{"id":392,"date":"2014-07-31T10:45:51","date_gmt":"2014-07-31T09:45:51","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=392"},"modified":"2014-07-31T10:45:51","modified_gmt":"2014-07-31T09:45:51","slug":"der-sieg-der-oekonomie-und-kapitalismus-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=392","title":{"rendered":"Der Sieg der \u00d6konomie und Kapitalismus-Kritik"},"content":{"rendered":"<p>Auf den NachDenkSeiten erschien am 18.07.2014 ein <a title=\"\u201eDer Sieg der \u00d6konomie \u00fcber das Leben\u201c \u2013 Zum Gedenken an Robert Kurz\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22438\" target=\"_blank\">Beitrag<\/a> von G\u00f6tz Eisenberg anl\u00e4sslich des zweiten Todestages des radikalen Kapitalismuskritikers Robert Kurz. Hier als Auszug das Resumee:<\/p>\n<blockquote><p>Robert Kurz wurde nicht m\u00fcde, uns an die M\u00f6glichkeit zu erinnern, die wild gewordene \u00d6konomie zur\u00fcckzupfeifen und an eine gesellschaftliche Leine zu legen. Wir ben\u00f6tigen eine \u00d6konomie, die nicht l\u00e4nger nach Geldkategorien und den \u00c4quivalenzkriterien des Warentauschs verf\u00e4hrt, sondern ihre Praxis an naturalen Gr\u00f6\u00dfen und sinnlichen Bed\u00fcrfnis- und \u00f6kologischen Vertr\u00e4glichkeitskriterien ausrichtet. Es wird immer dringlicher, den intellektuellen Mut aufzubringen, uns eine Welt jenseits von Ware und Geld vorstellen zu k\u00f6nnen und uns praktisch f\u00fcr ihre Verwirklichung einzusetzen.<br \/>\nAlles andere schien Robert Kurz utopisch.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zeitgleich erschien eine <a title=\"Wenn Kapitalismuskritik zu kurz greift\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22440\" target=\"_blank\">Replik<\/a> von Jens Berger (&#8220;Wenn Kapitalismuskritik zu kurz greift&#8221;), die mich ein wenig entt\u00e4uscht, scheint er doch zu glauben, der Kapitalismus sei nach wie vor durch die Politik zu b\u00e4ndigen, und diese sei &#8211; zumindest theoretisch &#8211; in der Lage, Wege zu finden, dass die inneren Widerspr\u00fcche sich befrieden lassen, Zitat:<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Es ist nicht das Wirtschaftssystem, sondern die Politik, die die Leitplanken wirtschaftlichen Handelns bestimmt. Ein echter Schutz der Umwelt, menschenw\u00fcrdige Arbeitsbedingungen und ein Leben im Einklang mit dem \u201einneren Ich\u201c sind in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem m\u00f6glich, wenn die Gemeinschaft es denn will und die Politik die daf\u00fcr n\u00f6tigen Leitplanken setzt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Erfreulich war f\u00fcr mich dann ein <a title=\"Leserbrief zur Debatte um die Kapitalismus-Kritik zwischen G\u00f6tz Eisenberg und Jens Berger\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22459\" target=\"_blank\">Leserbrief<\/a> von Joke Frerichs, der drei Tage sp\u00e4ter erschien und der mir in die richtige Richtung geht:<\/p>\n<blockquote><p>Auch hinsichtlich der Gestaltungsmacht des Politischen bin ich skeptisch; die Politik ist l\u00e4ngst ein Getriebener und Verb\u00fcndeter der Entwicklung und mitnichten willens oder in der Lage, dieser Einhalt zu gebieten. Der Hinweis auf die Soziale Marktwirtschaft hilft da nicht weiter; sie war m.E. Ausdruck eines historischen Kompromisses der Nachkriegszeit, als die Kumpanei der gro\u00dfen Unternehmen mit dem Faschismus noch stark im allgemeinen Bewusstsein vorhanden war und sogar die CDU in ihrem Ahlener Programm die \u00dcberwindung des Kapitalismus forderte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es ebenso wenig hilfreich, die vorkapitalistische Produktionsweise in irgendeiner Weise zu idealisieren; dazu hat Jens Berger viel Richtiges gesagt. Allerdings bleibt er m.E. zu sehr einem gewissem Wachstumsdenken verpflichtet, das l\u00e4ngst kritisch zu hinterfragen w\u00e4re<\/p><\/blockquote>\n<p>Leider scheint die Debatte schon wieder abzuflachen, Albrecht M\u00fcller hat verk\u00fcndet, dass er mit dem Begriff Kapitalismus wenig anfangen kann, Wolfgang Lieb ist der Begriff dagegen wichtig. Und Jens Berger hat auf seinem eigenen Blog, dem &#8220;Spiegelfechter&#8221; <a title=\"Wo bleiben die Gegenentw\u00fcrfe? \u00bb Spiegelfechter\" href=\"http:\/\/www.spiegelfechter.com\/wordpress\/129707\/wo-bleiben-die-gegenentwuerfe\" target=\"_blank\">verk\u00fcndet<\/a>, dass ihn die Debatte langweilt und ihm die wirklichen Gegenentw\u00fcrfe fehlen.<\/p>\n<p>Langeweile ist nat\u00fcrlich t\u00f6dlich f\u00fcr eine Idee einer lebenswerten Zukunft. Wenn wir das Gef\u00fchl haben, jetzt noch in der besten aller Welten zu leben &#8211; mit Ausnahme der eigenen vor zehn Jahren &#8211; verharren wir in der zunehmend m\u00fchsameren Aufrechterhaltung des Status Quo, wissend, dass uns dies letztlich auf Dauer nicht gelingen kann.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt die Utopie gar nicht so fern. Wenn man Harald Welzer bei seinem Aufruf zum <a title=\"Harald Welzer, Selbst Denken: 32 Punkte\" href=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=199\">Selbst Denken<\/a> folgt, m\u00fcssen wir uns ernst nehmen und Verantwortung f\u00fcr unser eigenes Handeln \u00fcbernehmen, dann beginnt die Utopie im Kleinen zu leben und zu wirken. Bleibt allerdings noch das Problem des weltweit vernetzten globalisierten Kapitalismus, der sich vor der jetzigen Politik viel weniger f\u00fcrchten muss als vor den Br\u00fcchen und Krisen, die er selbst tagt\u00e4glich produziert, weil er Wachstum braucht und dies bisher immer mit zus\u00e4tzlicher Ressourcennutzung und -verschwendung einher ging. Und &#8211; mit Ausnahme der Nachkriegszeit, wie Joke Frerichs richtig schreibt &#8211; scheint der Kapitalismus auch sozial nicht einhegbar zu sein, die Umverteilung zu Gunsten der Verm\u00f6gensbesitzer und zu Lasten der Arbeitnehmer und \u00f6konomisch Schwachen in der Gesellschaft bestimmt das Bild der letzten 35 Jahre.<\/p>\n<p>Also zur\u00fcck zur Utopie: Was k\u00f6nnen und was wollen wir innergesellschaftlich durchsetzen (Stichworte: UmFAIRteilen, Wiedereinf\u00fchrung der Verm\u00f6genssteuer, Entlastung kleiner und Belastung gro\u00dfer Einkommen) und wo braucht es neue Verabredungen und Regularien, die <a href=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=242\">Wohlstand ohne Wachstum<\/a> m\u00f6glich machen?<\/p>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=392&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_392 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_392')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_392').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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