{"id":1661,"date":"2015-02-14T09:48:16","date_gmt":"2015-02-14T08:48:16","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1661"},"modified":"2015-02-14T09:48:16","modified_gmt":"2015-02-14T08:48:16","slug":"griechenland-und-die-schulden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1661","title":{"rendered":"Griechenland und die Schulden"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm1.staticflickr.com\/144\/350394540_ab3292d68f_o.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"239\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Foto: Sani_Flickr<\/p><\/div>\n<p>Wenn man sich die zahlreichen Kommentare in den Medien \u00fcber die griechische Schuldenkrise in den letzten Wochen anschaut, dann kann man in vielfacher Hinsicht verzweifeln.<\/p>\n<h4>Verzweiflung Nr. 1<\/h4>\n<p>Die erste Verzweiflung \u00fcberf\u00e4llt einen, wenn man die Folgen der Austerit\u00e4tspolitik der EU-Gremien unter ma\u00dfgeblichem deutschen Einfluss sieht:<br \/>\nDie Troika hatte von Griechenland einen Haushalts\u00fcberschuss von 4,5 % des Brutto-Inlandsprodukts (BIP) gefordert. (wohlgemerkt: die Maastricht-Kriterien liegen bei einem maximalen Defizit von 3 % des BIP.)<br \/>\nAlso wurde von Rentenk\u00fcrzungen bis zu Mindestlohn und Gesundheitsversorgung alles Denkbare eingespart mit der Folge, dass die Wirtschaftsleistung und damit die Steuereinnahmen noch weiter zur\u00fcck gegangen sind und in der Folge die Verschuldung noch zunahm.<br \/>\nSeit 2010 weist der <a title=\"Staatsverschuldung und Staatsdefizit von Griechenland\" href=\"http:\/\/www.haushaltssteuerung.de\/staatsverschuldung-griechenland.html\" target=\"_blank\">griechische Haushalt<\/a> jedes Jahr Defizite zwischen 8,6 % und 12 % aus.<br \/>\nUnd w\u00e4hrend die Staatsschulden von 2006 bis 2013 \u201enur\u201c um 41,8 % gestiegen sind, kletterten die Staatsschulden im Verh\u00e4ltnis zum BIP um 69,9 %. Je mehr gespart worden ist umso gr\u00f6\u00dfer wurden die Schuldenberge. <!--more--><\/p>\n<p>Wer kann unter den jetzigen Voraussetzungen im Ernst daran glauben, dass Griechenland in absehbarer Zeit nennenswerte Haushalts\u00fcbersch\u00fcsse erzielen kann um Schulden tilgen zu k\u00f6nnen ?<br \/>\nDie Strategie der EU-Institutionen und insbesondere Deutschlands in den letzten 5 Jahren war, immer neue Hilfspakete zu schn\u00fcren, mit denen auf die schrumpfenden Einnahmen reagiert wurde und letztendlich eine \u00dcberschuldung herbei gef\u00fchrt wurde. Das h\u00e4tte auch jeder Nicht-\u00d6konom merken m\u00fcssen, dass diese Strategie nicht funktioniert.<\/p>\n<p>Dabei hat Griechenland durchaus die geforderten <a title=\"Undankbare Faulenzer? Die Debatte \u00fcber Griechenland \u2013 und die Fakten\" href=\"http:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/monitor\/videos\/videoundankbarefaulenzerdiedebatteuebergriechenlandunddiefakten100.html\" target=\"_blank\">Reformen der Troika weitgehend umgesetzt<\/a>.<\/p>\n<h4>Verzweiflung Nr. 2<\/h4>\n<p>Da wird den Griechen vor der Wahl noch dringend empfohlen, die alten politischen Seilschaften wieder zu w\u00e4hlen, die seit Jahrzehnten f\u00fcr Unf\u00e4higkeit, Korruption und Missmanagement verantwortlich sind.<br \/>\nAber als die Griechen diese alte Parteienlandschaft abgew\u00e4hlt haben und sich f\u00fcr SYRIZA entschieden haben, schie\u00dfen sich die deutschen Medien sofort auf Tsipras und Varoufakis ein und in der deutschen Presse wird das Bild des faulen Griechen gepflegt, der auf Kosten der Deutschen in Saus und Braus lebt und jetzt auch noch frech und verantwortungslos seine Schulden nicht bezahlen will.<br \/>\nKein Wunder auch, dass die verantwortlichen EU-Politiker und deutsche Vertreter ablehnend und wenig kompromissbereit auf die griechischen Vorschl\u00e4ge antworten \u2013 wer will schon realisieren, dass er mit seiner Politik gescheitert ist.<br \/>\nDie Austerit\u00e4tspolitik, die Deutschland als Allheilmittel den s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern aufzwingt, gilt nat\u00fcrlich nicht in Deutschland selbst.<br \/>\nAls vor einigen Jahren nach der Finanzkrise die Konjunktur nur ein bisschen lahmte, wurden sofort \u201eWachstumsbeschleunigungsgesetze\u201c und die sog. Abwrackpr\u00e4mie aufgelegt um Nachfrageimpulse zu setzen.<br \/>\nAber in Griechenland und anderen L\u00e4ndern gilt das nat\u00fcrlich nicht und man weigert sich, die Folgen der Sparpolitik (Verarmung gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lkerung, Zusammenbruch des Gesundheitswesens, Arbeitslosigkeit, Rentenk\u00fcrzungen etc.) als Ergebnis des eigenen Handelns zu sehen.<br \/>\n\u00dcber so viel bornierte Dummheit kann man nur den Kopf sch\u00fctteln.<\/p>\n<h4>Verzweiflung Nr. 3<\/h4>\n<p>Wenn ein Staat aber nicht mehr f\u00fcr die elementaren Bed\u00fcrfnisse seiner B\u00fcrger sorgen kann dann w\u00e4hlen diese B\u00fcrger die rechts- oder linkspopulistischen Parteien die zumindest verbal vermitteln, dass sie es besser k\u00f6nnten.<br \/>\n(Und dabei ist SYRIZA, wenn man ihr Programm anschaut, beileibe noch keine linksextreme Partei.)<br \/>\nIch m\u00f6chte nicht unsere Wahlergebnisse in Deutschland sehen, wenn wir solche wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse wie in Griechenland h\u00e4tten und uns das Ausland st\u00e4ndig ermahnen w\u00fcrde doch die gleiche Politik zu w\u00e4hlen, die uns ins wirtschaftspolitische Chaos gef\u00fchrt h\u00e4tte.<br \/>\nVielleicht sollte man sich wieder das Ende der Weimarer Republik Anfang der 30er Jahre anschauen und welche Fehler da gemacht wurden.<\/p>\n<p>Wie kann es weitergehen und was m\u00fcsste getan werden damit nicht Alle wieder Alles falsch machen?<\/p>\n<p>Dazu eine wirklich gute Zusammenfassung von Ares Kalandides \u00fcber die <a title=\"Meinung: Griechenland nach den Wahlen in 10 Thesen\" href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24913#h01\" target=\"_blank\">Hinweise des Tages<\/a> der NachDenkSeiten: <a href=\"https:\/\/word.office.live.com\/wv\/WordView.aspx?FBsrc=http%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fattachments%2Fdoc_preview.php%3Fmid%3Dmid.1423207159592%253A06e07ba34f3092ad36%26id%3D10205635121588560%26metadata&amp;access_token=100000528728742%3AAQAISoIUZlyAW_Sx&amp;title=Griechenland%20in%2010%20Thesen\" target=\"_blank\">Meinung: Griechenland nach den Wahlen in 10 Thesen<\/a>.<\/p>\n<p><small>Bildquelle: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/45861388@N00\/\" target=\"_blank\">Sani_Flickr<\/a> \/ <a title=\"Creative Commons \u2014 Attribution-NoDerivs 2.0 Generic \u2014 CC BY-ND 2.0\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/2.0\/\" target=\"_blank\">CC BY-ND 2.0<\/a><\/small><\/p>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1661&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1661 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1661')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1661').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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