{"id":860,"date":"2014-09-26T22:24:17","date_gmt":"2014-09-26T21:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=860"},"modified":"2014-09-26T22:24:17","modified_gmt":"2014-09-26T21:24:17","slug":"das-maerchen-von-der-staatsschuldenkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=860","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen von der Staatsschuldenkrise &#8211; Eurokrise (1)"},"content":{"rendered":"<p>Die politische und \u00f6konomische Krise Europas w\u00e4hrt nun schon mehrere Jahre. Die Europawahlen 2014 haben einerseits rechtspopulistische Kr\u00e4fte \u2013 vor allem in Frankreich und in Gro\u00dfbritannien \u2013 nach oben gesp\u00fclt, andererseits in vielen L\u00e4ndern \u2013 vor allem in Osteuropa \u2013 ein gro\u00dfes Desinteresse in Form niedriger Wahlbeteiligung offenbart.<\/p>\n<p>Nun ist im IMK (Institut f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung) ein Buch erschienen mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/imk_10_mythen.pdf\">\u201eDie 10 Mythen der Eurokrise &#8230; und warum sie falsch sind\u201c<\/a>. Die Herausgeber sind Henning Meyer und Andrew Watt. Die 10 Autoren, unter ihnen die deutschen Volkswirte Gustav Horn und Peter Bofinger, behandeln verschiedene Gr\u00fcnde f\u00fcr die Eurokrise, u.a. woher die Schulden kommen, warum die Sparpolitik falsch ist, die verfehlte deutsche Politik, die Rolle der EZB und die angeblichen Inflationsgefahren. <!--more--><\/p>\n<p>Wir werden die wichtigsten Thesen der Autoren in jeweils einem Beitrag hier vorstellen und beginnen mit:<\/p>\n<blockquote><p>Mythos-1: Die Krise Europas ist eine Staatsschuldenkrise (von Thomas Fricke)<\/p><\/blockquote>\n<p>In den g\u00e4ngigen Medien ist immer wieder suggeriert worden, dass s\u00fcdeurop\u00e4ische Regierungen nicht wirtschaften k\u00f6nnen, st\u00e4ndig ihre Schulden erh\u00f6hen und die deutschen Steuerzahler daf\u00fcr zahlen m\u00fcssten. Die Daten aber beweisen, dass es keinen urs\u00e4chlichen Zusammenhang zwischen Staatsschulden und Eurokrise gibt \u2013 z.B. hatten Spanien und Irland vor Ausbruch der Krise sogar \u00dcbersch\u00fcsse im Staatshaushalt. Insgesamt lagen 2007 die Staatschulden aller OECD-Staaten bei 75% vom BIP. Mit der Krise waren diese bis 2012 auf mehr als 105% gestiegen.<\/p>\n<p>Thomas Fricke macht die typischen Verhaltensmuster an den Finanzm\u00e4rkten, deren Herdentrieb, die sich selbst erf\u00fcllenden Prophezeiungen, die Ratingherabstufungen und die Spekulationen daf\u00fcr verantwortlich, dass die Anleger aus den Staatsanleihen flohen und die Zinsen in die H\u00f6he schossen. Im Dominoeffekt sprang die Krise \u00fcber von Griechenland auf Portugal, Irland, Spanien und Italien. An den fundamentalen wirtschaftlichen Daten hatte sich in diesen L\u00e4ndern nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Da die Finanzmarktspekulationen aber nicht als Ursache f\u00fcr die gestiegenen Zinsen herangezogen, sondern die Staatshaushalte verantwortlich gemacht wurden, mussten auch die erforderlichen Kredite mit Sparauflagen verbunden werden, also mit der Austerit\u00e4tspolitik. Die falsche Diagnose f\u00fchrte zur falschen Therapie. Immer neue Ausgabek\u00fcrzungen und h\u00f6here Steuern ergaben, dass die Wirtschaft immer weiter einbrach und die Arbeitslosigkeit auf Rekordh\u00f6hen stieg.<\/p>\n<p>Fricke fasst zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eKanzlerin und oberste W\u00e4hrungsh\u00fcter scheinen vor lauter Staatsschuldenmanie die typisch-t\u00fcckische Eigendynamik von Finanzm\u00e4rkten untersch\u00e4tzt \u2013 und damit zur Eskalation stark beigetragen zu haben [\u2026]\nDie Staatsschulden stiegen unzweideutig nach Ausbruch der globalen Finanzkrise, nicht vorher.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Geholfen hat letztendlich, dass die EZB ank\u00fcndigte, alle Staatsanleihen ohne Limit aufzukaufen, das beruhigte die Anleger und erbrachte in Spanien und Italien wieder normale Zinsniveaus.<\/p>\n<p>Was Fricke nicht erw\u00e4hnt, das ist die Umschuldung der Staatschulden von z.B. Irland und Griechenland. Hier sind private Gl\u00e4ubiger (Banken, Versicherungen, Hedgefonds) \u201erausgehauen\u201c worden und die Schuldenlast ist von der EZB (Europ\u00e4ische Zentralbank) und vom ESM (Europ\u00e4ischer Stabilit\u00e4tsmechanismus) \u00fcbernommen worden. F\u00fcr deren Schulden stehen die Staatshaushalte und damit der Steuerzahler gerade.<\/p>\n<p>Jens Berger f\u00fchrt in den <a title=\"Merkels Milliardenhypothek \u2013 das falsche Spiel mit Griechenlands Schulden\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18230\" target=\"_blank\">NachDenkSeiten<\/a> aus, dass Anfang 2010 die Verschuldung Griechenlands 297 Mrd. \u20ac betragen hat, das waren 129% des griechischen BIPs. Die Gl\u00e4ubiger waren zu 100% private. Im Jahre 2013 ist die Schuldenlast von Griechenland auf 323 Mrd. \u20ac (176% vom BIP) gestiegen und der \u00f6ffentliche Sektor, also die Staaten, die EZB und der IWF (Internationaler W\u00e4hrungsfonds) halten davon 81%.<\/p>\n<p>Jens Berger:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWie man es auch dreht und wendet, die gesamten Verluste beim n\u00e4chsten Schuldenschnitt werden ausschlie\u00dflich die Steuerzahler der Eurol\u00e4nder tragen m\u00fcssen. Da Deutschland f\u00fcr rund 27% der Kredite direkt haftet, wird der deutsche Steuerzahler somit mehr als ein Viertel der Verluste tragen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Hintergrund dieser Umschuldung ist die Rettung der Banken, die auf den unsicheren Papieren sa\u00dfen. Somit tragen die Steuerzahler schon ihren Anteil an der Eurokrise, aber eben nicht f\u00fcr die Staatshaushalte der anderen L\u00e4nder sondern f\u00fcr die Rettung der Banken.<\/p>\n<p>Jens Berger weiter:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDenn Angela Merkel hat alles in ihrer Macht stehende getan, um die privaten Gl\u00e4ubiger Griechenlands herauszuboxen und die Risiken dem Steuerzahler aufzuladen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Somit ist es also doch kein einfaches M\u00e4rchen von der Staatsschuldenkrise. Die Staatschulden haben sich erh\u00f6ht &#8211; aber nicht weil etwa die Sozialleistungen gestiegen seien. Die Finanzm\u00e4rkte haben gegen die Staatsanleihen spekuliert, die Banken sind gerettet worden und die Staatshaushalte und damit wir tragen die Last.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_860 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_860')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_860').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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