{"id":3081,"date":"2016-04-15T21:08:31","date_gmt":"2016-04-15T19:08:31","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=3081"},"modified":"2016-04-15T21:12:38","modified_gmt":"2016-04-15T19:12:38","slug":"naomi-klein-austeritaet-und-klimawandel-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=3081","title":{"rendered":"Naomi Klein: Austerit\u00e4t und Klimawandel (3)"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/c1.staticflickr.com\/1\/678\/22198412286_8e58cc229f_c.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/c1.staticflickr.com\/1\/678\/22198412286_8e58cc229f_c.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"260\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Foto: Joe Mabel<\/p><\/div>\n<p>Naomi Klein \u00fcberschreibt in ihrem Buch mit dem Titel &#8220;Die Entscheidung, Kapitalismus vs. Klima&#8221; das Kapitel 3:<\/p>\n<blockquote><p>\u00d6ffentliche Versorgung und Kostenpflicht f\u00fcr Umweltverschmutzer<\/p><\/blockquote>\n<p>Deutschland hat im Jahre 2013 fast 25 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien &#8211; Windkraft, Solar, Biogas, Wasser \u2013 gedeckt, nachdem es im Jahre 2000 noch 6 Prozent waren. In den USA sind es in 2013 nur 4 Prozent.<!--more--><\/p>\n<p>Die Stadt M\u00fcnchen, die ihre Energiebetriebe nicht verkauft hat, m\u00f6chte im Jahre 2025 zu 100 Prozent ihren Strom aus Erneuerbaren beziehen. Unverkennbar ist der Trend in Deutschland, dass die Kommunen die Energieerzeugung wieder zur\u00fcckerwerben von den Privaten. Die Rekommunalisierung ist untrennbar verbunden mit dem Willen der B\u00fcrger, den Anteil der Erneuerbaren wirksam zu erh\u00f6hen.<br \/>\nNaomi Klein nennt einen Grund, warum das eine, die kommunale Verantwortung, so zwingend mit dem anderen, der Nutzung erneuerbarer Energien, gekoppelt ist:<\/p>\n<blockquote><p>Ein ausschlie\u00dflich gewinnorientiertes Unternehmen, das bei erneuerbaren Energien, zumindest kurzfristig, sinkende Gewinne bef\u00fcrchten muss, vollzieht den Wandel nicht. (S. 127)<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Kapitel 3 des Buches werden mehrere Studien angef\u00fchrt, die aufzeigen, dass weltweit ein relativ rascher Umstieg auf erneuerbare Energie m\u00f6glich ist. U.a. sagen zwei Professoren der Stanford Universit\u00e4t und der Universit\u00e4t Davis in Kalifornien, dass es rein technisch machbar ist, bis zum Jahre 2030 komplett umzusteigen, inklusive des Bedarfs an elektrischer Energie f\u00fcr Transporte, f\u00fcr Heizungs- und K\u00fchlungssysteme. Eine andere Untersuchung sagt, dass der Staat New York ebenfalls bis 2030 seinen gesamten Energiebedarf mit Erneuerbaren decken k\u00f6nnte \u2013 wenn man es denn nur wollte. (S. 129)<br \/>\nWenn die Austerit\u00e4tspolitik \u2013 also die Einschr\u00e4nkung der \u00f6ffentlichen Ausgaben \u2013 diesen kommunalen Einstieg in die Energieerzeugung behindert, so schw\u00e4cht sie umso mehr das Verm\u00f6gen des Staates, im Katastrophenfall zu helfen. Die \u00dcberschwemmungen, die Gro\u00dfbritannien im Winter 2013\/14 heimsuchten, trafen das Land in einer Situation, in der gerade in der Umweltbeh\u00f6rde 1150 Stellen gestrichen worden waren und fast dreihundert geplante Hochwasserschutzprojekte in ganz England aufgrund von K\u00fcrzungen im Staatshaushalt nicht realisiert wurden. (S. 135)<\/p>\n<blockquote><p>In Griechenland kann sich die Feuerwehr keine Ersatzreifen f\u00fcr ihre L\u00f6schfahrzeuge leisten, die in die brennenden W\u00e4lder fahren. (S. 136)<\/p><\/blockquote>\n<p>Und zu den Aktivit\u00e4ten der Privaten noch eine Bemerkung von Naomi Klein:<\/p>\n<blockquote><p>Wir m\u00fcssen das System zunehmend von der Profitorientierung befreien, so dass es zwar effizient und effektiv arbeitet, aber nicht obsz\u00f6ne Geh\u00e4lter und Boni f\u00fcr die F\u00fchrungskr\u00e4fte und Renditen f\u00fcr die Anleger generiert. (S. 138)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die \u00f6ffentlichen Ausgaben allerdings gehen in die andere, die falsche Richtung. In S\u00fcdeuropa werden Umweltprogramme heruntergeschraubt, Vorrang hat die strikte Austerit\u00e4tspolitik, Subventionen in Erneuerbare-Energie-Projekte werden drastisch gek\u00fcrzt.<br \/>\nUns bleibt aber nicht mehr viel Zeit: Naomi Klein wirbt daher f\u00fcr eine konsequente Verfolgung des Verursacherprinzips:<\/p>\n<blockquote><p>Die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften \u00d6lproduzenten strichen zwischen 2002 und 2010 Gewinne in H\u00f6he von 900 Milliarden Dollar ein. (S. 140)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Fossilunternehmen sind deshalb so reich, weil sie die Kosten f\u00fcr die Entsorgung der Umweltsch\u00e4den auf die Allgemeinheit abgew\u00e4lzt haben.<br \/>\nSie geben an, sie w\u00fcrden Optionen entwickeln f\u00fcr kohlenstoff\u00e4rmere Brennstoffe, sie legen sich sogar ein neues Logo zu: BP, British Petroleum, hat das Symbol von Helios, dem altgriechischen Sonnengott gew\u00e4hlt.<br \/>\nAber, sie investierten nur 4% der insgesamt 100 Milliarden Dollar hohen Gewinne im Jahr 2009 in erneuerbare und alternative Energien. (S. 140)<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Trotz anderslautender Werbung\u201c, so bemerkte die Beobachterin der \u00d6lindustrie, Antonia Juhasz, \u201ehaben sich die gro\u00dfen \u00d6lgesellschaften der Welt entweder ganz aus den alternativen Energien zur\u00fcckgezogen oder ihre Investitionen in diesen Sektor zur\u00fcckgefahren und stattdessen die Ausgaben f\u00fcr noch riskantere und zerst\u00f6rerische \u00d6l- und Erdgasvorkommen verdoppelt.&#8221; (S. 141)<\/p><\/blockquote>\n<p>Und die Verfolgung des Verursacherprinzips w\u00fcrde noch weiter gehen: Die etwa 500 Millionen Reichsten auf der Welt sind f\u00fcr ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der globalen Emissionen verantwortlich.<br \/>\nDie Kosten zur Bew\u00e4ltigung des Klimawandels werden au\u00dferordentlich hoch sein. Naomi Klein nennt einige m\u00f6gliche Einnahmequellen: (S. 144)<\/p>\n<ul>\n<li>Eine geringf\u00fcgige Finanztransaktionssteuer k\u00f6nnte 650 Milliarden Dollar pro Jahr generieren.<\/li>\n<li>Die Schlie\u00dfung von Steuerparadiesen w\u00fcrde zus\u00e4tzliche 190 Milliarden Dollar an Einkommenssteuer erbringen.<\/li>\n<li>Die Vereinten Nationen haben eine 1%-ige Milliard\u00e4rssteuer, Ertrag j\u00e4hrlich 46 Milliarden Dollar, vorgeschlagen.<\/li>\n<li>Die K\u00fcrzung der Milit\u00e4rhaushalte in den zehn L\u00e4ndern mit den h\u00f6chsten Milit\u00e4rhaushalten um 25% w\u00fcrde weitere 325 Milliarden Dollar freisetzen.Steuern von 50 Dollar auf jede Tonne Kohlendioxid ergeben 450 Milliarden Dollar j\u00e4hrlich.<\/li>\n<li>Das Auslaufen der Subventionen f\u00fcr die Fossilindustrie in den entsprechenden L\u00e4ndern werde Ersparnisse von 775 Milliarden Dollar pro Jahr bringen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wirkliche L\u00f6sungen, so Naomi Klein, werden nicht ohne kurz- und mittelfristige Opfer und Unannehmlichkeiten zu haben sein. Es gibt allerdings Erfahrungen mit Beschr\u00e4nkungen in der Krise, also mit Rationierungen, Einsparungen und Preiskontrollen, und sie sind gar nicht so schlecht: (S. 145)<\/p>\n<blockquote><p>In Gro\u00dfbritannien und Nordamerika beispielsweise mussten im Zweiten Weltkrieg alle Schichten den G\u00fcrtel enger schnallen, auch die sehr Wohlhabenden. Das hatte zur Folge, dass zwar der Gesamtkonsum im Vereinigten K\u00f6nigreich um 16 Prozent sank, die Kalorienaufnahme der Armen aber w\u00e4hrend des Krieges stieg, weil die Einkommensschwachen mit den Rationen mehr Nahrung erhielten, als sie sich sonst leisten konnten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn es aber wieder so geht wie in der Finanzkrise, dass die Banken auf Kosten der B\u00fcrger gerettet werden und die Reichen sogar von den Banken bei der Steuerhinterziehung unterst\u00fctzt werden oder die Manager der Konzerne ihre Kunden betr\u00fcgen, Arbeitspl\u00e4tze aufs Spiel setzen und dann noch Boni fordern, dann wird die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr einschneidende Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels nicht mehr vorhanden sein.<br \/>\nZwei Dinge, so Naomi Klein abschlie\u00dfend in diesem Kapitel, sind erforderlich, um den Klimawandel aufzuhalten: eine langfristige staatliche Planung und ein Nein zu m\u00e4chtigen Konzernen.<\/p>\n<p>Das Buch ist erschienen im <a href=\"http:\/\/www.fischerverlage.de\/buch\/die_entscheidung\/9783596031351\" target=\"_blank\">S. Fischer Verlag<\/a>.<br \/>\nSiehe auch die bisher erschienenen Beitr\u00e4ge \u00fcber das Buch von Naomi Klein:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=2823\">Naomi Klein: Die Entscheidung, Kapitalismus vs. Klima<br \/>\n<\/a><a href=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=2868\">Naomi Klein, Die Entscheidung, Kapitalismus vs. Klima (2)<\/a><\/p>\n<p><small>Bildquelle: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/jmabel\/albums\/72157659889125942\" target=\"_blank\">Joe Mabel<\/a> \/ <a title=\"Creative Commons \u2014 Attribution-ShareAlike 2.0 Generic \u2014 CC BY-SA 2.0\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\/\" target=\"_blank\">CC BY-SA 2.0<\/a><br \/>\n<\/small><br \/>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=3081&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3081 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3081')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3081').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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