{"id":3669,"date":"2017-03-16T10:46:18","date_gmt":"2017-03-16T09:46:18","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=3669"},"modified":"2017-08-11T22:47:05","modified_gmt":"2017-08-11T20:47:05","slug":"opa-die-kriege-machen-die-erde-kaputt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=3669","title":{"rendered":"Opa, die Kriege machen die Erde kaputt"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 529px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Opa_und_Enkel.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Opa_und_Enkel.png\" alt=\"\" width=\"519\" height=\"390\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Bild: Ludger Elmer<\/p><\/div>\n<p>Mit dem Ball unterm Arm begleitet mich mein kleiner Enkel (6 Jahre alt) auf den Fu\u00dfballplatz. Nachdem wir eine halbe Stunde gekickt haben und durchgefroren sind, machen wir uns auf den Heimweg. Dann kommt es raus: &#8220;Opa, in hundert Jahren, wenn ich schon tot bin, gibt es die Erde nicht mehr.&#8221; &#8220;Warum das denn?&#8221;, meine erstaunte Frage. &#8220;Die Korallenriffe sterben&#8221;, sagt er &#8220;und die Kriege machen die Erde kaputt.&#8221; Ich erz\u00e4hle ihm etwas vom Umweltschutz, vom M\u00fcll in den Meeren und von unserer Gier nach \u00d6l. Meine Tochter sagt mir, er habe das auf KIKA, dem KInderkanal, erfahren. Die haben jeden Abend eine Nachrichtensendung f\u00fcr KInder, die Sendung hei\u00dft logo! und kommt um 19:50 Uhr. Heute haben sie \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der Wasseraufbereitung berichtet, wie aus verdrecktem Wasser Trinkwasser wird und wer das Wasser verunreinigt hat.<!--more--><\/p>\n<p>Am Abend bei Markus Lanz f\u00e4llt das n\u00e4chste Stichwort. Richard David Precht fordert, wir m\u00fcssen unsere Erde &#8220;enkeltauglich&#8221; gestalten. Er meint das ein wenig anders als mein Enkel. Er spricht von den n\u00e4chsten 20 Jahren, in denen die H\u00e4lfte der Jobs wegfallen werden. Die Digitalisierung werde daf\u00fcr sorgen, dass viele T\u00e4tigkeiten im Dienstleistungsbereich, auch eben anspruchsvolle wegfallen werden. Die H\u00e4fte der Juristen wird ihren Arbeitsplatz verlieren. Die deutsche Automobilindustrie, wo heute noch inklusive der Zulieferer 2 Mio Menschen besch\u00e4ftigt sind, wird allenfalls noch 10% davon einen Job geben k\u00f6nnen. Es werden nur noch ein Sechstel der Autos ben\u00f6tigt. In den St\u00e4dten wird es sie nicht mehr geben und parkende Autos braucht niemand mehr. Wir werden eine Flatrate haben und uns das Auto mit dem Smartphone herbeirufen. Die \u00c4rzte werden zu Coaches werden, weil unsere App am Unterarm alle Daten \u00fcber unseren Gesundheitszustand bereitstellen wird. Das ist heute schon Praxis. Precht fordert, die Frage, die wir uns stellen m\u00fcssen, ist nicht, wie wir leben werden sondern wie wir leben wollen.<\/p>\n<p>Die Illusion, damals vom Wirtschaftsminister Ludwig Erhard verk\u00fcndet, war &#8220;Wohlstand f\u00fcr Alle&#8221;, gemeint war durch Arbeit. Aber diese Verhei\u00dfung ist bald nach den siebziger Jahren aufgek\u00fcndigt worden, auch weil die Arbeitszeitreduzierung, die aufgrund der steigenden Produktivit\u00e4t m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, nicht realisiert wurde. An ihre Stelle ist die Ungleichheit gestiegen, weil L\u00f6hne nicht entsprechend der Produktivit\u00e4ten angehoben worden sind. Wie k\u00f6nnen wir also Wohlstand ohne Arbeit sichern? Precht glaubt, die Maschinen-\u00a0 oder Robotersteuer werde nie einen Beitrag leisten, weil die Kapitalisten nicht bereit sein werden, ihre Gewinne zu teilen. Sie h\u00e4tten ja gerade deswegen investiert. Also bleibt bei geringerer Arbeitszeit lediglich die Arbeit ohne Entgelt, also das Ehrenamt und das Grundeinkommen. Feldversuche dazu laufen bereits in D\u00e4nemark und in Finnland. Und dann werde es auch bei uns eingef\u00fchrt werden. Aber wir m\u00fcssten auch wirklich mal dar\u00fcber reden, zum Beispiel jetzt im Wahlkampf 2017.<\/p>\n<p>Precht erinnert uns daran, dass der technische Fortschritt immer bleiben wird. \u00c4ndern wird sich immer nur unsere Einstellung dazu, unsere moralischen Vorstellungen. Die Zukunft, die er beschreibt, ist nicht rosig. Wir werden keine M\u00e4rkte mehr haben sondern nur noch Monopole oder Oligopole und die \u00f6konomische Vernunft sei blind f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Menschen.<\/p>\n<p>Kommt mir da die Diskussion der SPD \u00fcber die soziale Gerechtigkeit und \u00fcber die Korrekturen der Agend 2010 nicht r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt vor? Nein, denn es sind auch gerade Verfechter dieser Agenda, die zugestehen, dass im Umgang mit Hartz IV doch einiges falsch gelaufen sei, dass weitere Programme zur Wiedereingliederung zu entwickeln seien, dass deutlich mehr Betreuer in den Jobcenter ben\u00f6tigt w\u00fcrden, um die Abgeh\u00e4ngten aufzufangen. Nur wenn wir erkennen, welche gesellschaftliche Aufgabe hier zu erledigen ist, k\u00f6nnen wir\u00a0 wohl auch die Frage beantworten, wie das Grundeinkommen zu gestalten, zu finanzieren und zu verteilen ist. Hartz IV ist heute schon ein Grundeinkommen, aber eben kein bedingungsloses sondern ein stark sanktioniertes.<\/p>\n<p>Stephan Lessenich (SZ vom 10.3.17, Seite 13: Phantomschmerztherapie)\u00a0 stellt fest, dass nun auch die Eliten in Deutschland erkennen, dass die Ungleichheit\u00a0 \u00f6konomisch ineffizient und sozial ungerecht ist. Er sieht ein Unbehagen und die deutsche Angst vor dem sozialen Abstieg. Er geht aber weiter:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist das unbestimmte Gef\u00fchl, dass sich die Zeiten radikal wandeln, dass die Voraussetzungen der eigenen Lebensweise nicht mehr gesichert sind, dass die &#8220;gute, alte Zeit&#8221; der ungeheuren Privililegierung der westlichen Wohlstandsgesellschaft im Weltma\u00dfstab zu Ende geht &#8211; und nicht wiederkehren wird. Es ist die Ahnung, dass der Gesellschaftsvertrag des wohlstandskapitalistischen Zeitalters nicht mehr aufrechtzuerhalten ist &#8211; weder von Angela Merkel noch von Martin Schulz.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ist es nur die Sorge um die eigene wirtschaftliche Zukunft, verursacht durch die Schattenseiten der Globalisierung, oder die Gefahr, den Wohlstand mit anderen teilen zu m\u00fcssen, weil wir auf deren Kosten leben &#8211; was treibt die B\u00fcrger mehr um? Lessenich sagt:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist dieses Unbehagen, diese b\u00f6se Ahnung, dass das Beste vorbei ist und die Zukunft &#8211; und zwar nicht nur f\u00fcr die eigenen Kinder &#8211; nichts Gutes mehr verhei\u00dft, die den Erfolg rechtspopulistischer Bewegungen [&#8230;] bis weit in die \u00f6konomisch gesicherten Mittelschichten hinein verst\u00e4ndlich machen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Kann es sein, dass Lessenich hier irrt? Finde ich in den mehrheitsrelevanten Teilen der Gesellschaft, also dort wo sich die W\u00e4hler aller Parteien, die Chancen auf den Einzug in den Bundestag haben, befinden, nur die Ans\u00e4tze einer Politik, die sich dem Abbau der Ressourcen und der steigenden Umweltzerst\u00f6rung nachhaltig entgegenstellt?<\/p>\n<p>Das Unbehagen bekomme ich doch dann zu sp\u00fcren, wenn ich frage, wieviel Fleischkonsum, wieviel Autoverkehr oder wieviel Flugstunden erforderlich sind, damit ich meinen Teil am wachsenden Kuchen sichern kann? Bestimmt es wirklich den Alltag, ob dieses und jenes Handeln eine Auswirkung auf das \u00dcberleben der Korallenriffe hat?<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen hatten vor vier Jahren diesen &#8220;Veggie Day&#8221;, also den vegetarischen Tag in den deutschen Kantinen gefordert und es war ihnen nicht gelungen, die Wirkung vom Fleischkonsum auf den Klimawandel klar zu machen. Sie scheiterten mit diesem Slogan und mussten sich sogar noch gefallen lassen, als Bevormunder zu gelten.<\/p>\n<p>Erhard Eppler und Niko Paech streiten in ihrem <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.oekom.de\/nc\/buecher\/gesamtprogramm\/buch\/was-sie-da-vorhaben-ist-ja-eine-revolution.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kleinen B\u00fcchlein<\/a> trefflich \u00fcber die Anforderungen und die Erfolge der Klimapolitik und die dar\u00fcber hinaus gehenden Herausforderungen, Konsum und Wachstum zu beschr\u00e4nken. Niko Paech sieht die Chancen, die der Politik gegeben sind, sehr pessimistisch (Seite 141f):<\/p>\n<blockquote><p>Sie haben ja recht, wenn Sie sagen, dass eine Strategie der Wachstumsvermeidung oder sogar R\u00fccknahme des Wachstums im Moment nicht nur in Deutschland keine Mehrheiten findet, sondern nirgendwo auf der Welt. Ich glaube ja selbst nicht, dass Politiker einen solchen Wandel voranbringen k\u00f6nnen. Wahlen gewinnt, wer mehr Geld oder neue Freiheiten verspricht. Aber sobald Regierungen Einschr\u00e4nkungen etablieren wollen, sind sie dem Kreuzfeuer der Mehrheit ausgesetzt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie bringe ich das nur meinem Enkel bei, dass die M\u00f6glichkeiten einer wirklich nachhaltigen Ver\u00e4nderung unserer Lebensverh\u00e4ltnisse so gering sind?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf KIKA wird eine <a title=\"\" href=\"http:\/\/www.kika.de\/logo-spezial\/einzelsendung3772.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Extra-Sendung am 17.4. angeboten: <\/a><\/p>\n<blockquote><p>Jennifer Sieglar macht die Umwelt-Challenge! Die logo!-Zuschauer hatten die Wahl. Sie stimmten ab, welchen Herausforderungen sich Jennie stellen soll. Jetzt muss sie jeweils f\u00fcr eine Woche Alternativen zum Auto finden, auf Palm\u00f6l-Produkte verzichten sowie Plastik und Verpackungen vermeiden. Am Anfang ist das gar nicht leicht. Ob Jennie das schafft?<\/p><\/blockquote>\n<p>Da bleibt mir nur die Empfehlung, von <em>B\u00f6rse vor Acht<\/em>, wo die Kurse steigen, wenn Menschen entlassen werden oder die Produktion und der M\u00fcllaussto\u00df wachsen, auf <em>KIKA<\/em> umzuschalten, jeden Abend um 19:50 Uhr, auf <em>logo!<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3669 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3669')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3669').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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