Was also kommt nach dem „Post-Neoliberalismus“?

Der Feudalstaat des “Neo-Post-Liberalismus” oder –
den Menschen und ihrer Welt ein Wohlgefallen?

von Stefan Frischauf

Die Frage „Wohin geht’s nach dem „(Post-) Neoliberalismus“!?“ habe ich hier bereits in einem „Versuch, „Globalisierung“ und „Glück“ zusammenzubringen“ im Mai 2018 erörtert. 1
Dank der freundlichen Unterstützung von Ludger Elmer und Andreas Schlutter war mir dies gegönnt.

Das Ergebnis jedoch zeichnet sich nun immer deutlicher ab.
Dies ist also der Versuch einer erneuten „realistischen Standortbestimmung“.

Ein Abgesang soll’s nicht werden. Eine Kampfansage auch nicht.
Ein Gesprächsangebot? Vielleicht schon eher.

 

Was ist?

Zweifelsohne haben wir heute viele Möglichkeiten. Wir können die Dinge, die Welt an sich mit allergrößter Präzision beobachten. In „Echtzeit“ vermögen wir rund um den Globus herum dies mitzuteilen.
Wir vermögen dadurch gar „1 und 1 zusammenzuzählen“. Und auch wieder voneinander zu subtrahieren. Mittels Multiplikation und Division dann können wir alles faktoriell quantifizieren. Und mehr. Nullsummenspiele mit Einsen und Nullen und die große Kunst, immer Gewinn zu machen.
Oder dies zumindest so für alle glaubhaft zu verkaufen.

“Wir leben im Moment, nicht in der Gegenwart.”

“Letzten Endes existiert die Realität nur als Lichtprojektion.
Wir sind Wegstrecken des Lichts.
Die gesamte Technik ist ein später Sonnenkult.” 2

Beide Zitate stammen von Paul Virilio. Jenem im letzten Jahr verstorbenen großen Kollegen, dem ich mich näher fühle als manchem lebenden Architekten. Dessen unerschrockener Blick viele Dinge trotz gleißenden Lichts und tiefer, bedrohlicher Schatten darin und dahinter aufgeweitet hat. Das Gesichtsfeld und Möglichkeiten der Betrachtung dessen, was ungesehen und damit auch häufig unbemerkt bleibt. 2

Was so auch bleiben soll?

 

Was bleibt?

Der größte je vermessene  Braunalgenteppich „erstreckt sich auf einer Länge von bis zu 8850 Kilometern zwischen Mittelamerika und Westafrika“ auf dem Atlantik. 3
Der Monsun in Südasien ist dieses Jahr besonders heftig und hinterlässt viele Verwüstungen. 4

Was ist „Klima“, was ist „ganz normales Wetter“? Wer unterscheidet das wie und weshalb?

Ist es der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro alleine, der „das Klima in Gefahr bringt“, wie die Zeit ein Video der Redaktion „Wissen und Digital online“ überschreibt? 5
Geht es der Redaktion da wirklich um „das Klima“, den „Umweltschutz“, die „indigene Bevölkerung“ im Amazonas-Regenwald? Oder geht es da in erster Linie um Schuldige? In diesem Falle den (zweifelsohne alles andere als unbescholtenen) brasilianischen Präsidenten und die vielen Siedler und natürlich auch Konzerne, die das Land da roden, nutzen und verwerten wollen? Für ihre Zwecke und zum Verfolgen eigener „Wachstumsziele“? Welche Ziele verfolgt eine solche Berichterstattung? Geht es um die Sache oder geht es nur darum, Schuldige zu finden? Auch für die eigene Unfähigkeit, lokale und globale Themen kontextuell anzugehen? Der Fingerzeig auf den anderen also als Abweisen von eigenem Versagen, eigener Unfähigkeit? Eigenem Unwillen, da den vermeintlich „sicheren Weg“ des „Wachstums“ am Ende der Gesetze der Entropie zu verlassen? Wessen Ende, wessen Anfang?
Was ist Regel, was ist Ausnahme?

Steile These: Würde es der Redaktion hier durchaus stellvertretend für den allgemeinen „Zeitgeist“ um mehr als die Suche nach Schuldigen auch für unser eigenes Versagen gehen, dann würde man zumindest auch Motive der Siedler erwähnen und auf die Notwendigkeit der Vermittlung von Ausgleichsmöglichkeiten zwischen Landnahme und Brandrodung und „Subsistenzwirtschaft“ kleiner mittelständischer Siedler und ihrer Familien einerseits und den Interessen der indigenen Bevölkerung und des „globalen Klimaschutzes“ andererseits hinweisen. „Nachhaltige“ Aufforstungsinitiativen und Ratschläge zur Vermeidung von Monokulturen, Hinweise auf Mischkulturen zur besseren und nachhaltigeren Bewirtschaftung der sonst schnell ausgelaugten Böden inklusive.
Alternativen zum Verdrängungskampf jedoch werden nicht aufgezeigt.
Wozu auch? Schuld und Sühne. Teile und Herrsche. Endlos. „Naturzustand“.
Der Mensch dem Menschen ein Wolf.
Bis ans Ende unserer Tage?

Als Afghanistan-Veteran und ehemaliger „Aufbauhelfer“ dort für einen „Aufbau“, den es so gar nicht gibt,  nehme ich immer wieder erstaunt zur Kenntnis, wie viele Leute auch mit „liberalen, gut bürgerlichen Ansichten“ alles über das Land am Hindukusch und vor allem seine Menschen zu wissen glauben. In der abschätzigen Bewertung der „Unfähigkeit zur Demokratie“ der Menschen dort von diesen Seiten tun sich bisweilen erstaunliche Parallelen zu pauschalen Verhaltens- und Denkmustern von vielen AFD-Wählern auf. Aber nein. „Herren-(und Frauenmenschen-)Attitüden“: das weist man natürlich weit von sich.
Man ist ja „für Flüchtlinge“. 6
Gute Menschen. Alle. Nur ein paar „schwarze Schafe“.
Wirklich? Überhaupt: die „Flüchtlingsfrage“. Unversöhnlicher Spaltpilz in allen Debattierclubs.
Letztlich beherrscht die „Schuldfrage“ schnell alle Diskurse. Auswege aus „Sackgassen unserer Zivilisationsentwicklung“ werden so immer mehr verbaut. Bis in alle Ewigkeit, amen?

 

CO2-Steuer und Ablasshandel, Ff.

Demokratie? Mitsprache? Was ist, was bleibt davon?
Einige Fridays for Future-Sprecher, die bisher wenig Erfahrung mit dem Fiskus gemacht haben und die üblichen Verdächtigen, „Wissenschaftler mit konformer Meinung“ werden befragt und schwupps, ist die „gerechte Verteilung“ der nötigen Kosten durch. 42 % Spitzensteuersatz, ähnlich hohe oder niedrige Rentenerwartungen, 19 % Mehrwertsteuer, keine oder geringe Besteuerung globaler Konzerne wie Google, Ikea, Amazon und viele mehr, auch die Übernahme der vielen Regressverfahren aus den US von Monsanto durch Bayer und das baldige Einspringen des Steuerzahlers dort – die „soziale Marktwirtschaft“ funktioniert.

Der Sieg im „Krieg arm gegen reich“, von dem „Großinvestor und Mäzen“ Warren Buffett spricht, ist „den Reichen“ kaum noch zu nehmen. Läuft alles wie geschmiert.
Schuld und Verantwortung werden nach unten weitergereicht. Besser: nach unten getreten.
Alle Zeitfenster richten sich nach den Tilgungsraten der Kredite der Oberen.

Die Tagesschau gar berichtet über die Warnungen vor einer neuen Immobilienblase. Einem Finanz- und Wirtschaftscrash „größeren Kalibers“. 7 Annegret Kramp Karrenbauer (AKK) will die Rüstungsausgaben erhöhen. Ihre Vorgängerin Ursula (Uschi) von der Leyen (VdL), nun nach Brüssel befördert, warnt vor Russland und seiner Aggressivität. Die Krim! – Irak? Afghanistan? Jemen? Kashoggi? Vorher auch noch Jugoslawien? Und Syrien und der IS, „moderate Rebellen“ und andere? Alles Kein Thema.

„Schöne neue Welt!“
Aldous Huxley und George Orwell kommen kaum noch aus dem Staunen heraus.
Das „Outsourcen von Kriegen“ funktioniert. Alles „Kavaliersdelikte“. Wer fremde Länder überfällt, bleibt straffrei. Familien-Verteidigungsministerinnen mit Adelstitel, die immer „Halali“ rufen, wenn es um das Verheizen junger Playstation-Krieger an fremden Fronten ohne wirklichen zivilen Schutz- und Aufbauplan geht, werden an die Spitze Europas gesetzt.
Die sieben eigenen Kinder gilt es, von den Fronten fernzuhalten. Ihnen ihr „Zubrot zu sichern“.
McKinsey und anderen „Elitenclubs“ sei Dank. „Es herrscht wieder Frieden im Land“. Immer noch.
Ff. Falscher Frieden. Fortsetzung folgt. Falsche Fuffziger.
Taumelnd in den Untergang melden sich andere Vertreter des alten preußischen Adels und melden Besitzansprüche auf längst erloschene und verwirkte Besitztümer an. So, als wären 14 bis vor allem 18 nie gewesen. 33-45? Ach – nicht kleinlich sein. Nn. Nur nicht.
Max Liebermann steht fassungslos auf dem Balkon seines Hauses und sieht, wer da alles munter durchs Brandenburger Tor zieht. Und rein und raus geht. Siegessicher. Ss.

Sss – Schweigen gebietende Zischlaute. Schutzstaffeln des Untergangs.
Der Maler auf dem Balkon konnte schon 33 nicht so viel fressen wie er kotzen wollte.
Traditionen bedingungsloser Dekadenz. Auch von Kotze spricht man nicht. Ts ts.

Was soll man den Kindern sagen?
Was bleibt? Was ist? Was wird sein?

 

„Epilog

Weißt du, ob die Mauer, an der Du lehnst, nicht gerade erst errichtet worden ist ?
…weißt du, ob die Bank, auf die Du Dich setzt, nicht gerade erst frisch gestrichen worden ist ?
…weißt du, ob das Dach, unter dem du wohnst, nicht über dir einstürzt, wenn es stürmt ?
…weißt du, ob die Benzinvorräte dafür ausreichen, dass du auch in zwanzig Jahren noch Auto fahren kannst ?
…weißt du, ob die Luft dazu ausreichen wird, dass du in zwanzig Jahren noch atmen kannst ?
…weißt du, ob der Kühlschrank in zwanzig Jahren noch kühlt, die Waschmaschine noch wäscht, die Spülmaschine noch spült ?
…weißt du, ob das Waffenstarren auf beiden, auf allen Seiten gegeneinander noch Sicherheit garantiert ?
…weißt du, ob dein klinischer Tod nicht das wirkliche Ende ist ?
…weißt du, ob du in einem vermeintlichen Jenseits noch einmal alle diesseitigen Fehler wieder gut machen kannst ?
…weißt du es ?
Weißt Du es ?
Warum schweigst Du ?
Warum schweigst Du denn bloß so…so leise schreiend ?
Warum schweigst Du denn bloß so…keuchend und abgehetzt ?

Ach, was weißt du schon ?
Was wisst Ihr schon ?
…was wissen wir schon ?
Was denken wir schon zu wissen ?
Was fühlen wir schon zu wissen ?
Wisst ihr, was Liebe ist ?
Wisst ihr, was Hass ist ?
…ich ?
Ach, wir leben abgestumpft dahin.
Konsumverwöhnt wie wir sind hören wir von nahenden Katastrophen,
den Zeitenwenden, die uns überrollen werden und was tun wir ?
Was tun wir ?
Was tut ihr ?
WAS ? WAS ?
IHR – sorgt euch nur um euer eigenes Wohlergehen !
IHR – steigt ein in den Zug, der Euch zurückbringen wird zu
den letzten, verschärfteren Zeitenwenden.
IHR – seid die angeklagten Ankläger.
IHR – seid die betrogenen Betrüger.
IHR – seid die vertriebenen Vertreiber.
IHR – seid nur das Brennholz für die Einheizer der Geschichte.
IHR – seid dazu gemacht worden und habt euch selbst dazu gemacht.
IHR – seid die euch selbst fortschrittlich zu Tode jagenden Flüchtlinge !
WIR – sind diejenigen, die fortschrittlich ungläubig dran glauben müssen !“

Das hatte ein junger Mann, gerade „volljährig“ geworden im Herbst 1982 geschrieben. Er spürte damals irgendwie tief drinnen in seinem Inneren, dass seine „erste freie Wahl“, die „Ausübung seines Bürgerrechtes“ auch seine letzte freie Wahl war.

WIR – hatten alle Möglichkeiten.
Wir – so, wie alle anderen vor uns.

Dieser Nachsatz kam ihm immer wieder in den Sinn.
Ob er ihn jemals wirklich aufgeschrieben hat? Er weiß es nicht.

Der Vater dieses jungen Mannes, der da wie so viele, seine Jugend auf die eine oder andere schöne Art verschwendet hat, sagte ihm immer, er müsse „Menschenkenntnis“ und „Lebenserfahrung“ sammeln.
Ein alter, kluger Handwerksmeister. Die Faust in der Tasche. Immer beliebt bei seinen Teams. Auch in Starkstrom-Spannungsfeldern sie immer beschützend. Ihnen Sicherheit gebend.
Das Sicherheitsbedürfnis der Mutter indes war ihm immer zu eng. Dennoch – missen mag man nichts, was die Eltern einem mitgegeben haben. Ohne sie wäre man nichts.

Nu lieg ich hier und kann nicht anders. Schlaflos und doch hellwach.
Genug der Worte.

Auch diese Nachsätze gehen an die „Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ GIZ, ans Auswärtige Amt Aa, an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit BMZ.
Man wird sie dort ohnehin nicht lesen wollen.
Sie sind auch Heike Groos, ehemaliger Oberstabsärztin der Bundeswehr und fünffacher Mutter und den vielen anderen namenlosen Gefallenen in und nach Afghanistan gewidmet. Und dem afghanischen Volk. Allen Fußsoldaten und Fußabtretern der Geschichte.
Nicht nur dort. 8

Die GIZ hat mich auch gefragt, ob ich mir eine Reise nach Kabul unter gegebenen Umständen, nach einem Anschlag vor ihrer Unterkunft dort vorstellen könne. Natürlich habe ich das bejaht. Sollte mir dabei irgendetwas zustoßen, dann ist dies nur zu einem ganz kleinen Teil dem afghanischen Volk oder einem vermeintlichen „Einzeltäter“ anzulasten. Respekt vor dem Unvorhersehbaren, der Möglichkeit, zum falschen Moment am falschen Ort zu sein ist wichtig. Angst jedoch davor muss man wie ein Hochseilartist, der auch nach dem Sturz in die Manege am nächsten Tag wieder oben steht überwinden. So wie Niki Lauda es seinerzeit getan hat, als er sich gerade sechs Wochen nach seinem schlimmen Unfall auf dem Nürburgring wieder ins Cockpit gesetzt hat. 9
Unglückliche Zufälle gibt’s immer. Die Angst davor jedoch lässt auch die Chance auf glückliche Fügungen schwinden. Die Angst zerstört alle diese Möglichkeiten. Damit auch die Chance auf eine friedlichere Zukunft. Auf Wege dahin, die ein besseres Zusammenleben ermöglichen. Und ein Zusammenarbeiten, um diese Wege gemeinsam erschließen zu können zudem.

Als ich 2009 – 2010 in Kabul gelebt und gearbeitet habe, war ich entsetzt, wie verdreckt der Planet inzwischen ist. Es war zum ersten Mal seit 20 Jahren, dass ich wieder im „globalen Süden“ lebte. Was jedoch schlimmer wog, das waren Ignoranz und Unwillen der westlichen Besatzer, dieses Thema anzugehen. Den Menschen dazu zu verhelfen, Wege aus dem Dreck und dem Müll heraus zu finden. Ein Leben mit dem Planeten und seinen Quellen, nicht unterhalb von diesen und den in sie hineinmündenden Latrinen zu ermöglichen.

2013 habe ich ein Flugzeug verlassen und habe gesagt, dass ich nie wieder ein Flugzeug ohne Auftrag und Bezahlung aus Deutschland betreten möchte. Gerade in solche Regionen wie Süd- und Zentralasien. Mit Afghanistan als Fokus darin.

Kevin Anderson, führender Klimaforscher aus Manchester fliegt gleichfalls schon länger nicht mehr. Er berät auch Greta Thunberg. Jene halsstarrige mädchenhafte junge Frau, die von Maulfechtern überall zerrissen wird. Ein kluges und entschlossenes Mädchen. Ein Mensch, dessen durchdringender Blick jede Lüge als solche entlarvt. Ein Mensch, der sich nicht durch billige Antworten abspeisen lässt. 10

Ist es nicht verrückt, dass viele Industriezweige größeren Schutz genießen als die Um-, besser Mitwelt, die man durch den Unwillen, „graue Energie“ von Wertstoffzyklen in die Produktions- und Gebrauchskreisläufe aufzunehmen immer mehr zerstört? Aber nachher erzählt man, dass „der Verbraucher“ das ja so wolle. Der grüne Punkt und vieles andere: alles billiger Ablasshandel.
Teuer für die folgenden Generationen. Weil immer mehr irreparabel.
Die Ratschläge der „Nationalen Wissenschaftsakademie“ Leopoldina sollten da durchaus auch in dieser Hinsicht sinnfällig erweitert werden. Dazu bedarf es etwas mehr Mut zu neuen Formen der „Internationalen Zusammenarbeit“. Auf allen Ebenen. „Bottom Up“ und „Top Down“. 11

„Kopfstehergesellschaft“ indes hat ein Freund das „Zu Tode Verwalten“ unserer Zivilisation mal genannt.
Einer der wichtigsten Artikel selbst dieses Freundes vom September 2008 verdeutlicht per se schon, wie viel weiter es gegangen ist: „Das Gutenberg-Phänomen“ des genialen Amateurschreibers iDog findet man heute als Suchbegriff nicht auf ZEIT-online, obwohl es seinerzeit in der ZEIT-online Community veröffentlicht wurde. Auch allgemein sind die Algorithmen so geschaltet, dass dieses weit voraus- und zurückblickende Traktat kaum aufzufinden ist. Genau jene „willfährigen Vollstrecker der Realitätsmonopole“, die da beschrieben werden, haben ganze Arbeit geleistet. „Realität“ und ihre gezielt gefilterte Wahrnehmungssteuerung im ewigen Cyberkrieg. Macht- und Kontrollerhalt als Conditio sine qua non der „Informations- (und Desinformations-) Gesellschaft“ wird zum Kampf alleine um die Deutungshoheit über „Fake-News“ und „Realität(en)“.

Nun jedoch kippt dieses „System“ allmählich komplett hinten herüber. iDog als „genialer Amateur“ hat da 2008 sich an der Gegenwart abgearbeitet, während die „professionelle Presse“ immer noch bevorzugt den Moment beschwört und so zunehmend die „Gegenwart als Ganzes“ verdrängt. 12

„Nachhaltigkeit“ (Sustainability) und „Widerstandsfähigkeit“ (Resilience) auch gegen die Folgen des Klimawandels sind wesentliche Themen im Städtebau und bei Stadt- und Regionalentwicklung. Städtebau muss im Hinblick denn auch auf „Infrastrukturen und Interessensausgleiche“ komplett „neu“ weiter gedacht werden. Die Synthese dieser Themen muss auch zur Erhöhung unserer Sicherheit hier verfolgt werden.

Wir sitzen im selben Boot. Wir können weiter notdürftig Löcher stopfen und hoffen, den Untergang dieser Nussschale zu überleben. Früher oder später sterben wir so oder so. Aber die Nachgeborenen, unsere Kinder sollten noch Chancen und Möglichkeiten haben, ein Leben zu gestalten.
Dafür benötigen sie auch die Erfahrungen von uns. Und die Bereitschaft, diese auszutauschen. Und somit zu lernen. Nicht nur überleben im Kampf jede(r) gegen jede(n) in der Schattenwelt der Konkurrenz zu lernen.
Leben zu lernen.

Endlich leben.

Auch dieses Kind wird irgendwann erwachsen. Die Aufnahme vom März 2009 wurde in einem Winkel von Murad Khane in der Altstadt Kabuls gemacht, in dem viele junge Männer in ihrer Drogensucht abhängen.

Auch dieses Kind sollte als Heranwachsende(r) nicht irgendwann vor unserer Tür stehen und fragen, warum es da steht. Und Geld fordern, weil es keine Arbeit gibt. Und keine Perspektiven. Keine Hoffnung. Keine Zukunft. Nicht hier. Und nicht dort.

Die Zukunft ist aber auch für dieses Kind, diese(n) Heranwachsende(n) irgendwann und immer wieder auch ein Versprechen. Ein Fenster, das aus der Gegenwart heraus sich öffnet.

 

Danke.

 

Anmerkungen:

  1. https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=4228
  2. https://www.franceculture.fr/philosophie/paul-virilio-nous-vivons-dans-linstant-et-non-le-present, http://archiv.vm2000.net/11/cross.over.html, https://www.zeit.de/kultur/literatur/2018-09/paul-virilio-nachruf
  3. https://www.sueddeutsche.de/wissen/sargassum-braunalgen-karibik-duenger-strand-gestank-mexiko-1.4512046?utm_source=pocket-newtab
  4. https://www.zeit.de/video/2019-07/6059270981001/asien-dutzende-tote-durch-monsun und https://telebasel.ch/2019/07/15/bereits-mehr-als-130-todesopfer-durch-monsun-in-suedasien/
  5. https://www.zeit.de/video/2019-05/6036480072001/brasilien-ja-r-bolsonaro-bringt-das-klima-in-gefahr
  6. Einmal mehr Ulrich Ladurners Artikel vom September 2010 auf Zeit-online: „Die können keine Demokratie! – Der Westen denunziert die Afghanen – und lenkt vom eigenen Versagen ab.“ https://www.zeit.de/2010/39/P-Meinungsleiter-Afghanistan
  7. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/immobilienblase-103.html?utm_source=pocket-newtab
  8. Eine Würdigung der Ende 2017 verstorbenen ehemaligen Oberstabsärztin der Bundeswehr hier im Ärzteblatt 2010. Heike Groos fordert dort „mehr Wertschätzung für Soldaten“. https://www.aerzteblatt.de/archiv/67526/Heike-Groos-Mehr-Wertschaetzung-fuer-Soldaten.
    Und ein Artikel aus der NZZ vom Ein Artikel vom 11.11.2017. Aber immer noch hoch aktuell. Leider.
    Ich persönlich habe mit manchen US-Soldaten in Afghanistan gesprochen, deren Gedanken zum Einsatz ähnlich waren wie meine. Die Schlagzeile hier  jedoch verdeutlicht die ganze Hoffnungslosigkeit des Krieges für die Menschen, die letztlich als „Kanonenfutter“ für Machtpolitiker der „gescheiterten Demokratie“ der US dienten. Und eine völlig beratungsresistente “Politik” in bisher gescheiterten und weiter auf dem Weg in den Abgrund taumelnden “Demokratien” überall im Westen scheint da ewig weiter so verfahren zu wollen. Bis zum „bitteren Ende“?
    Auch wenn gesagt wird, dass sich jeden Tag 20 US-Kriegsveteranen das Leben nehmen? https://www.nzz.ch/gesellschaft/die-gebrochenen-helden-ld.1326621
  9. https://www.zeit.de/sport/2019-05/niki-lauda-rennfahrer-formel-1-unternehmer-nachruf/komplettansicht
  10. https://twitter.com/KevinClimate und
    https://www.facebook.com/gretathunbergsweden/videos/2412771489046644/UzpfSTE1MDIyMTg2MzY2NjY5NzA6MjQ1MzkwMDk2NDgzMjA2MQ/
  11. https://www.zeit.de/2019/31/leopoldina-nationale-wissenschaftsakademie-klimaschutz-bundesregierung-energiepolitik
  12. https://community.zeit.de/user/idog/beitrag/2008/09/14/das-gutenbergphaenomen und hier nochmals gerade auch zum Thema Wikileaks ein leichter wieder zu findender „Freitag“-Artikel vom 26.12.2010: https://www.freitag.de/autoren/idog/the-global-war-on-truth-reloaded.

 

Und zu guter Letzt auch nochmals die Links zu den beiden vorangegangenen Artikeln hier auf „NachDenken in München“, die eine Art „Gesprächsangebot“ mit der „GIZ – Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ weiterführen sollten. Auch mit der Bitte, diese jeweils an die beiden Haupt-Geldgeber der staatlichen „Nicht-Regierungs-Organisation“ (NRO / NGO), das „Auswärtige Amt“ (AA), derzeit unter Leitung von Heiko Maas (SPD) und das „Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit“ (BMZ), derzeit unter Leitung von Gerd Müller (CSU) und ihre verantwortlichen Kollegen und Ansprechpartner darin weiterzuleiten:

Infrastrukturen und Interessensausgleiche

Vorkehrungen zu rasanten Veränderungen
und mehr Mut zu „sozialdemokratischen Ansätzen“:
https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=5037 und

 

Die Kriege der Zukunft

Überhaupt: die Zukunft?!:
https://nachdenken-in-muenchen.de/?p=5054

 

Und: natürlich habe ich schon viel geforscht zu diesen Themen.
„Wenn man aus Afghanistan in den Westen zurück kommt, dann kann nichts mehr so sein, wie es war.“

Ich kam 2010 von dort zurück. Und „Fragmentierte Stadtentwicklung 201_“ habe ich im Juli 2015 fertig gestellt. Ich nenne es auch meine „Dissertation ohne Doktorvater“. Weil die Verknüpfung von Architektur – Städtebau, Umwelt- und Sozialpolitik scheinbar alle, bei denen ich da anfragte zu überfordern schien. Oder: die Berührungsängste mit anderen Fakultäten waren zu groß? Verlust- und Kontrollverlustängste?

Keine Ahnung.

 

Fragmentierte Stadtentwicklung 201_

Strategien zur „Renaissance der sozialen Stadt“
in Mitteleuropa – und zum „Auf- und Umbau
der Globalen Stadt“

Idealbilder und Materialschlachten –
Fall- und Machbarkeitsstudien;
Sanierungsstaus, Umsetzungsdefizite und –chancen

Hier sind auch „online-Broschüren“, Leseproben zum Herunterladen als pdf.
https://www.stefanfrischauf.com/buch-2-fragment-fraktal/

Danke. Alles Gute!
Für Rückfragen – immer gerne!

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2 Gedanken zu „Was also kommt nach dem „Post-Neoliberalismus“?

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