{"id":498,"date":"2014-08-14T09:07:48","date_gmt":"2014-08-14T08:07:48","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=498"},"modified":"2014-08-14T09:07:48","modified_gmt":"2014-08-14T08:07:48","slug":"schachspielen-mit-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=498","title":{"rendered":"Schachspielen mit der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p>Die Ost\u2013Erweiterung der NATO ist seit 1990 stetig vorangeschritten. Die baltischen Staaten, Polen und Ungarn, Tschechien und die Slowakei, Rum\u00e4nien und Bulgarien, die alle Mitgliedsstaaten im damaligen sog. Ostblock waren, sind heute Mitglieder in der NATO. Vor diesem Hintergrund ist der B\u00fcrgerkrieg in der Ukraine einzuordnen.<br \/>\nWelches sind die wirklichen Ziele des Westens, der NATO, der USA im Konflikt um die Ukraine?<br \/>\nDer Publizist und Geschichtsphilosoph Hauke Ritz hat sich intensiv mit den Werken von Zbigniew Brzezinki befasst.<\/p>\n<p><i>&#8221; Der 1928 in Warschau geborene Zbigniew Brzezinski gilt neben Henry M. Kissinger und Samuel P. Huntington als graue Eminenz unter den US-Geostrategen. Er tr\u00e4gt durch seine Beratert\u00e4tigkeit f\u00fcr US-Pr\u00e4sident James Carter von 1977 bis 1981 u. a. eine Mitverantwortung an der Talibanisierung Afghanistans, unterst\u00fctzten die Vereinigten Staaten doch die Mudschaheddin massiv im Kampf gegen die UdSSR. Nach Brzezinskis Bekunden wollten die USA die Sowjetunion in die \u00bbafghanische Falle\u00ab locken und ihnen so \u00bbihr Vietnam\u00ab bereiten. Heute ist er Professor f\u00fcr Amerikanische Au\u00dfenpolitik an der Johns-Hopkins-Universit\u00e4t in Baltimore, Berater am Zentrum f\u00fcr Strategische und Internationale Studien (CSIS) in Washington D.C. und Verfasser von politischen Sachb\u00fcchern. Daneben bet\u00e4tigt sich Brzezinski als Berater f\u00fcr mehrere gro\u00dfe US-amerikanische und internationale Unternehmen. Unl\u00e4ngst geriet er wieder in die Schlagzeilen, als \u00fcber die Medien verbreitet wurde, da\u00df er in das au\u00dfenpolitische Team des US-Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Barack Obama eingetreten ist.&#8221;<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p>Quelle: <strong><a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/regionen\/USA\/nach-bush.html\">AG Friedensforschung<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Hier ein Auszug aus einem Artikel von Hauke Ritz, der im <a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/20080826235\/politik\/welt\/die-welt-als-schachbrett-der-neue-kalte-krieg-des-obama-beraters-zbigniew-brzezinski.html\"><strong>Hintergrund<\/strong><\/a> ver\u00f6ffentlicht wurde.<!--more--><\/p>\n<p><em>\u201eDie USA streben an, ihren Einfluss auf dem asiatischen Kontinent immer weiter auszudehnen. Dabei dient ihnen Europa als Sprungbrett auf den eurasischen Kontinent. Da jede Osterweiterung Europas unter den gegebenen Umst\u00e4nden zugleich auch den amerikanischen Einfluss ausdehnt, sollen durch eine Kombination aus EU-Osterweiterung und Expansion der NATO viele der ehemaligen Sowjetrepubliken \u2013 wie zum Beispiel Georgien, Aserbaidschan und Usbekistan \u2013 in die westliche Einflusszone integriert werden. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr diese Integration ist, dass sich ein Land f\u00fcr ausl\u00e4ndisches Kapital \u00f6ffnet und an das westliche Rechtsverst\u00e4ndnis anpasst. Geschieht dies, dann ist es westlichen Konzernen m\u00f6glich, sich die Rohstoffvorkommen zu sichern und \u00fcber die Medien Einfluss auf die \u00d6ffentlichkeit eines Landes zu gewinnen. Da die Region um das Kaspische Meer \u00fcber die zweitgr\u00f6\u00dften \u00d6l- und Gasreserven verf\u00fcgt und zudem milit\u00e4rstrategisch von besonderer Bedeutung ist, k\u00f6nnte eine westliche Vormachtstellung in dieser Region die Position der USA auf dem eurasischen Kontinent massiv st\u00e4rken. Zusammen mit der Kontrolle der US-verb\u00fcndeten OPEC-Staaten Kuwait, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Katar und den eroberten Staaten Irak und Afghanistan k\u00f6nnte so eine Vorherrschaft der USA \u00fcber Zentralasien ihnen die n\u00f6tige Autorit\u00e4t verleihen, um von dort schlie\u00dflich ganz Eurasien, einschlie\u00dflich Chinas und Russlands, in eine von den USA entworfene \u00fcberstaatliche Sicherheitsstruktur zu integrieren. Die von Europa ausgehende NATO-Osterweiterung und die von der Bush-Administration im S\u00fcden Eurasiens (Irak, Afghanistan) begonnenen milit\u00e4rischen Interventionen bilden zusammen gewisserma\u00dfen einen Keil, mit dem die USA in das Herz der eurasischen Landmasse vorsto\u00dfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Sehr aufschlussreich sind auch die Ausf\u00fchrungen zum geplanten Raketenabwehrschirm, den die NATO in Polen und in Tschechien errichten m\u00f6chte, angeblich gegen Angriffe des Irans, der aber \u00fcber gar keine so weit reichenden Waffensysteme verf\u00fcgt. Die Amerikaner haben das russische Angebot, gemeinsam einen Abwehrschild in Aserbeidschan aufzubauen, abgelehnt.<br \/>\nStrategisch geht es hier folglich um die Dominanz der Nato, eine nukleare Erstschlagskapazit\u00e4t aufzubauen, weil mit dem Raketenschild ein russischer Zweitschlag nach einem amerikanischen \u00dcberraschungsangriff abgefangen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><em>\u201eDieser Artikel f\u00fchrt vor Augen, worin die eigentliche Funktion des Raketenschildes besteht. Er soll die USA in die Lage versetzen, einen Atomkrieg zu f\u00fchren, ohne selbst von Gegenschl\u00e4gen getroffen zu werden. W\u00e4re diese F\u00e4higkeit erst einmal erworben, lie\u00dfe sie sich als geopolitisches Druckmittel verwenden, um Interessen durchzusetzen. Zudem k\u00f6nnte eine absolute nukleare \u00dcberlegenheit dazu dienen, einen Machtverlust auf wirtschaftlichem oder finanzpolitischem Gebiet auszugleichen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Einen sehr bemerkenswerten Beitrag \u2013 angesichts der vielen aggressiven Artikel im deutschen Medien\u2013Mainstream \u2013 schreibt Gabor Steingart im <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/kommentare\/politik-der-eskalation-der-irrweg-des-westens-seite-all\/10308844-all.html\"><strong>Handelsblatt<\/strong><\/a>.<br \/>\nHier ein Auszug, in dem wir auch eine Empfehlung \u201eunseres\u201c amerikanischen Sicherheitsberaters Zbigniew Brzezinski wiederfinden:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Staats- und Regierungschefs des Westens haben im Angesicht der kriegerischen Ereignisse auf der Krim und in der Ost-Ukraine pl\u00f6tzlich keine Fragen mehr, nur noch Antworten. Im US-Kongress wird offen \u00fcber die Bewaffnung der Ukraine diskutiert. Der ehemalige Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski empfiehlt, die dortigen B\u00fcrger f\u00fcr den H\u00e4user- und Stra\u00dfenkampf auszur\u00fcsten. Die deutsche Kanzlerin redet, wie es ihre Art ist, weniger deutlich, aber nicht weniger unheilvoll: \u201eWir sind bereit, tiefgreifende Ma\u00dfnahmen zu ergreifen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Warum ist es eigentlich so, da\u00df die Ex\u2013Kanzler und Elder Statesmen, wie Helmut Schmidt, Gerhard Schr\u00f6der, Erhard Eppler, selbst Helmut Kohl mahnen, auch die russische Seite zu sehen und deren Interessen in der Ukraine und auf der Krim zu ber\u00fccksichtigen? Sind diese wom\u00f6glich die einzigen, die es wagen, \u00f6ffentlich den medialen Rechtsauslegern zu widersprechen?<\/p>\n<p>Steingart f\u00fchrt aus:<br \/>\n<em>\u201eHier kann es nur darum gehen, der bisherigen Debatte den Schaum abzuwischen, den Scharfmachern und Scharfgemachten die Worte aus dem Munde zu nehmen und neue Vokabeln auf die Zunge zu legen. Eine zum Beispiel, die wir lange nicht mehr benutzt haben, hei\u00dft Realismus.<\/em><br \/>\n<em> Europa fehlt mit seiner Politik der Eskalation n\u00e4mlich genau das, ein realistisches Ziel. F\u00fcr Amerika sieht das anders aus, weil hier das Drohen und sich Aufplustern Teil des Vorwahlkampfes ist. Wenn Hillary Clinton Putin mit Hitler vergleicht, dann tut sie das um republikanische Stammw\u00e4hler, also Menschen ohne Auslandsausweis, f\u00fcr sich einzunehmen. F\u00fcr viele von ihnen ist Hitler der einzige Ausl\u00e4nder, den sie kennen, weshalb Adolf Putin eine gut ausgedachte Wahlkampffigur ist. Insofern haben Clinton und Obama ein realistisches Ziel: sich daheim beliebt machen, Wahlen gewinnen, die demokratische Pr\u00e4sidentschaft sichern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Musste es in der Ukraine so weit kommen? Immerhin haben dort \u00fcber 200 NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) aus der EU und aus den USA seit Jahren nicht nur f\u00fcr die \u2013 angeblich &#8211; westlichen Ideale geworben, sondern auch den Boden bereitet f\u00fcr die mediale und wirtschaftliche Einvernahme der Ukraine. Und die Antwort auf die oft gestellte Frage \u201ewer hat auf dem Maidan geschossen\u201c mu\u00df davon ausgehen, da\u00df die Ukrainer nicht auf ihre eigenen Landsleute geschossen haben. Waren es ausl\u00e4ndische S\u00f6ldner? Seltsam, da\u00df die Vorg\u00e4nge auf dem Maidan, der f\u00fcrchterliche Angriff auf das Gewerkschaftshaus in Odessa, der Absturz der MH17 nicht aufgekl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/amerika\/In-der-Krimkrise-ist-das-Verhalten-der-USA-zum-Bumerang-geworden\/story\/13007385\"><strong>Tagesanzeiger<\/strong> <\/a>schreibt unter dem Titel \u201eIn der Krimkrise ist das Verhalten der USA zum Bumerang geworden\u201c:<\/p>\n<p><em>\u201e \u2026 Von Afghanistan \u00fcber den Irak bis zur Ukraine: Die Aussenpolitik der USA sei nicht durchdacht, sagt Paul Pillar, einst Topanalyst der CIA. Die amerikanische \u00dcberzeugung, einzigartig zu sein, sei ein Problem. \u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und weiter:<\/p>\n<p><em>\u201e Er [Jimmy Carter] sagte, das Endergebnis auf der Krim sei unvermeidlich gewesen. Um einen anderen Ausgang zu erzielen, m\u00fcsste man viel weiter als die f\u00fcnf Amtsjahre von Barack Obama zur\u00fcckgehen \u2013 n\u00e4mlich zu der Zeit, als die Nato nach Osten expandierte. Damals wurden einige schwerwiegende Fehler begangen. Und diese Fehler wurden w\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaft George W. Bushs wiederholt, als dar\u00fcber geredet wurde, auch die Ukraine und Georgien in die Nato aufzunehmen. Wer auch nur das geringste Gesp\u00fcr f\u00fcr russische Sensibilit\u00e4ten hatte, konnte voraussagen, dass so etwas wie jetzt passieren w\u00fcrde.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und Paul Pillar weiter:<\/p>\n<p><em>\u201eTriumphalismus ist schon das richtige Wort daf\u00fcr\u00a0 [f\u00fcr die Haltung Washingtons]. Die Administration von George W. Bush zeigte das besonders eindr\u00fccklich, aber dahinter steckt eine allgemeine amerikanische Art des Denkens und wie man auf den Rest der Welt blickt. Dabei geht es stets um Verlierer und Gewinner, um gute Figuren und b\u00f6se Figuren. Die vorherrschende Stimmung in den Vereinigten Staaten war, dass wir den Kalten Krieg gewonnen haben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u201eGute und b\u00f6se Figuren\u201c, das erinnert an den Titel eins der B\u00fccher von Zbigniew Brzezinki \u201eThe Grand Chessboard\u201c \u2013 erschienen 1998. Ein anderes hei\u00dft \u201eDie einzige Weltmacht\u201c und stammt aus dem Jahre 2004.<\/p>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_498 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_498')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_498').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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