{"id":1645,"date":"2015-02-10T22:00:31","date_gmt":"2015-02-10T21:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1645"},"modified":"2015-02-10T22:00:31","modified_gmt":"2015-02-10T21:00:31","slug":"freier-mensch-und-freies-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1645","title":{"rendered":"Freier Mensch und freies Leben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Michael Hirsch: Warum wir eine andere Gesellschaft brauchen!<\/strong><\/p>\n<p><em>Vorbemerkung: Wir, die Redaktion, haben Michael Hirsch im November\/Dezember des vergangenen Jahres auf Veranstaltungen der M\u00fcnchner Volkshochschule als hervorragenden Analytiker gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse kennengelernt. Ich pers\u00f6nlich hatte das hier vorgestellte Buch schon zuvor gelesen und bin k\u00fcrzlich auf die nachfolgende Rezension gesto\u00dfen. Wir danken Wolf Senff f\u00fcr die Zustimmung zur Ver\u00f6ffentlichung auf unserem Blog.<\/em><\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl, dass L\u00e4hmung um sich greift, ist unverkennbar. Dennoch erleben wir im Alltag eine unaufhaltsame Beschleunigung \u2013 was ist eigentlich los? Die L\u00e4hmung, so Michael Hirsch, in diesem Punkt an Slavoj Zizek ankn\u00fcpfend, sei verursacht durch den in unseren K\u00f6pfen zutiefst verwurzelten Glauben an \u203aWachstum\u2039 und \u203aFortschritt\u2039. Und die Beschleunigung ist das Ergebnis der durch nichts und niemanden gebremsten kapitalistischen Erwerbsorientierung, vulgo Raffgier. Von <strong>Wolf Senff <\/strong><span id=\"more-7637\"><\/span><!--more--><\/p>\n<p><a class=\"cboxElement\" href=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/warum-wir-eine-andere-gesellschaft-brauchen-michael-hirsch-190x312.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7638 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/warum-wir-eine-andere-gesellschaft-brauchen-michael-hirsch-190x312.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"312\" \/><\/a>Dieses \u203aManifest\u2039 reiht sich nahtlos ein in die Tradition von \u203a<a href=\"http:\/\/titel-kulturmagazin.net\/2011\/01\/28\/unsichtbares-komitee-der-kommende-aufstand\/\" target=\"_blank\">Der kommende Aufstand<\/a>\u2039 (2010) und von Stephane Hessels \u203a<a href=\"http:\/\/www.ullsteinbuchverlage.de\/nc\/buch.html?tx_publisher_pi1[produktUid]=1811\" target=\"_blank\">Emp\u00f6rt euch!<\/a>\u2039 (2011), auch die Cover-Illustration mit Banksys blumenwerfendem Demonstranten passt. Gut zu wissen, dass Michael Hirsch sich nicht allein auf weiter Flur bewegt, seine Diktion ist unaufgeregt, sachlich, ohne dass man sich zu Aktionismus gedr\u00e4ngt f\u00fchlt, sie zeugt von der Gewissheit, dass die eigene inhaltliche Argumentation letztlich f\u00fcr sich selbst spricht.<\/p>\n<p><strong>Grenzen des Wachstums<\/strong><\/p>\n<p>Es reiche nun einmal nicht aus, so Hirsch, zu sagen, die Verh\u00e4ltnisse seien \u00bbkrisenhaft\u00ab, nein man m\u00fcsse kompromisslos den Schritt tun, sie als \u00bbfalsch\u00ab zu bezeichnen \u2013 nur auf diese Weise verabschiede man so butterweiche Durchhalteparolen wie die einer vermeintlichen \u203aAlternativlosigkeit\u2039 und fordere implizit \u00bbrichtige\u00ab Schritte: \u00bbDas Leiden, der Mangel und das Elend m\u00fcssen wirklich artikuliert werden. Sie m\u00fcssen mit der politischen These eines m\u00f6glichen Gl\u00fccks, eines ganz anderen, anders verteilten und anders genutzten Wohlstands konfrontiert werden\u00ab.<\/p>\n<p>Das ist Allgemeingut seit sp\u00e4testens 1972, seit Club of Rome, \u203a<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Grenzen_des_Wachstums\" target=\"_blank\">Grenzen des Wachstums<\/a>\u2039, und man kann Michael Hirsch nur zustimmen darin, dass in diesem Land eine unglaublich dicht gestrickte Camouflage seit Jahrzehnten den Blick vernebelt, und auch weiterhin sind \u00bballe Anstrengungen der Eliten in Politik, Wirtschaft und Kultur darauf ausgerichtet, dass es irgendwie so weitergehen kann wie bisher\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Bedingungsloses Grundeinkommen<\/strong><\/p>\n<p>Eine Wiederherstellung von Normalit\u00e4t, die \u00bbgro\u00dfe Sehnsucht unserer Zeit\u00ab, sei illusion\u00e4r. Stattdessen sei erforderlich, Alltagsleben und Kultur von Grund auf zu erneuern. Der \u203aMuff unter den Talaren\u2039, der in den sechziger Jahren zum Ziel von Spott und Kritik der nachwachsenden Generation geworden sei, trete heutzutage \u00bbsmart\u00ab auf und \u00bbmodern, sexy und trendig, geschmeidig im Einwerben von Drittmitteln und in der Erzielung von Einschaltquoten\u00ab. Der mediale Mainstream betreibe mit allen Mitteln einen pomp\u00f6sen, glitzernden Aufwand, und dennoch \u2013 \u00bbdie herrschenden Kultureliten sind wie die wirtschaftlichen und politischen Eliten ausgeblutet\u00ab.<\/p>\n<p>Hirsch geht es um ein erneuertes gesellschaftliches \u00bbZeitregime\u00ab, das nicht auf die als normal vorausgesetzten m\u00e4nnlichen Biographien lebenslanger Erwerbsarbeit ziele, sondern \u00fcber ein bedingungsloses Grundeinkommen hinaus eine vielf\u00e4ltige Entzerrung leiste, eine soziale Neustrukturierung von Arbeit und Einkommen, auf deren Grundlage erst eine Gleichberechtigung der Geschlechter m\u00f6glich werde. Es d\u00fcrfe weder von wirtschaftlicher Teilhabe Ausgeschlossene noch \u203abildungsferne Schichten\u2039 geben.<\/p>\n<p>Folgerichtig geht er einen Schritt weiter und wirft der Politik vor, sie reduziere den Menschen auf blo\u00dfe \u203aArbeitskraft\u2039. Nein, die Politik sei in der Pflicht, den Artikel 1 GG positiv zu interpretieren und \u00bbeinen freien Menschen, ein freies Leben\u00ab zu erm\u00f6glichen, es gehe darum, \u00bbdie \u00fcberlieferten Bahnen der technokratischen, b\u00fcrokratischen und kulturindustriellen Routinen zu verlassen\u00ab. Es ist gut und au\u00dferordentlich wichtig, diese Debatte fortzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Titelangaben<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.louisoder-verlag.de\/louisoder-verlag-buch-detail.asp?pid=444\" target=\"_blank\">Michael Hirsch: Warum wir eine andere Gesellschaft brauchen! <\/a><br \/>\nM\u00fcnchen: Louisoder 2013<br \/>\n73 Seiten. 13 Euro<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im <a href=\"http:\/\/titel-kulturmagazin.net\/2014\/06\/20\/michael-hirsch-warum-wir-eine-andere-gesellschaft-brauchen\/\" target=\"_blank\">TITEL Kulturmagazin<\/a>.<\/em><\/p>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1645&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1645 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1645')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1645').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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