{"id":4294,"date":"2018-05-25T08:28:51","date_gmt":"2018-05-25T06:28:51","guid":{"rendered":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4294"},"modified":"2018-05-25T08:34:20","modified_gmt":"2018-05-25T06:34:20","slug":"antisemitismus-vorwuerfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4294","title":{"rendered":"Antisemitismus-Vorw\u00fcrfe"},"content":{"rendered":"<p>Die S\u00fcddeutsche Zeitung hat die Zusammenarbeit mit den Karikaturisten Dieter Hanitzsch beendet, nachdem sie folgende Zeichnung von ihm am Dienstag, 15.05.2018 gedruckt hatte:<\/p>\n<div style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Hanitzsch_Netanjahu-Karikatur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Hanitzsch_Netanjahu-Karikatur.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"270\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Quelle: S\u00fcddeutsche Zeitung\/Dieter Hanitzsch<\/p><\/div>\n<p>Das eine, was ich in der vergangenen Woche zun\u00e4chst meinte gelernt zu haben, ist der Punkt, dass nachfolgende Variation der Karikatur offenbar f\u00fcr viele, die sich dar\u00fcber aufgeregt haben, nicht antisemitisch gewesen w\u00e4re: <!--more--><\/p>\n<div style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Hanitzsch_Netanjahu-Karikatur_bearbeitet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Hanitzsch_Netanjahu-Karikatur_bearbeitet.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"270\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Collage unter Verwendung einer Karikatur von Kate Salley Palmer<\/p><\/div>\n<p>Gesichtsmerkmale \u00fcberzeichnen durfte man als Karikaturist bei Kohl und Genscher, darf man bei Merkel, Putin und Trump, aber bei einem israelischen Ministerpr\u00e4sidenten wird gleich kollektiviert, dass es sich bei einer satirischen \u00dcberzeichnung gegen die Juden richtet, also antisemitisch ist.<\/p>\n<p>Befremdet hat mich dann aber doch, wer das Ganze ma\u00dfgeblich skandalisiert hat, unser Qualit\u00e4ts- und Leitmedium schlechthin, n\u00e4mlich BILD:<\/p>\n<p>Dazu zweimal auf Twitter mit Links auf die Schlagzeilen im Online-Angebot:<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p dir=\"ltr\" lang=\"de\">Diese Karikatur h\u00e4tte auch im \u0084St\u00fcrmer\u0093 stehen k\u00f6nnen!<a title=\"\" href=\"https:\/\/twitter.com\/SZ?ref_src=twsrc%5Etfw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">@SZ<\/a> <a title=\"\" href=\"https:\/\/twitter.com\/BILD?ref_src=twsrc%5Etfw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">@BILD<\/a> <a title=\"\" href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Antisemitismus?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">#Antisemitismus<\/a> <a title=\"\" href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Satire?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">#Satire<\/a> <a title=\"\" href=\"https:\/\/t.co\/OUYoh1OMMV\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/t.co\/OUYoh1OMMV<\/a><\/p>\n<p>\u2014 Michael Wolffsohn (@M_Wolffsohn) <a title=\"\" href=\"https:\/\/twitter.com\/M_Wolffsohn\/status\/996754564035633152?ref_src=twsrc%5Etfw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">16. Mai 2018<\/a><\/p><\/blockquote>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p dir=\"ltr\" lang=\"de\">Ekelhafte, antisemitische Ausf\u00e4lle! <a title=\"\" href=\"https:\/\/twitter.com\/jreichelt?ref_src=twsrc%5Etfw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">@jreichelt<\/a>&#8216;s Kommentar zum Karikatur-Skandal bei der <a title=\"\" href=\"https:\/\/twitter.com\/SZ?ref_src=twsrc%5Etfw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">@SZ<\/a> und anderswo: <a title=\"\" href=\"https:\/\/t.co\/9M6zeKqCyK\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/t.co\/9M6zeKqCyK<\/a> <a title=\"\" href=\"https:\/\/t.co\/5xEF7CDGAs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pic.twitter.com\/5xEF7CDGAs<\/a><\/p>\n<p>\u2014 BILD (@BILD) <a title=\"\" href=\"https:\/\/twitter.com\/BILD\/status\/996831464271511553?ref_src=twsrc%5Etfw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">16. Mai 2018<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Mich hat die Sache ein wenig mehr besch\u00e4ftigt und ich habe lange gez\u00f6gert, ob und wie ich dazu etwas schreibe. Die Zeichnung ist ja erschienen, nachdem am Rande der Feierlichkeiten im Gazastreifen \u00fcber f\u00fcnfzig Menschen starben, erschossen von israelischen Scharfsch\u00fctzen, wie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.medico.de\/newsletter-system\/052018-schwarzer-montag-in-gaza\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">medico berichtet<\/a>. \u00c4rzte ohne Grenzen\u00a0beklagen, dass\u00a0sich bei den Gaza-Protesten am Montag Schussverletzungen in Brust und Kopf <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/israel-im-oberen-bereich-1.3983805\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">h\u00e4uften<\/a>.<\/p>\n<p>Weiter: die Worte &#8220;N\u00e4chstes Jahr in Jerusalem&#8221; werden traditionell am Ende des Yom-Kippur- und des Pessach-Fests gesungen und besitzen im Judentum eine religi\u00f6se Bedeutung. Ausgesprochen wurde sie aber von der ESC-Gewinnerin Netta &#8211; und aufgegriffen von Netanjahu, der gesagt hat: <em>&#8220;Netta, du bist ein echter Schatz. Du hast dem Staat Israel viel Ehre eingebracht! N\u00e4chstes Jahr in Jerusalem!&#8221;<\/em> (Quelle: <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.laut.de\/news\/netta-barzilai-shitstorm-nach-jerusalem-ansage-15-05-2018-14715\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Netta Barzilai: Shitstorm nach Jerusalem-Ansage<\/a>). Dazu, also dass es sich um ein Originalzitat von Netanjahu handelt, was Hanitzsch ihm da als Sprechblase verpasst hat, habe ich nichts gelesen in Anbetracht der Vielzahl von Beitr\u00e4gen und Interviews, die in diesem Zusammenhang erschienen sind.<\/p>\n<p>Dennoch sind mir einige Beitr\u00e4ge aufgefallen, auf die ich hier verlinken m\u00f6chte:<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/sueddeutsche-zeitung-karikatur-typisch-juedisch-typisch-hanitzsch-a-1208529.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8221;-Karikatur: Typisch j\u00fcdisch? Typisch Hanitzsch! &#8211; SPIEGEL ONLINE<\/a><br \/>\nZitat:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Dieter Hanitzsch soll jetzt Antisemit ein? Echt? Gut, m\u00f6glich ist ja vieles, aber Hanitzsch ist einer, der jahrzehntelang praktisch Hand in Hand mit Dieter Hildebrandt durch die Gegend gesprungen ist &#8211; das w\u00e4re schon sehr \u00fcberraschend.<br \/>\nWesentlich mehr Sinn ergibt eine andere Betrachtungsweise: Ich abonniere seit inzwischen 16 Jahren die &#8220;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8221;. Und nach 16 Jahren mit Karikaturen von Hanitzsch bin ich ziemlich sicher: Der Mann ist kein Antisemit. Er ist nur hoffnungslos \u00fcbersch\u00e4tzt.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p><a title=\"\" href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/empoerung-ueber-karikatur-in-sueddeutscher-zeitung-ich.2907.de.html?dram:article_id=418176\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Emp\u00f6rung \u00fcber Karikatur in &#8220;S\u00fcddeutscher Zeitung&#8221; &#8211; &#8220;Ich erkenne keinen Antisemitismus&#8221;<\/a><br \/>\nInteressante Aussagen von Wolfgang Benz, langj\u00e4hriger Leiter des Zentrums f\u00fcr Antisemitismusforschung, Zitat:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Ich erkenne keinen Antisemitismus in dieser Karikatur. Aber selbstverst\u00e4ndlich: Zwei Experten in Sachen Judenfeindschaft ergibt mindestens drei unterschiedliche Meinungen. (&#8230;)<br \/>\nDas Bild, diese Karikatur ist auf jeden Fall ziemlich unfreundlich gegen\u00fcber dem Ministerpr\u00e4sidenten des Landes Israel. Ist das identisch mit Antisemitismus? Ist das identisch mit judenfeindlich? Ist das, wie die Bild-Zeitung vermutet, identisch mit Nazi-Juden-Feindschaft? Ich glaube, da muss man doch sehr stark differenzieren.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Online-Auftritt vom Freitag ist dann ein <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/elsa-koester\/bist-du-jude\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview<\/a> erschienen, dass ich deswegen interessant finde, weil es hier <em>&#8220;\u00fcber den schmalen Grat zwischen Antisemitismus, Israelhass und Solidarit\u00e4t mit Pal\u00e4stinensern in Deutschland&#8221;<\/em> geht. Der Interviewte, Yossi Bartal, findet die Karikatur zwar antisemitisch (sh. auch Nase und Ohren ganz oben), legt aber &#8211; selbst in Jerusalem\u00a0 geboren &#8211; differenziert dar, wie schwierig es ist in Deutschland die israelische Politik zu kritisieren ohne selbst in die Kritik zu geraten. Hier ein Auszug:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"interview-answer\" data-aside-score=\"-1\"><strong>&#8220;Sie k\u00f6nnen muslimischen Antisemitismus deshalb nachvollziehen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"interview-answer\" data-aside-score=\"-1\">Man muss vorsichtig sein mit den Begriffen. Was ich nachvollziehen kann, ist der Hass einiger Pal\u00e4stinenser auf den Staat Israel. Wie ich den Hass der Kurden auf den t\u00fcrkischen Staat nachvollziehen kann, der sie unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p class=\"interview-question\" data-aside-score=\"0\"><strong>Wie kann man einen Staat hassen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"interview-answer\" data-aside-score=\"-1\">Ganz einfach: wenn der Staat, wie dies aktuell in Gaza passiert, als t\u00f6dlicher Staat wahrgenommen wird. Mindestens 59 Pal\u00e4stinenser wurden vom israelischen Milit\u00e4r get\u00f6tet, weil sie an der Grenze von Gaza protestierten, 2700 wurden verletzt. Dieser Staat, das ist f\u00fcr Pal\u00e4stinenser der Stiefel im Gesicht. Dass Israel mehr als nur Repression bedeutet, ist mir als j\u00fcdischer Israeli klar, aber diese Erkenntnis von Menschen zu fordern, die seit 70 Jahren von diesem Staat systematisch unterdr\u00fcckt werden, finde ich extrem zynisch.&#8221;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ganz anders &#8211; jetzt ohne Bezug zur Karikatur von Hanitzsch &#8211; argumentiert <a title=\"\" href=\"https:\/\/niritsommerfeld.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nirit Sommerfeld<\/a>, die ebenfalls in Israel geboren wurde und in Grafing lebt.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Ich besuchte immer h\u00e4ufiger die \u201eBesetzten Gebiete\u201c, also Pal\u00e4stina oder besser gesagt die 22 Prozent, die davon \u00fcbrig geblieben sind und die wir heute als \u201aWestbank\u2019 kennen. Dieses Pal\u00e4stina ist zur H\u00e4lfte mit illegalen j\u00fcdischen Siedlungen bebaut, mit Checkpoints durchsetzt und von einer bis zu acht Meter hohen Trennmauer umzingelt. Die Menschen leben dort unter israelischem Milit\u00e4rrecht \u2013 die pal\u00e4stinensischen Menschen, wohlgemerkt. Die j\u00fcdischen Menschen \u2013 wir nennen sie Siedler \u2013 genie\u00dfen die demokratischen Rechte aller j\u00fcdisch-israelischen Staatsb\u00fcrger.<br \/>\nPal\u00e4stinenserInnen k\u00f6nnen kein selbstbestimmtes Leben f\u00fchren, buchst\u00e4blich jeder Schritt ihres Lebens, jeder Augenblick bei Tag und bei Nacht, ist bestimmt durch eine mittlerweile 51-j\u00e4hrige Milit\u00e4rbesatzung. (&#8230;)<br \/>\nDoch es geht schon lange nicht mehr allein um Kritik am Staate Israel, die noch am einfachsten als \u201eAntisemitismus\u201c gelabelt und mit vermeintlich gutem deutschen Politiker-Gewissen abgew\u00fcrgt werden kann. Es geht um die Beschneidung demokratischer Grundrechte, die \u00fcber die Hintert\u00fcre Einzug h\u00e4lt und sich langsam wie ein Krebsgeschw\u00fcr ausbreitet.&#8221;<br \/>\n(Quelle: <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/das-ende-der-redefreiheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Ende der Redefreiheit | Rubikon<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Damit schlie\u00dft sich dann doch weder der Kreis zu Dieter Hanitzsch, denn seine Redefreiheit ist der Zeichenstift, wovon ihn nun zumindest in der SZ die Chefredaktion abh\u00e4lt. Zum anderen landen wir hier auch bei <a title=\"\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Boycott,_Divestment_and_Sanctions\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BDS<\/a> (Boycott, Divestment, Sanctions). Boykott-Aufrufe werden gleichgesetzt mit der Nazi-Parole &#8220;Kauft nicht bei Juden&#8221;, auf die pers\u00f6nlichen Folgen geht Nirit Sommerfeld in ihrem Beitrag ein.<\/p>\n<p>Warum schreibe ich das Ganze \u00fcberhaupt? Vielleicht, weil Nirit Sommerfeld Recht haben k\u00f6nnte? Ihre Sorge, dass demokratische Grundrechte beschnitten werden, teile ich vor allem im Hinblick auf legitime Kritik an der Politik der israelischen Regierung. Zumal Netanjahu zusammen mit Trump die Konfrontation mit dem Iran zu suchen scheint und Saudi-Arabien an deren Seite steht. Wer soll denn bitte den gew\u00fcnschten &#8220;Regime Change&#8221; im Iran verhindern? Es reicht ja offenbar noch nicht, dass Afghanistan, Irak, Jemen, Libyen und Syrien destabilisiert sind.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus taucht hier wieder einmal das Bild des linken Antisemitismus auf (den es nat\u00fcrlich gibt, wenn es sich z.B. um Israelhass statt -kritik handelt). Gerade die sog. Antideutschen (&#8220;Antideutsche sind eine aus verschiedenen Teilen der radikalen Linken hervorgegangene politische Str\u00f6mung in Deutschland. Sie wenden sich gegen einen spezifisch deutschen Nationalismus, der insbesondere im Zuge der deutschen Wiedervereinigung erstarkt sei. Weitere antideutsche Positionen sind Solidarit\u00e4t mit Israel sowie Gegnerschaft zu Antizionismus, Antiamerikanismus, Islamismus, bestimmten (\u201eregressiven\u201c) Formen des Antikapitalismus und Antiimperialismus.&#8221; Quelle: <a title=\"\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Antideutsche\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>) schie\u00dfen hier sehr schnell gegen Attac, die &#8220;neue Friedensbewegung&#8221; und alle, die sich kritisch zu Israel \u00e4u\u00dfern bzw. solidarisch mit Pal\u00e4stinensern zeigen wollen (und dies dennoch nicht unkritisch gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern tun).<\/p>\n<p>Insgesamt wird eine Linke, eine im tieferen Sinne demokratische und solidarisch orientierte Bewegung damit geschw\u00e4cht, werden doch immer wieder Ressourcen durch innere Auseinandersetzungen gebunden anstatt sich mit den Folgen des ausbeuterischen, umweltzerst\u00f6renden und kriegerischen globalen Kapitalismus und der Konkurrenz zwischen darin eingebetteten Staaten zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Gut, die SZ steht jetzt nicht im Verdacht zur Linken zu geh\u00f6ren. Und dennoch trifft sie die Antisemitismus-Keule wohl zu Unrecht. Die <a title=\"\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kolumne\/in-eigener-sache-stereotype-und-klischees-1.3986184\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Empfindlichkeit der Redaktion<\/a> allerdings, die zur Beendigung der Zusammenarbeit gef\u00fchrt hat, ist wiederum auch bezeichnend f\u00fcr eine Gesellschaft, in der eine Karikatur ein solches Emp\u00f6rungsvolumen ausl\u00f6sen kann, die aber nichts gegen strukturellen Rassismus tut, die die AfD mittlerweile auf zweistellige Wahlergebnisse hochgesp\u00fclt hat.<\/p>\n<p>Da gef\u00e4llt mir sehr die Haltung von Tobias Riegel auf den <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44023\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NachDenkSeiten<\/a>, wenn er schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn die oben beschriebene \u2013 durch die deutsche Geschichte gerechtfertigte \u2013 \u201eUngleichbehandlung\u201c des Antisemitismus ein bestimmtes Ma\u00df \u00fcberschreitet, wird sie zur Heuchelei. Und dann kann man die \u201eS\u00fcddeutsche Zeitung\u201c durchaus fragen, warum die Beleidigung des t\u00fcrkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan als \u201eZiegenficker\u201c ein Beitrag zur \u201e<a title=\"\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/news\/wirtschaft\/medien-boehmermann-und-die-kunstfreiheit-siegen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-161004-99-691644\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunstfreiheit<\/a>\u201c sein soll, die Darstellung Netanjahus mit gro\u00dfen Ohren aber ein schweres Delikt. Oder man k\u00f6nnte Au\u00dfenminister Heiko Maas fragen, warum er sich h\u00f6chst emotional zu einem Fall <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.bild.de\/regional\/berlin\/antisemitismus\/chronik-der-uebergriffe-auf-juedische-schueler-55202050.bild.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00e4u\u00dfert<\/a>, bei dem ein j\u00fcdisches M\u00e4dchen an einer Berliner Schule gemobbt worden sein soll, wenn er sich gleichzeitig (als Au\u00dfenminister) noch nie zum t\u00e4glichen Schul-Mobbing gegen andere Minderheiten ge\u00e4u\u00dfert hat.<\/p>\n<p>Hier soll keineswegs die gleiche Strenge gegen islamfeindliche Karikaturen gefordert werden, die gegen \u201eantisemitische\u201c Werke praktiziert wird. Im Gegenteil \u2013 alle sollen ihr Fett wegbekommen. Und: Mehr Gelassenheit auf allen Seiten ist gefragt. W\u00e4re es nicht an der Zeit, die extremen Empfindlichkeiten, die vielen gesellschaftlichen Gruppen hierzulande medial <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.fischerverlage.de\/buch\/erwachsenensprache\/9783596298778\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anerzogen wurden<\/a>, behutsam wieder zur\u00fcckzufahren? Justiziable \u00c4u\u00dferungen gegen Juden oder andere Minderheiten m\u00fcssen streng geahndet werden. Aber abgesehen davon: Das hysterische mediale Eintreten gegen jede verbale oder k\u00fcnstlerische \u201eEntgleisung\u201c kann sich in ihrer Wirkung auch verkehren \u2013 die Hypersensibilit\u00e4t bedeutet dann keinen Schutz mehr f\u00fcr die betroffene Gruppe, sondern das Gegenteil: Wenn Worte \u00fcberm\u00e4\u00dfig aufgeladen werden, verschlimmert das auch die Verletzung bei den Betroffenen, wenn diese Worte gebraucht werden.<\/p><\/blockquote>\n<p><span class=\" UFICommentActorAndBody\"><span data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;K&quot;}\"><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">Der Begriff Antisemitismus ist zudem unscharf, vgl. die ausf\u00fchrliche Darstellung bei <a title=\"\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Judenfeindlichkeit#Entstehung_und_Bedeutung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>. Und deshalb versteht selbst jede\/r reflektierte und politisch bewusst denkende Mensch im Zweifel darunter etwas anderes. Und die besondere Empfindlichkeit, die es in Deutschland zu Recht gibt, ist leider viel zu schnell emotional, wodurch die Antisemitismus-Keule so leicht als Waffe eingesetzt werden kann. Stattdessen w\u00e4re doch gerade eine gelingende Kombination aus Sensibilit\u00e4t und Rationalit\u00e4t hilfreich, konstruktive Debatten zu f\u00fchren. <\/span><\/span><\/span><span class=\" UFICommentActorAndBody\"><span data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;K&quot;}\"><span class=\"UFICommentBody _1n4g\">Aber das passt ja nicht in die heutige Aufmerksamkeits\u00f6konomie und liefert keine Schlagzeilen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Anmerkung in eigener Sache:<br \/>\nWir respektieren grunds\u00e4tzlich das Urheberrecht. Allerdings ist die Karikatur von Dieter Hanitzsch und die Reaktion der S\u00fcddeutschen Zeitung Gegenstand einer breiten Debatte. Insofern \u00fcberwiegt hier unseres Erachtens das \u00f6ffentliche Interesse, was eine Wiedergabe in unseren Augen gerechtfertigt erscheinen l\u00e4sst. Und die bearbeitete Grafik unter Verwendung einer <a title=\"\" href=\"http:\/\/palmertalk.blogspot.de\/2012\/02\/caricatures-benjamin-netanyahu-and.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zeichnung der amerikanischen politischen Karikaturistin Kate Salley Palmer<\/a> dient lediglich zur Verdeutlichung und soll die Werke der beiden K\u00fcnstler in keiner Weise schm\u00e4lern.<\/em><\/p>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=4294&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4294 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4294')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4294').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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