{"id":3446,"date":"2017-01-02T13:36:23","date_gmt":"2017-01-02T12:36:23","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=3446"},"modified":"2023-04-08T22:26:34","modified_gmt":"2023-04-08T20:26:34","slug":"auch-lesbische-schwarze-behinderte-koennen-aetzend-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=3446","title":{"rendered":"Auch Lesbische, Schwarze Behinderte k\u00f6nnen \u00e4tzend sein"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170903193916if_\/https:\/\/www.youtube.com\/embed\/QHTu4ZlOB2U\" width=\"560\" height=\"315\"><\/iframe><\/p>\n<p>Um zu verstehen, was &#8220;Political Correctness&#8221; ist, zun\u00e4chst ein Blick nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Politische_Korrektheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>. Politisch korrekt bin ich dann, wenn ich es vermeide, Gruppierungen von Menschen oder auch Minderheiten, identifiziert nach Rassen, Religionen, Geschlechter und Kulturen, also nach Herkunft, Verhalten und Gesinnung, zu diskriminieren. Gegner dieser politischen Korrektheit bezeichnen ein solche Haltung als nicht erforderliche R\u00fccksichtnahme gegen\u00fcber Minderheiten, sie sprechen dann von Zensur und dass die Redefreiheit eingeschr\u00e4nkt sei. Wir kennen viele ihrer \u00c4u\u00dferungen, die beginnen mit &#8221; &#8230; man wird doch noch sagen d\u00fcrfen &#8230;&#8221; so als wenn man Minderheiten nicht kritisieren d\u00fcrfe. Die\u00a0 Toten Hosen singen allerdings: &#8220;Auch Lesbische, Schwarze Behinderte k\u00f6nnen \u00e4tzend sein.&#8221; Das ist nachvollziehbar und ist politisch korrekt.<\/p>\n<p>Der Angriff\u00a0 auf die politische Korrektheit er\u00f6ffnet aber ein Feld, in dem es um mehr geht als um den Schutz von Minderheiten oder die Verteidigung einer offenen Gesellschaft. Schon 2010 hatte die Bundeskanzlerin &#8220;Multikulti&#8221; f\u00fcr gescheitert erkl\u00e4rt, am Satz des damaligen Bundespr\u00e4sidenten, dass der Islam zu Deutschland geh\u00f6re, kam sie allerdings nicht vorbei bei ca. 4 Millionen Muslime im Land. <!--more--><\/p>\n<p>Unverkennbar verkn\u00fcpft sind die Errungenschaften einer offenen Gesellschaft mit den Anforderungen, die an die heutige vorwiegend national organisierte Sozialpolitik gestellt sind, um die &#8220;Abgeh\u00e4ngten&#8221;, die Verlierer der Globalisierung, das Prekariat aufzufangen.<\/p>\n<p>Kinder allein zu erziehen bedeutet heute f\u00fcr viele M\u00fctter ein gro\u00dfes Armutsrisiko. Warum ist die Zahl der Alleinerziehenden so stark gestiegen? Beg\u00fcnstigt wurde diese Entwicklung vorwiegend durch die Liberalisierung des Scheidungsrechts, das die Unabh\u00e4ngigkeit der Frauen st\u00e4rkte, weil es dem Zerr\u00fcttungsprinzip den Vorrang einr\u00e4umte gegen\u00fcber der Frage nach Schuld und Verantwortung. M\u00fcsste nicht eine entsprechende soziale Besserstellung der M\u00fctter erfolgen, um dem liberalisierten Familienrecht gerecht zu werden? Logisch ist hier also die Forderung nach einer konsistenten Gesellschafts- und Sozialpolitik, z.B. indem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angestrebt wird. Diese Kluft zu \u00fcberwinden, darf nicht dazu f\u00fchren, dass den Forderungen des rechten politischen Spektrums nachgegeben wird, die M\u00fctter wieder zur\u00fcckzubringen zu Heim, Herd und Kindern.<\/p>\n<p>Hillary Clinton, die Pr\u00e4sidentschaftskandidatin der US-Demokraten, hatte in ihrem Wahlkampf auf die &#8220;diversity&#8221; gesetzt. Sie sei deswegen<\/p>\n<blockquote><p>gescheitert, wegen der st\u00e4ndigen Adressierung von Frauen und MInderheiten wie Afroamerikaner, Lations, Lesben, Schwule, Transgender. [&#8230;] Die Demokraten m\u00fcssten sich eingestehen, dass mit der Trump-Wahl das &#8216;Ende des Identity-Liberalismus&#8217; gekommen sei.<\/p>\n<p>Quelle: <a title=\"Umgang mit dem Populismus - Liberaler Katzenjammer\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/populismus-liberaler-katzenjammer-1.3273208\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">S\u00fcddeutsche.de<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Niederlage Clintons erkl\u00e4rt sich aber auch dadurch, da\u00df sie in der sozialen Frage einfach nicht glaubw\u00fcrdig war. Die Vertreterin des Finanzkapitalismus konnte nicht versichern, Arbeitspl\u00e4tze zu retten, wenn in verschiedenen Staaten der Kohleabbau aus Klimaschutzgr\u00fcnden gestoppt werden soll.<\/p>\n<p>Es lassen sich sicherlich viele Beispiele finden, in denen die Achtung der Minderheitenrechte erst die Voraussetzung und die Motivation f\u00fcr eine soziale Politik darstellt, u.a.:<\/p>\n<ul>\n<li>Gleicher Lohn f\u00fcr alle bei gleicher Arbeit, f\u00fcr Frauen und f\u00fcr M\u00e4nner, f\u00fcr Leiharbeiter und f\u00fcr regul\u00e4r Besch\u00e4ftigte<\/li>\n<li>Grundrecht auf Sicherung des Existenzminimums, f\u00fcr Inl\u00e4nder und f\u00fcr Gefl\u00fcchtete<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einen Widerspruch zwischen den B\u00fcrgerrechten und den sozialen Anforderungen darf es nicht geben. Die SZ untertitelt \u00fcbrigens den obigen Artikel:<\/p>\n<blockquote><p>Wer Minderheitenrechte gegen die soziale Frage ausspielt, hat in der Auseinandersetzung mit den Populisten schon verloren. Beides geh\u00f6rte vielmehr immer schon untrennbar zusammen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die rechten Populisten positionieren sich eindeutig: Gegen die offene Gesellschaft, gegen Ausl\u00e4nder und Fl\u00fcchtlinge, gegen den Feminismus und f\u00fcr eine Sozialpolitik, die ausschlie\u00dflich nationale Vorkehrungen gegen die Folgen des Kapitalismus und der Globalisierung bef\u00fcrwortet.<\/p>\n<p>Und wo stehen die Linken?<\/p>\n<p>Thomas Steinfeld formuliert den Vorwurf an die Linken und hebt das Verbindende mit den Rechten hervor (SZ, 28.12.16, S. 13, Thomas Steinfeld, Das Gespenst der anderen):<\/p>\n<blockquote><p>Der linke Rassismus, der darin besteht, einen jeden Angeh\u00f6rigen einer Minderheit als Repr\u00e4sentant einer speziellen &#8220;Kultur&#8221; zu behandeln, kommt in einem rechten Rassismus zur Vollendung, der jeden Deutschen in einen Bannertr\u00e4ger seiner Nation verwandelt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dieser Kritik k\u00f6nnte die Linke leben, der wirklich relevante Einwand gegen die Politik der Linken ist aber ein anderer, n\u00e4mlich die Sozialpolitik vernachl\u00e4ssigt zu haben zu Gunsten der Identit\u00e4tspolitik. Sighard Neckel (SZ, 22.11.16, S. 11, Aus Scham wird Rache) sagt, die Politik der Linken habe die Balance verloren.<\/p>\n<blockquote><p>W\u00e4hrend Ungleichheit aufgrund von Diskriminierung die Welt unserer sozialen Beziehungen in Anerkennung und Missachtung aufteilt, schafft die Ungleichheit der Verteilung eine Rangordnung der wirtschaftlichen Starken und Schwachen. Die zum Liberalismus gewandelte Linke hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten vor allem gegen das \u00dcbel der Diskriminierung engagiert. W\u00e4hrenddessen nahm die wirtschaftliche Ungleichheit ungebremst zu. Der Kampf um die Anerkennung wurde vielfach gewonnen, der Kampf um Umverteilung hingegen ging weitgehend verloren, sofern er von den Linken denn \u00fcberhaupt noch aufgenommen worden ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Chancen der Linken liegen in einem linken Populismus, den die belgische Politologin Chantal Mouffe fordert. Den Menschen m\u00fcsse klargemacht werden, was Privatisierung und Sozialabbau f\u00fcr sie bedeutet, n\u00e4mlich Status- bzw. Wohlstandsverluste (SZ, 29.12.16, S. 11, Interview: Till Briegler, Neue Chancen):<\/p>\n<blockquote><p>Diese Menschen zu erreichen, das verstehe ich unter linkem Populismus. [&#8230;] Benennen, wo das bestehende Regime sich in Unterdr\u00fcckung der Menschen verwandelt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Soll das linker Populismus sein? Da ist es doch besser, einfach linke Politik zu fordern und zu gestalten. Chantal Mouffe h\u00e4lt es nicht f\u00fcr sinnvoll, die Menschen mit dem Thema Neoliberalismus gewinnen zu wollen, weil sie das nicht verstehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Vielmehr dringend notwendig ist doch, den Rahmen f\u00fcr die Identit\u00e4ts- und die Sozialpolitik zu erweitern. Der nationale Bezug &#8211; und das ist dann wirklich sehr unterschiedlich zu den Parolen der Rechten &#8211; reicht einfach nicht mehr aus.<\/p>\n<p>Catherine Hoffmann schreibt in ihrem <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/kommentar-aufwachen-bitte-1.3313737\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kommentar in der SZ<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Auch muss man fragen, warum linke Parteien im Kampf gegen soziale Ungleichheit nicht \u00fcber nationale Grenzen hinweg agieren. Wer unregulierte M\u00e4rkte z\u00e4hmen und globale Konzerne zu Steuermoral bewegen will, wer den Klimawandel stoppen und Globalisierung gestalten will, der braucht supranationale Zusammenarbeit und keine nationale Abschottung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Political Correctness war immer schon grenz\u00fcberschreitend und international.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3446 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3446')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3446').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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