{"id":1589,"date":"2015-02-08T14:18:32","date_gmt":"2015-02-08T13:18:32","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1589"},"modified":"2018-09-19T23:28:47","modified_gmt":"2018-09-19T21:28:47","slug":"gemeinsam-fuer-die-verzuckerung-des-abendlandes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1589","title":{"rendered":"Gemeinsam f\u00fcr die Verzuckerung des Abendlandes!"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2901137499_ce6c156ce3_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2901137499_ce6c156ce3_o.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"240\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">&#8220;Tell Your Story&#8221; von Wade M<\/p><\/div>\n<p><strong>Ein Gastbeitrag von <a href=\"http:\/\/www.gegengerade.yolasite.com\/autoren1.php\" target=\"_blank\">Noreen Chen<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Wann hast du dir das letzte Mal eine Tasse Zucker vom Nachbarn ausgeliehen? Kennst du deinen Nachbarn \u00fcberhaupt? Macht nichts, ich ebenfalls nicht.<br \/>\nIch denke, dass dies eins von vielen Anzeichen einer Gesellschaft ist, die andere nicht am Ellbogen aufhilft, sondern den Ellbogen in die Seite rammt, um am Grabbeltisch die letzte Strumpfhose f\u00fcr 2,99\u20ac zu bekommen.<br \/>\nIst eine Tasse Zucker der Schmetterlingsfl\u00fcgelschlag, der zum Beispiel unseren Umgang mit Fl\u00fcchtlingen als Orkan zur Wirkung hat? Ich behaupte ja! <!--more--><\/p>\n<p>Es kann nur noch um einzelne Bed\u00fcrfnisse <strong>oder<\/strong> um unser aller Bed\u00fcrfnisse gehen. Beides gleichzeitig zu erf\u00fcllen scheint nahezu unm\u00f6glich zu sein. Dabei k\u00f6nnten wir doch einfach den Absprung wagen, das Ego hinten anstellen und uns wieder dem altgedienten Ausspruch: Was man nicht will, dass man dir tu, das f\u00fcg auch keinem anderen zu, zuwenden. Wieso geht das nicht? Wieso perfektionieren wir die Ellbogengesellschaft heutzutage? Die Verrohung auf allen Ebenen und Dimensionen ist kaum mehr zu \u00fcbersehen. Oder welche Ideale hat eine Gesellschaft von Kommunikation, wenn das Wort \u201eShitstorm\u201c schon ein allt\u00e4gliches Freizeitvergn\u00fcgen ist? Vermutlich nicht mehr allzu viele. Wenn \u201edas\u201c Kollektiv sich verabredet auf einen gemeinsamen Feind einzuschlagen, scheint der Durchschnittsdeutsche absolut befriedigt zu sein.<\/p>\n<p>Problematisch ist daran wohl, dass viele Menschen gar kein Kollektiv mehr sein wollen. Zumindest in der Realit\u00e4t. Die Angst der Menschen, einen Teil ihrer Identit\u00e4t zu verlieren, wenn sie sich in einer Masse anpassen, anstatt sich abzuheben, ist zu gro\u00df. Genau wie die Angst davor, dass die zentralen Fragen unserer Existenz: nach dem &#8216;Wer bin ich&#8217; ihre Bedeutung verlieren, wenn aus dem ICH ein WIR wird.<br \/>\nAndere wiederum sehnen sich danach, einen Teil ihrer Identit\u00e4t im Kollektiv zu finden.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass sich in der Politik und auch in der Gesellschaft schon lange das kapitalistische Menschenbild durchgesetzt hat: Du bist gut, wenn du viel tust. Du bist wertvoll, wenn du Wert hast, nicht wenn du Werte leistest.<br \/>\nFinden wir unsere Identit\u00e4t durch die Gesellschaft, in der wir nur noch von Wert sind, wenn wir Leistungstr\u00e4ger sind?<br \/>\nJa. Als Katalysator daf\u00fcr haben sicherlich im Bildungsbereich die <a title=\"Wissenschaft: Bologna macht krank\" href=\"http:\/\/www.taz.de\/!142971\/\" target=\"_blank\">Bologna-Reform<\/a> und im sozialen Bereich die <a title=\"10 Jahre Hartz IV \u2013 und die SPD lernt nicht dazu\" href=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1466\" target=\"_blank\">Hartz IV Reform<\/a> gewirkt. Anstatt gegenzulenken durch sozial und rechtsstaatlich verpflichtende Normen, eilt der Gesetzgeber hier von einer wirkungslosen Ma\u00dfnahme zur n\u00e4chsten.<br \/>\nEin Beispiel: Die Familienzeit (mit semantischer \u00dcberschneidung zur Elternzeit), empfinden wir als Privileg, f\u00fcr dass wir dankbar zu sein haben. Nicht nur dadurch, dass der Gesetzgeber alles daf\u00fcr tut uns am Arbeitsplatz zu halten, auch der Druck der Arbeitgeber leistet seinen Beitrag dazu.<br \/>\n&#8220;Wow, du brauchst nicht arbeiten?&#8221; Anerkennende Blicke. Oder abwertender Unterton, ob aus Neid oder aus einem Leistungsgedanken heraus, das l\u00e4sst sich wohl nicht immer feststellen. Eins l\u00e4sst sich aber hervorragend feststellen: der Zusammenhang besteht zwischen dem Leistungsgedanken als Anforderung an den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die Umdeutung der gesellschaftlichen Begrifflichkeiten von Leistung und Werten, die statt einem moralischen, eine materielle Bedeutung erhalten, zeigt sich nicht nur in den genannten Bereichen des Makrokosmos, sondern auch im einzelnen Mikrokosmos.<br \/>\nEs zeigt sich darin, dass wir nicht mehr f\u00fcreinander da sind. Dass wir uns virtuell nur noch im Negativen verbinden k\u00f6nnen. GEGEN die Moslems. GEGEN die, die gegen Moslems sind. GEGEN.. GEGEN.. GEGEN.<br \/>\nWir sind gegeneinander auf so vielen Ebenen unseres Miteinanders, dass wir vergessen haben miteinander zu leben.<br \/>\nUnd so driften wir vom gemeinsamen \u201edagegen\u201c Sein zu einem einsamen \u201edaf\u00fcr\u201c Sein.<br \/>\nUnd so schlie\u00dft sich der Kreis. Die Unzufriedenheit mit dem Alleinsein und dem Bewusstsein, dass einem niemand zuh\u00f6rt, wenn man sagt, wof\u00fcr man eigentlich ist, f\u00fchrt dann dazu, dass man <strong>wieder<\/strong> dagegen ist. Und da findet sich bestimmt jemand, der das doch ganz genauso sieht\u2026.<\/p>\n<p><strong>Und in dem Kollektiv, da hat jeder seine ganz eigene Geschichte.<\/strong><br \/>\nAlso ich f\u00fcr meinen Teil, habe zur Zeit nicht das Vertrauen in eine Gesellschaftsdynamik, hin zum Kollektiv. Ich vertraue mittlerweile weder der Politik, dass sie sich unseren Staatszielen und Prinzipien verpflichtet f\u00fchlen. Noch vertraue ich den Menschen, dass sie gut zueinander sind. Dass sie so leben, und leben wollen, dass ihre Kinder und Kindeskinder auch noch gut leben k\u00f6nnen.<br \/>\nMir selber kann ich auch schlecht vertrauen. Die vielen Meinungen und die Komplexit\u00e4t der Welt f\u00fchrt bei mir mittlerweile nur noch zu Perplexit\u00e4t.<br \/>\nIch schaffe es nicht mehr alles zu \u00fcberpr\u00fcfen, was ich in der Zeitung lese. Also lese ich gar keine mehr. Ich schaffe es nicht die ganzen Quellen zu sichten, in einem Blog Artikel um herauszufinden, ob dort die Wahrheit (TM) steht. Also lese ich kaum mehr etwas.<br \/>\nIch bin einfach m\u00fcde und ausgelaugt von dem information overflow.<br \/>\nManchmal sehne ich mich danach in dem Kollektiv unterzugehen, um mir eine eigene Meinung zu ersparen. Und manchmal m\u00f6chte ich genau das nicht, weil ich das Gef\u00fchl habe, dass ich mich dort nicht wiederfinden kann.<br \/>\nIch erschrecke, wenn ich sehe wie 15 000 Menschen gegen Menschen wie mich demonstrieren. Ich erschrecke aber genauso, wenn ich die Gegendemo nicht besuchen kann, weil ich getrieben davon bin H\u00f6chstleistung im Studium zu bringen. Damit ich als Individuum heraussteche: besonders gut, besonders gebildet und damit wertvoll f\u00fcr die Gesellschaft. Das ist meine ganz eigene Geschichte im Spannungsfeld zwischen Autonomie und Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Und eigentlich..<\/strong><br \/>\n..hat mir niemand zugeh\u00f6rt. Bis zu einem Punkt in meinem Leben, wo ganz andere Menschen, aus ganz anderen Bereichen &#8211; auf einmal zugeh\u00f6rt haben.<br \/>\nUnd dann haben wir unsere Lebenswelten verglichen, haben das herausgearbeitet, was du alles schon gelesen hast.<br \/>\nWir haben \u00fcber Solidarit\u00e4t im Gemeinsamen gesprochen. \u00dcber Schicksale von Einzelnen.<br \/>\nWir haben festgestellt, dass die Unterschiede &#8211; die vielen kleinen Geschichten im Gro\u00dfen und Ganzen, die kleinen Mikrokosmen im Makrokosmos &#8211; dass die das Wichtigste sind.<br \/>\nAlso h\u00f6ren wir zu und vervollst\u00e4ndigen das Bild der Gesellschaft. Denn die Gesellschaft, das sind genauso wenig die wenigen Meinungsmacher, wie Karl Lagerfeld der einzige Modemacher ist.<br \/>\nVerabschieden wir uns von allgemein g\u00fcltigen Ma\u00dfst\u00e4ben. Wir k\u00f6nnen ein Kollektiv sein, wenn wir uns zuh\u00f6ren und die Gemeinsamkeiten finden. Und wenn wir die Gemeinsamkeiten finden, dann bilden wir eine starke Basis gegen\u00fcber den Unverbesserlichen. Den Idioten des Abendlandes, den Idioten dieser Welt.<br \/>\nWir bilden eine Opposition gegen\u00fcber der Politik, weil <strong>unser<\/strong> Zuh\u00f6ren sich nicht auf 4 Jahre beschr\u00e4nkt und nicht unsere Geschichte im Vordergrund steht, sondern die von den anderen.<br \/>\nDu musst deine Geschichte erz\u00e4hlen, damit dir einer zuh\u00f6rt. Du kannst entdecken, dass deine Geschichte vielleicht gar nicht soviel anders ist, als unsere.<br \/>\nWenn dir also am Abend Zucker fehlt, zettel keinen Shitstorm gegen das Ladenschlussgesetz an. Geh doch einfach mal beim Nachbarn klingeln, der hat bestimmt was da!<\/p>\n<p><small><br \/>\nBildquelle: <a title=\"Tell Your Story\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/wadem\/2901137499\" target=\"_blank\">Wade M<\/a> \/ <a title=\"Creative Commons \u2014 Attribution-ShareAlike 2.0 Generic \u2014 CC BY-SA 2.0\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\/\" target=\"_blank\">CC BY-SA 2.0<\/a><\/small><\/p>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1589&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1589 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1589')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1589').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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