{"id":4490,"date":"2018-08-14T11:02:55","date_gmt":"2018-08-14T09:02:55","guid":{"rendered":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4490"},"modified":"2018-08-16T00:27:46","modified_gmt":"2018-08-15T22:27:46","slug":"fluchtursachen-bekaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4490","title":{"rendered":"\u201eFluchtursachen bek\u00e4mpfen?\u201c"},"content":{"rendered":"<h4>Warum L\u00e4nder wie Afghanistan dauerhaft scheitern. Und wir mit ihnen.<br \/>\n\u201eGlobalisierung\u201c, die h\u00f6chstens dem \u201e1%\u201c Gl\u00fcck bringt.<\/h4>\n<p>\u201ePost-Neoismen 6\u201c<\/p>\n<p>(<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4458\">Teil 5 hier<\/a>)<\/p>\n<p>von <strong><a title=\"\" href=\"http:\/\/www.anyupae.com\/deutsch\/s-i-n-i-c-c-o-l-schulen-f%C3%BCr-entwicklungs-zusammenarbeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stefan Frischauf<\/a><\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Asheqan_wa_Arefan_Altstadt_Kabul.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Asheqan_wa_Arefan_Altstadt_Kabul.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"360\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Asheqan wa Arefan, Altstadt Kabul 2009<\/p><\/div>\n<p><strong>Die am schnellsten wachsende Stadt in Zentralasien =<br \/>\n<\/strong><strong>das gr\u00f6\u00dfte Fl\u00fcchtlingslager nicht nur Afghanistans<\/strong><\/p>\n<p>Dies betrifft im Falle der noch Anfang der 2000er Jahre 2-3, inzwischen 5-6 Mio. Einwohner z\u00e4hlenden afghanischen Hauptstadt Kabul:<\/p>\n<ol>\n<li>\u201eKriegsfl\u00fcchtlinge\u201c aus den seit erneutem Kippen des Landes 2008\/09 immer st\u00e4rker umk\u00e4mpften Provinzen.<\/li>\n<li>\u201eLandfl\u00fcchtlinge\u201c aus dem Umland, denen die Stadt mit ihrem enormen Wasserverbrauch und Gro\u00dfgrundbesitz dort selbst zusehends das Wasser f\u00fcr Subsistenzlandwirtschaft und andere Formen des Lebensunterhalts abgr\u00e4bt.<\/li>\n<li>Gleichzeitig \u201eKlimafl\u00fcchtlinge\u201c auch aus dem Umland und von weiter her, die in Folge von ausbleibenden Niederschl\u00e4gen und Schneeschmelzen von Hindukusch und Pamirgebirge ihren Schollen auf T\u00e4lern und Hochebenen des trocken ariden Landes kaum noch Ertr\u00e4ge zum N\u00e4hren der gesamten Familie abringen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>\u201eWirtschaftsfl\u00fcchtlinge\u201c: siehe 1-3 hier. Man hofft ja schlie\u00dflich, irgendwo \u201eBoden unter den F\u00fc\u00dfen\u201c: Sicherheit und ein ganz kleines bisschen Gl\u00fcck zu finden. Zumal die \u201eWirtschaftsentwicklung ja grunds\u00e4tzlich dem Gl\u00fcck des Volkes\u201c<sup id=\"fnref:1\"><a href=\"#fn:1\" rel=\"footnote\">1<\/a><\/sup> dienen soll.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese alle suchen also Zuflucht am \u201esichersten Ort Afghanistans\u201c. Die Hauptstadt mit Sitz von Regierung und nationalen und internationalen Organisationen:<br \/>\nUN und viele andere \u201eNicht-Regierungs-Organisationen\u201c (NGOs). <!--more--><\/p>\n<p>Und diese Migrations- und Fluchtbewegungen sind zudem begleitet von<\/p>\n<ol>\n<li>hohen Geburtenraten, da wir uns in einem Feudalstaat im Umbruch ohne staatliche Sozialversicherungssysteme befinden,<\/li>\n<li>zunehmender \u201e(Neo-)Liberalisierung\u201c allen Rechts = Aufwertung von Privatrecht (Verm\u00f6gen, Landeigentum etc.) und Abwertung von traditionellen Formen des Gemeinschaftsrechtes (Dorf- und Stammesrechte wie etwa das Paschtunwali<sup id=\"fnref:2\"><a href=\"#fn:2\" rel=\"footnote\">2<\/a><\/sup>),<\/li>\n<li>im Zuge dessen denn auch zunehmenden Konflikten bei \u201e\u00f6ffentlicher und privater Daseinsvor- und -f\u00fcrsorge\u201c.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Und das alles in einem seit 1955 bankrotten, also lange vor der eigentlichen Definition dieses Begriffes \u201egescheiterten Staat\u201c. Es handelt sich mithin also um eine \u201efalsche\u201c oder \u201eZuschuss\u00f6konomie\u201c. Ein \u201egescheiterter Staat\u201c, der<\/p>\n<ul>\n<li>seit mehr als 40 Jahren geostrategisch zwischen die Fronten geraten ist,<\/li>\n<li>dabei Begehrlichkeiten f\u00fcr Rohstoffe vieler Art und mehr weckt,<\/li>\n<li>deswegen mehrfache System- und Besatzerwechsel durchlebt hat,<\/li>\n<li>in dem also ein \u201easymmetrischer Kriegs- und Belagerungszustand\u201c dauerhaft geworden ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dazu kommen, bezogen auf Wasser als \u201eGrundelement der Daseinsvorsorge\u201c jetzt wieder explizit in der Hauptstadt Kabul, aber durchaus stellvertretend \u00e4hnlich auch f\u00fcr andere St\u00e4dte und Gemeinden im Lande geltend:<\/p>\n<ul>\n<li>kein wirklicher Zugang zu sauberem Trinkwasser f\u00fcr weite Teile der Bev\u00f6lkerung,<\/li>\n<li>zerst\u00f6rte und vernachl\u00e4ssigte Infrastrukturen,<\/li>\n<li>private, unkoordinierte Brunnenbohrungen,<\/li>\n<li>ein von 2-3 auf 6-8 Meter und mehr abgesunkener Grundwasserspiegel im die Stadt beheimatenden Kabul-Tal.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die \u00dcberlagerung von \u201eglobalen mit lokalen Interessen\u201c in diesem Zusammenhang l\u00e4sst sich recht gut an der s\u00fcdlich von Kabul gelegenen Provinz Logar<sup id=\"fnref:3\"><a href=\"#fn:3\" rel=\"footnote\">3<\/a><\/sup> und der Rolle dieser Region auch f\u00fcr die Wasserversorgung der Stadt beschreiben:<\/p>\n<ul>\n<li>Kabul, also prim\u00e4r \u201eKURP \u2013 Kabul Urban Regeneration Project\u201c als mehr oder weniger allein von der Weltbank finanzierte Institution planen Tiefbrunnen und ggf. neue Staustufen als Wasserspeicher in Logar.<\/li>\n<li>Auch diese recht gr\u00fcne Provinz leidet zusehends unter Wassermangel.<\/li>\n<li>Ein gro\u00dfes Grabungsfeld der buddhistischen Stadt Mes Aynak<sup id=\"fnref:4\"><a href=\"#fn:4\" rel=\"footnote\">4<\/a><\/sup> aus der Gandhara Hochkultur befindet sich dort an gleicher Stelle wie<\/li>\n<li>ein gigantisches Kupfervorkommen, f\u00fcr das eine chinesische Bergbaugesellschaft sich fr\u00fch, 2007 \/ 08 die Sch\u00fcrfrechte gesichert hat. Und<\/li>\n<li>Erze und Mineralien werden gew\u00f6hnlich zumeist mit Arsen ausgewaschen. Was der \u201eGenie\u00dfbarkeit des Trinkwassers\u201c nicht unbedingt gute Dienste tut. Es sei denn, man bedient sich teurer Wasseraufbereitungsanlagen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber genau darin liegt das Hauptproblem nicht nur in Kabul selbst:<br \/>\n\u00d6ffentliche Wasserversorgung ohne entsprechend abgestimmte Kl\u00e4rungs- und Wiedergewinnungsverfahren versch\u00e4rft alle vorher dargelegten Interessenskonflikte.<\/p>\n<p><strong>Fluchtursachen bek\u00e4mpfen hei\u00dft Grundlagen<br \/>\n<\/strong><strong>f\u00fcr Interessensausgleiche vor Ort bilden<\/strong><\/p>\n<p>Das hei\u00dft: es gilt, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, um<\/p>\n<ol>\n<li>den m\u00e4chtigen \u201ePrivatiers\u201c = \u201eLandlords\u201c \/ \u201epotentielle Warlords\u201c = Feudalherren die Angst vor \u201ekalter Enteignung\u201c zu nehmen. Dies geschieht durch das Aushandeln und Anbieten von Kompensationsma\u00dfnahmen (\u201eBaulasten\u201c, Grundst\u00fccksausgleiche etc.). Ausgleichsangebote, die von den M\u00e4chtigen die Zustimmung zum Errichten der Vorkehrungen zum Sichern von \u201eInteressen des Gemeinwohls\u201c erkaufen sollen.<\/li>\n<li>Aber dies geht nur mit staatlicher Autorit\u00e4t, gesichert von nationalen und internationalen Organisationen (UN DP, UN Habitat etc.), die den \u201em\u00e4chtigen Privatiers\u201c \u00a0das eben auch abringen wollen.<\/li>\n<li>Sodass dann diese gesetzlichen Ausgleiche denn auch exemplarisch anhand von Streitf\u00e4llen um L\u00e4ndereien und Grundst\u00fccke und deren \u201eallein privatrechtliche\u201c oder eben \u201egemeinwirtschaftliche Nutzung\u201c \u201emit h\u00f6chster Autorit\u00e4t\u201c beschlossen und vertraglich geregelt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein \u201erudiment\u00e4res Bau- und Grundst\u00fccksrecht\u201c, das somit in einem \u201eRechtsvakuum\u201c installiert wird. Mithin: der Beginn von \u201eausgleichendem Recht\u201c.<br \/>\n\u201eFor the many, not the few\u201c \u2013 \u201eF\u00fcr die Vielen, nicht die Wenigen\u201c \u2013<br \/>\num jetzt mal Labours Motto hier zu zitieren.<\/p>\n<p>Eine nachfolgende Sicherung der (baulichen) Ma\u00dfnahmen mit bevorzugt einheimischen \u201ebewaffneten Sozialarbeitern\u201c ist denn auch unabdingbar.<br \/>\n\u201eVertrauensaufbau\u201c bei der Installation von Sicherheitsstrukturen aller Art auf Augenh\u00f6he mit Partnern ist denn in dieser Hinsicht auch einmal mehr eines der wichtigsten Stichw\u00f6rter.<\/p>\n<p>In meinem Falle 2009\/10 in Kabul stellte sich die Situation wie folgt dar:<\/p>\n<ul>\n<li>Mein Arbeitgeber, eine britisch-US-amerikanische \u201eNGO\u201c, die zum Trust von HRH Prince Charles geh\u00f6rt, war seit 2006 in einem knapp 4 ha gro\u00dfen Teil der Altstadt t\u00e4tig.<\/li>\n<li>Man hatte unvorstellbare Mengen M\u00fcll und Schutt vom Grundst\u00fcck entfernt. Dessen Lehmbaubestand wies einen Zerst\u00f6rungsgrad von ca. 60 % zumeist aus dem B\u00fcrgerkrieg nach Abzug der Sowjets 1990-92 und entsprechende Vernachl\u00e4ssigung auf.<\/li>\n<li>Die Implementierung des \u201eAfghan Institute for Arts and Culture\u201c in eine rekonstruierte Karawanserai und Nachbargeb\u00e4ude mit Hilfe von traditionellen Handwerksmeistern, die in diesem Institut ihre Fertigkeiten weitergaben, sollte auch begleitet werden von einer \u201eAnhebung infrastruktureller Standards\u201c zugunsten der dort im Altstadt-Slum ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung.<\/li>\n<li>Wasserver- und Abwasserentsorgung stellen allgemein an solchen Orten infrastrukturell das gr\u00f6\u00dfte Problem dar. Und aufgrund von oberfl\u00e4chlicher Kanalentw\u00e4sserung mit Versickerung in Brunnenebenen und entsprechenden Schwefeld\u00e4mpfen in den Gassen auch gr\u00f6\u00dfte Gesundheitsgef\u00e4hrdung besonders f\u00fcr die \u201eschw\u00e4chsten st\u00e4ndigen Bewohner\u201c dort: Kinder und Frauen.<\/li>\n<li>Mit Hilfe eines Berliner Wasserbauingenieurs mit vielf\u00e4ltiger Erfahrung entwickelten wir auf der Basis eines \u201eNachhaltigkeits-Gutachtens\u201c, erstellt von einem 1968 aus Stuttgart emigrierten Professors der Ohio-State-University ein Konzept f\u00fcr eine Low-Tech-Kl\u00e4ranlage am Ende eines Rohrsystems, das alleine auf Schwerkraft basierend die Abw\u00e4sser dort hinf\u00fchren sollte.<\/li>\n<li>Kein Hexenwerk. Ingenieurswissenschaften sind seit langem an der Kabul Universit\u00e4t f\u00fchrend in Zentralasien. Insofern war auch gute Unterst\u00fctzung mit guten Partnern gew\u00e4hrleistet.<\/li>\n<li>Es hie\u00df anfangs, wir h\u00e4tten genug Geld zur Verf\u00fcgung f\u00fcr dieses Wagnis.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Soweit. So gut. Als Projektleiter von \u201eimportierter Spezialistenseite\u201c war ich f\u00fcr die \u201etechnischen Themen\u201c zust\u00e4ndig. Das junge Management der \u201eNGO\u201c f\u00fcr die Verhandlungen mit autorisierten Stellen.<br \/>\nAber just da begannen und endeten die Konflikte:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine von mir geforderte \u201erudiment\u00e4res Baurecht anhand von durch uns bereit gestellte Fallstudien\u201c beschlie\u00dfende Kommission aus Stadtverwaltung und Regierung, \u00fcberwacht von UN-DP und UN-Habitat kam nicht zustande. Mit Pr\u00e4sident Karsai und Prince Charles als Schirmherren und gro\u00dfem Interesse und Unterst\u00fctzung von vielen nationalen und internationalen Gremien sollte das eigentlich ein leichtes sein. Aber<\/li>\n<li>immer wieder wurden meine Forderungen in dieser Hinsicht abschl\u00e4gig beschieden. Es handele sich um eine \u201ezersplitterte Community\u201c dort in dem Altstadtslum. Fragmente der urspr\u00fcnglichen Bewohnerschaft, eine aus Persien in den 1880er Jahren, mithin der Gr\u00fcndung des Nationalstaats Afghanistan in Folge des zweiten anglo-afghanischen Krieges eingewanderte schiitische Gruppe waren nun mit Hazaras, Paschtunen und anderen Stammesangeh\u00f6rigen \u2013 Fl\u00fcchtlingen eben im weitesten Sinne zusammengew\u00fcrfelt.<\/li>\n<li>Ein bei geringem Energie- und gerade einmal rund 400 m<sup>2<\/sup> Fl\u00e4chenbedarf f\u00fcr die zweistufige Kl\u00e4ranlage auf andere st\u00e4dtische und l\u00e4ndliche Orte \u00fcbertragbares Konzept wurde so immer mehr gef\u00e4hrdet.<\/li>\n<li>Konzept und Strategie f\u00fcr die Umnutzung dieser 400 m<sup>2<\/sup> mit Erstellung eines neuen, zum Teil zweigeschossigen Bazars mit st\u00e4dtischen Pachtvertr\u00e4gen f\u00fcr die vorher \u201einformellen Gesch\u00e4ftsleute\u201c hatte ich auch schon entworfen.<\/li>\n<li>Aber B\u00fcrgschaften von Seiten von Weltbank und IWF f\u00fcr die Mehrkosten, die dieses Projekt aufgrund der neuen Standards alleine bei der Kanalisation erforderte, blieben aus. Kurz vor dem ersten Spatenstich nach rund einem Jahr Planung wurde es gestoppt.<\/li>\n<li>Bei den Verhandlungen zu Landrecht und Gemeinwohl fand ich mich am Ende alleine mit dem stellvertretenden Leiter der afghanischen Ingenieursabteilung der \u201eNGO\u201c an den freigelegten R\u00e4ndern des Grundst\u00fcckes des Quartierssprechers wieder. Dieser bef\u00fcrchtete aufgrund der Erfordernis, dass Abwasserrohre unter seinem Grundst\u00fcck verlaufen sollten eine \u201ekalte Enteignung\u201c und reagierte entsprechend panisch. Nach drei erfolglosen Verhandlungstagen und Abbruch derselben ereilte mich ein Anruf eines jungen Managers, der mir vehement vorwarf, ich h\u00e4tte den m\u00e4chtigsten Mann des Viertels beleidigt.<\/li>\n<li>Man kann auch sagen: er hatte seinen Job nicht gemacht im Vorfeld.<\/li>\n<li>Aber auch das ist keine Besonderheit. So genannte \u201eNGOs\u201c werden auch in ihrem Aktionsradius durch \u00fcberforderte Mitarbeiter und durch \u201e(nationale) Eigeninteressen\u201c bestimmt. Oder besser: eingeschr\u00e4nkt.<\/li>\n<li>Da es sich um eine britisch-US-amerikanische \u201eNGO\u201c handelte, erscheint bei genauerer Betrachtung der fr\u00fcheren Kolonialgeschichte eine solche Entwicklung vorgezeichnet: Elemente der Daseinsvorsorge wie Kanalisationen standen zwar Anfang des 20. Jahrhunderts auch in den britischen Kolonien zur Diskussion. Aber die Hardliner verhinderten das. Insofern war die Unabh\u00e4ngigkeit Britisch-Indiens am 15.08.1947 so etwas wie das logische Ende des britischen Kolonialreiches. Und blutiger Start der gewaltsamen ersten indischen Teilung.<\/li>\n<li>Auch finden viele Mitarbeiter so genannter \u201eNicht-Regierungs-Organisationen\u201c sich auf zwei (und mehr) Gehaltslisten wieder. Letztlich unter Kontrolle nationaler Dienste. Nationale Interessen m\u00f6chten auch bei 27 und mehr NATO-Staaten unter F\u00fchrung der US alle zu allererst gesichert wissen. Zumal in Zeiten wie diesen.<\/li>\n<li>Andererseits muss man jungen Mitarbeitern generell zugute halten: die Gewohnheit des \u201eRechts des St\u00e4rkeren\u201c, das in keinster Weise im Sinne des \u201eGemeinwohls\u201c hinterfragt wird, scheint tief verwurzelt bei den Menschen. Zumal in Kriegszeiten. Ausgleiche, wie hier vorgeschlagen und entwickelt waren also auch bei und mit Kollegen mit \u201ewestlicher Sozialisation\u201c kaum durchf\u00fchrbar. Umso schwieriger, dies ohne die entsprechende Absicherung und Vorbereitung auch auf h\u00f6herer Ebene Einheimischen hier darzulegen.<\/li>\n<li>Anf\u00e4nglich hatte ich wichtige Partner im \u201eMinisterium f\u00fcr St\u00e4dtebau\u201c und bei KURP. Also der Weltbank. Und auch an der Schnittstelle zwischen Weltbank und IWF. Trotz stetiger Verhandlungen mit hohen Stellen konnten wir uns jedoch nicht gegen viele andere \u201eBedenkentr\u00e4ger\u201c und stetige \u201eAbwiegler\u201c zwischen DC und dem Hindukusch durchsetzen.<\/li>\n<li>Abgesehen davon war ich 2009 der erste Mitarbeiter einer \u201eNGO\u201c, der im Rahmen eines \u201eWiederaufbauprojektes\u201c die \u00f6rtliche Feuerwehr eingebunden hat. Die Feuerwehr ist \u00fcberall weltweit die wichtigste Zivilschutzorganisation. Nicht nur hier in Kabul. Zumal im Zuge des baulichen, also vorbeugenden Brandschutzes. Eine unbedingte Notwendigkeit, solche Zivilschutzorganisationen durch Einbindung zu st\u00e4rken.<\/li>\n<li>Eine klassische \u201eWin-win-Situation\u201c so oder so.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Schwierigkeiten bei der Umsetzung von \u201eStrategien zur Bek\u00e4mpfung von Fluchtursachen\u201c k\u00f6nnen nur mit erkl\u00e4rtem gegenseitigem Willen und entsprechenden harten Bandagen bei der Durchsetzung von \u201eGemeinwohl\u201c \u00fcberwunden werden. Dass ich selbst bald bewaffneten Schutz gebraucht h\u00e4tte, das war mir auch klar.<br \/>\nOb mir dieser gew\u00e4hrt worden w\u00e4re? Kann ich nicht sagen. Sei\u2019s drum.<\/p>\n<p>Das Warten auf den Sankt Nimmerleinstag hilft da nicht weiter.<br \/>\nDer \u201eglobale Krieg Reich gegen Arm\u201c geht unbarmherzig weiter. Und wir sollten uns wappnen, endlich die entscheidenden Themen zusammenzuf\u00fchren.<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eHilfe zur Selbsthilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge an deren Herkunftsort\u201c und<\/li>\n<li>\u201eErh\u00f6hung der Widerstandsf\u00e4higkeit der Menschen gegen die Folgen von rasanten Klimaver\u00e4nderungen\u201c und<\/li>\n<li>\u201eSchaffen von (Bleibe-) Perspektiven f\u00fcr junge Menschen\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>kann man durchaus zusammenf\u00fchren. An vielen Orten.<\/p>\n<p>Pr\u00e4misse ist immer der Wille zur Zusammenarbeit auf Augenh\u00f6he.<br \/>\nMit gleichberechtigten Partnern. Man selbst ist Gast dort. Vertrauen erzeugt beidseitige Sicherheit. Zumal solche Projekte neben dem Anheben von Umweltstandards und sinnvoller Arbeit f\u00fcr das Gemeinwohl so auch neuen Zusammenhalt in zersplitterten Communities zu schaffen verm\u00f6gen.<br \/>\nAbgesehen vom \u201eBildungsinhalt\u201c.<\/p>\n<p>Wo ein Wille ist, da zeigt sich auch bald ein Weg.<\/p>\n<p>Es wird Zeit, diese Wege endlich an vielen Orten gemeinsam zu erschlie\u00dfen.<br \/>\nWege zu besseren Perspektiven f\u00fcr mehr Menschen. Mit zunehmender Bildung und Sicherheit dann k\u00f6nnen sich auch die Geburtenraten einpendeln. Aber das ist eben keine Aufgabe, bei der morgen direkt Milch und Honig und mehr flie\u00dfen. Nein. Das ist Aufgabe f\u00fcr mindestens die n\u00e4chste Generation.<br \/>\nHarte Arbeit. Und kein kampfloses Unterfangen, \u00fcberhaupt da hinzukommen.<br \/>\nHier wie dort. In Europa wie auch an unseren Grenzen.<\/p>\n<p>PS.: Die anfangs gemachte Aussage zum \u201eGl\u00fcck des Volkes\u201c entstammt so dem 12. F\u00fcnfjahresplan der Volksrepublik China von Ende Mai 2011. Damals musste man in China der gewaltigen Immobilienblase entgegensteuern \u2013 sie zu einer weichen Landung f\u00fchren. Dass auch Peking f\u00fcr solche Umsteuerungsprozesse lange braucht und manche Ungerechtigkeit begeht: das ist unumwunden zuzugestehen. Wichtig ist jedoch der erkl\u00e4rte Wille, diese Themen mittel- und langfristig anzugehen.<br \/>\nOhne dabei in m\u00fcde Lippenbekenntnisse zu verfallen.<br \/>\nLetztlich war es dasselbe Volk, das ich bei meinem ersten Aufenthalt in China im Sp\u00e4tsommer und Fr\u00fchherbst 1989 in gro\u00dfer Angst vor B\u00fcrgerkrieg und mehr erlebt habe und das, was ich bei meiner Arbeit 2011\/12 dort im sch\u00f6nen Hangzhou trotz Blase recht optimistisch in die Zukunft blickend erlebt habe.<\/p>\n<p>Im Geleitwort zu Nadav Kanders Fotobuch zum Bau des gewaltigen Yangtse-Staudammes zitiert der damalige UN-Generalsekret\u00e4r Kofi Annan einen Chinesen, mit dem der Fotograf sich angefreundet hatte bei den drei Jahre andauernden Arbeiten an diesem Fotobuch:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWarum m\u00fcssen wir zerst\u00f6ren, um uns zu entwickeln?\u201c<sup id=\"fnref:5\"><a href=\"#fn:5\" rel=\"footnote\">5<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Gute Arbeit ist zumeist ein stetiger Ann\u00e4herungsprozess an \u201eWahrheiten\u201c.<\/p>\n<p>Wir liegen hier in Europa nun einmal auch geographisch mit China auf einer, der eurasischen Scholle. Und auf der anderen Seite des Atlantiks liegt ein alter Partner, dem man vielleicht auch einmal Grenzen aufzeigen sollte. Zwischen uns und dem \u201eReich der Mitte\u201c liegt zudem auch Russland, das bei Weitem die gr\u00f6\u00dften Opferzahlen des 2. Weltkriegs zu verschmerzen hatte. Und das auch jetzt sehr viel sp\u00e4ter gefordert war, in das \u201eschmutzige Gesch\u00e4ft mit den Kriegen\u201c einzusteigen als diejenigen, die dies stetig sch\u00fcrten. Zumindest in den letzten beiden Dekaden.<br \/>\nUnd: die Uni Kabul ist in allen Ingenieurswissenschaften f\u00fchrend in der Region Zentralasien, weil die Sowjets von 1955 bis Mitte der 1970er auch gute Entwicklungsarbeit gerade im Norden Afghanistans geleistet und unter anderem diese Fakult\u00e4ten mit entsprechendem Curriculum aufgebaut haben.<br \/>\nWas bei vielen wissensdurstigen Afghanen denn auch mit den eigenen, zutiefst verwurzelten Verhandlungsriten vereint wurde.<br \/>\nMit anderen Worten: afghanische Ingenieure sind zum Teil hervorragende \u201eSozialarbeiter\u201c. Neben ihren hohen technischen F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p>Die entscheidenden Themen f\u00fcr alle k\u00f6nnen wir nur gemeinsam schultern.<br \/>\nDa sollten wir hin.<br \/>\nNicht zu noch mehr schwachsinnigen und grausamen Kriegen.<br \/>\nKriege, die letztlich nur eine Fortsetzung und zunehmende Eskalation des globalen Krieges \u201earm gegen reich\u201c bedeuten.<br \/>\nUnd die von den entscheidenden Themen ablenken.<br \/>\nEiner wehrhaften Zukunft f\u00fcr uns und unsere Kinder. Jetzt.<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nAsheqan wa Arefan, Altstadt Kabul 2009, \u00a9 Stefan Frischauf<\/p>\n<p>Die v\u00f6llige Konzeptionslosigkeit, wie man da den \u201eLandlords\u201c, also eigentlich auch potentiellen \u201eWarlords\u201c gegen\u00fcbertreten solle, bewahrt hier das Bild kompletter st\u00e4dtischer Verw\u00fcstung auch noch im Fr\u00fchjahr 2009.<br \/>\nDie Menschen sind so einmal mehr sich selbst \u00fcberlassen. Auch dieses Kind, das da sch\u00fctzenden Schatten vor der glei\u00dfenden Mittagssonne unter der Burka der Mutter sucht. Etwas Schutz vor feindlichen Elementen, den sonst die traditionell dichte Bebauung des Gassen- und Hofhausgeviertes der Altstadt bieten sollte.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten, sinngem\u00e4\u00df einen guten Freund von mir hier, Christian K\u00f6ster zitierend:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e99% aller Menschen \u00fcberall auf der Welt m\u00f6chten einfach ihr bescheidenes Leben in Frieden leben.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies sollten wir auch gew\u00e4hrleisten wollen.<br \/>\nAls Gast und Freund: Bruder oder Schwester mit L\u00e4ndern arbeitend, deren V\u00f6lker Besseres als Krieg, Zerst\u00f6rung und Besatzung verdient haben.<\/p>\n<p>Denn nicht nur in Afghanistan leben die Menschen prim\u00e4r von drei Dingen:<br \/>\nLuft, Wasser und Liebe. Ganz gleich, ob \u201eTaliban\u201c oder \u201eRegimefreund\u201c oder sonst wer. Dieses Vertrauen auch an anderen Orten aufzubauen, insbesondere nach den gro\u00dfen Kriegen, die wir zuletzt erlebt haben: das ist die gro\u00dfe Kunst.<br \/>\nAber auch historische Notwendigkeit.<br \/>\nDem \u201edezentralen Geschehen\u201c ein Ende bereiten, das vielen hier eben nicht als \u201e3.Weltkrieg\u201c erschien, weil sie nur Bilder vom \u201etotalen Krieg\u201c \u2013 dem letzten, der von unserem Boden hier ausging und dieses Land auch komplett zerst\u00f6rte im Kopf hatten.<\/p>\n<p>Diesem 3. Weltkrieg, der aber an vielen Orten grausam genug gew\u00fctet hat.<br \/>\nDazu jedoch m\u00fcssen wir auch hier aufstehen.<br \/>\nDazu dann im letzten Teil hier bald.<\/p>\n<p>\u201eReady to start\u201c<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/9oI27uSzxNQ?rel=0\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkungen:<\/p>\n<ol>\n<li id=\"fn:1\"><a href=\"#fnref:1\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a> Aus einem Vortrag des Botschafters der Volksrepublik China in Berlin zur Einf\u00fchrung des 12. F\u00fcnfjahresplan Ende Mai 2011. <a href=\"http:\/\/www.china-botschaft.de\/det\/dszl\/baogao\/t826701.htm\">http:\/\/www.china-botschaft.de\/det\/dszl\/baogao\/t826701.htm<\/a><\/li>\n<li id=\"fn:2\"><a href=\"#fnref:2\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paschtunwali\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paschtunwali<\/a><\/li>\n<li id=\"fn:3\"><a href=\"#fnref:3\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lugar_(Provinz\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lugar_(Provinz<\/a>)<\/li>\n<li id=\"fn:4\"><a href=\"#fnref:4\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mes_Aynak\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mes_Aynak<\/a> Die Informationen enden hier 2013\/14.<br \/>\nAuf einer anderen Seite wird davon gesprochen, dass 2016 die Taliban \u201eSchutz der chinesischen Grabungen\u201c zugesagt haben. In Anbetracht der berechtigt abwehrenden Reaktion afghanischer Regierungsstellen auf diese \u201eSchutzgeldregelung\u201c scheint der Ort und seine Nutzung weiterhin hei\u00df umk\u00e4mpft: <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-afghanistan-china-copper\/chinese-demands-rebels-and-buddhist-ruins-stall-afghan-copper-dream-idUSKBN0N304320150412\">https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-afghanistan-china-copper\/chinese-demands-rebels-and-buddhist-ruins-stall-afghan-copper-dream-idUSKBN0N304320150412<\/a><\/li>\n<li id=\"fn:5\"><a href=\"#fnref:5\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a> Nadav Kander: Yangtze \u2013 The Long River; \u00a9 2010 Hatje Cantz Verlag Ostfildern and authors, photos by the artist, words from Introduction by Kofi Annan, German translation<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4490 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4490')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4490').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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