{"id":4374,"date":"2018-07-23T20:42:55","date_gmt":"2018-07-23T18:42:55","guid":{"rendered":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4374"},"modified":"2018-08-21T17:40:05","modified_gmt":"2018-08-21T15:40:05","slug":"wie-weiter-bei-der-erneuerung-unserer-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4374","title":{"rendered":"Wie weiter bei der Erneuerung unserer Gesellschaft?"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/665860_1280_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/665860_1280_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"287\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Foto: Rainer Sturm<\/p><\/div>\n<p><strong>von Peter Kiesel<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Tagen hat in unserem internen E-Mail-Verteiler eine Diskussion begonnen, die wir f\u00fcr so interessant halten, dass wir sie gern in unserem Blog fortf\u00fchren m\u00f6chten. Angeregt wurden wir zu dieser Diskussion vor allem durch folgende Hinweise:<\/p>\n<ul>\n<li>Das <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bw5Px3rR9Jo&amp;feature=share\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Video<\/strong><\/a> von Prof. Mausfeld zum Thema \u201eWie werden politische Debatten gesteuert?\u201c (Mitschnitt eines Vortrages bei der \u00d6DP in M\u00fcnchen);<\/li>\n<li>Die \u00c4u\u00dferungen von Robert Habeck in der <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/markus-lanz\/markus-lanz-vom-12-juli-2018-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Talkshow<\/strong><\/a> von Markus Lanz vom 12. Juli (ZDF);<\/li>\n<li>Die Aktivit\u00e4ten der <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.plattform.pro\/category\/sozialstart\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Progessiven Sozialen Plattform<\/strong><\/a>,<\/li>\n<li>und die 4 Thesenpapiere der 12 neuen Mitglieder des Bundestages der SPD mit dem Titel \u201e<a title=\"\" href=\"https:\/\/michael-schrodi.de\/news\/lust-auf-morgen-vier-thesenpapiere-der-12-neuen-spd-abgeordneten-zum-erneuerungsprozess\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Lust auf Morgen<\/strong><\/a>\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>und sicherlich hat auch die aktuelle Diskussion in der Linken und auf ihrem letzten Parteitag mit unsere Diskussion angeregt. <!--more--><\/p>\n<p>Da es f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung von Beitr\u00e4gen der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender \u00fcber die Mediathek enge Grenzen gibt, haben wir versucht, die f\u00fcr diese Diskussion wichtigen Passagen (min. 33 bis 36) von Robert Habeck zusammen zu fassen. Hier sein Statement:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;&#8230; ich glaube nicht, dass die Fl\u00fcchtlingskrise &#8230; die Erkl\u00e4rung f\u00fcr alles ist, sondern dass ist das Schwere, was uns zugemutet wird, dass Grundannahmen unserer Wertegemeinschaft, der Liberalismus, eine globalisierte Welt, die Annahme, dass westliche Werte sich durchsetzen werden in der Welt, m\u00f6glicherweise nicht nur falsch waren, sondern uns die Probleme beschert haben, die wir jetzt nicht mehr in den Griff bekommen. Freier Warenverkehr hei\u00dft auch freier Waffenhandel &#8211; bumms, auf einmal haben wir den Salat. Wohlstand in Deutschland oder Europa hei\u00dft auch Importe von Rohstoffen und Energiequellen in anderen L\u00e4ndern zu Bedingungen bei denen sie ausgebeutet werden, die autorit\u00e4re Regime eher st\u00fctzen als st\u00fcrzen. Das hei\u00dft, m\u00f6glicherweise ist unsere Lebensstil, unsere Wertegemeinschaft urs\u00e4chlich f\u00fcr viele Probleme, die da jetzt entstanden sind und dann muss man nat\u00fcrlich viel weiter denken. &#8211; Wenn die alten politischen Antworten nicht mehr greifen, was sind dann die neuen? Das sp\u00fcren wir jetzt als Verlustangst, die\u00a0 &#8211; wenn wir die neuen Antworten noch nicht richtig geben k\u00f6nnen, dann nehmen wir die alten und zwar nicht nur die des letzten Jahrzehnts, sondern die des letzten Jahrhunderts und dann restaurieren wir den Nationalstaat und statten uns mit einem gesunden Nationalismus aus und stecken den Kopf in den Sand und denken, die Probleme sind weg, nur weil wir sie nicht mehr sehen. Das ist ja erkennbar eine Antwort auf eine Problemsituation oder man geht ganz anders ran. &#8211; Dann allerdings brauchen wir eine gewisse Radikalit\u00e4t die wir uns allen zumuten in der neuen Antwortgebung, dann k\u00f6nnen wir nicht mehr zulassen, dass globale Konzerne &#8220;wilde Sau&#8221; spielen und wir die staatliche Kontrolle und Regulierung verlieren, dann m\u00fcssen wir \u00fcber die Lebensbedingungen in Afrika reden und nicht \u00fcber l\u00e4cherliche eine Milliarde mehr oder weniger streiten, sondern dann brauchen wir eine andere Politik\u00a0\u00a0 auch eine andere Handelspolitik. Das ist dann eine richtige Zumutung, aber ich glaube, letztendlich brauchen wir diesen Radikalismus, um realistisch zu werden.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Diskussion in unserem Blog soll uns vor allem dabei helfen, selbst Klarheit dar\u00fcber zu gewinnen, in welche Richtung wir unsere Gesellschaft in der Zukunft weiter entwickeln wollen und m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass es sinnvoll ist, alle oben genannten Hinweise zu kennen, ehe frau\/man sich hier an der Diskussion beteiligt. Einige Ausschnitte aus der bisherigen Diskussion sind hier zusammen gefasst und wir freuen uns auf weitere Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<h3><strong>Beitrag von <a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?author_name=ludger\">Ludger<\/a> vom 26.6.18:<\/strong><\/h3>\n<p>Gestern abend war die Auftaktveranstaltung der <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.plattform.pro\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Progressiven Sozialen Plattform<\/a> in M\u00fcnchen Giesing. Das Er\u00f6ffnungsreferat hielt <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.marco-buelow.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marco B\u00fclow, Dortmunder SPD-Abgeordneter<\/a>.<\/p>\n<p>Hier einige Stichworte dazu:<\/p>\n<p>PLATTFORM ist eine soziale, \u00fcberparteiliche Bewegung und will dies auch bleiben. Sie will Themen setzen in der \u00d6ffentlichkeit, politische Forderungen, auch gemeinsam mit anderen Bewegungen aufstellen. Mitglieder k\u00f6nnen alle werden, ob in irgendeiner Partei oder in keiner. Plattform will die Themensetzung nicht den Rechten \u00fcberlassen. Als politischer Hintergrund werden die steigende Ungleichheit und die sich versch\u00e4rfende Armut (Altersarmut, Alleinerziehende) gesehen. Strukturell wird darauf verwiesen, dass die Menschen sich nicht mehr einer Partei anschlie\u00dfen, sie sind reihenweise in den letzten Jahren, Jahrzehnten ausgetreten. Es soll &#8212; Bildung im Herbst &#8212; regionale Gruppen f\u00fcr Marketing und \u00d6ffentlichkeitsarbeit geben, f\u00fcr die Mitarbeit konnte man sich eintragen. Man will Junge gewinnen, in den Parteien sind &#8220;nur noch Alte&#8221;.<\/p>\n<p>Das <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.plattform.pro\/category\/sozialstart\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erste erstellte Papier<\/a> wird &#8211; ganz bewusst &#8211; als weder vollst\u00e4ndig noch ausformuliert bezeichnet. Die Mitglieder sollen mit ran, es ist ein erster Ansto\u00df. Die Planungen f\u00fcr PLATTFORM waren schon vor der Bildung der GroKo angelaufen. R2G ist laut Marco B\u00fclow tot, es war von allen drei Parteivorsitzenden nie gewollt. PLATTFORM soll eine sehr flache Hierarchie bekommen, Mitarbeit und Anst\u00f6\u00dfe \u00fcbers Netz erfolgen.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht &#8212; bitte lest euch das erw\u00e4hnte erste Papier noch mal durch &#8211; eine Bewegung, bei der jede(r) von uns mitmachen kann (und sollte).<\/p>\n<h3><strong>Beitrag von <a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?author_name=andreas\">Andreas<\/a> vom 17.7.18:<\/strong><\/h3>\n<p>Interessant. Da sind wir als Souver\u00e4n offensichtlich klarsichtiger als unserer Vertreter*innen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.statista.com\/infografik\/14588\/worauf-die-politik-sich-konzentrieren-sollte\/\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/infografik_14588_worauf_die_politik_sich_konzentrieren_sollte_n.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"385\" \/><\/a><\/p>\n<h3><strong>Am 10.07.2018 schrieb Ludger an Prof. Mausfeld:<\/strong><\/h3>\n<p>\u2026 zu Ihrem <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bw5Px3rR9Jo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">letzten Vortrag in M\u00fcnchen<\/a> habe ich etwas nicht verstanden.<\/p>\n<p>Ab Zeitpunkt 1:01 sprechen Sie vom Klassenkompromiss, der unter spezifischen Faktoren m\u00f6glich war,<\/p>\n<p>&#8220;eine historisch kontingente zuf\u00e4llige sehr komplexe Konstellation in der Nachkriegszeit f\u00fchrte dazu, dass das eigentlich unvers\u00f6hnliche Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Kapitalismus und Demokratie eine Zeit lang verdeckt wurde &#8230; dieser Klassenkompromiss zerbrach, weil die historischen Bedingungen, an die er gekoppelt war, historisch singul\u00e4r sind, die sich nicht wiederholen lassen &#8230; das sozialdemokratische Modell eines Klassenkompromisses ist erledigt und zwar ein f\u00fcr allemal &#8230;. das lag an spezifischen Faktoren, die heute nicht mehr gelten &#8230;&#8221;<\/p>\n<p>Welche sind diese Faktoren, die den angeblich historisch einmaligen Kompromiss zwischen Kapital und Demokratie erm\u00f6glicht haben?<\/p>\n<h3><strong>Am 13.7. schrieb Ludger:<\/strong><\/h3>\n<p>Hier die Antwort von <a href=\"http:\/\/www.uni-kiel.de\/psychologie\/mausfeld\/\">Rainer Mausfeld<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Die spezifischen Faktoren, nach denen Sie fragen, werden im Vortrag etwa 30 sec nach dem von Ihnen genannten Zeitpunkt genannt und sind auf der entsprechenden Folie aufgef\u00fchrt. Jeder dieser Faktoren ist ja in der Literatur ausgiebig behandelt und in seiner relativen Bedeutung im Kontext anderer Faktoren diskutiert worden. Da ihre detaillierte Behandlung nicht zum roten Faden meines Vortragsthemas geh\u00f6rte und da \u00fcber diese Faktoren in der Fachliteratur weitgehend Konsens besteht, habe ich mich darauf beschr\u00e4nkt, sie summarisch in Erinnerung zu rufen.<br \/>\nF\u00fcr meine Argumentation im Kontext meines Vortragsthemas gen\u00fcgte es mir, noch einmal daran zu erinnern, da\u00df diese Konstellation der genannten und auf der Folie aufgef\u00fchrten Faktoren historisch einmalig war. Auch dies ist ja in der Literatur ausf\u00fchrlich diskutiert worden. Unter dem Stichwort &#8216;Postfordismus&#8217; k\u00f6nnen Sie sicherlich n\u00fctzliche Informationen finden.<\/p><\/blockquote>\n<h3><strong><a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?s=blog1\">blog1<\/a> vom 19.7. im Zusammenhang mit einer Anfrage von Ludger an Prof. Mausfeld und dessen Antwort:<\/strong><\/h3>\n<p>Prof. Mausfeld stellt ja die These auf, dass Kapitalismus und Demokratie nicht miteinander vereinbar sind. In der Nachkriegsgeschichte gab es nur eine Ausnahme, den er als den \u201eKlassenkompromiss\u201c bezeichnet. Das, was Mausfeld als Klassenkompromiss bezeichnet, k\u00f6nnte man auch als soziale Marktwirtschaft betiteln, die ja in den 50- und 60-iger Jahren bis hinein in die 70-iger Jahre sehr gut funktioniert hat. Dieser Klassenkompromiss, der dann in der Folge sukzessive zerbrach, weil die Ausgangsbedingungen daf\u00fcr entfallen waren und sich diese Ausgangsbedingungen auch nicht wieder herstellen lassen. Das, so f\u00fchrt er aus, sei in der Literatur unumstritten. Demzufolge sind auch alle Verfechter einen \u201eneuen\u201c sozialen Marktwirtschaft, die unter den Bedingungen der Globalisierung neu gedacht werden m\u00fcsste, auf dem Holzweg. Dieser Ansicht kann man sein, zwingend ist dies aber nicht, um auf die Frage von Ludger einzugehen. Wenn man dem Finanz- und Konzernkapitalismus enge Z\u00fcgel anlegen w\u00fcrde \u2013 es k\u00e4me einer Entneoliberalisierung gleich, w\u00fcrde dies durchaus Sinn machen. Stattdessen aber passiert genau das Gegenteil. Im \u00dcbrigen steuern wir auf die n\u00e4chste Finanzkrise mit Italien bereits zu. Die Thematik wird aktuell nur durch die Fl\u00fcchtlingsthematik \u00fcberlagert.<\/p>\n<p>In dem Zusammenhang sind auch die weiteren Ausf\u00fchrungen zum Neoliberalismus interessant, die sich, so die Ausf\u00fchrungen von Mausfeld, unabh\u00e4ngig zu den neueren Entwicklungen des Kapitalismus entwickelt haben. Der Kapitalismus neuerer Pr\u00e4gung ist doch eher ein entfesselter Finanz- bzw. Konzernkapitalismus, weil die Kapitalrendite in der Realwirtschaft f\u00fcr die Investoren (Kapitaleigner) nicht mehr ausreichend war. Deshalb suchte sich der Kapitalismus neue Spielwiesen und legte damit die nationalen Spielregeln und Beschr\u00e4nkungen ab (Stichwort: Deregulierung). Der Neoliberalismus \u2013 sehr gute Darstellung zur Mont P\u00e8lerin Society in der Sendung \u201e<a title=\"\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vzUNwWpk6CE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Anstalt<\/a>\u201c, der bis in die 70-iger Jahre ein Schattendasein gef\u00fchrt hat, diente dann als Rechtfertigung f\u00fcr den so genannten Manchester-Kapitalismus, weil er zum einen einfach zu vermitteln war und zum anderen auch eher harmlos daherkam, weil ja \u201enur\u201c ein freier Markt gefordert wurde und staatliche Eingriffe als ineffizient bezeichnet wurden. Der Begriff marktkonforme Demokratie machte die Runde. Der Neoliberalismus oder genauer gesagt Ordoliberalismus bildete in der Folgezeit den ideologischen Unterbau und wirkte wie ein Brandbeschleuniger, so dass sich der Raubtier-Kapitalismus ungehindert weiter ausbreiten konnte. Die neoliberale Ideologie hat aber auch dazu gef\u00fchrt, dass die Klasse der Reichen zu einer ideologisch homogenen Klasse verschmelzen konnte, was am zutreffendsten Warren Buffet zum Ausdruck brachte, indem den \u201eKrieg\u201c zwischen Arm und Reich zugunsten der reichen Klasse als bereits entschieden bezeichnet hat.<\/p>\n<p>Ganz im Gegenteil zu der Klasse der \u201eArmen\u201c. Sie wurde partikularisiert und auch gegeneinander ausgespielt. S\u00fcndenb\u00f6cke wurden gesucht und auch gefunden und immer das Credo \u201eDu kannst es ganz nach oben schaffen, wenn Du dich nur gen\u00fcgend anstrengst\u201c impliziert gleichzeitig, wer es nicht nach oben schafft, ist ein Versager (Loser) oder noch schlimmer ein Hartzer. Keiner oder nur wenige fragen dann nach, ob nicht etwa die Rahmenbedingungen f\u00fcr einen Aufstieg \u00fcberhaupt noch gegeben sind. Und da spielt die ver\u00f6ffentlichte Meinung eine entscheidende Rolle. Die Schw\u00e4chung derjenigen, die einem gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnten, geh\u00f6rt zum Handwerkszeug einer jeden Meinungsmanipulation. Das (scheinbar) Ausweg-\/Alternativlose ist die eigentliche Kernbotschaft des Neoliberalismus und dient in der Tat als Revolutionsprophylaxe. Die betroffenen Menschen ergeben sich in ihr Schicksal.\u00a0 Die Obrigkeitsergebenheit der Deutschen ist in dem Zusammenhang geradezu f\u00f6rderlich.<\/p>\n<p>Mausfeld ist sicherlich ein brillanter Kopf. Er argumentiert stringent und baut in seinem Vortrag Spannungsfelder auf, neigt aber auch dazu, seine Meinung als wissenschaftlich begr\u00fcndet hinzustellen. Auf was er wirklich hinaus will, erschlie\u00dft sich mir nicht ganz. Dass der \u00f6ffentliche Debattenraum immer mehr eingeschr\u00e4nkt wird, ist mir klar und dass ich als kritischer Beobachter der Medien bei jeder Nachricht \u00fcberpr\u00fcfen muss, welchen Wahrheitsgehalt sie hat, auch.<\/p>\n<p>Prof. Mausfeld kommt mir so vor wie ein Arzt, der auf Nachfrage seines Krebspatienten, welche Therapie er denn vorschlagen w\u00fcrde, antwortet: \u201eEgal, was Sie machen, sterben m\u00fcssen Sie auf jeden Fall\u201c.<\/p>\n<h3><strong>Ausschnitt aus einem Beitrag von Ludger vom 19.7.18, angeregt durch den Beitrag von blog1:<\/strong><\/h3>\n<p>Das ist genau der Eindruck, den ich auch hatte. Sind die damaligen Bedingungen wirklich historisch einmalig? Und sind sie wirklich unbedingt erforderlich f\u00fcr einen politischen Wandel?<\/p>\n<ul>\n<li>Brauchen wir das Wachstum der damaligen Zeit, um die Demokratie zu st\u00e4rken?<\/li>\n<li>Gibt es keinen Weg zur\u00fcck zur Tarifbindung?<\/li>\n<li>Gibt es keine Vorschl\u00e4ge zu einer gerechten Besteuerung von Konzernen, Erben, Reichen und Verm\u00f6genden?<\/li>\n<li>Sind die Privatisierungen von G\u00fctern der Daseinsvorsorge wirklich alternativlos?<\/li>\n<li>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mausfeld streitet ab, dass es einen Weg zur\u00fcck gibt. Wenn wir alle Gedanken zu einer Demokratisierung von vornherein verteufeln, weil sie den hehren linken Zielen nicht zu 100% dienen, dann verbleiben wir in der linken Ecke, in der sich auch Mausfeld lukrativ eingerichtet hat und sie sehr sch\u00f6n beschreibt.<\/p>\n<h3><strong>Beitrag von Andreas vom 19.7., angeregt durch die vorherigen Beitr\u00e4ge:<\/strong><\/h3>\n<p>Doch, die Situation war einmalig. Oliver Nachtwey beschreibt sie z.B. ausf\u00fchrlich in seinem Buch &#8220;Die Abstiegsgesellschaft &#8211; \u00dcber das Aufbegehren in der regressiven Moderne&#8221; und nennt diese Zeit die &#8220;Soziale Moderne&#8221; und datiert den Zeitraum auf 1950-1973 &#8211; mit durchschnittlich j\u00e4hrlichem Wirtschaftswachstum von 4,8 Prozent in Westeuropa.<\/p>\n<p>Dazu zwei Beispiele:<\/p>\n<ol>\n<li>1954 wurden in\u00a0 der Bundesrepublik Deutschland 680.597 Automobile produziert, 1966 bereits 3.050.708, 1978 dann &#8220;nur&#8221; 4.186.364 (Quelle: <a title=\"\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftszahlen_zum_Automobil#PKW-Dichte_nach_L%C3%A4ndern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>). Das astronomische Wachstum der 50er und fr\u00fchen 60er Jahre lie\u00df sich nicht fortsetzen<\/li>\n<li>Verbreitung von Waschmaschinen in deutschen Haushalten:<\/li>\n<\/ol>\n<blockquote><p>&#8220;Bis zum Ende der 60er Jahre war die Waschmaschine noch ein Luxusartikel. Die fl\u00e4chendeckende Verbreitung hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch schon begonnen.<br \/>\nEin wesentlicher Faktor, der diese Entwicklung vorantrieb, war die Produktionsweise des<br \/>\nFordismus. Der Fordismus stammt aus den USA und beinhaltet im Wesentlichen die<br \/>\nEinf\u00fchrung von Flie\u00dfbandarbeit, Rationalisierung und die Besch\u00e4ftigung haupts\u00e4chlich<br \/>\nungelernter Arbeiter. Durch diese Methoden konnte der Produktionspreis und somit auch<br \/>\nder Verkaufspreis gesenkt werden.<br \/>\nDer Kauf einer Waschmaschine blieb aber trotz sinkender Preise, die sich je nach Ausstattung<br \/>\nzwischen 1000 und 1600 DM bewegten, eine wohl\u00fcberlegte Entscheidung, wobei<br \/>\nnicht nur finanzielle Gesichtspunkte den Kauf hinausz\u00f6gerten.&#8221;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Verbreitung-von-Waschmaschinen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Verbreitung-von-Waschmaschinen.png\" alt=\"\" width=\"463\" height=\"331\" \/><\/a><\/p>\n<p>Quelle: <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.math.uni-bielefeld.de\/~vfast\/Lit\/TdH.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Viktor Fast: &#8220;Die Technisierung der Hausarbeit von 1950 bis 1970&#8221;<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcbrigens, in absoluten Betr\u00e4gen sind Waschmaschinen heute billiger als in den 60ern. Und Hartz-IV-Empf\u00e4ngerInnen k\u00f6nnen trotzdem kaum eine Ersatzbeschaffung finanzieren.<br \/>\nDie Konsumgesellschaft wurde etabliert, aus den riesigen Wachstumsraten entstand die M\u00f6glichkeit, L\u00f6hne und Geh\u00e4lter steigen zu lassen, sodass dieser Klassenkompromiss erlebbar zu mehr Wohlstand f\u00fchrte und die Erwartung von ewigem Wachstum in die DNA der Nachkriegsgesellschaft eingeschrieben hat. Den ersten Knick gab es bereits 1966\/67, von Massenarbeitslosigkeit wurde erstmals <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/27813\/faule-arbeitslose?p=all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Sommer 1975<\/a> (1,07 Mio Arbeitslose = 4,7%) geredet.<\/p>\n<p>Nennenswertes realwirtschaftliches Wachstum ohne zus\u00e4tzlichen Verbrauch an Energie, Naturzerst\u00f6rung und\/oder Bodensch\u00e4tzen hat es bisher &#8211; trotz der Ans\u00e4tze z.B. von Ernst-Ulrich von Weizs\u00e4cker (&#8220;Faktor Vier&#8221;, &#8220;Faktor F\u00fcnf&#8221;) noch nie gegeben, der Rebound-Effekt schl\u00e4gt immer wieder zu. Das ist eine Sollbruchstelle des Kapitalismus, er zerst\u00f6rt die Lebensgrundlagen jetzt und f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Was mir als zentrales Hindernis zum Aufbau einer am Gemeinwohl orientierten Wirtschaft erscheint, sind einige Probleme mit unserer Eigentumsordnung und mit dem Unternehmensrecht.<\/p>\n<ul>\n<li>Dazu geh\u00f6rt selbstverst\u00e4ndlich das Bodenrecht. Grund und Boden d\u00fcrften m.E. nur der Gemeinschaft geh\u00f6ren, die Nutzung m\u00fcsste je nach Zweck mit unterschiedlichen Geb\u00fchren an die Gemeinschaft (i.d.R. die politische Kommune) verbunden sein.<\/li>\n<li>F\u00fcr hinderlich halte ich zudem die Konstruktion einer Aktiengesellschaft. Auch schon ohne den jetzigen Finanzkapitalismus fu\u00dft das auf dem Prinzip, dass Unternehmen &#8211; unabh\u00e4ngig vom &#8220;Werk&#8221;, dass sie produzieren bzw. anbieten &#8211; prim\u00e4r daf\u00fcr Ertr\u00e4ge erwirtschaften, wovon ein Gro\u00dfteil an deren oft anonymen Aktienbesitzer abflie\u00dfen, die nur an entsprechenden Gewinnaussch\u00fcttungen interessiert sind.<\/li>\n<li>Zur Daseinsvorsorge: wenn hier Unternehmen t\u00e4tig werden, m\u00fcssten sie gemeinn\u00fctzig im Sinne von <a title=\"\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gemeinn%C3%BCtzigkeit#Deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 52 der Abgabenordnung<\/a> sein. Die Eigent\u00fcmerstruktur einer gGmbH wird dann nachrangig.<\/li>\n<li>Sahra Wagenknecht hat zudem im &#8220;Freiheit statt Kapitalismus&#8221; schon die Idee vorgestellt, dass ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe eines Unternehmens die Ver\u00e4u\u00dferung ausgeschlossen werden sollte, daf\u00fcr die Belegschaft Unternehmensanteile \u00fcbertragen bekommt. Und sowieso, wir brauchen mehr Genossenschaften, was politisch gef\u00f6rdert werden m\u00fcsste.<\/li>\n<li>Eine St\u00e4rkung der Tarifbindung wird nur durch engagierte politische Entscheidungen von Bund und L\u00e4ndern erfolgen k\u00f6nnen. Vereinfachung, Tarifvertr\u00e4ge als allgemeing\u00fcltig zu erkl\u00e4ren (die Probleme sieht man ja gerade in der Altenpflege), Tariftreuegesetze in den Bundesl\u00e4ndern (f\u00fcr Ausschreibungen der \u00f6ffentlichen Hand).<\/li>\n<li>Sie wird meiner Auffassung nur gelingen, wenn zugleich eine Normalarbeitszeit rund um 30 Stunden erk\u00e4mpft wird. Insofern ist der Vorsto\u00df von <a title=\"\" href=\"https:\/\/michael-schrodi.de\/workspace\/media\/static\/papier-arbeit-von-morgen_final-5b486381f3607.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Michael Schrodi und Co.<\/a> ja richtig und wichtig, aber z.B. <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.bernd-riexinger.de\/nc\/aktuell\/detail\/news\/fuer-ein-neues-normalarbeitsverhaeltnis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bernd Riexinger ist da schon weiter<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eingriffe ins jetzige System wie &#8220;gerechte Besteuerung von Konzernen, Erben, Reichen und Verm\u00f6genden&#8221; sind mit politischen Mehrheiten zwar grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich, aber jederzeit umkehrbar. Das ist ja auch einer Erkenntnis der Politik seit 1974 (dieses Datum hat <a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4314\">Butterwegge am 11.07.<\/a> als Startpunkt genannt &#8211; ich hatte ja eher f\u00fcr die BRD das Lambsdorff-Papier von 1982 mit dem Wechsel der FDP hin zur CDU\/CSU als Startpunkt im Kopf). Errungenschaften ohne grunds\u00e4tzliche Eingriffe in die wirtschaftliche Verfasstheit sind nicht stabil und bleiben st\u00e4ndig umk\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Jetzt zitiere ich Robert Habeck &#8211; da sind die beiden Diskussionen wunderbar konstruktiv miteinander zu verkn\u00fcpfen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Freier Warenverkehr hei\u00dft auch freier Waffenhandel &#8211; bumms, auf einmal haben wir den Salat. Wohlstand in Deutschland oder Europa hei\u00dft auch Importe von Rohstoffen und Energiequellen in anderen L\u00e4ndern zu Bedingungen bei denen sie ausgebeutet werden, die autorit\u00e4re Regime eher st\u00fctzen als st\u00fcrzen. Das hei\u00dft, m\u00f6glicherweise ist unsere Lebensstil, unsere Wertegemeinschaft urs\u00e4chlich f\u00fcr viele Probleme, die da jetzt entstanden sind und dann muss man nat\u00fcrlich viel weiter denken. (&#8230;)<br \/>\nDann allerdings brauchen wir eine gewisse Radikalit\u00e4t die wir uns allen zumuten in der neuen Antwortgebung, dann k\u00f6nnen wir nicht mehr zulassen, dass globale Konzerne &#8220;wilde Sau&#8221; spielen und wir die staatliche Kontrolle und Regulierung verlieren, dann m\u00fcssen wir \u00fcber die Lebensbedingungen in Afrika reden und nicht \u00fcber l\u00e4cherliche eine Milliarde mehr oder weniger streiten, sondern dann brauchen wir eine andere Politik\u00a0\u00a0 auch eine andere Handelspolitik. Das ist dann eine richtige Zumutung, aber ich glaube, letztendlich brauchen wir diesen Radikalismus, um realistisch zu werden.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie sieht &#8211; angesichts u.a. vom Klimawandel und 60 Millionen Fl\u00fcchtlingen weltweit &#8211; denn eine L\u00f6sung aus? Unser Konsumniveau z.B. ist mittelfristig t\u00f6dlich f\u00fcr das, was wir als Errungenschaft der Zivilisation erachten. Umverteilung innerhalb von Deutschland wir nur dauerhaft als L\u00f6sung funktionieren, wenn sie in eine globale Umverteilung eingebettet ist. Wie das Ganze umsetzen?<br \/>\nWie also kann ein demokratisch gesteuertes System der wirtschaftlichen Schrumpfung im &#8220;globalen Westen&#8221; auf ein menschliches Ma\u00df aus, also in dem Sinne, dass wir anerkennen, dass alle Menschen gleich an W\u00fcrde sind und damit \u00fcber die gleichen Chancen auf Leben, auf Gl\u00fcck und Gesundheit verf\u00fcgen m\u00fcssen?<br \/>\nDaran w\u00fcrde ich gerne weiter diskutieren.<\/p>\n<h3><strong>Beitrag von blog1 vom 20.7., angeregt durch die vorherigen Beitr\u00e4ge:<\/strong><\/h3>\n<p>Es ist aus meiner Sicht trivial, dass eine Nachkriegsgesellschaft einen enormen Nachholbedarf an Konsumg\u00fctern, aber auch an Investitionsg\u00fctern hervorbringt. Wenn man einen Krieg und die daraus resultierenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen als singul\u00e4r bezeichnet, hat Mausfeld nat\u00fcrlich Recht. Mausfeld argumentiert aber, dass ein so genannter Klassenkompromiss zustande kam, der den Kapitalismus mit der Demokratie eine Zeitlang auss\u00f6hnte, dieser sich aber nicht wiederholen l\u00e4sst. Man k\u00f6nnte auch sagen, wenn es genug zu verteilen gibt, ist die Wahrscheinlichkeit von Verteilungsk\u00e4mpfen eher gering.<\/p>\n<p>Der technologische Fortschritt (Beispiel Waschmaschine) ist jedoch nicht singul\u00e4r, sondern ein permanenter Prozess. Immer dann, wenn ein Produkt zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt kommt, generiert es Nachfrage, d.h. eine breite Masse muss auch in der Lage sein, dieses Produkt kaufen zu k\u00f6nnen. Die J\u00fcnger des Neoliberalismus postulieren aber eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, d.h. man muss ein Produkt nur g\u00fcnstig genug machen, dann wird es auch gekauft. Wenn aber die Lohnentwicklung f\u00fcr 40% der Bev\u00f6lkerung in den letzten Jahren 2 Jahrzehnten aufgrund eines massiven Lohndumpings hinter der Preisentwicklung zur\u00fcckgeblieben ist, kaufen die betroffenen Personen nur das, was sie zum t\u00e4glichen Bedarf dringend ben\u00f6tigen, ganz zu schweigen von \u00e4lteren Personen, die mit einer k\u00e4rglichen Rente auskommen m\u00fcssen. Deshalb auch der ph\u00e4nomenale Aufstieg der Discounter bei gleichzeitiger Verdr\u00e4ngung der Tante-Emma-L\u00e4den. Die Frage ist doch, ob wir ein Wachstum von mehr als 2% ben\u00f6tigen, um einen Wohlstandsgewinn f\u00fcr die breite Masse zu generieren oder ob es nicht ausreicht, eine andere Verteilung der in den letzten Jahrzehnten erzielten Produktivit\u00e4tsgewinne zu erreichen. Der Neoliberalismus hat daf\u00fcr gesorgt, dass es in den letzten 2 Jahrzehnten zu einer massiven Verschiebung von Einkommen und Verm\u00f6gen zugunsten der reichsten 10% der Bev\u00f6lkerung gekommen ist. Ich vermag nicht einzusehen, warum diese Entwicklung nicht wieder zur\u00fcckgedreht werden kann. Wenn man aber wie Mausfeld argumentiert, dass der Kapitalismus demokratiefeindlich ist und sich letzten Endes auch wohlstandsfeindlich f\u00fcr die breite Bev\u00f6lkerung auswirkt, postuliert ein anderes System, das er aber nicht n\u00e4her pr\u00e4zisiert. Wenn die Politik und die so genannte Eliten daf\u00fcr gesorgt haben, dass die ohnehin sinkenden Wachstumsgewinne in den Taschen weniger gelandet sind, braucht man sich nicht wundern, dass f\u00fcr einen Gro\u00dfteil nichts mehr \u00fcbrigbleibt.<\/p>\n<h3><strong>Mein Beitrag vom 20.7.18, angeregt durch die vorherigen Beitr\u00e4ge:<\/strong><\/h3>\n<p>Beim Lesen stellt sich mir die Frage, ist nicht jede geschichtliche Situation einmalig (auch wenn es \u00c4hnlichkeiten und wahrscheinlich auch Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten gibt) und was bringt die Diskussion dieser Frage?<br \/>\nEines scheint mir ziemlich klar zu sein, der einfache Satz, &#8220;Geld regiert die Welt&#8221; ist viel allgegenw\u00e4rtiger, als wir es t\u00e4glich wahr nehmen und das &#8220;gro\u00dfe&#8221;, bzw. &#8220;ganz gro\u00dfe&#8221; Geld verf\u00fcgt \u00fcber alle Mittel, sich die Gesellschaft nach den eigenen Interessen und Zielen zu gestalten. Und dar\u00fcber, wie es das macht, sollte viel mehr diskutiert werden, aber diejenigen, die \u00fcber das gro\u00dfe Geld verf\u00fcgen und damit an den wirklichen Schalthebeln der Macht sitzen, haben daran nat\u00fcrlich kein Interesse. Was wir aber brauchen und dem entgegenstellen m\u00fcssen, ist eine gro\u00dfe Offensive im Interesse des Gemeinwohls. Und wir brauchen L\u00f6sungsans\u00e4tze, wie es gelingen kann, dass das Gemeinwohl so viel Kraft entfaltet, dass es die Macht des gro\u00dfen Geldes einhegen kann. Da finde ich, wirken die L\u00f6sungsans\u00e4tze der 12 neuen SPD-Mitglieder und auch Andreas, Deine \u00dcberlegungen zum Thema schon in die richtige Richtung und insofern kann ich diese Thesen oder Ziele nur unterst\u00fctzen.<br \/>\nMeines Erachtens brauchen wir aber nicht nur eine Erneuerung der SPD, das greift zu kurz, wir brauchen eine Erneuerung der demokratischen Zivilgesellschaft, &#8220;neues Denken&#8221;, wie es \u00fcbrigens im letzten Wahlkampf aus meiner Wahrnehmung als einziger Hr. Christian Lindner richtig formuliert hat (was nicht bedeutet, dass er meine Sympathie genie\u00dft). Und beim Thema Demokratie in unseren heutigen, hoch entwickelten Gesellschaften, reicht es meines Erachtens nicht, die Gewaltenteilung auf 3 Kategorien, die Legislative, die Exekutive und die Judikative zu beschr\u00e4nken, es geh\u00f6ren meiner Auffassung nach mindestens 2 weitere Komponenten dazu, die Wirtschaft, einschlie\u00dflich Finanzen und das Medienwesen, bzw. die \u00f6ffentlichen Meinungsbildungsprozesse. Zumindest in der Wirtschaft gibt es gewisse Ans\u00e4tze, die aber insgesamt zu kurz greifen und noch nicht der Weisheit letzter Schluss sind, wie z.B das Betriebsverfassungsgesetz mit Betriebsr\u00e4ten und Gewerkschaften. Aber wir wissen alle aus eigener Erfahrung, auch Betriebsr\u00e4te und Gewerkschaftsfunktion\u00e4re sind schon der Macht des gro\u00dfen Geldes erlegen. Und bei den \u00f6ffentlichen Meinungsbildungsprozessen sp\u00fcre ich bisher, au\u00dfer der Existenz des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens, gar keine Ans\u00e4tze, die in die richtige Richtung zielen und auch der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk und das Fernsehen sind durchaus verbesserungsw\u00fcrdig. Mir scheint, die beiden letztgenannten Kategorien (Wirtschaft und \u00f6ffentlichen Meinungsbildungsprozess) stehen im gewissen Sinne sogar \u00fcber der Legislative, der Exekutive und der Judikative und insofern sollten wir viel mehr dar\u00fcber nachdenken und offensiv diskutieren, wie wir diese Kategorien im Sinne des Gemeinwohls optimieren k\u00f6nnen.<br \/>\nDas sagt sich alles ziemlich leicht, ich bin mir durchaus bewusst, dass dies ein sehr schwerer Weg wird, aber so verstehe ich die Radikalit\u00e4t, die wir brauchen um Realisten zu werden (wovon Robert Habeck gesprochen hat). Und jeden noch so kleinen Schritt, der in die richtige Richtung zielt, sollten wir unterst\u00fctzen und nicht gleich damit abtun, dass er nicht weit genug greift.<br \/>\nIch hoffe, ich habe Euch damit nicht zu sehr gelangweilt. Ich kann Andreas&#8217; Wunsch nur zustimmen, in diese Richtung sollten wir die Diskussionen vertiefen und konkretisieren, damit wir gangbare Wege finden.<\/p>\n<p><small>Bildquelle: <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.pixelio.de\/media\/665860\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a9 Rainer Sturm \/ pixelio.de<\/a><\/small><\/p>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4374 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4374')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4374').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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