Beihilfe ist strafbar!

Es ist viel Unrecht in der Welt. Internationale Regeln, wie die Menschenrechte, schaffen zwar einen Maßstab zur Beurteilung solchen Unrechts, aber sie verhindern dieses nicht. Nicht bis jetzt!

Ein ganz aktueller Fall ist Israel. Auslöser war, dass drei jugendliche Israelis umgebracht wurden. Die Schuld wurde Palästinensern zugeschrieben, bewiesen ist es meines Wissens nicht. Vermutlich aus Rache wurde ein jugendlicher Palästinenser umgebracht. Also anscheinend Mord von beiden Seiten, der aber juristisch noch nicht geklärt ist.

Die Rache des israelischen Staates ist jetzt, dass die Palästinensergebiete beschossen und bombardiert werden. Mit dem Ergebnis, dass die Anzahl der Toten vervielfältigt wird und dass ein Frieden in Israel wieder weiter in eine ferne Zukunft rückt. Die Palästinenser schicken jetzt auch wieder Raketen, aber das ist doch wohl eindeutig nur die Reaktion auf die militärischen Angriffe der Israelis.

Wie kann man dieses Geschehen bewerten? 1947 wurde von der UN das Gebiet Westpalästina gemäß einem Teilungsplan den Juden und den Palästinensern als separate Staaten zugewiesen. Die Palästinenser machten etwa zwei Drittel der Bevölkerung aus, erhielten jedoch weniger als die Hälfte des Landes. Schon einen Tag nach der Verkündung des Teilungsplans begann der erste Palästinakrieg, als dessen Ergebnis sich Israel große Teile der Gebiete aneignete, die eigentlich den Palästinensern zugewiesen waren. Die verbleibenden Gebiete (Gaza-Streifen und Westjordanland) haben immer noch nicht den Status als autonomer Staat. Israel und die Palästinenser konnten sich bislang nicht auf eine Grenzziehung einigen. Der israelische Staat verweigert bis heute den Palästinensern jedes Selbstbestimmungsrecht, jedes Bürgerrecht, die Menschenrechte. Er behandelt die Palästinenser wie Untertanen, die über keine eigenen Rechte im Staat verfügen.  Und im aktuellen Fall findet jetzt ein Exzess statt, der über eine juristische Behandlung einer schweren Straftat weit hinaus geht. Das ist in meinen Augen Terrorismus, Staatsterrorismus, der durch keine internationale Regelung gerechtfertigt ist. Auch ein dreifacher Mord ist keine akzeptable Rechtfertigung für einen kriegerischen Angriff auf eine Bevölkerungsgruppe des eigenen Staates! Ich sage “eigener Staat”, weil ohne die Anerkennung eines eigenständigen palästinensischen Staates die Palästinenser doch eigentlich dem israelischen Staat angehören müssen. Es ist in meinen Augen Terror. Oder wie sollte man es bezeichnen, wenn ohne juristisch gerechtfertigten Hintergrund eine Bevölkerung wahllos bombardiert und beschossen wird? Ich empfinde es jedenfalls als Verbrechen an der eigenen Bevölkerung, was momentan in Israel passiert. Und das passiert ja nicht zum ersten Mal, das hat seit vielen Jahren System! Man kann also nicht behaupten, wir hätten das nicht gewusst! Wenn ich mir vorstelle, wie viele Palästinenser durch Angriffe der Israelis sterben mussten und müssen, und wie viele durch Anschläge von Al-Kaida, dann bekommt das Vorgehen der Israelis noch eine ganz andere Dimension. Aber das ist ein anderes Thema.

Und wie verhält sich unsere Bundesregierung? Sie unterstützt den Staat Israel, solange ich mich erinnern kann. Das hat durchaus eine Berechtigung, soweit man das als Wiedergutmachung für die Greuel der Nazizeit ansehen kann. Und ich stehe zu dieser Wiedergutmachung! Was den Juden im dritten Reich passiert ist, ist durch nichts zu entschuldigen. Es kann auch nicht wirklich wiedergutgemacht werden, aber das Bemühen darum ist eine moralische Verpflichtung. Das rechtfertigt aber nicht, dass der israelische Staat die Palästinenser so behandelt, wie er es tut, und es rechtfertigt nicht, dass wir das billigen. Wie schon gesagt, ich bewerte das als Terror. Unschuldige werden getötet, verletzt, ihres Eigentums beraubt, an einem lebenswerten Leben gehindert.

Nochmal: Was macht unsere Bundesregierung? Nichts. Jedenfalls nichts, um Israel von diesem Terror zurückzuhalten. Sie unterstützt den Staat Israel nach wie vor, und sie stellt dessen Taten nicht in Frage. Und deshalb lautet meine Überschrift “Beihilfe ist strafbar!”. Wenn die Bundesregierung einen terroristischen Staat unterstützt macht sie sich mitschuldig an dessen Taten. Sie ist mit Schuld an dem Unrecht, das den Palästinensern seit Jahrzehnten widerfährt! Nicht nur die Regierung, auch die Mehrheit der Abgeordneten! Es wäre längst an der Zeit gewesen, und jetzt erst recht, international aktiv zu werden, um einen wirklichen Frieden in Palästina zu erreichen, und um die eigentlichen Terroristen dort zu bremsen. Was die deutsche Regierung macht ist Beihilfe zum Terror.

Israel ist aber nicht die Ausnahme.
Syrien ist ein anderes Beispiel. Syrien ist ein souveräner Staat. (Vielleicht sogar juristisch souveräner als die Bundesrepublik, für die immer noch Verträge aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg gelten.) Die syrische Regierung hat vielleicht nicht die gleichen Werte, wie westliche Demokratien. Aber es gibt eine Verfassung, und die Regierung ist vom Volk gewählt. Sie war zu Beginn der Krise gewählt, und sie ist erst kürzlich, trotz aller Eingriffe von außen, wieder gewählt worden. Es ist also nicht so, dass die Eingriffe von außen als Befreiung empfunden worden wären. Dann wäre nicht erneut die alte Regierung gewählt worden.

Aber diese Eingriffe von außen sind Realität. Am Anfang standen Demonstrationen, die mehr Demokratie erreichen wollten. Die Reaktionen des syrischen Regimes waren (leider) gewalttätig und haben auch die Opposition in die Gewalt getrieben. Das rechtfertigt aber nicht, dass daraufhin aus dem Ausland in den innersyrischen Konflikt eingegriffen wurde, zumal diese Eingriffe nicht als friedensstiftend angesehen werden können. Vielmehr wurden die Gegner der syrischen Regierung gestärkt, bewaffnet und mit Geld versorgt. Söldner aus dem Ausland wurden angeworben und diverse extremistische Gruppen haben sich mit Unterstützung aus dem Ausland in den Konflikt eingemischt. Das Ganze ist massiv eskaliert, und das Ergebnis sind über 100 000 Tote und Millionen Flüchtlinge. Wohl gemerkt: nach und durch die Einmischung von außen! Auch das ist keine friedensstiftende Mission gewesen, sondern hat zu massivem Terrorismus geführt.

Und wo war Deutschland? Von einer direkten Einmischung weiß ich nicht. Naja, doch: Die Bundeswehr, die ja laut Grundgesetz ausschließlich zu unserer Verteidigung eingesetzt werden darf, hat vor der syrischen Küste ein Schiff positioniert, das per Radar und Funküberwachung Syrien überwacht und die Ergebnisse an die befreundeten Kombattanten weitergibt. Diese “befreundeten Kombattanten” sind diejenigen, die den Terror in Syrien fördern und finanzieren, also diejenigen, die maßgeblich für Tote, Verletzte und Flüchtlinge verantwortlich sind. Die syrische Regierung, obwohl völlig legal gewählt, wird von Deutschland ignoriert bzw. indirekt bekämpft. Deutschland liefert Waffen an die Gegner der syrischen Regierung (z.B. Saudi-Arabien, Katar, Türkei) und damit indirekt an die Terroristen in Syrien. Waffenlieferungen an Aufständische stehen jedoch eindeutig im Widerspruch zum Völkerrecht! Und dass dadurch nicht der Frieden, sondern der Terror gefördert wird, kann man überdeutlich sehen. “Beihilfe ist strafbar” sagt das deutsche Gesetz. Deutschland hat sich moralisch schuldig gemacht! Die vielen Toten, Verletzten und Flüchtlinge sind erst das Ergebnis des Eingreifens von außen, unter deutscher Beteiligung!

Und noch ein Beispiel:
Die Ukraine ist auch ein souveräner Staat, war es zumindest nach dem Ende der UdSSR, bevor das Ausland sich eingemischt hat. Der letzte reguläre Präsident ist jedoch nicht formal korrekt abgewählt, sondern durch Gewalt aus dem Land getrieben worden. Insofern kann man sich fragen, ob die Wahl des neuen Präsidenten überhaupt formal korrekt war. Die aktuelle Regierung ist jedenfalls nicht aufgrund einer regulären Wahl an die Macht gekommen, sondern aufgrund der gewalttätigen, bewaffneten Vorgänge auf dem Maidan. An dieser Regierung maßgeblich beteiligt sind faschistische Elemente, die von einer deutschen Regierung nach dem 2. Weltkrieg eigentlich nicht toleriert werden dürften. Trotzdem arbeitet die deutsche Regierung mit dieser ukrainischen Regierung zusammen und hat sie sofort anerkannt. Eine durch einen bewaffneten Putsch an die Macht gekommene Regierung!

Diese ukrainische Regierung verweigert den vielen Bürgern russischer Abstammung das Recht auf ihre eigene Sprache und Regierungsmitglieder bezeichnen sie als “Untermenschen”. Das allein müsste schon reichen, um jede Zusammenarbeit mit der ukrainischen Regierung abzulehnen. Darüber hinaus wird der russischstämmigen Bevölkerung im Osten der Ukraine jede Autonomie verweigert, obwohl eine solche Autonomie vielleicht zum Frieden hätte führen können. Statt dessen wird über eine Umsiedlung dieser Bevölkerung nachgedacht, um mehr Kontrolle über die Industriegebiete und die potentiellen Erdgasfelder im Osten der Ukraine zu bekommen.

Die russischstämmige Bevölkerung im Osten der Ukraine hat als Konsequenz den Aufstand gewagt und sich für unabhängig erklärt. In Anbetracht ihrer Behandlung durch die Regierung ist das durchaus verständlich, allerdings geschah auch dieser Aufstand mit Waffengewalt. Wir haben also einen Konflikt zwischen einer teilweise faschistischen Putschregierung in Kiew und Putschisten in der Ostukraine. Und dieser Konflikt wird jetzt mit Waffengewalt ausgetragen. Die Regierung in Kiew lässt die Bürger in der Ostukraine zusammenschießen. Und die EU heizt den Konflikt an: Ihr müsst erst im Osten “Ruhe schaffen”, bevor ihr von der EU Kredit bekommt. Und das macht die Regierung in Kiew jetzt, mit Waffengewalt gegen die eigenen Bürger. Es wäre interessant zu wissen, woher diese Waffen kommen. Warum ist die EU daran so interessiert? Weil die Ukraine gerade wegen dieser noch nicht erschlossenen Erdgasfelder im Osten so interessant ist!

Und wie ist Deutschland an dem Konflikt beteiligt? Deutschland hat sich u.a. über die Adenauer-Stiftung massiv eingemischt und die Partei von Vitali Klitschko finanziert. Die USA haben sich schon ab den 90er Jahren mit noch mehr Geld eingemischt, und die NATO hat die Ukraine in ihre Kriegsspiele einbezogen. Es geht darum, die Ukraine in den westlichen Machtbereich zu integrieren, aus wirtschaftlichen und aus machtpolitischen Gründen. Und da ist Deutschland wieder voll dabei. Menschenrechte, Demokratie, Heimatrechte (die in Deutschland für die Vertriebenen des 2. Weltkriegs immer noch reklamiert werden) sind belanglos. Wichtig sind allein die politischen Ziele, da kann man auf Menschen keine Rücksicht nehmen.

Aber auch im Fall der Ukraine gilt: “Beihilfe ist strafbar” bzw. führt zu einer moralischen Mitschuld. Die deutsche Regierung macht sich mitschuldig an den Toten, Verletzten und Vertriebenen im Konflikt um die Ostukraine!

Zum Vergleich:
Solange die Palästinenser keinen eigenen Staat haben ist eine israelische Regierung, die ohne Beteiligung der Palästinenser gewählt wurde, nicht demokratisch legitimiert. Trotzdem unterstützt Deutschland diese Regierung und damit die Massaker, die diese bei den Palästinensern anrichtet.
Syrien hat eine eindeutig legitime Regierung, Deutschland unterstützt aber (indirekt) die terroristischen Aufständischen.
Die Ukraine hat eine unter fragwürdigen Umständen an die Macht gekommene Putschregierung. Diese wird aber uneingeschränkt unterstützt, solange sie im Sinne der EU handelt.

Schlussbemerkung:
Diese Darstellung ist natürlich subjektiv, und sie ist juristisch nicht fundiert. Das würde den Rahmen eines solchen Beitrags sprengen, und das ist auch nicht meine Absicht. Mir geht es darum, meine Meinung deutlich zu machen. Mir geht es darum, die fatale Beteiligung unserer Regierung deutlich zu machen. Mir geht es darum, die deutsche Mitschuld an den Hunderttausenden oder Millionen menschlicher Schicksale deutlich zu machen.

In allen drei geschilderten Fällen unterstützt die deutsche Regierung diejenigen, die in meinen Augen die Hauptschuld an den Massakern in der Bevölkerung tragen. Mir geht es deshalb darum, unserer Regierung zu sagen: “Haltet Euch da raus. Ihr macht alles nur noch schlimmer!”

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12 Gedanken zu „Beihilfe ist strafbar!

  1. B.B.

    Der Beitrag “Beihilfe ist strafbar” bezieht seine Legitimität nicht aus Behauptungen, die durch Quellen und Fakten belegbar sind, sondern ausschliesslich aus dem Recht auf freie Meinungsäusserung. Einem der grössten Missverständnisse der neuen Bundesrepublik, wie Hannah Arendt in ihrem “Bericht aus Deutschland” im Jahr 1950 festgestellt hat:

    „Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt jedoch in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen. Beispielsweise kommt auf die Frage, wer den Krieg begonnen habe – ein keineswegs heiß umstrittenes Thema – eine überraschende Vielfalt von Meinungen zutage. In Süddeutschland erzählte mir eine Frau von ansonsten durchschnittlicher Intelligenz, die Russen hätten mit einem Angriff auf Danzig den Krieg begonnen – das ist nur das gröbste von vielen Beispielen.”

    Und weiter:

    „Der Durchschnittsdeutsche sucht die Ursachen des letzten Krieges nicht in den Taten des Naziregimes, sondern in den Ereignissen, die zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies geführt haben“.

    In dem Beitrag “Beihilfe ist strafbar!” – von dem ich mich als Mitglied des NDS Gesprächskreises München ausdrücklich distanziere – fehlt womöglich deshalb auch der Hinweis, woher die Empfindlichkeiten und Überreaktionen des “Terror-Staates-Israel” igentlich kommen: sie kommen anscheinend aus dem Nichts.

    Den Palästinensern hingegen wird für jeden Mord und jede Rakete gleich ein Entschuldigungs-Gutachten im o.a. Beitrag in die Hand gedrückt: da ist es in allen Fällen sonnenklar, wer der Urheber dieser Untaten eigentlich ist – es ist ohne Ausnahme der “Terror-Staat-Israel” und wenn vielleicht doch einmal drei israelische Jugendliche entführt und umgebracht wurden: “ist es meines (“Willis”) Wissen nicht bewiesen”. Wer anscheinend völlig aus dem Nichts ein anderes Volk entrechtet, unterdrückt, zum Morden und Raketenabschiessen zwingt und das seit “man denken kann” tut und dafür auch noch “seit man denken kann” vom deutschen Staat unterstützt wird”, der muss auch vor 70 Jahren schon so gewesen sein?

    Also eine charakterliche oder genetische Disposition des israelischen Volkes? Die ja noch vor 70 Jahren ausschliesslich “die jüdische Rasse” hieß.

    Etwas anderes lässt diese Argumentationskette zu Ende gedacht gar nicht zu. Für die Morde der Palästinenser sind die Israelis verantwortlich, sie haben erst diese Lage geschaffen – aber bei den Israelis ist deren Paranoia, deren Fixiertheit, deren Überreaktion aus dem Nichts gekommen, mithin ihrer Natur eingeschrieben. Eine solche Argumentation ist eine Zumutung: entweder wir gestehen allen Völkern dieser Erde Traumatisierungen zu und in der Folge einer Traumatisierung auch Handlungen wie das Abschiessen von Raketen, das Ermorden von Jugendlichen und das Überfallen eines anderes Staates an dessen heiligstem Feiertag. Oder aber allen ausser den Juden bzw. den Israelis: dann weiss man wenigstens woran man ist.

    Gleiches Recht für alle, auch wenn es angeblich nur ein Meinungsbeitrag sein soll.

    Zitat Yehuda Bauer*: “Intendiert war die totale Vernichtung der Juden – vom Säugling bis zum Greis, weil dieses deutsche Projekt global umgesetzt wurde, von Rostock bis Rhodos – jeder Jude im deutschen Machtbereich, und weil die Ideologie, die antisemitische “Weltanschauung” den Mördern den Antrieb zu ihren Taten gab – jenseits von ökonomischer Rationalität”. (Zitat aus “Anmerkungen zum Antisemitismus”, Quelle: http://www.ravensbrueckblaetter.de/alt/archiv/114/1_114.html)

    Und hier ein aktueller Artikel aus der Süddeutschen Zeitung – um das blinde Auge im Beitrag “Beihilfe ist strafbar!” ein wenig zu öffnen (Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/eskalation-im-nahen-osten-hamas-nutzt-gaza-bewohner-als-menschliche-schutzschilde-1.2039824).:

    “Hamas nutzt Gaza-Bewohner als menschliche Schutzschilde”

    “…Die radikalislamische Hamas will die Einwohner des Gazastreifens als menschliche Schutzschilde einsetzen: Sie lobt Palästinenser, die kurz vor einem Luftangriff auf das Dach ihres Hauses gestiegen waren. Unterdessen greifen militante Palästinenser wieder Jerusalem an….

    Hamas: Menschen in Gaza sollen Schutzschilde sein

    …Die radikalislamische Hamas ruft Bewohner des Gazastreifens dazu auf, sich bei israelischen Luftangriffen als menschliche Schutzschilde zu postieren. Das Innenministerium in Gaza warnte die Palästinenser außerdem davor, ihre Häuser nach anonymen Warnungen zu verlassen. Gewöhnlich kündigt die israelische Armee ihre Angriffe telefonisch an, um zivile Opfer zu vermeiden.
    In einem Fernsehauftritt lobte ein Hamas-Sprecher jene Palästinenser, die kurz vor einem israelischen Angriff auf die Dächer ihrer Häuser stiegen. “Wir rufen dazu auf, diese Praxis zu übernehmen”, sagte er. Die Menschenrechtsorganisation Betselem hatte am Mittwoch berichtet, mehrere Familienmitglieder und Nachbarn eines Hamas-Mitglieds seien am Vortag vor einem israelischen Angriff auf ihr Hausdach gestiegen. Dennoch sei eine Rakete abgefeuert worden, die acht Menschen getötet hätte…

    …Die israelische Armee betonte, sie habe die Bewohner mehrfach gewarnt und abgewartet, bis sie das Haus verlassen hätten. Offenbar seien einige Personen aber unmittelbar vor dem Angriff zurückgekehrt. Zu diesem Zeitpunkt sei der Einschlag der israelischen Rakete nicht mehr zu verhindern gewesen, sagte Armeesprecher Arye Shalicar…”

    Ich kenne keinen einzigen Fall an dem die Hamas vorher irgendjemanden gewarnt hätte bevor sie Raketen abschiesst, falls jemand Kontakte nach Israel hat (ich habe den sowohl in den isrealischen als auch den arabisch/palästinensischen Teil gehabt) kann er gerne hier posten, wann das geschehen sein soll. Aber bitte mit der Nennung einer Quelle und nicht als blossen Meinungsbeitrag, also eine bloss e “gefühlte Wahrheit”, unbelegt und unrecheriert.

    Aber wahrscheinlich gehört der SZ Beitrag auch wieder nur unter die “Mainstream-Medien”, die nachbeten was der “Terror-Staat Israel” ihnen aufzwingt – und zwar “seit man denken kann”, wie der Autor die “Unterstützung” Israels zu nennen beliebt (in Wirklichkeit Rückgabe von Vermögen aus strategisch geplanten und durchgeführten Raubmord-Aktionen – und dies auch nur im Promillebereich)

    Siehe auch “Die biologische Lösung” von Raul Teitelbaum*:

    Die”Wiedergutmachung”der Shoah nach dem Zweiten Weltkrieg war ein entscheidender Schritt Deutschlands auf dem Weg zur Normalisierung seiner Beziehungen mit den Siegermächten. Ohne die Anerkennung seiner Schuld und die daraus folgenden Entschädigungszahlungen hätte Deutschland nicht schon so bald nach dem Kriege erneut einen Platz in der Völkergemeinschaft gefunden. Mit der”Wiedergutmachung”sollten erstmals in der Geschichte nicht Kriegsschulden einer unterlegenen gegenüber einer siegreichen Nation abgetragen, sondern individuelle Entschädigungen an Opfer gezahlt werden. Die”Wiedergutmachung”gilt daher weithin als erfolgreiche Aufarbeitung und Kompensation der deutschen Schuld – so erfolgreich, dass mancher Deutsche sich schon wieder als Opfer”jüdischer Gier”betrachtet. Vergessen wird jedoch, dass nur etwa ein Drittel der Überlebenden je eine Entschädigung erhalten hat und nur ein winziger Teil der jüdischen Vermögensverluste kompensiert wurde. ..Für die meisten Opfer folgte daraus eine biologische Lösung der Entschädigungsproblems: Sie starben, bevor es zu einer Entschädigung kam”.

    Der Begriff, der im Beitrag “Beihilfe ist strafbar!” benützt wird, ist jedoch “Unterstützung des Staates Israel seit man denken kann”, die “Wiedergutmachung” wird mit einem lapidaren Satz abgetan: man ist dafür, selbstverständlich (wer könnte dagegen sein ohne sich als Unbelehrbarer zu outen?) und man sieht sogar eine moralische Verpflichtung – was weniger als halbherzig ist, weil es übertönt wird von den vielen Ausrufezeichen und der ständigen Wiederholungen des “Terrorstaates-Israel!”.

    “Geschichtsvergessen” ist dafür ein sehr milder Ausdruck.

    Hier hat jemand endlich mal Dampf ablassen wollen und er hat das mit dem Ausruf gekrönt

    “Haltet euch raus!”

    Und wenn nicht, dann wird mit den strafrechtlichen Konsequenzen gedroht:

    dass der deutsche Staat einem Terrorstaat Beihilfe gewährt und damit soll jetzt Schluss sein.

    “Beihilfe ist strafbar!” ist ein sehr enragiertes Eröffnungsposting eines “Blogs des NDS Gesprächskreises München”: die Rage des Autors hat jedoch nicht bis zur (Zivil)-Courage gereicht den Beitrag mit seinem eigenen Namen zu unterzeichnen.

    Wie das die Autoren der anderen Eröffnungs-Beiträge umstandslos getan haben.

    Quelle Hannah Ahrend “Besuch in Deutschland 1950”: http://www.ravensbrueckblaetter.de/alt/archiv/114/1_114.html
    “… nicht bis in die Tiefen der Seele hinein”
Anmerkungen zum Antisemitismus in Deutschland

    Nach 1945 weigerte sich die Gesellschaft in der Bundesrepublik aus dem von ihr begangenen Verbrechen die Konsequenz zu ziehen. “Die Entnazifizierung reichte nicht bis in die Tiefen der Seele hinein. Sie war eine Flucht vor der Geschichte, sie erzeugte keinen Schmerz, keinen Zorn, keine Selbstbesinnung (…) Die Juden tun den Leuten nicht so leid wie die deutschen Kriegsgefangenen, die nach der Niederlage in offenen Eisenbahnwaggons zurückkamen.”(4) In ihrem Essay “Besuch in Deutschland” (1950) stellt Hannah Arendt fest, dass es kein Mitleid für die jüdischen Opfer gegeben habe, sondern stets das deutsche Leiden thematisiert wurde. “Wenn es überhaupt zu einer offenen Reaktion kommt, dann besteht sie aus einem Seufzer, auf welchen die halb rhetorische, halb wehmütige Frage folgt: “Warum muss die Menschheit immer nur Krieg führen?!”

    * Rezension Yehuda Bauer, Die dunkle Seite der Geschichte http://www.perlentaucher.de/buch/yehuda-bauer/die-dunkle-seite-der-geschichte.html
    * Rezension http://www.buecher.de/shop/judentum/die-biologische-loesung/teitelbaum-raul/products_products/detail/prod_id/23847482/

    Antworten
    1. Andreas Schlutter

      Es ist schwierig, sowohl auf den Beitrag einzugehen als auch auf den Kommentar zu antworten. Ich versuche es dennoch – und ich befürchte, die Antwort wird unvollständig und unbefriedigend sein.

      Im Zentrum des Beitrags steht die Frage danach, ob Waffenlieferungen an Staaten, die sich direkt oder indirekt an kriegerischen Handlungen beteiligen und/oder sich in Krisen- bzw. Konfliktregionen befinden, vertretbar sind. Und hier ist der Autor sehr klar. Er hält dies für unstatthaft und belegt es mit dem Begriff “Beihilfe zum Terror”. Damit bezieht er Position in einem Konflikt, der aktuell auch die Evangelische Kirche in Deutschland teilt. Während Joachim Gauck als Bundespräsident mehr Verantwortung einfordert und dabei auch an bewaffnete Einsätze der Bundeswehr denkt, bezieht Marion Käßmann in der Süddeutsche Stellung:

      Wir beklagen die Kriege und Bürgerkriege, wir sind schockiert über die Bilder aus Syrien – aber wir verdienen daran. Die deutschen Rüstungsexporte bleiben ein Skandal. Die evangelische und die katholische Kirche machen dies alljährlich zum Thema. Nur: Wir sollten das noch wesentlich deutlicher tun. Deutschland mit seiner eigenen Kriegsgeschichte muss sich in der Welt keinen Namen machen mit der Lieferung besonders wirksamer Waffen.

      Keine Waffenlieferungen ist hier die Forderung, “Gewalt und Krieg können nicht mit Gott legitimiert werden, das haben die reformatorischen Kirchen schmerzhaft gelernt… Krieg kann nicht gerecht sein.” Und hier sehe ich zumindest die Kernaussage des Beitrags. Wir müssen für den Frieden Verantwortung übernehmen, für Ausgleich und Deeskalation eintreten. Das appellative “Haltet Euch da raus. Ihr macht alles nur noch schlimmer!” verstehe ich nur in Bezug auf die Unterstützung mit Waffen und anderen militärischen Ausrüstungsgegenständen.

      Was mich am Kommentar von B.B., der sich ja ausschließlich mit dem Thema Israel befasst, irritiert, ist meine Wahrnehmung, dass dem Autor Haltungen unterstellt werden, die er so gar nicht vertreten hat. Er schreibt:

      “Und wie verhält sich unsere Bundesregierung? Sie unterstützt den Staat Israel, solange ich mich erinnern kann. Das hat durchaus eine Berechtigung, soweit man das als Wiedergutmachung für die Greuel der Nazizeit ansehen kann. Und ich stehe zu dieser Wiedergutmachung! Was den Juden im dritten Reich passiert ist, ist durch nichts zu entschuldigen. Es kann auch nicht wirklich wiedergutgemacht werden, aber das Bemühen darum ist eine moralische Verpflichtung. Das rechtfertigt aber nicht, dass der israelische Staat die Palästinenser so behandelt, wie er es tut, und es rechtfertigt nicht, dass wir das billigen.”

      Ja, es ist schwierig, in Deutschland Israels heutige Politik zu kritisieren, aber darf man das nicht? Oder wer darf das überhaupt? Es geht mir hier nicht darum, die Einschätzung des Auslösers für die aktuelle Eskalation zu bewerten, sondern darum, dass Israel seit Jahren offenbar kein Interesse an wirklichem Frieden zeigt.

      Die kanadische Journalistin Naomi Klein, selbst Jüdin, hat 2007 in ihrem Buch “Die Schock-Strategie – Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus” im letzten Kapitel dargelegt, warum sich für Israel der Frieden nicht mehr lohnt. Auch sieben Jahre später gibt es offensichtlich keine Aussicht auf eine Friedensdividende – was wiederum keine Entschuldigung für das Agieren der Hamas sein soll.

      Der vor den deutschen Nazis nach Frankreich geflohene Jude Stéphane Hessel schrieb in seinem Büchlein “Empört Euch” vor drei Jahren nach einem Besuch vor Ort mit Hilfe seines Diplomatenpasses: “Was den Gaza-Streifen betrifft, so ist er für anderthalb Millionen Palästinenser ein Gefängnis unter freiem Himmel.” Und weiter: Nützt es der Hamas, Raketen auf Sderot abzufeuern? Gewiss nicht. Es ist der Sache der Hamas abträglich, aber angesichts der Verzweiflung der Menschen im Gaza-Streifen leider verständlich. In der Verzweiflung ist Gewalt ein bedauerlicher Kurzschluss zur Beendigung eines für die Betroffenen unerträglichen Situation. So gesehen ist Terrorismus eine Erscheinungsform von Verzweiflung.”

      Und am 10. Juli erscheint in der F.A.Z. ein Beitrag von Nir Baram, Schriftsteller, Jude und israelischer Staatsbürger unter dem Titel “Wir müssen Israel aus seiner Lebenslüge wecken“. Dort schreibt er: “Israel hat den Gazastreifen wieder angegriffen. Die Hamas beschießt die Städte im Süden, die in den vergangenen Jahren schon so viel abbekommen haben, und auch die Städte im Zentrum wie Tel Aviv und Jerusalem. Israel schießt zurück. Wieder gibt es Militäroperationen, wieder Schießereien, wieder Tod und furchtbares Leid. Überall dieselbe stereotype Militärsprache, in der von Zielen, Bewaffneten und Feuer die Rede ist. Es gibt nichts Neues daran, es ist dasselbe Stück, das hier seit Jahren aufgeführt wird; jede militärische Operation beginnt und endet immer am selben Punkt. Ein Teufelskreis der Operationen und der Routine.” Er hält die Vision einer Zwei-Staaten-Lösung für irrig. Ich halte sie auch für völlig abwegig, da reicht ein Blick auf die Karte, wie das Staatsgebiet Israels seit Jahren zu Lasten der Palästinenser größer geworden ist:

      Palestinian loss of land 1946 to 2000

      Barams Schlussfolgerung: “Die Zeit, „zu schießen und zu weinen“, ist vorbei. Wir brauchen jetzt einen politischen Plan, der den Kampf gegen Rassismus mit einer Zukunftsvision verbindet, die für ein gemeinsames Leben und Gleichberechtigung statt Trennung und Abgeschiedenheit steht.”

      Im Übrigen wünsche ich mir hier eine an der Sache orientierte Diskussion, gerne mit Entschiedenheit und Schärfe des Arguments. Danke.

      Antworten
  2. Willi

    Ich möchte als Verfasser des Beitrags auf zwei Aspekte hinweisen, die anscheinend nicht ausreichend angekommen sind:
    1. Mein Beitrag hat nicht Israel zum Thema, sondern Deutschland! Genauer gesagt: die deutsche Beihilfe für Beteiligte in militärischen Konflikten, die aus juristischen, völkerrechtlichen, menschenrechtlichen, moralischen Gründen eigentlich nicht unterstützt werden dürften. Deshalb der Titel “Beihilfe ist strafbar”.
    2. Mit Beihilfe und Unterstützung meine ich nicht allein Waffenlieferungen. Dazu gehören genauso politische, finanzielle, agitatorische und propagandistische Unterstützung sowie die Unterstützung durch militärische und geheimdienstliche Aufklärung.

    Willi

    Antworten
  3. Andreas Schlutter

    Das war mir nach dem Lesen des Beitrags schon klar, dass es um Deutschland geht. Und vielleicht war meine Antwort hier auch zu knapp, weil ich die Frage der Unterstützung auf das Militärische verkürzt habe. Aber selbst da: ob bei der Frage der Waffenlieferungen der bescheidene Versuch von Sigmar Gabriel von Erfolg gekrönt ist, bleibt abzuwarten.

    Interessant in diesem Zusammenhang die Einschätzung, die Albrecht Müller am 09.07. auf den NachDenkSeiten veröffentlicht hat. Dort schreibt er u.a.: “Gewalt folgt auf Gewalt und auf Gewalt. Die Frage, ob es denn nicht angebracht wäre, auf eigene Ansätze gewaltloser und erfolgreicher Konfliktlösungen zurückzukommen, wurde zunächst gar nicht verstanden. So fest eingefahren ist das Schema: Zwischen West und Ost, zwischen uns und dem Islam, zwischen Israel und Palästinensern gibt es leider keine friedlichen Lösungen. – Ist das so? Hat man das ernsthaft versucht? Man hat es nicht getan. Die herrschenden Ideologien sind auf Gewaltanwendung angelegt.”

    Eben. Und das ist das zentrale Problem, Kriege werden mittlerweile auch bei uns wieder als bedauerlich aber unvermeidbar hingenommen. Müller weiter: “Vorher ist versucht worden, Wunden zu heilen, sich zu verstehen. Soll das alles überholt sein? Sind solche produktiven Umwege nicht mehr möglich? Nein, aber die Gewalttäter und die Vertreter und Strategen der Gewalt haben Oberwasser. Sie sind hoffähig.”

    Deshalb wäre es dringend notwendig, gerade 100 Jahre nach Beginn des ersten und 75 Jahre nach Beginn des zweiten Weltkriegs gerade als deutscher Staat alles dafür zu tun, dass Konflikte friedlich und gewaltlos beigelegt werden. Und das heißt für mich zwingend, Waffenlieferungen außerhalb der NATO komplett einzustellen, keine Lizenzen auf Waffen deutscher Hersteller mehr zu vergeben bzw. deren Vergabe nicht mehr zuzulassen und auch alle Lieferungen an NATO-Staaten kritisch auf den Prüfstand zu stellen. Einer muss den ersten Schritt machen, und welches Land ist dafür besser geeignet als Deutschland?

    Zu Israel: wer auch nur einen Satz zu dem Land schreibt, muss damit rechnen, dass es genau dazu Reaktionen gibt. Und der Beitrag hat auch zu viel Meinung und Einschätzung statt belastbarer Fakten zum aktuellen Konflikt – dadurch lenkt er vom eigentlichen Thema leider ab.

    Interessant im Zusammenhang mit Israel ein Beitrag von Fefe, auf den die NachDenkSeiten gestern in den Hinweisen des Tages verlinkt hatten:
    “Diese Israel-Palästina-Geschichte gerade mit den der entführten Jugendlichen entwickelt sich sehr interessant. Es stellt sich nämlich raus, dass die Israelische Regierung von Anfang an wusste, dass die Jugendlichen tot sind. Die Notrufzentrale hatte ein Telefonat mitgeschnitten, auf dem man hörte, wie sie erschossen wurden, und ihre DNA wurde im zerstörten Auto der Entführer gefunden. Trotzdem haben sie da ein Theater abgezogen und 18 Tage lang “gesucht”, um einen öffentlichen Vorwand für einen Krieg gegen Hamas zu haben.
    Aber das ist noch nicht das Spannende. Das Spannende ist, dass sie die Armee in ihr Lügengebäude involviert haben, und die Armee hat jetzt sowas von gar keinen Bock mehr auf Netanjahu und seine sinnlosen Kriege, dass sie öffentlich keine Aussagen wie üblich bringen, so ala “Wir werden alle notwendigen Schritte gehen” oder “Der Staat Israel wird seine Bürger verteidigen” sondern sie haben das hier gesagt: […]”

    Wo sind sie, die Friedensstifter, die das Wort erheben? Hier in Deutschland, in Israel, in der Ukraine, in Syrien und sonstwo auf der Welt? Fast muss man schon darauf hoffen, dass sich Papst Franziskus des Themas eindringlich annimmt und nicht nur die italienischen Mafiosi exkommuniziert, sondern alle, die Kriegen das Wort reden.

    Antworten
  4. B.B.

    Hallo Willi,

    das war mir schon klar, dass das jetzt nicht “Israel-Kritik” identifiziert werden sollte (deshalb kommt ja auch der Begriff “Terror-Staat-Israel” und “die wahren Terroristen” in dem Beitrag so oft vor. Und deshalb – damit man den Beitrag nicht sofort richtig einordnen kann – wurde im selben Aufwasch gleich auch noch die Ukraine und Syrien mit “verhaftet”. Allerdings für jeden der lesen kann erkennbar als Staffage für die Kernbotschaft “Terrorstaat Israel, der seit man denken kann von Deutschland bei seinem Terror unterstützt wird” (sinngemäss, wörtlich zu zitieren fehlt mir der Mut).

    Die Forderung “Haltet Euch raus!” ist dabei als Quintessenz dieses “Beitrages” auch nicht mehr als ein welkes Feigenblatt, das nicht verdecken kann, welche Potenz hier hinter dem Beitrag steckt und wo dem Autor des Artikels der Gaul durchgeht und bei was und wem eher nicht.

    Denn wie dieses am Ende des Artikels geforderte Eingreifen von Deutschlands Verantwortlichen (Merkel? Gauck? Die Bundeswehr?) denn nun genau aussehen sollte, das lässt “Willi” ja offen:

    gerne würde ich erfahren, was damit nun genau gemeint ist. Die Region hat ja nicht auf “Willi” und seine Ausrufezeichen gewartet, sondern sie wird ja seit “man denken kann” von arabischen Raketen beschossen von einer Seite, die bis heute keinen Millimeter davon abrückt, dass der Staat Israel ausgelöscht und die Juden ins Meer gejagt werden sollen (Quellen dazu liefere ich erst im nächsten Beitrag nach, die Spannung muss ja aufrechterhalten werden). Also wie sieht denn diese Lösung jetzt genau aus, die “Willi” vorschwebt: nur “Haltet euch raus” ins Internet zu rufen, kann damit ja nicht gemeint sein.

    Als Mitglied des NDR Gesprächskreises München stelle ich gerne hier öffentlich die Frage:

    wie sollen “die wahren Terroristen” (gemeint ist Israel) denn nun nach Meinung von “Willi” bekämpft werden? Wer A sagt sollte auch B und C sagen können.

    Und nicht wie der gesamte Beitrag zuerst laut brüllen und dann als Bettvorleger (“Haltet euch raus!”) landen. Niemand weiss, wer sich hinter einem “NDS Gesprächskreis München” verbirgt und niemand weiss, ob es für diesen Beitrag in dieser Form eine Mehrheit in diesem Gesprächskreis gegeben hat. Eine Mehrheit für einen Beitrag der stilistisch redundant, mit der Sprach-Totschlagskeule ausgeführt, journalistisch allen Grundgesetzen seriöser Recherche widersprechend (ohne Quellenangaben sich ausschliesslich auf eine “eigene Meinung” berufend, die man nach dem Motto “das wird man wohl noch sagen dürfen” sich jeder Überprüfbarkeit entzieht) hier für veröffentlichbar gehalten worden ist.

    Und was noch gravierender ist:

    der Beitrag ist nicht in der Tradition der NachDenkseiten verfasst, als Gegenöffentlichkeit, als Gegengewicht zum “Mainstream” – was auch immer das sein soll – und auch nicht nach den Prinzipien von Albrecht Müller und seinen Mitautoren. Er ist Mainstream in jedem einzelnen Begriff und zwar tendenziöser Mainstream wie er sich in den letzten Jahren als “Israelkritik” manifestiert hat und es alles in allem keiner übergrossen intellektuellen Anstrengung bedarf, diese Mainstream-Israel-Kritik nocheinmal in einem eigenen Blog wiederzukäuen ohne inhaltlich auch nur eine eigene neue Sichtweise hinzuzufügen.

    Ich empfehle zum Thema Mainstream-Israel-Kritik das “Sprachlog” (1), um dem Beitrag von “Willi” den Hauch des Aufrechten “hier stehe ich und kann nicht anders” zu nehmen bzw. ihn dort hin zu verschieben, wo er tatsächlich steht, nämlich im Lager der “das wird man wohl noch sagen dürfen” Mehrheitsmeinung.

    Der ” Sprachlog”Blog ist eine absolute Leseempfehlung für jeden, dem Sprache und das Verräterische an ihr wichtig sind:

    ISRAEL UND DIE HAMAS IM SPIEGEL DEUTSCHER SCHLAGZEILEN.

    “Die Presseberichte der letzten Tage aus Israel und dem Gazastreifen haben viele Menschen in meinen sozialen Netzwerken als unausgewogen empfunden: viele waren der Ansicht, die deutsche Presse berichte nicht angemessen über den sogenannten „Nahost-Konflikt“ sondern bewerte die israelische Seite übermäßig negativ und interessiere sich hauptsächlich für Angriffe Israels auf Ziele im Gazastreifen, aber nicht für Angriffe der Hamas auf Israel. Da mir dieser Vorwurf im Zusammenhang mit der Israel-Berichterstattung nicht zum ersten Mal begegnet, habe mich gefragt, ob dieser Eindruck stimmt, oder ob er das Ergebnis selektiver Wahrnehmung ist – die wenigsten von uns analysieren ja systematisch die Berichterstattung tagesaktueller Ereignisse, und die eigene Perspektive kann sich deshalb ja leicht zu einem falschen Gesamteindruck verfestigen”.

    Es fehlt anscheinend bei den Verantwortlichen für diesen Blog eine Standortbestimmung, wo man sich in der Medienlandschaft mit den NachDenkseiten – auf die man sich bezieht und deren Reputation man mit solchen Beiträgen strapaziert – befindet.

    Und wo man sich mit diesem Blog hinbewegen will: wenn man im Mainstream mitschwimmen will, ziehe ich seriösere Berichterstattung der Mainstream-Medien – also der hier vom “Sprachlog” untersuchten ZEIT, FAZ und SZ Berichterstattung – einem anonymen Blogartikel eines “Willi” entschieden vor. Denn die Mainstream-Medien sind einem journalistischen Minimal-Codex verpflichtet, wenn sie auch nicht immer ausgewogen berichten, wie der Sprachlog herausgefunden hat. Und was die NachDenkseiten als ihre zentrale Aufgabe ansehen: die Mainstream-Medien um Themen und Hintergründe zu ergänzen, die dort nicht vorkommen oder nicht richtig gewichtet sind – das wird mit diesem Beitrag nicht nur konterkariert, sondern in eine Ecke gestellt, wo sich das “Sprachlog” gar nicht erst hinbegeben hat.

    Denn dann würden deren Ergebnisse noch ganz anders aussehen: nämlich exakt so wie hier in diesem Beitrag. Ich werde dort auf diesen Beitrag hier verlinken, vielleicht möchte der Autor Anatol Stefanowitsch ja dann auch mal die einschlägige israelkritische Szene des Internets untersuchen und dessen Schlagzeilen und Überschriften analysieren. Ich glaube jedoch eher nicht.

    Hier nocheinmal der Sprachlog:

    “Es wäre übertrieben, zu behaupten, dass die Mehrheit der deutschen Presse grundsätzlich israelfeindlich berichtet. In den Artikeln selbst erfolgt ja meistens eine etwas differenziertere Darstellung aller Ereignisse und ihrer ursächlichen Beziehungen. Aber die Überschriften zeigen, dass die deutsche Presse sich mit der Benennung mancher Aspekte des Konflikts tatsächlich schwerer zu tun scheint als mit anderen. Es scheint ihr schwer zu fallen, die Hamas überhaupt zu erwähnen, vor allem an prominenter Stelle. Noch schwerer scheint es ihr zu fallen, der Hamas eine Verantwortung (oder auch nur Mitverantwortung) für die Ereignisse zuzuschreiben. Der „Raketenhagel“ (um die Formulierung einer Überschrift der Bild zu verwenden), wird oft tatsächlich wie eine Art Hagel behandelt – eine Wetterkatastrophe, die natürlich schlimm ist, für die aber niemand etwas kann. Entsprechend stehen die israelischen Militäroperationen selbst dort tendenziell als zusammenhangslose Aggression da, wo sie mit neutralen Wörtern beschrieben werden; erst recht ist das dort der Fall, wo Wörter wie Offensive und Angriff gewählt werden”.

    Einen schönen Tag noch eure B.B.

    Und bitte rüstet jetzt mal den Blog so auf, dass man “Zitate” und “Titel” kenntlich machen kann, die HTML Tags sind dafür zu wenig nachvollziehbar, was dabei dann letzten Endes herauskommt.

    (1) Sprachlog http://www.sprachlog.de/2014/07/09/israel-und-hamas-im-spiegel-deutscher-schlagzeilen/

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  5. B.B.

    Und nun zum lustigen Teil.

    Die NachDenkseiten selbst sehen sich ja eher links (bitte korrigieren, falls dem nicht so sein sollte) oder besser noch so: “…Wir wollen Sie auf die miserable Qualität der politischen Meinungsbildung aufmerksam machen, auf die Tricks der Irreführung und den gezielten, strategisch geplanten Missbrauch Ihrer guten Absichten. Wir wollen nicht Recht haben, aber wir wollen auf diesen Seiten zum eigenen Nachdenken anregen und Mut zu abweichenden Meinungen machen…” (1).

    (1) NachDenkseiten Selbstverpflichtung (http://www.nachdenkseiten.de/?page_id=4)

    Nun also eine Umfrage speziell für Israel-Kritiker (2):

    DIE PALÄSTINENSER SIND EHER LINKS WEIL…

    …sie eine sozialistische Wirtschaftsordnung anstreben.

    …sie für Meinungsfreiheit und Demokratisierung stehen.

    …weil sie so vorbildlich auf jegliche Haßpropaganda verzichten.

    …bei ihnen Menschenrechte auch für Oppositionelle gelten.

    …sie sich meist dem imperialistischen Westen widersetzen.

    …sie mehr leiden als jedes andere Volk auf den ganzen Welt.

    …sie schon vor 70 Jahren aktiv gegen die Nazis kämpften.

    …sie auch bei Feinden zivile Opfer zu vermeiden suchen.

    …sie traditionell nur gewaltfreien Widerstand anwenden.

    …sie lieber Schulen und Krankenhäuser statt Raketen bauen.

    …sie Nationalismus und ethnische Reinheit verabscheuen.

    …sie sich gegen Antisemitismus und Rassismus engagieren.

    …sie sich für die Rechte von Frauen und Homosexuellen einsetzen.

    …sie rigoros gegen jedwede religiöse Indoktrinierung vorgehen.

    …wie bitte? Links? Rechts von denen ist nur noch die Wand!

    GEVOTET WERDEN KANN HIER: (2) http://nb4s.wordpress.com

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  6. B.B.

    Und um das Stimmungsbild rund zu machen, hier aus einem Mainstream-Medium (Spiegel Online) wie die internationale Helferszene das Projekt “Wir helfen den Palästinensern” wirklich sieht:

    […] “Palästina ist das bestgehütete Geheimnis in der Hilfsindustrie. (..) Es klingt cool und gefährlich, weil es als Kriegsgebiet bezeichnet werden kann, aber tatsächlich ist es ziemlich sicher und hat all den Komfort, den Internationale wollen”, zitiert das palästinensische Veranstaltungsmagazin “This week in Palestine” Emily Watson, die amerikanische Projektmanagerin einer medizinischen NGO.
    Also alle fünf Quadratkilometer eine Hilfsorganisation, was immerhin einer auf ca. 1.500 Einwohner entspricht. Für ein Land, in dem es noch Discos gibt, in denen Touristen aus dem Ausland zusammen mit ortsansässigen Bürgern gemütlich Gebäck knabbern, Schnaps trinken und Joints rauchen können, ohne dass die Einheimischen anschließend im GULag oder einer Folterkammer verschwinden, ist das kein schlechter Wert. Sofern die Zahl der in Nordkorea oder Syrien arbeitenden NGOs nicht wenigstens im deutlich fünfstelligen Bereich liegt, könnte ganz schnell nicht nur die Frage nach der Motivation unserer nordischen Blondinen aufkommen, sich gerade Israel als persönlichen Lieblingsfeind ausgesucht zu haben, sie täte das auch zu Recht” (2).

    Und, lieber Willi, liegen die NGO’s in Syrien mindestens im 5-stelligen Bereich? Zahlen sind zwar nicht so wichtig, aber wenigstens lügen sie nicht.

    “[…] Mehr als tausend Nichtregierungsorganisationen tummeln sich nach Schätzungen des proisraelischen Jerusalemer Thinktanks “NGO-Monitor” im Westjordanland. Und das auf 5655 Quadratkilometern, einer Fläche nicht einmal ein Viertel von Rheinland-Pfalz. Das NGO-Mapping-Project von 2007 listet in seiner Statistik 1196 NGO, die meisten haben ihr Büro in Ramallah.”

    (1) Mainstream-Medium http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/party-feeling-im-krisengebiet-disco-ramallah-a-806718.html
    (2) Nicht-Mainstream-Medium: http://nb4s.wordpress.com/2012/01/18/das-ghetto-rockt/#comments

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  7. B.B.

    Noch etwas zur Kommentarfreischaltung:

    wenn ich drei Postings auf einmal verfasse – so wie heute – dann würde ich es wünschenswert finden, wenn sie auch gleichzeitig veröffentlicht werden würden. Man liest dann ja nicht nur einen Beitrag und muss sich lange überlegen, ob man nun diesen einen nun freischalten soll und dann noch einmal sehr lange, ob man den den nächsten nun auch freischalten soll, sondern – so hoffe ich – alle auf einmal.

    Und viel zu überlegen sollte da auch nicht sein: Strafbares wird von mir nicht zu erwarten sein und auch nichts Unbelegbares ohne Quellen.

    Nur damit wir uns einig sind und es nicht so aussieht, als bräuchte ich für drei Postings einen ganzen Tag 🙂

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  8. B.B.

    Lieber Andreas,
    den Beitrag von “Willi” jetzt nachträglich inhaltlich unterfüttern zu wollen, wird nicht funktionieren: er ist so wie er ist und so wie er ist, sollte er jetzt wenigstens dazu genutzt werden, um die eigene Position nocheinmal zu überprüfen und für zukünftige Beiträge die Latte etwas höher zu hängen.

    Warum es ein heisses Thema ist, um das wir uns hier streiten (wie erwartet kommt ja auch nichts mehr von “WIlli”): :

    “Mein Freund, du erklärst, dass du die Juden nicht hasst, dass du nur Antizionist bist. Und ich sage dir, lass die Wahrheit von den höchsten Bergspitzen erklingen, lass ihr Echo durch die Taler von Gottes grüner Erde hallen: Wenn man den Zionismus kritisiert, dann meint man die Juden – das ist Gottes Wahrheit… Antisemitismus, der Hass auf das jüdische Volk, war und bleibt der Fleck auf der Seele der Menschheit. Darin stimmen wir vollständig überein. Also wisse auch dies: Antizionismus an sich ist antisemitisch und wird es immer bleiben.”
    Martin Luther King, Jr. in: The Saturday Review, August 1967 (1)

    Ein User “Halbalba” beschreibt sehr anschaulich auf “Spirit of Entebbe” (2), was man erlebt, wenn man gegen den “Mainstream” anargumentiert – auch die Prozentzahlen kann ich bestätigen, sie treffen im übrigen (leider) auch auf “Islamkritiker” zu: es handelt sich dabei tragischerweise um ein- und diesselbe Personengruppe (tragisch, weil es so aussieht als wäre der “Islam-Kritiker” gegen Araber/Muslime und deshalb automatisch FÜR Juden und als wäre der “Israel-Kritiker” automatisch FÜR Araber/Muslime – letzteres ist er nur dann, wenn es GEGEN Juden geht, ansonsten gehen ihnen Muslime rechts am Hintern vorbei).

    Das Argumentationsmuster ist unter dem Titel: “10 gute Entgegnungen auf 10 dämliche Phrasen” unter (2) bei “Spirit of Entebbe” abrufbar, absolute Leseempfehlung (Vorsicht: jüdisches Blog!).

    Ich habe die letzten Tage zahlreiche “israel-kritische” Blogs und Beiträge recherchiert und bin auf keinen einzigen gestossen, den ich hier als Vorbild (= saubere Recherche, korrektes Zitieren, lesbarer Stil) hätte hinverlinken können. Ein gutes Beispiel habe ich jedoch beim Watchblog der Süddeutschen Zeitung (Südwatch) gefunden, der gut zeigt welchen Mindeststandards man genügen sollte – wenn man gegen den “Mainstream” anschreiben möchte.

    Leider ist er nicht israel-kritisch (3):

    Zitat Jetzt.de: “Lucy ist Araberin und Israelin zugleich – ein Gespräch über das Erwachsenwerden im Zwiespalt”

    “…Jetzt.de, “die Jugendwebsite der Süddeutschen Zeitung” ist -nach eigener Aussage.. “der beste Ort im Netz, um nette Menschen zu treffen”…Vor knapp einem Jahr, am 21.06.2009, hat die junge Schreiberin Sarah Stricker dort mit einem Interview gepunktet, das sie mit Lucy Aharish führte (4). Und in diesem herzerwärmenden Interview erzählt die israelische Araberin…

    …mit welchen Schwierigkeiten Araber in Israel zu kämpfen haben, wie sehr sie dort allgemein, Lucy Aharish natürlich auch persönlich, unterdrückt werden. Und selbstverständlich gibt Frau Aharish auch eine Geiger-Story zum Besten. Selbstredend aus eigenem Erleben, denn irgendwie muss man ja rechtfertigen, warum man die Juden so hasst…

    “Zum Studium bin ich nach Jerusalem gezogen. Da habe ich das erste Mal miterlebt, wie in diesem Staat mit Palästinensern umgegangen wird. Ich saß im Bus und draussen hat ein Soldat auf eine Gruppe Palästinenser gezielt. Sie mussten sich in einer Reihe aufstellen, Gesicht zur Wand, das T-Shirt nach oben gezogen. Ein anderes Mal war ich an einem Checkpoint und ein Soldat hat einen Palästinenser gezwungen, Geige für ihn zu spielen. Ich bin mit den Erzählungen vom Holocaust groß geworden, diese Szene hat mich viel zu sehr daran erinnert. Ich habe gesehen, wie Hass entsteht. Ein Bart oder ein Kopftuch genügen, und man gilt als potentieller Attentäter.”

    (Anmerkung von B.B.: der Geigenspieler geisterte durch zahlreiche Feuilletons: kann man im selben Beitrag von Südwatch nachlesen http://www.suedwatch.de/blog/?p=3127)

    Abgesehen davon, dass die junge Araberin im vorbeifahrenden Bus natürlich instinktiv wusste, aus welchem Grund der Soldat auf die Gruppe Palästinenser zielte – es konnte wieder nur Unrecht, wenn nicht sogar ein weiterer Auswuchs jüdischen Nazi-Schergentums sein – scheint ihr ein Zusammenhang zwischen den Attentaten, der Tätergruppe und der -berechtigten- Angst der Juden nicht aufgegangen zu sein. Und das, obwohl sie kurz vorher noch behauptet, selbst Opfer eines Attentats gewesen zu sein…

    “Als Fünfjährige war ich selbst Opfer eines Anschlags. Wir waren zum Einkaufen in Gaza, als ein Palästinenser einen Molotowcocktail auf unser Auto geworfen hat. Wir hatten ein israelisches Nummernschild, wahrscheinlich hielt er uns für Juden.”

    …und…

    “Ich musste zusehen, wie die Haut meines drei Jahre alten Cousins verglühte. Die Leute [die Araber; Anm.Moritatensaenger] sind einfach weitergegangen.”

    … Nach solchem Erleben ist es schon gut und wichtig, das dürfte jeder einsehen, dass Frau Aharish jetzt mit Vorliebe die israelische Gesellschaft, und nicht die arabische, kritisiert. Zumal ihr – bzw. ihresgleichen- wirklich übel mitgespielt wurde und wird. Sehen wir uns das genauer an:
    Lucy Aharish, jung und lebensfroh und ausgesprochen attraktiv…

    ( Quelle: Lucy Aharishs Facebook-Account)

    …, lebt in Israel (besser: in Tel Aviv!) ein Leben, von dem ihre Geschlechtsgenossinnen, die arabischen Frauen in Gaza wie in der Westbank, die unter massiven Repressionen momantan erstmal darum streiten, als Witwen überhaupt ihre Männer beerben zu können…

    (Bild von um das Erbrecht protestierende Frauen in Gaza (3).

    … Die benachteiligte Lucy Aharish hingegen wurde gegen eine Übermacht von 10 blonden, jüdischen Mitbewerberinnen (“very Tel Aviv, like the typecast of the channel”, wie sie selbst sagt) bei Channel 10, einem kommerziellen israelischen Fernsehsender, als Nachrichtensprecherin angestellt. Und auch ihr bisheriges Leben, wie das ihrer Familie, lässt einen kaum die Borniertheit nachvollziehen, mit der sich die erfolgreiche israelische Araberin gegen die jüdische Gesellschaft und den israelischen Staat wendet: Geboren wurde sie 1981 in Dimona als Tochter einer aus Nazaret stammenden muslimischen Familie. Der Vater, ein Ingenieur, fand Anstellung in der israelischen Mineralindustrie Dimonas, und laut Aussage Lucys waren die Aharishs damals die einzigen Muslime in der israelischen Wüstenstadt, weshalb sie in eine jüdische Schule ging und mit jüdischen Freunden in einem gänzlich jüdischen Umfeld aufwuchs. Auch nach der Schule war es ihr möglich, an einer israelischen Universiät in Jerusalem zu studieren.”

    Ich bitte ich die “Redaktion” des NDR Nachdenkseiten-Blogs darum die sehr aufschlussreichen, sehr lebendigen und sehr schönen Facebook-Bilder von Lucy Aharish aus dem Südwatch-Blog hier einzubinden: ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Sonst auf den link unten klicken: http://www.suedwatch.de/blog/?p=3127.

    lucysampler1

    So in etwa müsste aus meiner Sicht auch ein Israel-Kritiker in der Lage sein einen Beitrag zu verfassen: er muss den Mainstream aufs Korn nehmen, er darf dann ruhig auch pointiert und polemisch sein, solange er es beweisen kann, was er behauptet und er muss für einen lesbaren Beitrag auch nicht nur gerecht und auch nicht nur ausgewogen sein (wir sind ja nicht vor Gericht), aber er sollte wenigstens an zwei/drei Beispielen demonstrieren können, was ein Mainstream-Medium aussen vor gelassen hat, was es verfälscht wiedergibt und wo es auf dem rechten Auge blind ist.

    Und warum.

    (1) Quelle “Mut gegen rechte Gewalt, das Portal gegen Neonazis”: http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/lexikon/a/antizionismus/

    (2) Quelle “Spirit of Entebbe: 10 gute Entgegnungen auf 10 dämliche Phrasen”: https://spiritofentebbe.wordpress.com/2010/01/23/10-gute-entgegnungen-auf-10-damliche-phrasen/

    (3) Quelle “Watchblog der SZ”: http://www.suedwatch.de/blog/?p=3127

    (4) Quelle “Jetzt”, die Jugendbeilage der SZ”: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/478734

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  9. Andreas Schlutter

    Was unterscheidet einen Blog von einer Nachrichten-Seite im Netz? Ein Blog ist ein öffentlich geführtes Tagebuch, es darf unfertige Gedanken haben und muss auch nicht immer Quellen benennen. Gedanken fließen, formieren sich, das ist etwas anders als Journalismus – und wir können für uns auch gar nicht in Anspruch nehmen, damit zu konkurrieren. Und dennoch, Gedanken zu äußern, zu wiegen und zu wenden, zu kritisieren, all das kann eine Diskussion nur bereichern und – hoffentlich – zu einem Erkenntnisgewinn für alle führen.

    Die Diskussion hier führt weg vom Eigentlichen, was Willi m.E. sagen wollte. Für mich eine Aufforderung, dass sich Deutschland seiner historischen Verantwortung bewusst ist. Deutschland und seine jeweiligen Verbündeten haben zwei Weltkriege losgetreten, zehn Millionen Tote im Ersten, 65 Millionen, davon 47 Millionen Tote allein in Europa im Zweiten Weltkrieg. Dazu noch das unmenschliche Verbrechen an den Juden, erschreckend in seinen Ausmaßen und kaum begreifbar, wenn man sich nicht tiefer mit den Themen befasst. Daraus resultiert für mich zwingend, über die Verantwortung Deutschlands für Frieden nachzudenken, Willy Brandt hat gesagt: “Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen” – diese Verpflichtung würde ich gerne als Leitlinie deutscher Politik sehen. Das bedeutet eben, sich in keiner Form an kriegerischen Konflikten zu beteiligen. Sie auch nicht ideell zu unterstützen, sondern immer für das Schweigen von Waffen einzutreten und Verhandlungen einzufordern. Dann darf Deutschland aber auch keine Waffen liefern, an keine Konfliktpartei. Nicht an die Türkei, nicht an Griechenland und eben auch nicht an Israel.

    Vielleicht sollten wir hier in Deutschland darüber hinaus mal nach Costa Rica schauen um zu lernen, wie man auf ein eigenes Militär verzichten kann.

    Übrigens, bemerkenswert an Willis Beitrag finde ich folgenden Gedanken: da die Palästinenser keinen eigenen Staat haben, gehören sie de facto zu Israel. Und eine Zwei-Staaten-Lösung ist angesichts der Siedlungspolitik und dem zerfledderten Gebiet, das den Palästinensern noch bleibt, kaum realistisch (insofern wäre Papst Franziskus zu widersprechen, der ja kurz vor der Eskalation noch mit Peres und Abbas zusammenkam und sich für die rasche Umsetzung der Zwei-Staaten-Lösung aussprach). Zudem sind nur noch 75% der israelischen Staatsbürger Juden. Insofern ist der Gedanke konsequent, Israel als verantwortlich für die ungewollten und wohl verhassten Mitbürger in Gaza und im Westjordanland zu sehen. So verstehe ich es, wenn Willi schreibt:

    Ich empfinde es jedenfalls als Verbrechen an der eigenen Bevölkerung, was momentan in Israel passiert.

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  10. Willi Beitragsautor

    Nach einer längeren Pause und einigem Nachdenken über das Geschriebene hier noch ein Resumee meinerseits zu dieser Diskussion. Ich veröffentliche das ganz bewusst, weil ich mich von B.B. persönlich angegriffen und verunglimpft fühle, und das ebenfalls öffentlich.

    Zunächst aber das Positive:
    Andreas hat sich in die Diskussion eingebracht mit Versuchen, die Diskussion auf die sachliche Ebene zurück zu führen und mit wertvollen ergänzenden Informationen. Vielen Dank dafür!
    Ebenso vielen Dank an Ludger für den Link auf einen Beitrag von Jürgen Todenhöfer, den ich sehr schätze. Leider kann ich den nicht lesen, weil ich kein Facebook-Mitglied bin. (Ludger, kannst Du mir den Beitrag vielleicht mailen?)

    Den ganz überwiegenden Anteil der Kommentare hat aber B.B. geschrieben.
    Die Auseinandersetzung von B.B. mit dem (vermeintlichen) Inhalt meines Beitrags strotzt nur so von Unterstellungen, falschen Zitaten und falschen Interpretationen. Und sie geht auf den Kern meines Beitrags, nämlich die deutsche Unterstützung der nach meiner Meinung verbrecherischen Kriegshandlungen in Israel, Syrien und Ukraine, sowie auf meinen Appell, dass Deutschland sich da raushalten soll, garnicht ein.

    Ich will die einzelnen Punkte in den Kommentaren von B.B. garnicht auflisten. Nur anhand des nachfolgenden Zitats aus B.B. vom 18. Juli 2014 um 10:16 möchte ich aufzeigen, was ich meine. Meine Anmerkungen sind in eckigen Klammern eingefügt:

    “Die Forderung “Haltet Euch raus!” ist dabei als Quintessenz dieses “Beitrages” auch nicht mehr als ein welkes Feigenblatt, das nicht verdecken kann, welche Potenz hier hinter dem Beitrag steckt und wo dem Autor des Artikels der Gaul durchgeht und bei was und wem eher nicht. [Meine Kernforderung an die Bundesregierung “Haltet Euch raus!” wird beiseite geschoben.]

    Denn wie dieses am Ende des Artikels geforderte Eingreifen von Deutschlands Verantwortlichen (Merkel? Gauck? Die Bundeswehr?) denn nun genau aussehen sollte, das lässt “Willi” ja offen: [Wo bitteschön habe ich ein Eingreifen gefordert? Raushalten! Ist das so schwer zu verstehen?]

    gerne würde ich erfahren, was damit nun genau gemeint ist. Die Region hat ja nicht auf “Willi” und seine Ausrufezeichen gewartet, sondern sie wird ja seit “man denken kann” von arabischen Raketen beschossen von einer Seite, die bis heute keinen Millimeter davon abrückt, dass der Staat Israel ausgelöscht und die Juden ins Meer gejagt werden sollen (Quellen dazu liefere ich erst im nächsten Beitrag nach, die Spannung muss ja aufrechterhalten werden). Also wie sieht denn diese Lösung jetzt genau aus, die “Willi” vorschwebt: nur “Haltet euch raus” ins Internet zu rufen, kann damit ja nicht gemeint sein. [Erneut wird das, was ich geschrieben und gemeint habe, nämlich “Haltet Euch raus!”, wegdiskutiert.]

    Als Mitglied des NDR Gesprächskreises München stelle ich gerne hier öffentlich die Frage:

    wie sollen “die wahren Terroristen” (gemeint ist Israel) denn nun nach Meinung von “Willi” bekämpft werden? Wer A sagt sollte auch B und C sagen können.” [Von “bekämpfen” habe ich auch nichts geschrieben. Es wäre ja schon ein Fortschritt, wenn die Unterstützung für die Aggression der israelischen Regierung gegen die Palästinenser aufhören würde.]

    Nochmal speziell für B.B.:
    Meine Forderung an die Bundesregierung (auch wenn sie dort nicht ankommen wird, außer evtl. über Geheimdienstkanäle) ist: Deutschland soll keine kriegerischen und keine terroristischen Handlungen irgendwo in der Welt unterstützen!

    Wenn B.B. anderer Meinung ist wäre ein eigener Beitrag im Blog sinnvoll. Den würde ich mit Interesse lesen und ggf. auf der sachlichen Ebene dazu Stellung nehmen.

    Natürlich ist “Raushalten” noch keine Friedenslösung, das ist mir auch klar. Aber es wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Und nur wer sich raushält kann als neutraler Vermittler ernst genommen werden.

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