Flüchtlinge – Muslime – Feinde???

Foto: Belal Khan

Mein Eindruck ist, dass gerade nach den Ereignissen in Köln die Narrative, Muslime gehören nicht zu uns, sind nicht integrationsfähig etc. öffentlich zu wenig hinterfragt werden, obwohl sie nicht haltbar sind. Im Zuge der Aggressivität von Pegida und AfD werden politisch-ökonomische Ursachen jetzt viel leichter umgedeutet in religiös-nationale. Die Debatte verschiebt sich aktuell zunehmend nach rechts. Ich finde das hoch gefährlich,

Die Stimmen der MigrantInnen bzw. Menschen mit Migrationshintergrund werden dabei unter den Stereotypen, die eine lange und bittere rassistische Tradition in Deutschland und Europa, viel zu wenig wahrgenommen – und das, obwohl die Politik schon vor mehr als zehn Jahren endlich anerkannt hat, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Wenn wir ihnen, die schon lange bei uns leben bzw. hier geboren und/oder aufgewachsen sind, aber zuhören, bekommen wir einen anderen, bereichernden Blick auf uns – verbunden damit, dass die Sorgen um den Zusammenhalt dieser Gesellschaft zunehmen. Auch deshalb, weil die PolitikerInnen den rechten Vereinfachungen und der damit verbundenen Hetze kaum etwas entgegenzusetzen wissen und ganz nebenbei demokratische Rechte einschränken und Grundrechte unserer Verfassung beschädigen.

Ich bin in den letzten Tagen auf drei für mich höchst interessante Beiträge gestoßen. In den nachfolgenden Texten kommen entsprechend kluge Menschen mit Migrationshintergrund zu Wort.

 

Wer hat Angst vorm Orientalen?

Seit den sogenannten „Sex-Attacken“ von Köln hat nicht nur Deutschland sondern fast schon die gesamte westliche Hemisphäre ein Gesprächsthema gefunden: Den orientalischen Mann. Mal wird er als Araber betitelt, mal als Nordafrikaner. Mittlerweile meinen wahrscheinlich nicht wenige, dass tatsächlich Länder namens Arabien oder Nordafrika existieren. Im Grund genommen – so die weitere Schlussfolgerung – sind sie doch alle ein und dasselbe. Länder, in denen „Moslems“ oder „Mohammedaner“ leben. Das sind die, die ein ach so schlimmes Frauenbild haben und nun in Scharen nach Deutschland reisen oder wie manche andere Gemüter es ausdrücken würden: Es invadieren. Von Emran Feroz.

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Der nützliche Feind

Strebt „der Islam“ wirklich nach der Weltherrschaft? Und sind eigentlich alle Muslime – qua Sozialisation, wie uns die moderne Rechte gern glauben machen will – gewaltbereit, Frauenunterdrücker und potentielle Terroristen? Diese Fragen wären ob ihrer menschenverachtenden Pauschalierungen eigentlich der Beachtung nicht wert, würden nicht immer mehr Menschen im Lande glauben, sie seien berechtigt und da sei „etwas dran“. Zur uns seit Jahren massenmedial dargebotenen Inszenierung einer „Bedrohung“ durch Muslime, die soziale und ökonomische Probleme als religiöse fehldiagnostiziert und viel größere Probleme und Bedrohungen, die es dringend zu besprechen gölte, dabei unsichtbar macht, sprach Jens Wernicke mit dem Politologen Imad Mustafa, dessen letzte Studie zum Kontext viel Beachtung fand.

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Flüchtling als Identität
„Wir brauchen eine Debatte über uns selbst“

Naika Foroutan ist Professorin für „Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik“ an der Humboldt-Universität in Berlin. Im Interview spricht sie über Ressentiments gegen Muslime und die Frage, welches Leitbild Deutschland braucht.

Sexuelle Ungezügeltheit ist nicht das einzige Stereotyp, mit dem muslimische Flüchtlinge zu kämpfen haben.

Das Repertoire ist riesig. Sie gelten als gewaltbereit, bildungsfern, homophob, antisemitisch, frauenfeindlich, kollektivistisch. Das Ablegen dieser Eigenschaften ist, so ein weiteres Stereotyp, nicht möglich, da diese im Islam angelegt seien. Es gibt zig Studien, die das widerlegen. Aber Empirie hat es schwer gegen Vorurteile. Es gibt immer einen Besserwisser, der aus dem Zusammenhang gerissene Koransuren zitiert, die angeblich beweisen, dass der Islam per se gewaltbereit und antisemitisch sei. Es gibt aber auch zahlreiche Zitate von Luther und Kant, die zutiefst antisemitisch sind. Würde man sie ähnlich wie die Koransuren ins Feld führen, könnte man Protestantismus und Aufklärung als inhärent rassistisch und antisemitisch beschreiben. Heutzutage wissen wir aber, dass diese Positionen zeithistorisch einzuordnen sind, und nutzen sie nicht, um westliche Grundwerte auf der Basis der Aufklärung und des Christentums zu delegitimieren. Wenn es hingegen um den Islam geht, werden oft andere Maßstäbe angelegt. Das Argument ist dann, dass Muslime ja selbst den Koran wortgetreu auslegten – in Wirklichkeit machen das aber die meisten Muslime in ihrem Alltag gar nicht. Es sind viel mehr die Orthodoxen.

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Ich denke, es ist dringend notwendig, viel mehr mit Muslimen, mit Arabern, mit Afrikanern zu vielfältigen Anlässen, vor allem aber auch öffentlich ins Gespräch zu kommen.

Bildquelle: Belal Khan / CC BY 2.0

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