{"id":4856,"date":"2019-01-30T13:37:28","date_gmt":"2019-01-30T12:37:28","guid":{"rendered":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4856"},"modified":"2019-01-30T22:12:40","modified_gmt":"2019-01-30T21:12:40","slug":"mut-zum-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4856","title":{"rendered":"Mut zum Lernen"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.stuttmann-karikaturen.de\/karikaturen\/2018\/hund_kol.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/www.stuttmann-karikaturen.de\/karikaturen\/2018\/hund_kol.jpg\" alt=\"Karikatur vom 24.09.2018\" width=\"540\" height=\"377\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Quelle: Stuttmann Karikaturen<\/p><\/div>\n<p>von <strong>Ludger Elmer<\/strong> und <strong>blog1<\/strong><\/p>\n<p>In einer politischen Diskussion hie\u00df es j\u00fcngst, wir sollten nicht immer an das Jahr 2040 denken, sondern entscheiden, welche Schritte in diesem und im n\u00e4chsten Jahr unternommen werden.<\/p>\n<p>Gelingt endlich ein Einstieg in eine \u00f6kologische und soziale Transformation der Gesellschaft?<\/p>\n<p>K\u00f6nnen echte Schritte zur Begrenzung des Klimawandels vereinbart werden, entsprechend unserer Verantwortung, unseres Beitrags und unserer zugesagten Klimavereinbarungen?<!--more--><\/p>\n<p>Inwieweit spielt die geforderte Umwandlung der Gesellschaft \u2013 z.B. Reduzierung der Mobilit\u00e4t in einer umweltgerechten Verkehrsinfrastruktur, Beenden des Artensterbens in einer biologischen Landwirtschaft, faire Handelsbeziehungen mit den L\u00e4ndern Afrikas \u2013 \u00fcberhaupt eine Rolle bei der geforderten inhaltlichen Erneuerung der SPD?<\/p>\n<p>Die Vorsitzenden der beiden gr\u00f6\u00dften Landesgruppen der SPD Niedersachsen und NRW fordern die Partei auf mutig zu sein. Sie kritisieren den Finanzminister Scholz, weil er zu wenig in die \u00f6ffentliche Infrastruktur investiert. <a href=\"http:\/\/www.haz.de\/Nachrichten\/Politik\/Deutschland-Welt\/SPD-Bundestagsabgeordnete-aus-Niedersachsen-und-NRW-fuer-Urwahl-des-Kanzlerkandidaten\">Sie fordern den Au\u00dfenminister Maas auf<\/a>, Initiativen zur Abr\u00fcstung und R\u00fcstungskontrolle zu ergreifen, sowie auf Dialog und Entspannung, auch und gerade mit Russland zu setzen.<\/p>\n<p>Bei anderen Themen k\u00f6nnte sogar die Bayerische Verfassung helfen. Die Artikel 161 und 123 m\u00fcssen nur genutzt werden, um Boden- und Mietpreise zu regulieren und um die steigende Ungleichheit zu begrenzen. Es hei\u00dft dort:<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/BayVerf-161\">Steigerungen des Bodenwertes<\/a>, die ohne besonderen Arbeits- oder Kapitalaufwand des Eigent\u00fcmers entstehen, sind f\u00fcr die Allgemeinheit nutzbar zu machen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/BayVerf-123\">Die Erbschaftssteuer<\/a> dient auch dem Zwecke, die Ansammlung von Riesenverm\u00f6gen in den H\u00e4nden einzelner zu verhindern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie viel Mut, wie viel Phantasie ist eigentlich notwendig, um eine progressive Politik zu formulieren?<\/p>\n<p>Wo bleiben die Forderungen, endlich das Ehegattensplitting in ein Familiensplitting zu \u00fcberf\u00fchren, wo sind die Bestrebungen, die unsoziale Beitragsbemessungsgrenze auf- bzw. mindestens anzuheben?<\/p>\n<p>Wir wollen einen Blick auf unsere Nachbarn werfen, wo der Exportweltmeister doch noch einiges lernen kann.<\/p>\n<p><strong>Wohnen und Rente in \u00d6sterreich<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2017-03\/wohnen-wien-preise-gentrifizierung-probleme\">In Wien ist das Wohnen<\/a> weitaus preisg\u00fcnstiger als in Deutschland&#8217;s Metropolen. Woran liegt das? Der soziale Wohnungsbau hat hier immer eine dominante Rolle gespielt.<\/p>\n<blockquote><p>Der Gemeindebau gilt den Wienern als gesellschaftliche Errungenschaft und der Sozialdemokratie als heiliger Gral. Die seit den 1920er Jahren errichteten Wohnh\u00e4user, bis heute im Besitz der Stadt, sind aber nicht der einzige Grund, warum die Wiener wesentlich g\u00fcnstiger wohnen als Menschen in anderen europ\u00e4ischen St\u00e4dten. Nicht nur geh\u00f6ren 32 Prozent aller Mietwohnungen der Gemeinde, 26 Prozent sind au\u00dferdem im Eigentum von gemeinn\u00fctzigen Immobilienfirmen, die moderate Mieten verlangen. Der Anteil privater Eigentumswohnungen ist in Wien schmal.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man kann sich doch manches vom Nachbar abschauen, sagt sogar der <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/renten-paradies-oesterreich-faktencheck-8465343.html\">M\u00fcnchner Merkur<\/a>. Die Renten in \u00d6sterreich liegen wirklich um ein einiges h\u00f6her als die in Deutschland.<\/p>\n<blockquote><p>Die Zahlen sind eindeutig: Bei 1231 Euro liegt die monatliche Durchschnittsrente in der Alpenrepublik. Rechnet man ein, dass sie zudem 14 Mal ausbezahlt wird, kommt man sogar auf 1436 Euro. Dem gegen\u00fcber stehen in Deutschland nur 909 Euro. Zudem gibt es \u2013 anders als in Deutschland \u2013 eine Mindestrente.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es mag Dinge geben, die den \u00f6sterreichischen Vorsprung mindern, \u00fcber die Einbeziehung der Selbstst\u00e4ndigen in die gesetzliche Rentenversicherung sollte man in Deutschland aber durchaus nachdenken.<\/p>\n<p><strong>Pflege in D\u00e4nemark<\/strong><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.br.de\/br-fernsehen\/sendungen\/euroblick\/euroblick-daenemark-pflege-100.html\">Pflege ist in D\u00e4nemark<\/a> steuerfinanziert, zust\u00e4ndig sind die Kommunen, Pflege ist eine \u00f6ffentliche Aufgabe.<\/p>\n<blockquote><p>Die Gemeinden in D\u00e4nemark schauen nach ihren \u00e4lteren B\u00fcrgern &#8211; sogar schon bevor sie Pflege ben\u00f6tigen. Ab dem Alter von 75 Jahren hat jeder Anspruch auf pr\u00e4ventive Hausbesuche. So will man fr\u00fchzeitig erkennen, wenn dann jemand Hilfe braucht.<\/p><\/blockquote>\n<p>In Deutschland werden dagegen immer mehr Pflegeeinrichtungen privatisiert, sagt die <a href=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/saarland\/saarland\/arbeitskammer-saarland-ruegt-pflege-kommerz_aid-32725233\">Saarbr\u00fccker Zeitung<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Im Krankenhausbereich dominierten deutschlandweit vier private Ketten den Markt. Im Pflegebereich seien mittlerweile 42 Prozent der station\u00e4ren Einrichtungen in privater Tr\u00e4gerschaft. \u201eDie Branche ist f\u00fcr Investoren lukrativ und boomt\u201c, sagte Beatrice Zeiger, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Arbeitskammer, gestern bei der Veranstaltung: \u201eIst unser Pflegesystem f\u00fcr die Zukunft gesichert?\u201c in Saarbr\u00fccken. Zeiger beklagte: \u201eNur die Arbeits- und Pflegebedingungen von Besch\u00e4ftigten und Pflegebed\u00fcrftigen boomen nicht mit.\u201c Um m\u00f6glichst profitabel zu arbeiten, sei das Lohnniveau in einigen privaten Einrichtungen und Diensten der Altenpflege im Gegensatz zu den im Saarland oft tarifgebundenen H\u00e4usern besonders niedrig. Zeitzuschl\u00e4ge f\u00fcr \u00dcberstunden und Jahressonderzahlungen w\u00fcrden dort nur noch ausnahmsweise gezahlt. Die Arbeitsbedingungen seien in vielen F\u00e4llen katastrophal, betonte Zeiger. Das \u00fcberm\u00e4\u00dfige Profitstreben der Konzerne sei ein gro\u00dfes Risiko f\u00fcr die Pflege. Der Staat d\u00fcrfe bei der Pflege nicht alles den Marktkr\u00e4ften \u00fcberlassen. \u201eBesch\u00e4ftigte und Pflegebed\u00fcrftige d\u00fcrfen nicht Verlierer einer Privatisierung werden\u201c, mahnte Zeiger.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Klimaschutz in den Niederlanden<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Deutschland seine selbst gesteckten Klimaziele krachend verfehlt, legen die Niederl\u00e4nder ein vorbildliches Klimaschutzprogramm auf:<\/p>\n<p>Laut einem Bericht der TAZ haben Ende Juni 2018 drei Viertel der Abgeordneten im Parlament der Niederlande ein Gesetz vorgelegt, das als Vorbild f\u00fcr die ganze Welt gelten kann: Es schreibe fest, dass die klimasch\u00e4dlichen CO<small>2<\/small>-Emissionen des 17-Millionen-Volks bis 2050 verbindlich um 95 Prozent gegen\u00fcber 1990 sinken m\u00fcssen. Bis 2030 sollen es schon minus 49 Prozent sein. Ab 2019 m\u00fcsse die Regierung alle f\u00fcnf Jahre eine Strategie vorlegen, wie diese Ziele zu erreichen seien. Und jedes Jahr werde sie mit einem \u201eKlimatag\u201c die \u00d6ffentlichkeit informieren.<\/p>\n<p>Unbeachtet dagegen ist eine <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/presse\/presseerklaerungen\/fraunhofer-studie-deutschland-kann-klimaziel-2020-erreichen\">Studie des Fraunhofer Instituts<\/a> vom August 2018 geblieben: Deutschland, so hie\u00df es, k\u00f6nne seine Klimaziele 2020 erreichen.<\/p>\n<blockquote><p>Der <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/presse\/publikationen\/energieszenario-2020\">Studie<\/a> zufolge m\u00fcssen daf\u00fcr die \u00e4ltesten Braunkohle-Bl\u00f6cke abgeschaltet, Wind- und Solarkraft wie im Koalitionsvertrag vereinbart ausgebaut und Braunkohlekraftwerke, die \u00e4lter als 20 Jahre sind, in ihrer Leistung leicht gedrosselt werden. So k\u00f6nnten die deutschen CO<small>2<\/small>-Emissionen bis 2020 wie von der Bundesregierung wiederholt versprochen um 40 Prozent gegen\u00fcber 1990 gesenkt werden. \u201eWenn die Bundesregierung ihr Klimaziel ohne Not aufgibt, torpediert sie jeden internationalen Ehrgeiz, den Planeten zu k\u00fchlen\u201c, sagt Anike Peters, Energieexpertin von Greenpeace. \u201eDeutschland kann 2020 wie versprochen 40 Prozent weniger Treibhausgase aussto\u00dfen und dabei die Versorgung sicherstellen. Nicht die technischen M\u00f6glichkeiten fehlen, sondern allein der politische Wille.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Bahnfahren in der Schweiz<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Deutsche Bahn AG weltweit Logistikprojekte stemmt, ist sie im Inland mittlerweile im Katastrophenmodus angelangt. Versp\u00e4tungen, Pannen und Ausf\u00e4lle h\u00e4ufen sich.<\/p>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/wirtschaft\/oeffentliche-verkehrspolitik_sbb-als-vorbild-fuer-die-deutsche-bahn\/42406974\">Schweiz hat die Bahn<\/a> oberste verkehrspolitische Priorit\u00e4t:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"western\">In der Schweiz steht der Schienenausbau hingegen weit oben auf der Agenda. W\u00e4hrend die Eidgenossenschaft im vergangenen Jahr 383 Euro pro B\u00fcrger in ihr Schienennetz investierte, waren es in Deutschland nur gerade 56 Euro. Nur 7,4 Prozent aller Personenfahrten entfallen in Deutschland auf den Zug, in der Schweiz sind es 19,3 Prozent, rechnet Wolf-Dieter Deuschle vom Schweizerischen Bundesamt f\u00fcr Verkehr vor. F\u00fcr ihn ist der Grund klar: &#8220;Je mehr in die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel investiert wird, desto mehr Leute nutzen sie.&#8221;<span style=\"font-size: small;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<div style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.stuttmann-karikaturen.de\/karikaturen\/2019\/verkehrsminister_kol.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/www.stuttmann-karikaturen.de\/karikaturen\/2019\/verkehrsminister_kol.jpg\" alt=\"Karikatur vom 18.01.2019\" width=\"540\" height=\"377\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Quelle: Stuttmann Karikaturen<\/p><\/div>\n<p><strong>Fiskalpolitik in Portugal<\/strong><\/p>\n<p>Wie man sich dem Diktat des Exportweltmeisters entzieht, hat auf beeindruckende Weise das EU-Mitglied Portugal gezeigt. Hatte der ehemalige deutsche Finanzminister den Portugiesen noch mit dem EU-Rettungsschirm und der damit verbundenen Austerit\u00e4tspolitik gedroht, so antworteten die Portugiesen auf ihre Weise mit einem <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Portugal-schwimmt-gegen-den-Strom-zum-Erfolg-4254593.html\">volkswirtschaftlich beispielhaften Kurs<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Die Aufk\u00fcndigung des absurden Kurses, einfach die Ausgaben \u00fcberall zu k\u00fcrzen, f\u00fchrte zum Erfolg. Die von den konservativen Vorg\u00e4ngern gek\u00fcrzten L\u00f6hne und Renten wurden wieder erh\u00f6ht, eingef\u00fchrte Sondersteuern wieder abgeschafft und Steuererh\u00f6hungen zur\u00fcckgenommen. Es wurden aber auch Steuern erh\u00f6ht, wie die Erbschaftssteuer und Verm\u00f6genssteuer. Mit der Zusatzgrundsteuer wurde zudem eine Verm\u00f6genssteuer auf Immobilien eingef\u00fchrt. Ein Freibetrag sichert aber, dass das kleine H\u00e4uschen oder die normale Wohnung der einfachen Leute steuerfrei bleibt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Portugal reduzierte die Arbeitslosigkeit, generierte Steuereinnahmen, dr\u00fcckte das Haushaltsdefizit weit unter die EU Marke von 3% vom BIP und zahlt sogar fr\u00fchzeitig Kredite des IWF zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Alle diese Beispiele k\u00f6nnten der SPD helfen, ihre inhaltliche Erneuerung voranzutreiben. Gemein ist allen gezeigten Vorg\u00e4nge, dass Schuldenbremse und Sparpolitik keine guten Empfehlungen f\u00fcr einen progressive Politik darstellen.<\/p>\n<p>Ein Blick in die Medien nach dem gescheiterten Votum im britischen Parlament zur Brexit-Frage zeigt die Ratlosigkeit, nicht nur der Politik. Es ist die Ratlosigkeit nach den Folgen des Neoliberalismus.<\/p>\n<p>Die britische Schriftstellerin und Aktivistin Laura Penny sagt (SZ vom 19.\/20.1. 2019, Seite 13):<\/p>\n<blockquote><p>Der Lebensstandard hat sich verschlechtert, die Geb\u00fchren f\u00fcr Universit\u00e4ten haben sich verdreifacht, ein Drittel aller \u00f6ffentlichen Bibliotheken wurde geschlossen, die Budgets von Kommunen wurden um bis zu 40 Prozent gek\u00fcrzt, Schulgeb\u00e4ude verrotten, in Krankenh\u00e4usern herrscht Mangel an Personal und Ger\u00e4ten, und gestrichen wurde auch die staatliche Rechtsbeihilfe, was vor allem Migranten trifft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn der soziale Kahlschlag erfolgreich war, dann verhalten sich W\u00e4hler und Parlamente so, wie es der Slogan des Neoliberalismus sagt, sie haben offenbar keine Alternative mehr.<\/p>\n<p><strong>Ist die SPD lernf\u00e4hig?<\/strong><\/p>\n<p>Das Jahr 2019 wird zum Schicksalsjahr f\u00fcr die SPD. Folgende Wahlentscheidungen auf der Europa- bzw. Landesebene stehen an:<\/p>\n<ul>\n<li>26.05. Europaparlament und Bremen<\/li>\n<li>01.09. Brandenburg und Sachsen<\/li>\n<li>27.10. Th\u00fcringen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei den Wahlen zum Europaparlament droht der SPD ein Debakel. Die SPD stellt innerhalb der Fraktion der progressiven Sozialdemokraten (S&amp;D) aktuell 27 Sitze. Insgesamt wird auch der S&amp;D-Fraktion ein massiver Schrumpfungsprozess prognostiziert, weil die sozialdemokratischen Parteien in L\u00e4ndern wie Italien und Frankreich massiv schw\u00e4cheln. Einzig und allein Portugal zeigt eine aufsteigende Tendenz, weil Portugal sich u.a. dem deutschen Diktat einer Austerit\u00e4tspolitik erfolgreich widersetzt hat. Das Problem besteht wohl darin, dass Keynes mit seiner Theorie des \u201edeficit spending\u201c nicht \u00fcberall verstanden wird. Stattdessen jagt der politische und mediale Mainstream neoliberalen Theorien eines Friedrich von Hayek oder eines Milton Friedman nach. Der Begriff der marktkonformen Demokratie macht die Runde. Die SPD vers\u00e4umt ja keine Gelegenheit, sich zu Europa zu bekennen. Schulz hatte zwar im Bundestagswahlkampf die Europapolitik str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt, mit Macron hatte die SPD schnell eine neue Gallionsfigur gefunden. Jetzt nachdem der Lack seiner \u201eEn marche-Bewegung\u201c deutlich abgebl\u00e4ttert ist und die Gelbwestenproteste nicht abebben, zeigt sich der wahre Kern eines Emmanuel Macron, der als \u00fcberzeugter Neoliberaler die Agenda 2010 auf franz\u00f6sische Verh\u00e4ltnisse zuschneiden m\u00f6chte und jetzt auf massiven Widerstand st\u00f6\u00dft. Macons einziger Verdienst ist, dass er Marine Le Pen verhindert hat. Frankreich hat sich Zeit gekauft, mehr aber auch nicht.<\/p>\n<p>Blickt man nach Gro\u00dfbritannien, f\u00e4llt der SPD in der Gestalt von Au\u00dfenminister Heiko Maas nichts anderes ein als zu betonen, dass die Briten nun mal endlich sagen sollen, was sie wollen, bevor die Europ\u00e4er dann entsprechend regieren k\u00f6nnen. Das ist das \u00fcbliche Schwarze-Peter Spiel, wenn man selbst nicht mehr weiter wei\u00df und darauf hofft, dass es dem anderen genauso geht. Im Volksmund hei\u00dft das Beamtenmikado \u201eWer sich bewegt hat verloren\u201c.\u00a0 Der Backstop entwickelt sich zum Rohrkrepierer und im britischen Parlament zeigt sich, dass einzig und allein Mr. Speaker John Bercow eine seri\u00f6se Rolle einnimmt, wenngleich gewisse Parallelen zu Mr. Bean unverkennbar sind. Wenigstens bietet das britische Parlament einen h\u00f6heren Unterhaltungswert als das deutsche.<\/p>\n<p>Und was sagt die Spitzenkandidatin der SPD f\u00fcr die Europawahl Katarina Barley zu dem Ganzen: \u201enichts\u201c. Sie hat ja schlie\u00dflich 2 P\u00e4sse und das muss reichen. Es sind gerade die Karrieristen in der SPD, die alles andere als Charisma verspr\u00fchen und sich von einem Posten zum n\u00e4chsten hangeln, gest\u00fctzt durch eine Funktion\u00e4rsebene, die darauf lauert, auch ein St\u00fcck vom Kuchen abzubekommen. Da n\u00fctzt es herzlich wenig, wenn der Juso-Vorsitzende Kevin K\u00fchnert immer wieder den Finger in die Wunde legt.<\/p>\n<p><strong>Die bevorstehenden Landtagswahlen<\/strong><\/p>\n<p>In den Bundesl\u00e4ndern Bremen und Brandenburg stellt die SPD jeweils den Ministerpr\u00e4sidenten. In Bremen regieren B\u00fcndnis 90\/die Gr\u00fcnen mit, w\u00e4hrend in Brandenburg die Linkspartei den Koalitionspartner stellt. Kann noch in Bremen Ministerpr\u00e4sident Carsten Sieling darauf hoffen, dass ein Stimmenr\u00fcckgang bei der SPD durch B\u00fcndnis 90\/die Gr\u00fcnen abgefangen wird, wird in Brandenburg dieser Kompensationseffekt nicht eintreten. MP Woidke von der SPD wird es schwer haben, im Amt zu bleiben. Die Wahlprognosen zeigen, dass die SPD, CDU und AfD gleichauf liegen und die Linkspartei deutlich dahinter liegt. Von der Linkspartei ist also keine Sch\u00fctzenhilfe zu erwarten. In Brandenburg zeichnet sich also ein Dreierb\u00fcndnis ab, das mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit aus Schwarz\/Rot\/Gr\u00fcn besteht. Sollte die AfD zur st\u00e4rksten politischen Kraft werden, w\u00e4re dies zwar kein Supergau, aber ein deutliches Signal daf\u00fcr, dass sich in den neuen Bundesl\u00e4ndern ein gef\u00e4hrlicher Rechtstrend manifestiert, der sich zum Sprengsatz f\u00fcr die Demokratie ausweiten kann.<\/p>\n<p>In Sachsen und Th\u00fcringen hat sich die AfD l\u00e4ngst festgesetzt und schickt sich dort an, st\u00e4rkste politische Kraft zu werden.\u00a0 Lag die AfD bei der letzten Landtagswahl in Sachsen noch auf Platz 3, wird sie wohl auf Platz 2 vorr\u00fccken und ihren Stimmenanteil mehr als verdoppeln. Die CDU wird M\u00fche haben, die AfD in Schach zu halten. Schon regen sich die ersten Stimmen in der s\u00e4chsischen CDU, mit der AfD eine Koalition zu bilden. MP Kretschmer dementiert zwar heftig, ob er nach der Landtagswahl das Heft noch in der Hand halten wird, ist fraglich. Die SPD spielt in Sachsen praktisch keine Rolle mehr und wird in den einstelligen Bereich abrutschen. Der SPD in Sachsen droht also ein \u00e4hnliches Wahldebakel wie in Bayern.<\/p>\n<p>Last but not least verbleibt noch der Freistaat Th\u00fcringen. In Th\u00fcringen regiert eine Rot\/Rot\/Gr\u00fcne-Koalition unter F\u00fchrung von MP Ramelow, der weitestgehend ger\u00e4uschlos agiert. Was die AfD betrifft, hat dort der stramme Rechtsau\u00dfen Bj\u00f6rn H\u00f6cke mit den G\u00f6bbels-Attituden das Sagen. Laut Aussage des Parteisprechers und Fraktionsvorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion Alexander Gauland ist Bj\u00f6rn H\u00f6cke nur ein Mensch, der sein Land \u00fcber alle Ma\u00dfen liebt und alles andere als rechtsradikal einzustufen ist. Das kennt man bei der AfD zu gen\u00fcge. Die Grenzen nach rechts so weit wie m\u00f6glich ausloten, um dann bei entsprechendem Gegenwind zur\u00fcckzurudern. H\u00f6cke ist nicht nur der AfD-Spitzenkandidat in Th\u00fcringen, er ist der Gr\u00fcnder der rechtsradikalen Str\u00f6mung \u201eder Fl\u00fcgel\u201c, der beim den Kyffh\u00e4user Treffen regelm\u00e4\u00dfig seine Auftritte hat und sich die AfD-Spitzenfunktion\u00e4re Gauland und Meuthen nicht scheuen, dort ihre Aufwartung zu machen. Auch in Th\u00fcringen wird die AfD m\u00e4chtig zulegen. Es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU, der Linkspartei und der AfD ab und die SPD wird wieder einmal unter die R\u00e4der kommen. Die jetzige Koalition wird der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Die Beobachtung bzw. \u00dcberpr\u00fcfung der AfD durch den Verfassungsschutz ist zwar nachvollziehbar, es darf jedoch bezweifelt werden, ob die gew\u00fcnschte Wirkung tats\u00e4chlich eintreten wird. Die AfD ist sowohl im Bundestag als auch in allen Bundes\u00e4ndern parlamentarisch vertreten. Sie ist also fl\u00e4chendeckend demokratisch legitimiert. Es ist also durchaus m\u00f6glich, dass die Gerichte die Vorgehensweise des Verfassungsschutzes r\u00fcgen und die AfD in Lage versetzt wird, sich als M\u00e4rtyrer stilisieren.<\/p>\n<p><strong>Die SPD auf Bundesebene<\/strong><\/p>\n<p>Die SPD kommt aus dem Umfragetief nicht heraus und schwankt seit Monaten konstant um die 15%. Die Beteiligung der SPD in der Regierungskoalition erweist sich als Sackgasse. Die SPD kann sich nicht gleichzeitig erneuern und als Juniorpartner in der Regierung agieren. Die SPD hat ja im Koalitionsvertrag f\u00fcr den Herbst 2019 eine Sollbruchstelle eingebaut, sollten die Ergebnisse der Regierungsarbeit nicht dem Anforderungskatalog des Koalitionsvertrages entsprechen. Die neue Parteivorsitzende der CDU Kramp-Karrenbauer hat jetzt ihrerseits rote Linien definiert, die nicht \u00fcberschritten werden sollten. Jede der beiden Koalitionspartner bereitet sich auf ein vorzeitiges Ende der Koalition vor. Jedoch hat die CDU die deutlich besseren Karten, weil der Streit zwischen den Schwesterparteien der Union beigelegt ist und sich die Trennung zwischen Parteivorsitz und Kanzleramt als strategischer Vorteil f\u00fcr die Union erweisen wird. Die CDU kann also in aller Ruhe die Parteivorsitzende AKK in Stellung bringen und kann m\u00f6gliche Wahlniederlagen Bundeskanzlerin Merkel in die Schuhe schieben.<\/p>\n<p>Die SPD wiederum wird ungebremst in den freien Fall \u00fcbergehen, weil sie die Themen, die oben angesprochen werden, nicht oder nur unzul\u00e4nglich aufgreift. Dies zeigt die aktuelle Debatte innerhalb der SPD um eine Reform bzw. die Abschaffung der Hartz IV-Gesetze. Sollen die Sanktionen ganz oder teilweise wegfallen? Nicht einmal da herrscht Einigkeit innerhalb der SPD. Stattdessen \u00fcberl\u00e4sst man B\u00fcndnis 90\/die Gr\u00fcnen die Deutungshoheit \u00fcber eine Reform des Sozialstaates.<\/p>\n<p>Das Grundproblem besteht darin, dass ein Teil der SPD den Neoliberalismus nach wie vor bef\u00fcrwortet und somit auch die Errungenschaften der Agenda 2010. Ein anderer Teil m\u00f6chte einen klaren Schnitt und eine komplette Neuorientierung. Dazwischen h\u00e4ngt eine Parteivorsitzende Andrea Nahles, die vergeblich versucht, einen Ausgleich zwischen den beiden Lagern zu finden. In der Bev\u00f6lkerung hat sie wenig Sympathien, gilt als Apparatschik, die eine typische parteiinterne Karriere hingelegt hat.<\/p>\n<p>Der Juso-Vorsitzende Kevin K\u00fchnert hat Recht mit seiner These, dass sich die SPD nur au\u00dferhalb der Regierungskoalition erneuern kann. Wenn aber die SPD nicht wei\u00df, in welche Grundrichtung ihre Erneuerung laufen soll, dann wird sie auch au\u00dferhalb der Regierung scheitern bzw. weiter marginalisiert.<\/p>\n<p>Die Anfrage am Anfang lautete: \u201eist die SPD lernf\u00e4hig?\u201c Wohl eher nicht, leidensf\u00e4hig ist die SPD allemal.<\/p>\n<p><small>Bildquelle: <a href=\"http:\/\/www.stuttmann-karikaturen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Klaus Stuttmann<\/a><\/small><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4856 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4856')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4856').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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