Waffen und Krieg – wir arbeiten weiter an der islamischen Tragödie

Vergangenen Dienstag in der Anstalt: Claus von Wagner und Max Uthoff zeigen kurz die Geschichte  der Eingriffe des Westens, vor allem unter der Führung der USA seit 1953 nach. In dem Jahr wurde im Iran mit Hilfe von CIA und MI6 der demokratisch gewählte Premierminister Mohammad Mossadegh gestürzt, weil er die Ölindustrie verstaatlichen wollte, die bis dahin im Besitz eines britisch geführten Konzerns war. Die beiden Kabarettisten zeigen zugespitzt in acht Minuten auf, wie sich die Linie von damals bis jetzt zu den militärischen Angriffen auf den ISIS im Irak und Syrien nachzeichnen lässt:

Die Dominanz des “Westens”, vor allem der USA hat in über 60 Jahren zu Kriegen, Zerstörung, zum Zerfall von Staaten und zu Terrorismus geführt. Al-Quaida und ISIS sind Geschöpfe einer Politik, die nicht die Rechte der Menschen der Region, sondern strategische Interessen (v.a. Erdöl und geopolitischer Einfluss) im Auge haben. Das geht natürlich dauernd schief (die Moslems finden Armut, Perspektivlosigkeit und Übervorteilung komischerweise gar nicht gut), so dass wieder und wieder mit Waffen eingegriffen werden “muss”. Dazu arbeiten wir jetzt auch wieder gerne mit den Golfmonarchien zusammen, die ein autoritäres Staatsverständnis haben, einen rückwärtsgewandten Islam predigen und mit viel Geld ISIS stark gemacht haben. Katar kann dazu sogar seine Gewinne aus der Beteiligung an VW einsetzen. Und aktuell scheinen wir weiter weg denn je von einer friedlichen Perspektive für die Region zu sein.

Im einem für mich bemerkenswerten “Sonntagsgespräch” im Hessischen Rundfunk legte Jürgen Todenhöfer bereits im März 2009 dar, wie wir Westeuropäer schon vorher in der islamischen Welt geherrscht haben. Der seit 9/11 immer wieder im Westen heraufbeschworene Krieg der Kulturen geht darauf zurück, dass wir Europäer und Amerikaner uns überlegen fühlen, die islamische Welt weder kennen, verstehen noch wirklich ernst nehmen. Für uns günstige Verträge für das Erdöl, für das Schmiermittel unserer Gesellschaften sind es, die uns wichtig sind – die Menschen? Fehlanzeige. Ja, die Anschläge in New York waren schrecklich, 3.000 Unschuldige sind gestorben. Im Krieg gegen den Irak und der darauf folgenden Besatzung, dem darauf folgenden Chaos zählt die unabhängige US-Seite Iraq Body Count bis heute mindestens 130.000 zivile Tote.

Vor fünf Jahren hat Todenhöfer schon gesagt, es bedarf einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen und Mittleren Osten. Dialog, Zusammenarbeit und vor allem Gerechtigkeit sind die Zutaten für eine Zukunft in Frieden, nicht Waffen und weitere Kriege. Und vor allem müssen die beteiligten Länder gemeinsam ihre Lösung finden, die kann nicht aus dem Westen kommen.

Unabhängig davon, wie jeder zum jetzigen Krieg gegen ISIS steht – es bleibt vielleicht ein unlösbares Dilemma -, wenn es Frieden geben soll, müssen Saudi-Arabien und der Iran, die Türkei, Syrien und Ägypten, Kuwait und Irak sowie vermutlich auch Israel und die Palästinenser an einen Tisch. Als es in Europa ab 1973 zur ersten “Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa” (KSZE) kam, haben sich auch Staaten unterschiedlicher Systeme und militärischer Blöcke zusammengesetzt. Vielleicht sind es diese Erfahrungen und die Grundsätze der Schlussakte von Helsinki, die wir zu diesem Prozess beisteuern könnten.

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