{"id":2116,"date":"2015-06-07T16:03:44","date_gmt":"2015-06-07T15:03:44","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=2116"},"modified":"2015-06-07T16:03:44","modified_gmt":"2015-06-07T15:03:44","slug":"es-ist-fruehling-im-lande","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=2116","title":{"rendered":"Es ist Fr\u00fchling im Lande"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/P1020644_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/P1020644_01.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"360\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Foto: Ludger Elmer<\/p><\/div>\n<p>An jenem Morgen bin ich eine Stunde fr\u00fcher aufgestanden. Die Lokomotivf\u00fchrer der Deutschen Bahn haben gestreikt, der Fahrplan der M\u00fcnchner S-Bahn war ausged\u00fcnnt. Die Wartenden an der S-Bahn machen ihrem \u00c4rger Luft. Ich frage, ob sie einen Vertrag, also eine Zeitkarte, mit der Deutschen Bahn oder mit der Gewerkschaft abgeschlossen haben? Sie schauen mich verst\u00e4ndnislos an. <!--more--><\/p>\n<p>Ich f\u00fcge hinzu, auch den Streik der Kinderg\u00e4rtnerInnen kann ich verstehen: Sie m\u00fcssen gut ausgebildet sein und sie verdienen zu wenig. Die \u00e4ltere Dame widerspricht mir, sie habe ihr Kind allein erzogen, nebenbei, auch Sonntags, gearbeitet, sie habe das auch geschafft und wir w\u00fcrden diese Kitas gar nicht gebrauchen. Aber jeder Mensch habe eben seine eigene Meinung, gibt sie mir zu verstehen. Ich sage, dass wir die Kitas haben, das sei doch ein Fortschritt und versuche es auf einem anderen Wege, erkl\u00e4re, dass unsere L\u00f6hne hinter der Produktivit\u00e4tssteigerung zur\u00fcckgeblieben sind, dass daher die st\u00e4ndig wachsende Ungleichheit komme und dass auf der Basis der heutigen Mindestl\u00f6hne und gezahlten Entgelte im Niedriglohnsektor es zuk\u00fcnftig keine Rente geben werde, von denen man wirklich leben k\u00f6nne, damit drohe f\u00fcr immer mehr Menschen die Altersarmut. \u201eDa haben Sie Recht!\u201c sagte die Dame. Dann kam die S-Bahn.<\/p>\n<p>Am gleichen Abend beim Skatspiel muss ich mir anh\u00f6ren, ich h\u00e4tte ja \u201egut reden\u201c, als Rentner sei ich nicht so auf die P\u00fcnktlichkeit der Bahn angewiesen. Ich m\u00fcsste keine drei Stunden bei Wind und Wetter warten und \u201emir die Beine in den Bauch\u201c stehen. Da ist es mir umso schwerer gefallen, zu begr\u00fcnden, dass hier das Streikrecht auf dem Spiel steht und dass Streiks weh tun m\u00fcssen, sonst sind sie wirkungslos.<\/p>\n<p>Heute tagen die Politiker der G7 in Elmau, in den Alpen. Verstehe, wer will, dass sie dorthin gehen m\u00fcssen und dass die Veranstaltung 400 Mio \u20ac kostet. Der Leitartikler der SZ nennt dieses Treffen ein \u201egigantomanisches Event, dessen Hauptzweck darin zu bestehen scheint, dass es stattfindet.\u201c Aber den Demonstranten gibt er auch eins mit: \u201eDie Sause von Elmau best\u00e4rkt die Vorurteile jener, die ohnehin von ihren Vorurteilen leben.\u201c (SZ, 6.\/7. Juni, S.4) Da kann der Unsinn noch so gro\u00df sein, diejenigen, die dagegen protestieren und in M\u00fcnchen waren es vor einigen Tagen 40.000 Menschen, werden nicht ernsthaft wahrgenommen, sie werden abgekanzelt.<\/p>\n<p>400 Mio \u20ac hier, 2 Mrd \u20ac dort! Das ist die Summe, die der bayerischen Staatsminister, der Ministerpr\u00e4sident werden will, nennt, wenn es um die Kosten der Fl\u00fcchtlingsunterbringung in Bayern geht. Damit k\u00f6nne man sehr viele dringend ben\u00f6tigte Lehrer und Kinderg\u00e4rtnerInnnen einstellen. Ich bin mir sicher, wenn er das Geld h\u00e4tte, er w\u00fcrde es daf\u00fcr sicherlich nicht ausgeben. Dann w\u00e4re die schwarze Null eben wichtiger. Aber der Schreiber der SZ nennt die Ausf\u00fchrungen dieses Staatsministers wenigstens eine \u201esubtile Hetze\u201c. (SZ, 6.\/7. Juni, S.R15)<\/p>\n<p>In meinem Dorf sind mittlerweile drei kosovarische bzw. albanische Familien angekommen und aufgenommen worden. Der private Helferkreis organisiert die Ankunft, die notwendigen Beh\u00f6rdeng\u00e4nge, unterst\u00fctzt beim Einkaufen, sammelt Dinge des t\u00e4glichen Lebens f\u00fcr die Unterkunft, k\u00fcmmert sich um den Sprachunterricht f\u00fcr die erwachsene Familienmitglieder. Es wird \u00fcberlegt, ob man gebrauchte Fahrr\u00e4der schenken soll oder ob die Fl\u00fcchtlinge sich diese selber zu kaufen h\u00e4tten. Ein Albaner, der schon einige Jahre in Deutschland lebt, schildert die finanzielle Situation vieler Familien heute in seinem Land. Sie m\u00fcssen mit 200 \u20ac im Monat auskommen. Da begreife ich, wie unangebracht dieser Ausdruck \u201eWirtschaftsfl\u00fcchtlinge\u201c, den ich oft h\u00f6re, ist. Diese Menschen sind in einer existenziellen Notlage. Wir m\u00fcssen ihnen helfen, dass sie nicht alle hier bleiben k\u00f6nnen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Wenn ich h\u00f6re, die Fl\u00fcchtlinge w\u00fcrden sich so gut in unseren Superm\u00e4rkten auskennen, dann denke ich, ein Supermarkt in Albanien sieht nicht viel anders aus als ein deutscher, nur was ich mir von dem leisten kann, was es dort gibt, das macht doch den Unterschied aus.<\/p>\n<p>Die wirkliche Debatte hat aber noch gar nicht richtig begonnen. Wir werden hier im Sommer weitere f\u00fcnfzig 50 Fl\u00fcchtlinge, wahrscheinlich werden es Afrikaner sein, aufnehmen. Dann, so sagt es der B\u00fcrgermeister, sind \u201ewir am Rande unserer M\u00f6glichkeiten, wenn noch mehr kommen, dann \u201ascheppert\u2018 es\u201c. Was meint er damit? Wird es dann soziale Konflikte geben? Der Landkreis, in dem ich wohne, z\u00e4hlt zu den gut situierten. Wohnungsnot gibt es hier so gut wie keine, aber die Mieten sind enorm gestiegen. Ich kann da die Rufe aus \u00d6sterreich, aus dem Burgenland verstehen, die lauten: \u201eMehr Wohnungen statt mehr Moscheen!\u201c (SZ, 6.\/7. Juni, S.4) Wir wollen differenzieren \u2013 diejenigen, die das rufen, m\u00f6gen nicht fremdenfeindlich sein, nein sie nutzen die Situation, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Protestiert hier wirklich jemand dagegen, dass die Asylbewerber den Hartz IV-Satz bekommen, oder dr\u00fccken die Proteste nur aus, dass dieser Satz und die damit verbundene Sanktionspraxis das eigentliche \u00dcbel sind? Die soziale Situation und der Grad der Fremdenfeindlichkeit sind die beiden Seiten der gleichen \u201eMedaille\u201c \u2013 wir sollten das doch aus unserer Geschichte gelernt haben.<\/p>\n<p>Der Helferkreis tagt an diesem Abend drei Stunden lang. Nebenan sitzen die Vertreter der CSU, sie sind mit ihren Themen eher fertig.<\/p>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=2116&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2116 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2116')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2116').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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