{"id":4342,"date":"2018-07-02T10:16:49","date_gmt":"2018-07-02T08:16:49","guid":{"rendered":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4342"},"modified":"2018-07-02T20:22:12","modified_gmt":"2018-07-02T18:22:12","slug":"das-kleine-glueck-und-ehrliche-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4342","title":{"rendered":"Das \u201ekleine Gl\u00fcck\u201c und \u201eehrliche Arbeit&#8221;!?"},"content":{"rendered":"<h3>Im Alltag und die gro\u00dfen Hindernisse auf dem Weg dorthin.<br \/>\nVom Anfang und vom Ende her gedacht.<\/h3>\n<p><strong>von <a title=\"\" href=\"http:\/\/www.anyupae.com\/deutsch\/buch-2-fragment-fraktal\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stefan Frischauf<\/a><\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/seefeuer-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/seefeuer-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"323\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Szene aus &#8220;Seefeuer&#8221; \u00a9 Weltkino Filmverleih GmbH<\/p><\/div>\n<p>Nicht \u201eder Gewinner, der alles bekommt\u201c ist das \u201eMa\u00df aller Dinge\u201c. Er oder sie neigt auch viel zu sehr dazu, satt und selbstgef\u00e4llig zu werden in Anbetracht der H\u00f6he der Belohnung, die er oder sie da \u201eabr\u00e4umt\u201c.<\/p>\n<p>Es sind vielmehr \u201eder kleine Mann\u201c und \u201edie kleine Frau\u201c, die mit ihrer Arbeit \u201eGesellschaft tragen\u201c. Ihr Wille jedoch, \u201egute und ehrliche Arbeit\u201c zu leisten, wird viel zu wenig gef\u00f6rdert. Denn eine angemessene Bezahlung, die eine ausk\u00f6mmliche Balance zwischen Leben, Wohnen und Arbeiten erm\u00f6glicht, ist sowohl Anerkennung, als auch F\u00f6rderung von Leistungsbereitschaft.<sup id=\"fnref:1\"><a href=\"#fn:1\" rel=\"footnote\">1<\/a><\/sup><!--more--><\/p>\n<p>Forscher haben schon vor L\u00e4ngerem nachgewiesen, dass es die kleinen bis mittleren, die \u201eangemessenen Belohnungen\u201c sind, die die Menschen am meisten motivieren. Die sie auch dazu bringen, weiterhin \u201egute und ehrliche Arbeit\u201c zu leisten und vor allem auch, diese weiter zu verbessern.<sup id=\"fnref:2\"><a href=\"#fn:2\" rel=\"footnote\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Wie kann so etwas in der allt\u00e4glichen Praxis des beruflichen Alltags aussehen?<br \/>\nUnd was sind die gr\u00f6\u00dften Hindernisse bei der Durchf\u00fchrung solcher Ma\u00dfnahmen?<sup id=\"fnref:3\"><a href=\"#fn:3\" rel=\"footnote\">3<\/a><\/sup><br \/>\nDies soll hier an zwei essentiellen \u00fcbertragbaren Beispielen verdeutlicht werden:<br \/>\nVom Anfang her gedacht \u2013 Erziehungswesen und Grundschulp\u00e4dagogik.<br \/>\nVon Mitte und Ende her gedacht \u2013 Pflege von Kranken und Alten.<\/p>\n<h4><strong>\u201eAngebot und Nachfrage\u201c im Gleichgewicht<\/strong><\/h4>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Auf so genannten \u201efreien M\u00e4rkten\u201c scheint diese f\u00fcr alle Arten von M\u00e4rkten geltende Grundregel der sich gegenseitig bedingenden Parameter \u201eAngebot und Nachfrage\u201c seltsam au\u00dfer Kraft gesetzt. Auf manchen Ebenen, wo es ja auch um existentielle Fragen geht, scheint diese Grundregel gar ausgehebelt. Und nirgendwo bei uns ist dies so augenf\u00e4llig wie in den wesentlichen Bereichen der \u201eDaseinsf\u00fcrsorge\u201c und \u201eDaseinsvorsorge\u201c des Sozialstaats.<\/p>\n<p>Gilt da die Grundregel: wo kein kurzfristiger hoher Profit zu machen ist, da hat der \u201efreie Markt\u201c der \u201eliberalen Demokratie\u201c auch kaum Interesse, die Themen zu verbessern? Zu investieren und mehr? Menschen und ihre Leistungsbereitschaft anzuerkennen? Zu f\u00f6rdern? Auch wenn es sich um langfristige \u201eWerte\u201c handelt? Um wesentliche Themen der Zukunft?<\/p>\n<p>Gesunde und die Welt mit offenen Augen, Nasen und Ohren \u2013 mit allen Sinnen erkundende Kinder sind da so ein Thema.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen in diesem Bereich \u201ekleine Motivations- und Belohnungssch\u00fcbe\u201c ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen motivieren?<br \/>\nZufriedenheit st\u00e4rken f\u00fcr alle Beteiligten. Zum Wohle also von Allen.<br \/>\nAls wirklicher Dienst an der und f\u00fcr die Gesellschaft?<\/p>\n<p>Eine Erzieherin in einer KiTa, dem fr\u00fcheren \u201eKindergarten\u201c erh\u00e4lt schnell ein festgeschriebenes Gehalt. Nur durch Wechsel zu einem anderen Tr\u00e4ger kann sie dies vielleicht verbessern.<\/p>\n<p>Wenn sie eine Fortbildung macht und drei und sechs Monate nach dieser Schulung ihre F\u00e4higkeit, dieses Wissen anzuwenden getestet wird und ihr dann eine entsprechende kleine Gehaltserh\u00f6hung gew\u00e4hrt werden muss, dann verbessert das f\u00fcr alle Beteiligten die Perspektiven. F\u00fcr die Eltern der Kinder, die die KiTa besuchen, den Tr\u00e4ger und die Erzieherin selbst, deren Weiterbildung eben auch im Rahmen anerkannt wird. Es schafft Vertrauen.<br \/>\nIn eine Zukunft. F\u00fcr und mit Kindern.<\/p>\n<p>Kleine pragmatische M\u00f6glichkeiten, erstarrte Festschreibungen der allt\u00e4glichen Besitzstandswahrung im \u201eneuen Feudalsystem\u201c zu \u00fcberwinden.<br \/>\nF\u00fcr immer mehr, bald alle Menschen. Hier wie dort. Auf alle Bereiche \u00fcbertragbar.<br \/>\nRealismus: weil es darum geht, Menschen zu gewinnen. Ihnen Chancen und M\u00f6glichkeiten zu geben, die Dinge \u2013 ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.<br \/>\nKompetente Partnerschaften forcieren. Anreize geben und Motivationen f\u00f6rdern.<br \/>\nUnd: das N\u00f6tige, das dringend Erforderliche angehen. Nicht permanent wegsehen. Und alles so immer weiter dem Verfall preisgeben.<br \/>\nGebaute und \u201eimmaterielle\u201c Strukturen.<\/p>\n<p>GrundschullehrerInnen von wachsenden Klassen mit mehr als der H\u00e4lfte \u201eKinder mit Migrationshintergrund\u201c, deren Sprache und kulturelle Herkunft eine andere als die deutsche ist, ben\u00f6tigen daf\u00fcr, diese Kinder im Klassenverband weiterzubringen dringendst mehr Unterst\u00fctzung. Eine \u201eIntegrationshelferIn\u201c, der oder die hinten im Klassenraum sitzt und so im Blick hat, welche Kinder an diesem Morgen besonders unaufmerksam sind und vielleicht denn auch sp\u00e4ter anders an den Lernstoff herangef\u00fchrt werden m\u00fcssen, die vielleicht auch an diesem Tag eine ganz andere Form der Zuwendung ben\u00f6tigen, ist da eine dringend erforderliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die LehrerIn vorne. Und das nicht nur in \u201esozialen Brennpunktgebieten\u201c.<\/p>\n<p>Ich selbst konnte einmal beeindruckt miterleben, wie eine Klassenlehrerin alle auch f\u00fcr meine Ohren bisweilen befremdlich klingenden Namen ihrer Erstkl\u00e4ssler nach rund zwei Wochen aus dem ff. parat hatte. Das zeigt eine tiefe Liebe zu diesem Beruf, zu dieser Berufung, die denn auch mehr weitergehende F\u00f6rderung ben\u00f6tigt. Damit diese Liebe wachsen kann. Und die Kinder besser insgesamt im Klassenverband einzeln und in der Gruppe gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDamit Leben und Lernen gro\u00df wie klein mehr Spa\u00df und Freude bereitet.<\/p>\n<p>Dazu sollte die Kooperation von Grundschulen und Sportvereinen auch viel intensiver angeregt werden. Judo sollte einmal die Woche auf dem Angebotsplan, vielleicht auch bald auf dem Lehrplan stehen. \u00dcber das Rangeln und Raufen lernen Kinder da fairen Wettkampf mit Partnern und ganz wichtig \u2013 sie lernen spielerisch fallen und wieder aufstehen. Und das mit Partnern, nicht mit Gegnern.<\/p>\n<p>Zusammen lernen und arbeiten statt Segregation und Vereinzelung und stetiges Gegeneinander: das sollte \u00fcberall zum Motto werden.<\/p>\n<h4><strong>Pflege den oder die anderen wie Du selbst behandelt werden m\u00f6chtest<\/strong><\/h4>\n<p>Wir werden alle \u00e4lter! Zumal in einer zunehmend \u201e\u00fcberalterten\u201c Gesellschaft, die dringendst denn auch des Austauschs zwischen den Generationen und der \u201eAuffrischung\u201c von \u201eInteraktion zwischen Alt und Jung, Gro\u00df und Klein\u201c bedarf.<\/p>\n<p>In der Pflege fehlt genauso wie in der KiTa und der Grundschule ganz viel Personal. Wie kommt\u2019s? Warum wollen junge Menschen nicht mehr Krankenschwestern und -pfleger werden? Warum scheiden viele Pflegekr\u00e4fte fr\u00fch aus dem Job aus?<\/p>\n<p>Das liegt sicher an einer vergleichsweise schlechten Bezahlung und damit verbundener geringer Anerkennung, mangelnden Perspektiven in Sachen berufliches Fortkommen und Aufstieg &#8211; sozial wie bildungstechnisch. Es liegt aber sicher auch am mangelnden Interesse an der Behebung solcher Defizite, an der \u00dcbermacht von Lobbyarbeit von Seiten der \u00c4rzteschaft und damit verbundenen festgeschriebenen Macht- und Befehlsstrukturen: Arbeit mit Pflegern und Schwestern auf Augenh\u00f6he ist individuelle Angelegenheit des einzelnen Arztes, der einzelnen \u00c4rztin.<\/p>\n<p>Institutionell wird sich da eher kritisch be\u00e4ugt: der eine ist oben, der andere darunter. Das ist eben einfach so. War schon immer so. Der Mediziner, der ja derzeit wieder alleine durch den guten Notenschnitt im Abitur seine Zugangsberechtigung zum Medizinstudium erlangt hat, ist die \u201eCreme de la Creme der deutschen Bildungshierarchien\u201c. Pfleger und Schwestern sind f\u00fcr \u201ePfannen- und Urinflaschengesch\u00e4fte\u201c, also f\u00fcr die ganze (Drecks-) Arbeit am Boden zust\u00e4ndig. Stark \u00fcberspitzt. Aber das Interesse, die erforderliche Arbeit auf Augenh\u00f6he auch institutionell und von Seiten des Gesetzgebers organisatorisch zwischen medizinisch-akademischem Personal und Pflegenden abzusichern und somit die Position der inzwischen ja auch vielfach akademisch ausgebildeten Pflegenden zu st\u00e4rken ist da eher gering. Zumal hinter den \u00c4rzten auch die m\u00e4chtige Pharmalobby steht. Schlie\u00dflich verschreiben die die Medikation des Patienten, nicht die Pflegenden. \u201eAlternativlos\u201c also. Einmal mehr.<\/p>\n<p>Pflegende, die ja aufgrund ihrer Kernaufgabe der Patientenbeobachtung auch die Wirkungsweise der vom Arzt verordneten Medikation \u00fcberwachen m\u00fcssen, k\u00f6nnten ja falsche Dosierung oder gar v\u00f6llig fehlerhafte Verordnung anmerken. Sie k\u00f6nnten gar andere Behandlungsformen bei dem jeweiligen Probanden bef\u00fcrworten. Dieser kritische fachliche Dialog jedoch ist in den seltensten F\u00e4llen von Bestand.<\/p>\n<p>Und im Interesse des Pharmavertreters und seiner Verkaufszahlen ist das auf Dauer auch nicht. Also wird dieser kritische fachliche Dialog auch nicht institutionell und legislativ gef\u00f6rdert. Auch wenn die intensivere Arbeit am und mit dem Patienten durch die betreuende Pflegekraft bei entsprechender Anerkennung so sicher sehr viel pragmatischer organisiert und zu besseren therapeutischen Erfolgen gef\u00fchrt werden k\u00f6nnte. Zum Vorteil aller Beteiligten. Gerade auch bei chronischen Krankheitsbildern und deren Verl\u00e4ufen.<\/p>\n<p>Der Staat h\u00e4lt so seine Gesellschaft stetig in Schach. Er hemmt auf diese Art die (Selbst-) Organisation und Bed\u00fcrfniserf\u00fcllung seiner Mitglieder im Interesse einiger Weniger und bremst gesellschaftlichen Fortschritt im Interesse aller aus.<\/p>\n<p>Somit befindet er sich vielleicht auch schon an der Schwelle von der Demokratie zur Tyrannis. In Deutschland denn auch \u2013 an der Schwelle zur \u201e2. Berliner Republik nach dem 3. Reich\u201c. Keine sch\u00f6ne Perspektive. F\u00fcr Keinen.<\/p>\n<p>Und das will doch sicher keiner hier wirklich. Oder, wie ist es, Frau Merkel, Frau Nahles, Herr Scholz und Herr Maas. Und \u2013 Herr Seehofer?<\/p>\n<p>Aber bei dem ganzen Theater der stetigen Problemverschiebung versuchen ja schon ganz andere Personen im Hintergrund, ihr \u201epers\u00f6nliches Gl\u00fcck\u201c an die Fleischt\u00f6pfe der Macht zu setzen. Auf wessen Kosten wohl einmal mehr?<\/p>\n<h4><strong>\u201eEhrliche Arbeit\u201c und \u201eausgebremst beschleunigte Gl\u00fcckssuchen\u201c<\/strong><\/h4>\n<p>Nat\u00fcrlich sind im \u201epost-neoliberalen Zeitalter\u201c, in dem weiterhin alle Regeln und Werte zwecks Besitzstandswahrung und -mehrung einiger Weniger ausgehebelt sind, solche Ratschl\u00e4ge wie hier exemplarisch zu fr\u00fchkindlicher und Grundschulbildung und Pflege von Alten und Kranken f\u00fcr die ber\u00fchmte Katz, die ja auch nichts daf\u00fcr kann.<\/p>\n<p>Letztlich geht\u2019s immer noch darum, viel Theater um dieses nicht immer sch\u00f6ne, in der Nachspielzeit b\u00f6ser werdende Spiel herum zu machen: \u201eWenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es n\u00f6tig, dass alles sich ver\u00e4ndert,\u201c \u2013 wie Giuseppe Tommasi di Lampedusa Tancredi im \u201eGattopardo\u201c sagen l\u00e4sst.<sup id=\"fnref:4\"><a href=\"#fn:4\" rel=\"footnote\">4<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Die Installation des \u201eneuen Feudalsystems\u201c verl\u00e4uft wie das Ausparken am Berg mit zu lange angezogener Handbremse bei einer Kiste mit altem Otto-Motor: Die uns um die Ohren fliegenden Teile des eigenen Motors und der Sto\u00dfstange von Vordermann und Hinterfrau (oder gender-neutral umgekehrt) werden wohl einige andere nachher aufsammeln m\u00fcssen. Viele reden von \u201eEntschleunigung\u201c, weil sie mit diesem seltsamen \u201eFahrverhalten\u201c v\u00f6llig \u00fcberfordert sind, so wie auch Armen Avanessian, \u201eVertreter einer neuen Denkschule namens Akzelerationismus\u201c<sup id=\"fnref:5\"><a href=\"#fn:5\" rel=\"footnote\">5<\/a><\/sup> betont. Der negative Zukunftsbegriff, von dem Avanessian spricht, resultiert eben ma\u00dfgeblich aus diesen \u201eausgebremst beschleunigten Gl\u00fcckssuchen\u201c, die dem einzelnen Gl\u00fcckssucher Beschleunigung suggerieren, wo stetig gebremst wird, weil den Entscheidern da vorne sonst die Kontrolle \u00fcber die eigenen \u201eMarktanteile\u201c und die ihrer Klientel entgleiten w\u00fcrde.<\/p>\n<h4><strong>\u201eNeue Feudalgesellschaften\u201c und aufgebrochene St\u00e4nde<\/strong><\/h4>\n<p>In Deutschland hat man sich mit dem \u201eKastenwesen\u201c, wo da auf verschiedenen Ebenen standesgem\u00e4\u00df abgesichert um die ersten Pl\u00e4tze an veganen und auch mit Fleischbeilagen gef\u00fcllten T\u00f6pfen gestritten wird weitestgehend abgefunden. Deutsches Autorit\u00e4tsgehorsam, das nicht zum ersten Mal vielerorts auch Z\u00fcge von \u201eKadavergehorsam\u201c aufweist. \u201eAmpelkoalitionen\u201c in Rath\u00e4usern zerstreiten sich bis aufs Messer beim Wettstreit mit benachbarten St\u00e4dten um die Organisation von Gro\u00dfkonzerten. Andernorts tr\u00e4umen B\u00fcrger in eher vernachl\u00e4ssigten, strukturschwachen Regionen vom verdichteten Neuaufbau des zerfaserten Kerns der Kleinstadt.<\/p>\n<p>In Italien indes ist das Kastenwesen aufgebrochen. Das ist das Kernergebnis der Wahlen. Die Regierungsbildung zwang zu einer \u201eQuerfront\u201c. Wie eigentlich schon in vielen Staaten. Aber eben auf eine jeweils eigene kulturell gepr\u00e4gte nationale Art. Auch zum Beispiel in China mit seinem \u201eNeo-Konfuzianismus\u201c von Gnaden der KP.<\/p>\n<p>Der laute Mann aus dem Norden gibt derzeit im Stiefel s\u00fcdlich der Alpen den Ton an. Man r\u00e4tselt zwar bisweilen in der italienischen Presse, ob der junge Mann aus der Umgebung von Napoli, der da noch kurz vor den Wahlen zum Parteichef der 5-Sterne-Bewegung (M5S) gek\u00fcrt wurde, Luigi di Maio mit dem pl\u00f6tzlichen Ruhm und der damit verbundenen Verantwortung nicht klarkomme. Vielleicht. Aber M5S hat ma\u00dfgeblich die Wahlen im s\u00fcditalienischen Mezzogiorno gewonnen. Dort wei\u00df man, dass man keine Geschenke, eher Kugeln aus der Lupara, der abges\u00e4gten Schrotflinte zu erwarten hat, wenn man sich weiter unter der Herrschaft der Kaste bewegt. Dort kennt man die Notwendigkeit zur Selbstorganisation, um diesem Terror zu entgehen seit mindestens 150 Jahren.<sup id=\"fnref:6\"><a href=\"#fn:6\" rel=\"footnote\">6<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Die gro\u00dfen K\u00e4mpfer gegen die Mafia, Giovanni Falcone, Paolo Borsellino und viele namenslose andere bis hin zu Ignazio Buttitta kannten ihre Feinde besser als viele Mitglieder der ehrenwerten Gesellschaften selbst. Dieses Wissen und diese Entschlossenheit konnte im Falle der ersten beiden nur mit gewaltigen Sprengstoffladungen zerschlagen werden.<\/p>\n<p>Auch die Einigung Italiens durch Garibaldis Truppen in den 1860er Jahren ging ma\u00dfgeblich vom S\u00fcden aus. Von \u201ePantera\u201c, den massiven Uni-Streiks gegen die Privatisierung der Bildung gerade im S\u00fcden noch vor der ersten Lex Berlusconi und \u201eMani Pulite\u201c \u2013 die \u201esauberen H\u00e4nde\u201c und \u201eTangentopoli\u201c \u2013 dem Aufdecken mafioser Beziehungsnetze bis in die h\u00f6chsten Ebenen der Politik hinein, in deren Rahmen ja auch di Pietro, Falcone und Borsellino mit Kronzeugen wie Tommaso Buscetta agierten ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Wir befinden uns in einem globalen Wirtschaftskrieg mit vielen hei\u00dfen Stellvertreterkriegen. Alte Feindschaften brechen wieder auf. Aber auch neue Einigungsprozesse m\u00fcssen wieder vorangetrieben werden. Auch von Seiten der vielen V\u00f6lker S\u00fcditaliens gegen\u00fcber dem Norden. Und weiter dar\u00fcber hinaus.<sup id=\"fnref:7\"><a href=\"#fn:7\" rel=\"footnote\">7<\/a><\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkungen:<\/p>\n<ol>\n<li id=\"fn:1\"><a href=\"#fnref:1\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a>Zu \u201ekleinen Belohnungssystemen\u201c generell:<br \/>\n<a title=\"\" href=\"https:\/\/www.zeitzuleben.de\/aus-der-gehirnforschung-das-belohnungssystem\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.zeitzuleben.de\/aus-der-gehirnforschung-das-belohnungssystem\/<\/a><\/li>\n<li id=\"fn:2\"><a href=\"#fnref:2\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a>Ein TED-Vortrag von Dan Pink \u00fcber die Wissenschaft der Motivation:<br \/>\n<a title=\"\" href=\"https:\/\/www.ted.com\/talks\/dan_pink_on_motivation?language=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.ted.com\/talks\/dan_pink_on_motivation?language=de<\/a><\/li>\n<li id=\"fn:3\"><a href=\"#fnref:3\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a>Dazu denn auch ein spannender Artikel der Sozialpsychologin Erika D. Price aus Chicago mit der bemerkenswerten Beobachtung: \u201eFaulheit gibt es gar nicht,\u201c und dem Untertitel dazu: \u201eAber unsichtbare Hindernisse gibt\u2019s wohl.\u201c<br \/>\n<a title=\"\" href=\"https:\/\/medium.com\/@dr_eprice\/laziness-does-not-exist-3af27e312d01\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/medium.com\/@dr_eprice\/laziness-does-not-exist-3af27e312d01<\/a><\/li>\n<li id=\"fn:4\"><a href=\"#fnref:4\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a><a title=\"\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Gattopardo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Gattopardo<\/a><\/li>\n<li id=\"fn:5\"><a href=\"#fnref:5\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a><a title=\"\" href=\"https:\/\/www.brandeins.de\/magazine\/brand-eins-wirtschaftsmagazin\/2018\/geduld\/armen-avanessian-interview-wir-haben-keinen-positiven-zukunftsbegriff-mehr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.brandeins.de\/magazine\/brand-eins-wirtschaftsmagazin\/2018\/geduld\/armen-avanessian-interview-wir-haben-keinen-positiven-zukunftsbegriff-mehr<\/a><\/li>\n<li id=\"fn:6\"><a href=\"#fnref:6\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a>\u201eDie Dummheit der Linken\u201c vom r\u00f6mischen Philosophen Paolo Flores d&#8217;Arcais beschreibt sinnf\u00e4llig dabei das Versagen der Linken nicht nur in Italien. Hier bezogen auf das Land in der zweiten Italienischen Republik, die ma\u00dfgeblich von Berlusconi gepr\u00e4gt wurde, w\u00e4hrend Giulio Andreotti die \u201egraue Eminenz\u201c der ersten italienischen Republik nach dem 2. Weltkrieg war: <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2010\/47\/P-Berlusconi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.zeit.de\/2010\/47\/P-Berlusconi<\/a><\/li>\n<li id=\"fn:7\"><a href=\"#fnref:7\" rev=\"footnote\">\u2191<\/a>In &#8220;Kulturzeit extra&#8221; vom 27.06.2018 kommen neben Paolo Flores d&#8217;Arcais auch viele Stimmen aus dem S\u00fcden zu Wort. Neben Leoluca Orlando, Oberb\u00fcrgermeister von Palermo besonders markant darin die Aussage der sizilianischen Journalistin Cinzia Sciuto zur Schlie\u00dfung von Gemeindeh\u00e4usern im S\u00fcden, wo sich die B\u00fcrger fr\u00fcher ausgetauscht hatten. Wo auch Existenzk\u00e4mpfe gegen die organisierte Kriminalit\u00e4t mit B\u00fcndnissen zwischen Kommunisten und dem Klerus begr\u00fcndet wurden.<br \/>\n<a title=\"\" href=\"http:\/\/www.3sat.de\/mediathek\/?mode=play&amp;obj=74426\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.3sat.de\/mediathek\/?mode=play&amp;obj=74426<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>Titelbild: Foto aus \u201eFuocoammare\u201c \u2013 \u201eSeefeuer\u201c, einem Film von Gianfranco Rosi von 2016 \u00fcber die zwischen Sizilien, Tunesien und Libyen gelegene Insel Lampedusa und den Alltag der Menschen vor dem Hintergrund der seit Beginn der 1990er Jahre anhaltenden Ankunft von Fl\u00fcchtlingen dort. Der beeindruckende Film wurde 2016 mit dem Goldenen B\u00e4r auf der Berlinale in Berlin ausgezeichnet.<br \/>\nTrailer zu dem Film: <a title=\"\" href=\"https:\/\/vimeo.com\/256919990\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/vimeo.com\/256919990<\/a>, Quelle Foto: Screenshot<\/p>\n<p>Zum Thema \u201ePflege\u201c wird besonders Geza T\u00f6r\u00f6, Krankenpfleger aus Braunschweig hier noch viel zu erg\u00e4nzen haben. Intensivpfleger mit akademischem Bildungshintergrund \u2013 also \u201ePflegewissenschaftler\u201c und auch sonst mit profundem Wissen und ebensolcher Erfahrung auf vielen Ebenen. Hier eine Webseite von ihm:<br \/>\n<a title=\"\" href=\"https:\/\/oopnursing.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/oopnursing.wordpress.com\/<\/a><\/p>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4342 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4342')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4342').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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