staatliche Verstrickungen“ verschleiern?

Was geschieht mit den Opfern solcher Verbrechen, was mit den Tätern?

Noam Chomsky spricht von der Sabotage der Arbeit zur Reduzierung der Folgen des  Klimawandels gerade von rund 40 % der Wähler in den US, die noch auf das Erscheinen Christis zu ihren Lebzeiten hoffen als schlimmste Folge der Trump-Ära.

Er spricht aber entgegen vieler anderslautender Aussagen immer noch zu Recht von einem tiefen Klassenbewusstsein von Arbeitern und Handwerkern. Und das besteht nicht nur in den US. Auch bei uns hier.17

Größere Solidarität prekarisierter Arbeitskräfte aus allen Sparten und auf allen Ebenen ist sicher nur über andere Identifikationsmuster zu erreichen. Nicht „Teile und Herrsche“, sondern „Arbeite an gemeinsamen Zielen“ ist da eher als Stichwort auch einer „Gemeinwohl-basierten Ökonomie“ umzusetzen. Zu tun gibt’s reichlich.

Gleichwohl führt Vieles, was da Anreize und Motivationen betrifft uns auch zurück auf die Keimzelle von Gesellschaft: die Familie. Blut ist eben dicker als Wasser.

Die nordirische Autorin Julieanne Campbell schildert bewegend den langen Marsch und die vielen Demütigungen, die die Angehörigen der Opfer der „Bloody Sunday Events“ 1972 durchmachen mussten. Auch ihr damals 17 Jahre alter Onkel, der als „Terrorist“ denunziert wurde. Ein Schatten, der Jahrzehnte über ihrer Familie lag. Letztlich waren es viele Familien gemeinsam, die Gerechtigkeit einforderten für ihre damals umgekommenen Angehörigen. Und diese 2010 auch erhielten.

In Julieannes Falle wurde bestätigt, dass ihr Onkel Jackie Duddy kein „Nagelbomber“ war, wie lange behauptet. Er war unbewaffnet und einer der vielen friedlichen Demonstranten für Bürgerrechte in Nordirland, die von britischen Paramilitärs dort an jenem blutigen Sonntag ermordet wurden. Gerechtigkeit widerfuhr hier den

Opfern und ihren Angehörigen nach 38 Jahren.

Die Linie zu Bob McIlvaine Sr., dessen Sohn am 11. September 2001 in der Lobby des Nordturms des World Trade Centers in New York offenkundig Opfer eines Sprengstoffanschlags wurde und zu Matt Campbell aus dem UK, dessen Bruder Geoff bei 911 umkam: es ist immer die Kraft der Liebe zu ihren Familienangehörigen, die die Menschen diesen langjährigen Kampf für Gerechtigkeit besonders aushalten und durchhalten lässt.

In diesem Fall den Kampf um eine Neu-Untersuchung der Anschläge vom 11. September 2001. Eine Untersuchung vor dem US-Supreme Court, bei der eben auch Geoff Campbell und Bobby McIlvaine und vielen anderen Menschen auf der ganzen Welt – insbesondere im Irak und Afghanistan, die indirekt von den Folgen betroffen wurden Gerechtigkeit widerfahren wird. Eine Untersuchung, die in Anbetracht der vielen grausamen Folgen dieser Ereignisse und ihrer völlig lückenhaften juristischen Aufarbeitung zwingend erforderlich erscheint.

Eine Neu-Untersuchung dieses Kapitalverbrechens, die alleine 3001 in den US registrierte Architekten und Ingenieure und 22.139 Unterstützer aus aller Welt  aus diesen Berufsgruppen (Stand 16.09.2018) und viele Feuerwehrmänner und andere involvierte Berufsgruppen und Angehörige der Opfer stetig einfordern.18

Egon Bahr erzählte 2009 von Willy Brandts erster Reaktion auf den „Unterwerfungsbrief“, den die Botschafter der drei West-Alliierten auch vom vierten Bundeskanzler nach 1945 und 49 erhalten sollten. Brandt weigerte sich zunächst, diesen Brief, der Teilung und Besatzungsstatute fortschrieb, zu unterschreiben.19

Die Souveränität der Bundesrepublik erscheint in diesem Licht betrachtet auch heute, nach „Vier plus zwei“ und „Zwei plus vier“-Abkommen allzu häufig in einem seltsamen Zwielicht. Was da auch medial wie kolportiert wird, zumal nach Verhängung des NATO-Alarms am 12. September 2001 trägt viel zu Verunsicherung und Verdruss vieler Menschen bei.

Wolf Reiser stellt denn auch unter dem bezeichnenden Titel „Two Riders were approaching: Der Anfang vom Ende der deutschen Medien“20 einen spannenden Insiderbericht gerade auch um die Ereignisse des 11. September 2001 herum zusammen. Was so in den Amtsstuben des Journalismus geschieht.  Wie in anderen Amtsstuben auch. Aber die Medien sollen ja auch „vermitteln“.
Irgendwie so im Rauschen zwischen “Öffentlichem” und „Privatem“.
Anspruch und Wirklichkeit eben.

Vieles von dieser tiefen Verunsicherung, die dann zu mehr und mehr Verdruss führt, ist auch als „Vertrauenskrise“ zu bezeichnen.

Wem soll und kann man noch was glauben?

Michael Thumann endet am 7. September 2018 eine Zeit-Kolumne mit dem Absatz:

„Die Konferenz von Teheran steht für die gewaltige Mächteverschiebung in der Region. Das Sagen haben Russland und Iran. Die Türkei kann mitreden. Die Europäer dürfen appellieren und am Ende Euro gegen Einfluss tauschen. Und die USA? Es gab mal eine Teheraner Konferenz, da wurde die Welt neu aufgeteilt. Damals, 1943, waren die Amerikaner die entscheidende Macht. Heute werden sie noch nicht mal gefragt.“ 21

Warum verschweigt der Kolumnist den durch britische und US-Kräfte gesteuerten Putsch gegen die erste frei und demokratisch gewählte Regierung des Iran 10 Jahre später, die Regierung Mossadegh 1953? Mossadegh, der damals die Ölindustrie des Iran verstaatlichen wollte.

Der Putsch und seine Folgen wirken im kollektiven Gedächtnis der Iraner fort. Der Schah und seine pro-westliche Herrschaftsform. Die Entfremdung vieler Menschen von diesem Herrscher. Die iranische Revolution dann im Jahre 1979, eine Generation später. Der Hass auf die US auch im Zuge der religiös motivierten Revolution und der Errichtung des grausamen Mullahregimes danach.

Der historisch bewanderte Autor sollte auch wissen, dass durch alle Reihen der persischen Gesellschaft die Ereignisse nach 1953 tiefe Wunden hinterlassen haben.

Wunden, deren Verschweigen in solchen Momenten zu Mittäterschaft führt.
Wunden, die so ignoriert werden und weiter schwelen.
Steht Ignoranz im Erbe der Aufklärung?

Auch der 17. Jahrestag der Ereignisse vom 11. September 2001 läuft relativ ereignislos in Deutschland und anderswo ab.

Es ist ja alles gesagt worden. Alles ist „aufgeklärt“.

Der NIST-Report 2008 „klärte“ ja auch den Einsturz von Gebäude 7 des World Trade Centers an jenem denkwürdigen Tage. Des dritten Hochhauses, das da am Big Apple in sich zusammenfiel. NIST ist das US-amerikanische Nationale Institut für Sicherheits-Standards. Gebäude 7 fiel „aufgrund der Folgen von Bürobränden“. Ohne jemals von einem vergleichsweise kleinen Flugzeug getroffen worden zu sein.

Zwei Flugzeuge. Drei eingestürzte Hochhäuser. Alles an einem Tag.
Ein Tag, der weiterhin die Sicht auf viele Dinge in der Welt verdunkelt.
Verdunkeln und verschleiern soll?18

Für Deutschland und Europa wird es überlebenswichtig werden, die Zweifel Willy Brandts bei Unterzeichnung der „Unterwerfungsbriefe“ weiter zu vertiefen.

Einem unberechenbaren Partner erhobenen Hauptes gegenüberzutreten.

Mit Entschlossenheit. Herz und Verstand. Mit dem Blick des Adlers und der Eleganz des Igels. Und der Fürsorge des Delfins. Und der Weisheit der Alten.

Es geht ums nackte Überleben in „asymmetrischen Kriegen“.

Letztlich ist da alles Geschehen auf den Krieg „Reich gegen Arm“ zurückzuführen. Und da ist die Familie immer das Nächste, was Du verteidigst.

Schwarz-weiß denkt sich das Ganze aber leichter. Man glaubt, so die verworrene Lage besser erfassen zu können. In einem asymmetrischen Krieg jedoch gibt es keinen wirklichen Schutz. Zumal für Zivilisten. Einfache Bürger.

Nur mit zähen Verhandlungen und gegenseitigen Interessensausgleichen, die zu gemeinsamen Bemühungen für Versöhnung und Wiederaufbau geführt werden, kann so ein Konflikt in einen zunächst sehr engmaschig gesicherten „Friedenszustand“ überführt werden.

Wer diesen Krieg ewig weiterführen will, der verliert jedoch alle Glaub- und Vertrauenswürdigkeit.

Soweit sollte es aber nicht kommen.
Unter im Erbe der Aufklärung agierenden Partnern.
Unter an dieses Erbe anknüpfen wollenden Partnern.
Auch zu Beginn des 18. Jahres nach dem 11. September 2001.
Des 17. + 28. Jahrestages des CIA-gesteuerten Putsches in Chile 1973.
Und der vielen verheerenden Folgen dieser Ereignisse. Überall.

Es ist an der Zeit, Verantwortung und Aufklärung wieder zusammenzuführen.

„Nicht wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils,
sondern wer dazu nötigt.“                                         Niccolo Machiavelli 22

Auch wenn das stetige Drohen und Schüren von Angst und Unsicherheit weitergehen soll: bald schon sollte sich zeigen, dass man Geld nicht essen kann. So wie es Stammesälteste einer hohen Kultur mit klugem Instinkt schon einmal weis gesagt haben. Die Einsicht sollte vor Vertrocknen und Rodung des letzten Apfelbaumes kommen. Und sie wird kommen und sich verbreiten.

 

7. Bildung und (politische) Willensbildung: Sein und Werden

Hans-Peter Dürr25

Ein anderer Friedensnobelpreisträger, der hier noch genannt werden soll,  erhielt diesen in einer Gruppe. Im Jahr nach der Verleihung dieses Preises an Jassir Arafat, Schimon Peres und Jitzchak Rabin „für ihre Anstrengungen zur Lösung des Nahostkonfliktes“6 erhielt Józef Rotblat 1995 stellvertretend für die „Pugwash Conferences on Science and World Affairs“22 „für ihre Anstrengungen, die Rolle von Atomwaffen in der internationalen Politik zu verringern“6 diese „Auszeichnung für besondere Verdienste in der Friedensarbeit“6.

Wie der „polnische Physiker mit britischem Pass“ Józef Rotblat war Hans-Peter Dürr als Mit-Initiator der Pugwash-Konferenzen zunächst Kernphysiker. Als solcher war er in Berkeley Mitarbeiter von Edward Teller24 und später Nachfolger von Werner Heisenberg als geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik in München. In den 1990er Jahren „wandte er sich zunehmend von der theoretischen Physik ab und befasste sich mit erkenntnistheoretischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen“.25

Daneben erhielt Hans-Peter Dürr, der auch Mitglied des „Club of Rome“ war und auch das „Global Challenges Network“ – „Netzwerk für weltweite Herausforderungen“ gründete 1987 den „alternativen Nobelpreis“.

Bildung besteht im Wesentlichen aus Wissen und Erfahrung. Beide wachsen mit der Zeit. Und sie erfordern Foren zum Austausch. In allen Gebieten und auf allen Ebenen. Mit dem entsprechenden Forschungs- und Studienschwerpunkt im Zentrum als aus einem soliden Fundament herauswachsender Spitze. Einer Vertikale, eines Turmes, wie Hans-Peter Dürr sie als „T-Intelligenz“ bezeichnet. Das umgekehrte T symbolisiert dabei nichts anderes als die „breite Basis von Allgemeinbildung“ und die darin verwurzelte „Spitze von Spezialbildung“.

Dürr zeichnet damit ein Systemmodell „klassischer Bildung“ auf und entwickelt die Begrifflichkeit der Gebrüder Alexander und Wilhelm Humboldt so weiter.

Insofern sollte die Universitätsbildung allen Bürgern aller Alterssparten offen stehen.
Für viele ältere Menschen könnte zudem die Möglichkeit zur Promotion als Auswertung manchen Scheiterns am Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit in ihrem vorherigen Berufsleben sehr dienlich sein.

Gerade auch, um so den Diskurs zwischen den Generationen im Sinne eines „Studium generalis“ wie eines ebensolchen specialis wieder zu beleben. Und kommenden Generationen manches Rüstzeug auf den Weg zu geben.
Somit die Universität (wieder) zu einem Ort von Bildung im Sinne von Austausch von
Wissen und Erfahrung weiter zu entwickeln.

Wladimir Putin hat als einziger Politiker in diesem finsteren „Spiel 3.Weltkrieg“ vor kurzem, im Juni 2018 die allgemein Albert Einstein zugeschriebene berühmte Warnung zitiert:

„Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“ 26

Dass Putin da genauso „Machtpoker“ betreibt wie alle anderen in diesem schmutzigen Geschäft, das da „Politik“, besonders in Kriegszeiten ist – das sollte jedem klar sein. Darum soll es hier auch gar nicht gehen.

Einsteins Relativitätstheorie betrachtet primär „das ganz Große“. In diesem Zusammenhang: den Atomkrieg als „totalen und finalen Krieg“. Der dritte Weltkrieg jedoch ist ein Krieg, der da eher Heisenbergs Annäherung an „das  ganz Kleine“ im Rahmen seiner Quantenmechanik entspricht: ein stetiges Zündeln, das zudem der „Unschärferelation“ folgend nur vage darstellbar ist. Ein Ereignis, besser eine Folge von vielen Ereignissen, die durch ihre digitale und informelle Distanzüberbrückung als begrenzte Stellvertreterkriege auf Dauer angelegt aber ähnliche Zerstörungskräfte wie das finale große Ereignis entwickeln.

Unschärfe und Vielfalt der Überlagerungen von allen möglichen Interessenskonflikten zeigen sich da in reißerischen, aber durchaus berechtigten Überschriften wie „Das Gesetz des Stärkeren – Die Renaissance der Antike, verkündet durch John Bolton gegen den Internationalen Strafgerichtshof“ – einem Kommentar von Jochen Mitschka: „Aber mit der neuesten Äußerung von Sicherheitsberater Bolton, zerfällt der letzte Schein von Rechtsstaatlichkeit auf internationaler Ebene. Es gilt wieder das „Naturrecht“, also das Recht des Stärkeren, das die Welt seit Urzeiten bestimmt. Aufklärung, Humanismus, UNO und Völkerrecht werden entlarvt als Potemkinsche Dörfer.“27

Die Berichte von 2013 über Israels Vertragsabschluss mit einer im Eigentum von Robert Murdoch und Dick Cheney befindlichen Firma zur Erschließung von Ölfeldern auf den Golanhöhen, also im mehr oder weniger „annektierten Grenzgebiet“ zu Syrien28 und noch mehr ein Bericht von Ende 2015, in dem Nafeez Ahmed in die Tiefe der Interessen westlicher Firmen aus der Ölbranche zwischen 2010 und 2015 an syrischen Öl- und Gasfeldern geht29 weisen auf die vielen Interessenskonflikte dort im Schatten des Krieges hin. Nafeez Ahmed entlarvt aber auch den Druck westlicher Öl-Magnaten, die in nicht öffentlichen Dossiers eben auch sonst eher tabuisierte Peak-Oil-Szenarios offenlegen: Öl wird kostbarer und teurer, weil die Erschließung neuer Ölfelder entsprechend aufwändiger und kostspieliger wird. Militärische Mittel zur Eroberung eingeschlossen.

Eine Rechnung, die Ahmed schon 2015 zum Scheitern verurteilt sieht.30

Die Debatte um einen möglichen deutschen Kriegseintritt in Syrien entlarvt dann einmal mehr Ausweglosigkeit und Verlogenheit der Kriege im Nahen und Mittleren Osten: der westliche Betrachter, der schon im ersten Golfkrieg 1991 medial auf „gezielte Präzisionsschläge“ eingeschworen wurde, verzweifelt mehr und mehr an den Dingen. Auch Jörg Laus „Kriegsverweigerung“ kann da mit solchen Sätzen wie: „Und wie glaubwürdig ist denn eigentlich eine Politik, die den Gebrauch einer besonders perfiden Terrorwaffe – Giftgas – ahndet, während viel mehr Menschen durch die Angriffe des syrischen Regimes mit primitiven Fassbomben umkommen?“31 nicht wirklich überzeugende Korrekturen an der Glaubwürdigkeit von erster bis „vierter Macht“32 in Deutschland leisten.

Was also tun?

33

Ein kurzes Porträt der 69 an Horst S. 69. Geburtstag abgeschobenen Afghanen zeigt einmal mehr das Dilemma des verdrängten Krieges „Arm gegen Reich“ / „Kampf der Kulturen“ etc. unter einer Vielzahl falscher Flaggen.

Insbesondere „an der Heimatfront“ verwaltet von „Gefechtsfeldtouristen“.

Manche Stimmen sagen, dass der Afghanistan-Krieg Deutschland verändert habe. Ein serbischer Freund von mir, den ich 2011, kurz nach meiner Rückkehr vom Hindukusch nach vielen Jahren wiedertraf, schilderte mir eine ähnliche Ohnmacht und Verzweiflung, die er verspürt hatte seinerzeit im Jugoslawienkrieg. Die Ohnmacht angesichts der Verdrängung der Zerstörung seiner Heimat hierzulande. Und mehr: der stetigen Klärung der Schuldfrage.

Medial und bald auch beim „Fußvolk“.
„Selber schuld“. Die Serben, Ex-Jugoslawen, die Afghanen.
So wie Hartz IV ler ja selber Schuld sind. Ein ewiger Stellvertreterkrieg.
Oben gegen unten. Arm gegen Reich.
Hauptsache, man selbst kann sich oben wähnen.

Ich glaube, es war 2013, als ein Freund hier mir die Nachricht eines Afghanen zutrug, der für deutsche Truppen als Übersetzer gearbeitet hatte. Sein Vater war von Taliban ermordet worden. Der junge Mann, gerade Vater geworden, hatte sich von seiner Familie abgesetzt, um sie zu schützen und war in Afghanistan unterwegs. Er bat um Unterstützung für Asylantrag etc. Also versuchte ich, über meine Kontakte in Kabul dies zu erreichen. Ein Deutscher, der nicht nur in der „deutschen Community“ dort hoch geachtet ist und schon über 40 Jahre im Land lebt und arbeitet antwortete mir, dass er keinen Zugang mehr zu den Festungen Botschaft und Konsulat habe.

Als die „deutsche Flüchtlingskrise“ im Herbst 2015 kam, war ich sehr misstrauisch.
„Deutschland“ wehrt sich „sehr erfolgreich“ gegen jede Veränderung.33

Einmal mehr: Was also tun?

 

8. Nachkriegsordnungen

34

Ein anderer Friedensnobelpreisträger offenbart da das ganze Dilemma zumal auch der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: der 5-Sterne-General der US-Army und Staatsmann George C. Marshall erhielt den Preis 1953 für den nach ihm benannten Plan zum Wiederaufbau für die notleidenden Völker Westeuropas nach dem 2. Weltkrieg.

Einerseits folgte der Plan der geostrategischen Notwendigkeit, Westeuropa, insbesondere das zerstörte Westdeutschland als „Frontstaat für den Kalten Krieg“ zu gewinnen und wieder aufzubauen. Andererseits zog Marshall sich 1951 für immer aus der Politik zurück, „nachdem er von Senator Joseph McCarthy (der in der nach ihm benannten McCarthy-Ära vielerorts Kommunisten am Werk wähnte) als Verräter und „Helfer der Kommunisten auf ihrem Weg zur Weltherrschaft“ verdächtigt und beschimpft worden war“.34

McCarthy, der ja ein Paranoiker sondergleichen – oder auch ein „früher Neocon“ war und so die Ehre des klugen und stolzen Generals zutiefst kränkte.

1919 war es der Versailler Friedensvertrag, der nach Ende des 1. Weltkriegs eine „neue Ordnung“ etablieren sollte. Für Frankreich, die „Grande Nation“ ist jener Krieg zwischen 1914 und 1918 auch immer noch „La Grand Guerre“ – „der große Krieg“. Vielleicht, weil es die Revanche war für den verlorenen Krieg 1871 gegen den Erzrivalen in Europa, gegen Deutschland und seinen führenden Vertreter Preußen?

Die Reparationen, die das geschlagene Frankreich jedenfalls zwischen 1871 und 1914 zu zahlen hatte, waren durchaus ursächlich für den Boom der „Gründerzeit“ östlich des Rheins damals und eine tiefe Rezession westlich des wichtigsten Stroms in Mitteleuropa.

35

„Der englische Ökonom John Maynard Keynes war der Erste, der in seiner 1920 erschienenen und jetzt (2006) wieder aufgelegten Schrift „Krieg und Frieden“ die ‚Katastrophe nach der Katastrophe’ (Dorothea Hauser) kommen sah.“ 36

Wenn Keynes von der „Arroganz der Sieger“ sprach, dann meinte er primär den französischen Premierminister Clemenceau, weniger aber dessen britischen Gegenpart Lloyd George. Er sprach gar von einem „Karthago-Frieden“.

„Diese Qualifizierung gebührt im 20. Jahrhundert eher dem im März 1918 von der deutschen Heeresleitung der russischen Delegation unter Lew Trotzkij diktierten Friedensvertrag von Brest-Litowsk, der dem revolutionären Russland ungleich härtere Verluste zufügte als der Friede von Versailles ein Jahr später dem Deutschen Reich.“ 36

Gerade in den enormen, den fünf in Versailles abwesenden Kriegsverlierern Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien und der Türkei aufoktroyierten Reparationszahlungen indes sah Keynes „vor allem eine verpasste Chance, ‚die Schwelle eines neuen Zeitalters’ jenseits von nationalistischer Verhetzung, Militarismus und Imperialismus zu überschreiten. Ihm ging es in den Pariser Verhandlungen – er gehörte der britischen Delegation an – darum, nach dem verheerenden Krieg ‚die Grundlagen des Lebens’ in einem prophetisch als Einheit verstandenen Europa wiederherzustellen.“36

Die Weltwirtschaftskrise 1929, die zunehmende Radikalisierung dann in Europa, insbesondere der Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland können also durchaus gemeinsam betrachtet werden mit diesem „verpassten Ausgleich“ nach dem ersten Weltkrieg. Keynes mahnte aber vergeblich.

Wie die Geschichte uns schmerzhaft belehrte.

Insofern ist eine Bewertung der jetzigen Situation unter manchen Gesichtspunkten alles andere als leicht. Zumal sich an vielen Orten eben auch globale und lokale Faktoren und ihre Verwerfungen überlagern.

Dennoch sind zumindest schemenhaft ganz wichtige „Eckpfeiler für Nachkriegsordnungen“ erkennbar:

Ganz wichtig wird auch das Thema der „Bemühungen um Ausgleich und Verständigung“ – und um „Integration von Kriegsgeschädigten“ sein.

Wer oder was sind aber „Kriegsgeschädigte“ in einer solch unübersichtlichen Gemengelage? „Flüchtlinge“. Natürlich. Aber nicht nur.

Und auch der Begriff „Flüchtling“ ist ja Stein des Anstoßes. Nicht aber Konsens-behaftet, um einvernehmliche Lösungen auf den Weg zu bringen.

(siehe dazu auch Teil 6 hier)[3]

Beim Übergang vom „Neoliberalismus“ zum „Neo-Feudalismus“ sind die Kriegsschauplätze häufig „Vorreiter dieser Bewegung“ und „Sammelbecken vieler Gescheiterter“ von überall her.

In einem detaillierten Bericht vom Mai 2015 schildert Charles Lister, „eine Art amerikanischer Sprecher der Jihadistengruppe  Ahrar-al-Sham und Teil des in Washington DC basierten US-Thinktanks Brookings unter dem Titel

„Warum Assad verliert“ die bevorstehende Einnahme Idlibs.37

„Es handelt sich um einen der direktesten „offiziellen“ Berichte, die ich kenne, die direkte amerikanische Unterstützung für al-Qaida in Syrien betreffend.

Kein Wunder, dass die US sich nun mit Händen und Füßen gegen die Wiedereroberung der Provinz durch die syrische Armee wehrt.“

So kommentiert Islamwissenschaftler und Autor Albrecht Metzger diesen Artikel.38

“Daneben kenne ich viele Syrer, die mit Angst und großem Unbehagen das Wiedererstarken der Baath-Regierung durch den Gewinn des Krieges betrachten.

Es ist sehr schwierig, diese komplizierten und tragischen Zusammenhänge zu schlichten und die Konflikte beizulegen.

Wie auch immer: ich werde nicht die Fortsetzung dieses Krieges unterstützen, wie es Ziel der US und einiger ihrer Verbündeter ist.“38 – fährt Albrecht Metzger weiter fort.

Lister, der triumphierend in seinem Artikel die strategisch klugen Gewinne der „Rebellen“ in Idlib 2015 kommentiert, sagt auch:

„Gute Planung alleine sicherte nicht diese Gewinne: die Operationen bezeugten auch eine weitaus verbesserte Koordination zwischen rivalisierenden Gruppen, von US-unterstützten Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA) zu moderat konservativen syrischen Islamisten, zu al-Qaida Verbündeten Jabhat-al-Nusra und anderen unabhängigen Jihadistengruppen.“ 37

Lister spricht von der Planung der Einnahme Idlibs 2015 in der US-geführten Kommandozentrale im Süden der Türkei und der generell von den Verbündeten erleichterten Zusammenarbeit mit Jihadistengruppen und somit erleichterten Waffenlieferungen als wesentlich „Kriegsentscheidende Faktoren“ damals.

Gab es 2015 mediale Aufschreie wegen der Gefahr für Zivilisten durch die Einnahme Idlibs durch die US und ihre islamistischen Verbündeten? Bis hin zu al-Qaida?

Eine lang anhaltende Dürre in Syrien vor 2011, die vielen Subsistenzwirtschaftlern: Kleinbauern, Fischern und Händlern die Lebensgrundlagen zur Ernährung der Familie raubten, steigende Brotpreise damals: es gibt viele existenzielle Gründe für die Aufstände seinerzeit, die sofort instrumentalisiert wurden.

Wenn der Griff zur Waffe gewährleistet, dass Du selbst und die Familie nicht verhungert, dann werden auch hierzulande mehr zur Waffe greifen.

Zumal, wenn Waffen bald leichter zu erhalten sind als Brot.

Diktaturen und (Söldner-)Armeen weisen insofern eine entscheidende Gemeinsamkeit auf: einige wenige kluge und gerissene „Strippenzieher und Machthalter“ im Hintergrund nutzen da Not und Unbildung vieler auf die Böden der Tatsachen gedrückter Menschen für ihre Ziele.

„Syrien: Wohin mit 60.000 Kämpfern für einen islamistischen Staat?“ 39

fragt Thomas Pany denn auch zu Recht. „Kämpfer“, „Terroristen“, „Rebellen“?

Das ganze Dilemma des „Kriegs gegen den Terror“ entlarvt sich hier. Und die völlige Ausweglosigkeit des Krieges per se. Des Krieges, der mit zunehmender Dauer mehr Verrohung der Menschen bringt, mehr Opfer fordert. Der mehr der aktiven Teilnehmer, der neutral als „Kämpfer“ bezeichneten zu „Terroristen“ macht.

Die nur noch schwer in eine „friedliche Entwicklung“

in einer ebensolchen Gesellschaft „integrierbar“ sind.

„Chancen“ und „Herausforderungen“ sind im Frieden jedoch würdevoll umso schwerer zu erreichen. Und aufzubauen. Dennoch: wer sie versäumt, der versäumt auch den Frieden. Er oder sie kommt um manchen schweren Schritt nicht herum.

 

9. Deutschland: „falscher Frieden“, „wahrer Krieg“ oder –
wie steht’s um „die Würde des Menschen“?

40

Zum Abschluss also einmal mehr Willy Brandt hier.

Aber damals war die Welt eben noch klar. Die „Frontverläufe“ im kalten Krieg waren schwarz-weiß. Die Zusatzbestimmungen des 2+4 Vertrages und vieles mehr zeigen denn auch, wem oder was die Souveränität eines wiedervereinigten Deutschlands geschuldet ist. Dennoch: auch Brandt handelte seinerzeit in Warschau nicht „dem Protokoll gemäß“. Und: was schreibt das Protokoll uns noch vor, wenn es offenkundig ist, dass „Wir“ nicht „das Richtige“, also eigentlich „Rechtsstaatlich Verankerte“ – oder „dem Völkerrecht Entsprechende“ getan haben, um einen Krieg zu beenden?

Alleine diese Fragen zeigen, wie dünn das Eis ist, auf dem wir uns bewegen. Wie grau die „rechtliche Zone“ ist. Wie fatal denn auch die „unbedingte Bündnistreue“ zu Partnern ist, die nicht mehr berechenbar und verlässlich handeln. Und die in erster Linie uns damit mehr und mehr in Gefahr bringen. Uns und unsere Nachbarn.

Vom Leid anderer Völker auf und an den Schlachtfeldern des 3. Weltkriegs gar nicht zu reden.

Natürlich: die Schlüsselrolle Deutschlands und Ramsteins beim Drohnenkrieg.41

Gleichzeitig ein Hinweis auf die perfide verdeckten Qualitäten der Kriegsführung in diesen Tagen. Als im Sommer 2009 das Swat-Tal in Pakistan von Taliban besetzt war, flogen über meinen Arbeitsplatz in der Altstadt von Kabul viele „seltsame Tiefflieger“ gen Osten. Vom US-Stützpunkt Bagram kamen diese Fluggeräte nicht. Drohnen und der „Drohnenkrieg“ waren noch kein öffentlich debattiertes Thema. Wie viel „Kollateralschaden“ diese Tötungsmaschinen verursacht haben, das ist mir nicht bekannt. Es ist keinem wirklich bekannt. Auch wie viel „Terror“ der solchermaßen geführte „Krieg gegen den Terror“ verursacht hat: das weiß keiner.

(siehe dazu auch nochmals Teil 6 hier)[3]

Ein erklärter Frieden nach dem Krieg ist eine viel größere Herausforderung als das ewige Weitermachen. Aber die Würde des Menschen beginnt damit.

„Diese „Würde“ eines Menschen ist der äußere Ausdruck seiner Selbstachtung, also jener Haltung, „die Menschen ihrem eigenen Menschsein gegenüber einnehmen, und die Würde ist die Summe aller Verhaltensweisen, die bezeugen, dass ein Mensch sich selbst tatsächlich achtet.“ 42

Die Würde des Menschen beginnt mit der Abkehr von Lügen und verdeckten Operationen, die anderen Menschen und ganzen Völkern diese Achtung nehmen. Lügen und verdeckte Taten, die auch töten, um eigene Machtzirkel zu sichern.

Die Würde des Menschen ist die Basis allen Handelns und Nicht-Handelns.
Um Frieden zu erreichen bedarf es des klugen und gezielten Handelns. Jetzt.

Dafür sind vielerlei Maßnahmen erforderlich. Maßnahmen, die hier und jetzt eingeleitet und zur Umsetzung geführt werden müssen: Sei es die Gründung von „Schulen für internationale und interkulturelle Entwicklungs-Zusammenarbeit“, in denen die Menschen hier das Rüstzeug – die Ausbildung erhalten sollten, die ihnen die Möglichkeit gibt, frei zu entscheiden, ob sie hier bleiben wollen oder – ob sie in ihre Heimat zurückkehren und je nach dem auch mit uns ihr Land wieder aufbauen wollen.43

Um Frieden zu erreichen bedarf es des klugen und gezielten Handelns. Jetzt.

Ausbremsen und Aussitzen kann und darf man dies nicht. Wer das macht, gefährdet Europa und seine Menschen genauso wie die Menschen an den Kriegsschauplätzen. Wer das macht, züchtet wider besseren Wissens und Gewissens mehr Unrecht und mehr Terrorismus und gefährdet somit seine Schutzbefohlenen: die Zivilbevölkerung. Unbescholtene Bürger. Hier wie dort.

Insofern sollte erwogen werden, gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Amtsenthebungsverfahren wegen fortlaufender Unterstützung von Angriffskriegen einzuleiten. Schon 2003, zu Beginn des Irak-Krieges „verteidigte Merkel den amerikanisch-britischen Angriff ausdrücklich als unumgängliche Schadens-begrenzung.“44 Auch die Aussage einer Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes jetzt, dass der Attentäter vom Breitscheidplatz von ihrer Behörde überwacht wurde, lässt nicht nur auf den im Kreuzfeuer stehenden Chef dieser Behörde, H.G. Maaßen ein ungünstiges Licht fallen.45 Inzwischen ist Maaßen ja in postdemokratischer Manier, in der alle Themen bis zum Erbrechen wiedergekäut und dann dem Plebs die faulen Kompromisse vor den Weidenzaun in die Tränke geschüttet werden zuerst zum Staatssekretär in Seehofers Innenministerium wegbefördert und dann nach vielen Protesten von Seiten des Stimmviehs zum „Sonderberater im Innenministerium“ gekürt worden. „The torture never stops“, wie Frank Zappa Ende der 1960er sang. Die ganze abgestandene Brühe in der Tränke wird noch mehr „Stimmvieh“ ihr „Heil in der AFD suchen” lassen.

Seehofer und Maaßen sind Variablen. Verantwortlich ist die Kanzlerin. Für viele Gesetzesverstöße. Eine solche, ihre Politik steht bereits weit ab vom Grundgesetz und allem, wozu der Amtseid eines Bundeskanzlers oder einer Kanzlerin diesen oder diese verpflichtet. Alleine das Gedenken an solche ehrenhaften Staatsmänner wie Willy Brandt – Männer, die sich aber auch als Teil einer Gesellschaft von Menschen aller sozialen und ethnischen Herkunft gesehen haben, sollte Demokraten in einem in Europa verwurzelten Deutschland dazu veranlassen, eine Verfassungsklage gegen eine Regierungschefin einzuleiten, die Vasallentreue zu unberechenbaren Partnern über den Schutz der eigenen Bevölkerung stellt.

Und das nicht erst seit gestern.

Auch wenn diese Initiative, dieser Apell wie so vieles ausgebremst und zerstört oder irgendwie mundtot gemacht und verwässert wird, der Verfasser hier gleich mit: Irgendwie muss es doch Mittel und Wege geben, den Himmelschreienden Grausamkeiten und Dummheiten des 3. Weltkrieges ein Ende zu bereiten. Oder?

 

Anmerkungen und Bildquellen:

  1. Ein Video und Bildquelle zu Willy Brandts Kniefall in Warschau,vor dem Mahnmal am Warschauer Ghetto:
    https://www.youtube.com/watch?v=hguYEbpwVZU [8]
  2. Hier das Video der Gedenkzeremonie und zu Barack Obamas Rede in Hiroshima: https://www.youtube.com/watch?v=gpanCic7OTU [9]
  3. Bildquelle: Video der Umarmung Obamas eines Überlebenden des Atombombenabwurfes durch die US-Air Force am 6. August 1945:
    https://www.youtube.com/watch?v=4Ey89C05FOw [10]
  4. https://www.youtube.com/watch?v=vJE8aRZA1m4 [11]
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%AA_%C4%90%E1%BB%A9c_Th%E1%BB%8D [12]
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Friedensnobelpreistr%C3%A4ger#2001%E2%80%932010 [13]
  7. https://medium.com/@rebeccaposselt/the-forgotten-war-in-yemen-interview-with-yemeni-abdulhak-raja-7e28df2cf649 [14] und ein Bericht von Middle East Eye, einem Korrespondentenportal, dessen Rechtsstandort mit England und Wales angegeben ist über die Verknüpfungen zwischen „dem Westen“ und al-Qaida, insbesondere da auch im Kampf gegen alles, was sich da gegen die Invasion der Saudis wehrt im Jemen: https://www.middleeasteye.net/columns/are-us-and-uk-empowering-al-qaeda-yemen-1513529836 [15]
    (Danke einmal mehr, Manfred Hulverscheidt)
  8. Elke Dangeleit wagt auf „Heise telepolis“ schon am 20. August 2018 einen umfassenderen Ausblick auf die bevorstehenden Ereignisse in und um die letzte Enklave von ISIS und anderen Widerstandsgruppen in Syrien:
    https://www.heise.de/tp/features/Idlib-Naechster-Krisenherd-4141556.html?seite=all [16]
  9. https://www.csis.org/analysis/losing-winning-americas-wars-afghanistan-iraq-and-syria [17]
  10. https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Sergejewitsch_Gorbatschow#/media/File:Michail-Gorbatschow.jpg [18]
  11. https://www.thefamouspeople.com/profiles/images/ahmad-shah-massoud-1.jpg [19]
  12. https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Schah_Massoud [20]
  13. https://heikegroos.wordpress.com/ [21]
  14. https://www.zeit.de/2009/45/Willemsen-Groos-45 [22]
  15. https://www.youtube.com/watch?v=16BtpSCufU0 [23]
  16. https://www.youtube.com/watch?v=ANNhzJlHJFc [24]
  17. https://www.youtube.com/watch?v=edicDsSwYpk [25]
  18. https://www.ae911truth.org/news/478-from-widgery-to-washington-a-bloody-sunday-family-member-s-perspective-on-9-11 [26] und https://www.ae911truth.org/ [27]
  19. https://www.zeit.de/2009/21/D-Souveraenitaet/komplettansicht [28]
  20. https://www.heise.de/tp/features/Two-Riders-were-approaching-Der-Anfang-vom-Ende-der-deutschen-Medien-4158735.html?seite=all [29]
  21. https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-09/syrien-krieg-konferenz-teheran-idlib-russland-baschar-al-assad [30]
  22. „Der 100. Affe – Das Plädoyer gegen den Atomwahn“, Ken Keyes jr., © 1983 Felicitas Hübner Verlag, Waldeck-Dehringhausen.
  23. https://de.wikipedia.org/wiki/Pugwash_Conferences_on_Science_and_World_Affairs [31]
  24. Edward Teller ist als „Erfinder der Wasserstoffbombe“ auch eine Kernfigur in Heinar Kipphardts szenischer Aufarbeitung der Prozesse in der McCarthy Ära in den 1950er Jahren gegen führende Vertreter der Entwicklung von Atom- und Wasserstoffbombe und deren „kommunistische Umtriebe“: „In der Sache J.Robert Oppenheimer“. In erster Linie jedoch geht es dabei um den Konflikt zwischen (angewandter und letztlich in der Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki endender Natur-) Wissenschaft und Ethik:
    https://www.deutschlandfunk.de/heiner-kipphardts-in-der-sache-j-robert-oppenheimer-wird-in.871.de.html?dram:article_id=124933 [32]
  25. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_D%C3%BCrr [33]
  26. Das Video mit Putin hier: https://www.youtube.com/watch?v=rI_bODlawNw [34]
    und das Einstein zugeschriebene Zitat z.B. hier:
    http://topweisheitensprucheundzitate.blogspot.com/2016/11/zitat-albert-einstein-3-weltkrieg.html [35]
  27. https://www.heise.de/tp/features/Das-Gesetz-des-Staerkeren-4162021.html [36]
  28. https://www.businessinsider.com/israel-grants-golan-heights-oil-license-2013-2?IR=T [37]
  29. https://medium.com/insurge-intelligence/western-firms-plan-to-cash-in-on-syria-s-oil-and-gas-frontier-6c5fa4a72a92 [38]
  30. Zum Umgang denn auch des Establishments mit „Peak Oil“: The Quest: Energy, Security, and the Remaking of the Modern World. Penguin Press, 2011; https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Yergin [39]
  31. https://www.zeit.de/2018/38/syrien-giftgas-deutschland-beteiligung-luftschlaege-baschar-al-assad [40]
  32. Ein Hinweis auf Dirk C. Flecks Interviews mit Spitzenjournalisten aus dem Jahre 2011 mit dem Titel „Die Vierte Macht“ kann und darf hier einfach nicht vergessen werden. Ein großartiges und wegweisendes Werk. Wie so vieles, was Dirk geschrieben und geleistet hat: https://www.dirk-c-fleck.de/de/die-vierte-macht [41]
  33. https://www.zeit.de/2018/38/asylpolitik-abschiebung-fluechtlinge-afghanistan-horst-seehofer/komplettansicht [42] Kurz nach meiner Kommentierung wurde der Artikel von Zeit-Online auf den „Bezahlmodus“ Z+ umgestellt.
  34. https://de.wikipedia.org/wiki/George_C._Marshall [43]
  35. https://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes [44]
  36. https://www.zeit.de/2006/35/P-Keynes [45]
  37. https://www.brookings.edu/opinions/why-assad-is-losing/ [46]
  38. https://www.facebook.com/albrecht.metzger.1/posts/10156452734446136?__tn__=-R [47]
  39. https://www.heise.de/tp/features/Syrien-Wohin-mit-60-000-Kaempfern-fuer-einen-islamistischen-Staat-4165083.html [48]
  40. Bundesarchiv, B 145 Bild-F057884-009 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA3.0, gefunden bei Claudio Sozzani, Grazie!
  41. https://www.ramstein-kampagne.eu/ [49]
  42. http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41277/dass-auschwitz-sich-nie-wiederhole-?p=all [50] Danke hier einmal mehr an Albrecht Metzger.
  43. http://www.anyupae.com/deutsch/s-i-n-i-c-c-o-l-schulen-f%C3%BCr-entwicklungs-zusammenarbeit/ [51]
  44. http://www.faz.net/aktuell/politik/cdu-csu-merkel-verteidigt-irak-krieg-189806.html [52]
  45. https://www.morgenpost.de/berlin/article215322241/Verfassungsschutz-Mitarbeiterin-Anis-Amri-wurde-ueberwacht.html [53]
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Endnotes:
  1. (Teil 6 hier): https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4490
  2. Anmerkungen und Bildquellen: https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4559&page=4#a10
  3. Teil 6 hier): https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4490
  4. Beitrag versenden: https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4559&wp_email_popup=1
  5. Warum zwei früh mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Regierungschefs so unterschiedlich wirkten.: https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4559
  6. Kriege seit 2001 und die erneute Zerrissenheit der Welt: /?p=4559&print=0&page=2
  7. Hoffnung auf eine glückliche und friedvolle Zukunft: /?p=4559&print=0&page=3
  8. Nachkriegsordnungen: /?p=4559&print=0&page=4