{"id":1904,"date":"2015-04-09T13:06:30","date_gmt":"2015-04-09T12:06:30","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1904"},"modified":"2015-04-09T13:06:30","modified_gmt":"2015-04-09T12:06:30","slug":"merkel-die-europaabkanzlerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1904","title":{"rendered":"Merkel \u2013 die Europa(ab)kanzlerin"},"content":{"rendered":"<p><big><strong><span class=\"catchword\">Realsatire<\/span> <\/strong>Europa steckt in der Krise. Nur Deutschland geht es gut.<\/big><\/p>\n<p><strong>Ein Gastbeitrag von <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/waschi\" target=\"_blank\">blog1<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Im Bundeskanzleramt treffen sich die Parteispitzen von CDU und SPD zu einer au\u00dferordentlichen Sitzung unter strengster Geheimhaltung nat\u00fcrlich. Mit von der Partie sind neben Bundeskanzlerin Merkel, Bundesfinanzminister Sch\u00e4uble, Kanzleramtsminister Altmaier, Fraktionschef Kauder sowie die Herren Gabriel und Steinmeier auf Seiten der SPD.<\/p>\n<p><strong>Merkel:<\/strong> Meine Herren, es gibt einiges zu besprechen. Peter, Du hast eine kleine Agenda vorbereitet, welche Themen heute anstehen.<\/p>\n<p><strong>Altmaier:<\/strong> Wir m\u00fcssen dringend \u00fcber Griechenland sprechen, dann folgt das Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) und nicht zuletzt die Innenpolitik.<\/p>\n<p><strong>Gabriel:<\/strong> Eine Frage vorweg. Warum ist Herr Seehofer nicht dabei? <!--more--><\/p>\n<p><strong>Merkel:<\/strong> Weil ich in Ruhe die anstehenden Probleme besprechen will und mich nicht durch diesen <strong>Alpentaliban<\/strong> aus meinem Konzept bringen lassen will.<\/p>\n<p><strong>Sch\u00e4uble:<\/strong> Wir haben jetzt die PKW-Maut f\u00fcr Ausl\u00e4nder verabschiedet und k\u00f6nnen in Ruhe abwarten, bis sie vor dem EuGH scheitert. Ich hoffe, dass Ganze geht noch in diesem Jahr \u00fcber die B\u00fchne. Dann steht im Januar die Klausurtagung in Wildbad Kreuth an und dann ist Seehofer hoffentlich Geschichte.<\/p>\n<p><strong>Kauder:<\/strong> Herr Seehofer d\u00fcrfte unser geringstes Problem sein. Die Griechen sind da schon etwas robuster. Normalerweise hei\u00dft es ja immer, dass es sich nur mit vollen Hosen gut stinken l\u00e4sst. Bei Griechenland habe ich den Eindruck, dass sie \u201emanagement by crocodile\u201c betreiben. \u201eDie Klappe weit aufrei\u00dfen, auch wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht\u201c.<\/p>\n<p><strong>Steinmeier:<\/strong> Der griechische Verteidigungsminister Kammenos haut ja ziemlich auf den Putz. Sind eigentlich die U-Boote aus deutscher Produktion an das griechische Milit\u00e4r bereits ausgeliefert?<\/p>\n<p><strong>Sch\u00e4uble:<\/strong> Ausgeliefert und durchfinanziert. Wir wollen doch die Kirche im Dorf lassen. Wir bauen die besten U-Boote der Welt, weil wir einen lautlosen Antrieb entwickelt haben. Nicht einmal die Amerikaner w\u00fcrden bemerken, wenn ein deutsches U-Boot in einem ihrer Flottenst\u00fctzpunkte \u201evor Anker\u201c liegt.<\/p>\n<p><strong>Altmeier:<\/strong> Das ist nicht ganz korrekt, mein lieber Wolfgang. Die US-Amerikaner k\u00f6nnen unseren kompletten Datentransfer abh\u00f6ren und damit die Befehlskette nachverfolgen, ohne die auch ein U-Boot Kommandant nicht auskommt.<\/p>\n<p><strong>alle Teilnehmer:<\/strong> betretenes Schweigen<\/p>\n<p><strong>Gabriel:<\/strong> Meine Herrschaften, ich habe mich lange zur\u00fcckgehalten, aber wir sollten uns doch lieber mit den griechischen Forderungen nach Reparationszahlungen besch\u00e4ftigen. Sie belaufen sich auf rund 280 Milliarden Euro. Das ist kein Pappenstiel \u2013 und das habe ich bereits ausrechnen lassen &#8211; kostet uns mehr als die Entsch\u00e4digungszahlung an die Energiebetreiber f\u00fcr den vorzeitigen Ausstieg aus der Atomenergie, meine liebe Angela.<\/p>\n<p><strong>Merkel:<\/strong> Ach, was Du nicht sagst, mein lieber Sigmar. Aber zur\u00fcck zu Griechenland. Die 2+4 Verhandlungen haben in dem Zusammenhang einen endg\u00fcltigen Schlussstrich gezogen. Selbstverst\u00e4ndlich nehmen wir unsere historische Verantwortung f\u00fcr die Gr\u00e4ueltaten des Nazi-Regimes wahr. Ich habe bereits mit Bundespr\u00e4sident Gauck gesprochen, der im Namen des gesamten deutschen Volkes sein\u00a0zutiefst empfundenes\u00a0Bedauern aussprechen wird. Auch eine Gedenkst\u00e4tte ist im Gespr\u00e4ch, die selbstverst\u00e4ndlich von Deutschland finanziert wird. Das habe ich bereits Herrn Tsipras zugesagt.<\/p>\n<p><strong>Steinmeier:<\/strong>\u00a0 Ja, so ist es nun mal, nur Bares ist Wahres. Griechenland betreibt eine regelrechte Reise-Diplomatie. Die Herren Tsipras und Varoufakis versuchen doch vehement, neue Geldquellen anzuzapfen, sehr zum Leidwesen von Herrn Schulz, unserem Weggef\u00e4hrten im EU-Parlament.<\/p>\n<p><strong>Kauder:<\/strong> Das ist eine Provokation, die wir so nicht hinnehmen k\u00f6nnen. Von uns fordern sie 280 Milliarden und den anderen machen sie ein X vor dem U vor. Die h\u00e4tten wir niemals in den Euro lassen sollen.<\/p>\n<p><strong>Merkel:<\/strong> Mein lieber Volker, wenn Du mir eine L\u00f6sung pr\u00e4sentieren kannst, wie wir die Griechen los werden k\u00f6nnen, ohne dass es mehr kostet als wenn wir die Griechen im Euro drin lassen, bin ich gerne bereit, einem <strong>Grexit<\/strong> zuzustimmen.<\/p>\n<p><strong>Sch\u00e4uble:<\/strong> Wenn wir es zulassen, dass die Griechen aus der Euro-Zone fliegen, dann hat Deutschland nicht nur eine Lungenentz\u00fcndung, sondern die Schwindsucht. Unsere Finanz- und Wirtschaftspolitik basiert auf dem Prinzip der Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Nur wenn es Staaten gibt, die nicht so wettbewerbsf\u00e4hig sind wie Deutschland, k\u00f6nnen wir unsere Produkte als Exportnation Nr. 1 in Europa verkaufen.<\/p>\n<p><strong>Altmaier:<\/strong> Tja, aus dieser Nummer kommen wir wohl nicht mehr heraus. Das hei\u00dft aber auch, dass wir diesen Staaten fortw\u00e4hrend Geld leihen m\u00fcssen, damit sie unsere Qualit\u00e4tsprodukte auch bezahlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Kauder:<\/strong> Man muss zwar die Dinge vom Ende her denken, aber ein Ende dieser doch sehr erfolgreichen Politik in der Verantwortung unserer Bundeskanzlerin ist noch lange nicht in Sicht. Die Deutschen stehen hinter unserer Bundeskanzlerin, weil sie auch erkannt haben, dass diese Politik alternativlos ist.<\/p>\n<p><strong>Gabriel:<\/strong> Ohne die SPD geht hier gar nichts. Ich war es, der die SPD-Mitglieder hinter sich gebracht hat. Sonst g\u00e4be heute keine gro\u00dfe Koalition.<\/p>\n<p><strong>Merkel:<\/strong> Du hast ja Recht, mein lieber Sigmar, \u00fcber anderweitige Machtoptionen redet man dann, wenn sie konkret anstehen. Die Gr\u00fcnen sind mittlerweile auch f\u00fcr ein B\u00fcndnis gut. Alle personellen St\u00f6rfaktoren sind m.W. aus dem Weg ger\u00e4umt.<\/p>\n<p><strong>Steinmeier:<\/strong> Aber am rechten Rand tummelt sich einiges, meine liebe Angela. Pegida scheint wohl \u00fcberstanden, jetzt aber brennen die Asylantenheime und Landr\u00e4te und B\u00fcrgermeister m\u00fcssen unter Polizeischutz gestellt werden.<\/p>\n<p><strong>Kauder:<\/strong> Die Gefahr kommt doch nicht von rechts. Das hat unser Verfassungsschutz schon im Griff. Aber diese Salafisten machen mir Sorge. Wer sich hinter einem Bart versteckt, ist grunds\u00e4tzlich verd\u00e4chtig. Es wird h\u00f6chste Zeit, dass wir die deutsche Leitkultur eindeutig positionieren. Wenn schon in Europa nicht Deutsch gesprochen wird, dann wenigstens bei uns. Das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt.<\/p>\n<p><strong>Altmaier:<\/strong> Bei uns sind alle willkommen, die gewillt sind, zu den L\u00f6hnen zu arbeiten, die in unserer marktkonformen Demokratie finanzierbar sind. Wir haben uns mit dem Mindestlohn nicht leicht getan. Aber dennoch muss schlie\u00dflich ein jeder von dem leben k\u00f6nnen, was er aus einer Vollzeitt\u00e4tigkeit erwirtschaftet. Das gebietet schon allein unser christliches Menschenbild, dem die CDU in ihrem Grundsatzprogramm verpflichtet ist.<\/p>\n<p><strong>Merkel:<\/strong> Wie kommen wir eigentlich mit TTIP voran?<\/p>\n<p><strong>Gabriel: <\/strong>Es bin es langsam leid, die Leute immer wieder darauf hinzuweisen, wie wichtig TTIP f\u00fcr die Arbeitspl\u00e4tze und das Wachstum in Europa ist. Diese Gegner sind einfach zu bl\u00f6d, die Vorteile des Abkommens zu erkennen. \u00dcberall erlebe ich derzeit Gegenwind. Die Stromtrassen werden von Bayern blockiert, die SPD tritt auf der Stelle und mein politischer Mentor Schr\u00f6der versteckt sich hinter Putin.<\/p>\n<p><strong>Merkel:<\/strong> Ja, der Putin wirft einen m\u00e4chtigen Schatten. Ich verstehe ihn zwar nicht, beneide ihn aber trotzdem. Wie einfach es f\u00fcr ihn doch ist, wirkungsvoll durchzuregieren. Sind wir doch mal ehrlich, st\u00e4ndig diese Querelen mit dem Parlament und den Abweichlern in den eigenen Reihen. Das kann einem ganz sch\u00f6n auf die Nerven gehen, ganz abgesehen von diesen st\u00e4ndigen Attacken der Linkspartei und diesen l\u00e4stigen NGOs.<\/p>\n<p><strong>Altmaier:<\/strong> Unsere Stabsstelle f\u00fcr innere Angelegenheiten unter der Leitung von Thomas de Maiziere arbeitet vehement an griffigen L\u00f6sungen, die auch schon zu ersten Ergebnissen gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p><strong>Sch\u00e4uble:<\/strong> Gut, dass Du dieses Thema ansprichst. Den Br\u00fcdern von <strong>Attac<\/strong> haben wir erst einmal die steuerliche Gemeinn\u00fctzigkeit aberkannt. Damit trocknen wir deren Geldquellen aus, ein sehr wirksames Mittel zur Schadensbegrenzung unserer Regierungspolitik.<\/p>\n<p>Im Bundeskanzleramt findet im Anschluss an die Besprechung noch ein Abendessen in kleiner Runde statt. Dem Vernehmen nach haben sich G\u00e4ste von <strong>Goldman Sachs<\/strong> angemeldet. Da soll noch einer sagen, unsere Bundeskanzlerin ist beratungsresistent.<\/p>\n<p><em><strong>blog1<\/strong> ist nat\u00fcrlich ein Pseudonym. Unter diesem Namen ver\u00f6ffentlicht ein uns bekannter kritischer Geist regelm\u00e4\u00dfig Realsatiren in der Freitag-Community. Dieser Beitrag ist zeitgleich ebenfalls <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/waschi\/merkel-die-europa-ab-kanzlerin\" target=\"_blank\">dort erschienen<\/a>.<\/em><\/p>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1904 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1904')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1904').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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