{"id":1314,"date":"2014-11-28T10:50:44","date_gmt":"2014-11-28T09:50:44","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1314"},"modified":"2014-11-28T10:50:44","modified_gmt":"2014-11-28T09:50:44","slug":"warum-die-zinsen-so-niedrig-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1314","title":{"rendered":"Warum die Zinsen so niedrig sind"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3174\/3034659459_601b21ba75_z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm4.staticflickr.com\/3174\/3034659459_601b21ba75_z.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"214\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Foto: Daniela Hartmann \/ CC BY-NC-SA 2.0<\/p><\/div>\n<p>Warum sind die Zinsen auf unsere Ersparnisse, Tagesgelder und festverzinslichen Einlagen so niedrig? Die Antwort ist einfach \u2013 weil wir f\u00fcr die Finanzkrise zur Kasse gebeten werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In der Finanzkrise sind einige Banken, z.B. die deutsche HRE (Hypo Real Estate) gerettet worden \u2013 die deutsche Staatsverschuldung ist durch die Summe aller Rettungsma\u00dfnahmen um ca. 20 Prozentpunkte gestiegen \u2013 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Staatsschuldenquote\" target=\"_blank\">und liegt heute bei 75% vom BIP<\/a>. Dokumentiert ist, dass diese Bank keinesfalls systemrelevant war, sondern dass so einige \u2013 auch ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubiger dieser Bank \u2013 von der staatlichen Rettung profitiert haben. Mit systemrelevant ist ausgedr\u00fcckt, dass wir diese Bank retten mussten \u2013 anderenfalls h\u00e4tten am n\u00e4chsten Montag die B\u00fcrger bei ihrer Bank Schlange gestanden und ihre Guthaben abgehoben \u2013 was den Bankenkollaps bedeutet h\u00e4tte. Wer sich die <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/finanz\/hypo-real-estate-die-geretteten\/1598962.html\">Liste dieser HRE-Gl\u00e4ubiger<\/a> anschaut, der merkt sehr schnell, dass diese angebliche Systemrelevanz in die Kategorie der Meinungs- und Angstmache geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Da wir aber nun eine derartige Staatsverschuldung haben, sagt unsere Politik, auf jeden Fall die Gro\u00dfe Koalition, wir d\u00fcrften keine neuen Schulden mehr machen. Damit verweigert sie Investitionen, die, und das ist unumstritten, erforderlich w\u00e4ren, damit unsere Infrastruktur (Br\u00fccken, Autobahnen, der Nord-Ostsee-Kanal) erhalten bleibt und ausgebaut wird. W\u00fcrde der Staat investieren, dann m\u00fcsste er Kredite aufnehmen, die Nachfrage nach Krediten w\u00fcrde sich also erh\u00f6hen und damit k\u00f6nnte auch der Zins steigen. Der Staat spart also und daher ist der Zins so niedrig.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Bild zeigt sich auch in der Wirtschaft. Wir haben in den letzten 20 Jahren keine nennenswerten realen Lohnsteigerungen mehr gehabt. Die Arbeitnehmer sind nicht beteiligt worden am Produktivit\u00e4tsfortschritt, die Lohnquote, der Anteil der Lohneinkommen am gesamten Volkseinkommen, ist gesunken, die Ungleichheit hat zugenommen zugunsten der Kapitaleink\u00fcnfte (Mieten, Zinsen, Dividenden). Was hat das mit dem Zins zu tun? Weil die Nachfrage nach G\u00fctern nicht gestiegen ist, haben die Unternehmer nicht investiert. Sie haben einfach keinen steigenden Bedarf f\u00fcr ihre G\u00fcter in der Zukunft gesehen. Der Student der Volkswirtschaft lernt schon im ersten Semester, dass die Unternehmen nur dann investieren, wenn sie eine steigende Nachfrage in der Zukunft erwarten. Die Unternehmen sparen also auch, sie fragen keine Kredite nach, der Zins bleibt niedrig.<\/p>\n<p>Dabei haben wir eine Sparquote von 10%, also Einkommen, die nicht konsumiert, sondern \u201eauf die hohe Kante gelegt\u201c werden. Wohlgemerkt: Das ist eine Durchschnittszahl: es gibt sicherlich 25 \u2013 30% der Bev\u00f6lkerung, die es sich gar nicht leisten k\u00f6nnen zu sparen. Daf\u00fcr sind andere sicherlich in der Lage, 60% oder noch mehr vom Einkommen zu sparen. Was aber wichtig ist, mehr als 80% dieser Sparleistungen, so erkl\u00e4rte es Peter Bofinger, Mitglied des Sachverst\u00e4ndigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in der <a href=\"http:\/\/www.phoenix.de\/content\/891242\">Ph\u00f6nix-Runde (zwischen 22:28 und 22:48) <\/a>, gehen in Geldleistungen, also aufs Sparbuch oder in Aktien, die steigen ja auch st\u00e4ndig, oder in andere Finanzmarktprodukte. Sie f\u00fchren nicht zu neuen wirtschaftlichen Projekten, die kreditfinanziert werden m\u00fcssten. Also auch die Wirtschaft spart und der Zins bleibt niedrig.<\/p>\n<p>Die Notenbank tut ihr \u00fcbriges. Um die Wirtschaft anzuregen, senkt sie dauernd den Leitzins, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/ezb-belaesst-leitzins-bei-0-05-prozent-a-1001354.html\" target=\"_blank\">zur Zeit liegt er bei 0,05%<\/a>. Niemand fragt deswegen mehr Kredite nach und investiert damit in die wirtschaftliche Entwicklung. Die Banken haben aber billiges Geld zur Verf\u00fcgung, und stecken dieses in Finanzprodukte. Die n\u00e4chste Blase ist somit vorgezeichnet, die Aktien k\u00f6nnen nicht unentwegt steigen.<br \/>\nWenn alle sparen, die Wirtschaft und der Staat, gibt es also keine Nachfrage nach Krediten und es gibt dementsprechend keine steigenden Zinsen.<br \/>\nWir haben diese und \u00e4hnliche Fragen schon er\u00f6rtert im Zusammenhang mit der Eurokrise, zum Beispiel im Beitrag \u201e<a href=\"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=887\">Warum Sparen falsch ist<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Ein Fazit l\u00e4sst sich ziehen: Die Finanzmarktkrise, in der die Staaten die Banken auf Kosten der Steuerzahler und der Sparer gerettet haben und die deutsche Lohnzur\u00fcckhaltung der letzten 20 Jahre einschlie\u00dflich Agenda 2010 mit dem geschaffenen Niedriglohnsektor haben dazu gef\u00fchrt, dass die Zinsen so niedrig sind.<\/p>\n<p>Die Begriffe \u201eReformen\u201c und \u201eSparpolitik\u201c sind positiv besetzt. Deswegen werden auch immer diese Begriffe benutzt, wenn einschneidende soziale Ma\u00dfnahmen, wie niedrige L\u00f6hne und entwertete Sparb\u00fccher, erkl\u00e4rt werden. Uns wird suggeriert, wir m\u00fcssten sparen, den G\u00fcrtel enger schnallen und wir d\u00fcrften nicht auf Kosten der zuk\u00fcnftigen Generationen leben. Und auch in Griechenland sind die gro\u00dfen sozialen Verwerfungen mit Sparpolitik begr\u00fcndet worden. Inzwischen hat sich hier wenigstens der Begriff \u201eAusterit\u00e4tspolitik\u201c durchgesetzt, der das Sparen mit den Ausdr\u00fccken \u201eDisziplin\u201c und \u201eStrenge\u201c verbindet.<\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/finanz\/hypo-real-estate-die-geretteten\/1598962.html\" target=\"_blank\">Berliner Tagesspiegel<\/a> k\u00f6nnen wir zudem einen Blick werfen auf die \u201eGeretteten\u201c, n\u00e4mlich auf diejenigen, die vom Steuerzahler bei der Insolvenz der Hypo Real Estate gerettet wurden. Unter ihnen sind die Deutsche Post, die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Deutsche Apotheker- und \u00c4rtzebank, die Stadt M\u00fcnchen, der Westdeutsche Rundfunk, die Katholische Kirche, und und und.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWeit mehr als 100 Milliarden Euro, davon 83 Milliarden nur f\u00fcr Tage und Wochen, hatte die HRE so bei Finanzinstitutionen aller Art eingesammelt. Die Liste reicht vom US-Bankriesen J. P. Morgan bis hin zur Emder Zusatzversorgungskasse f\u00fcr Sparkassenangestellte. Sie alle h\u00e4tten viel Geld verloren, wenn der Bund und seine Steuerzahler nicht f\u00fcr 87 Milliarden Euro neuer Kredite der HRE geb\u00fcrgt h\u00e4tten, mit denen diese ihre Gl\u00e4ubiger auszahlen konnte. Weil die Bank gleichzeitig enorme Verluste schrieb, musste sie anschlie\u00dfend auch noch verstaatlicht werden, um die Insolvenz und damit das F\u00e4lligwerden der Garantien zu verhindern. Bis zur endg\u00fcltigen Sanierung werden voraussichtlich bis zu 20 Milliarden Euro f\u00fcr neues Eigenkapital aus der Staatskasse f\u00e4llig.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Dokument wird in die Geschichte eingehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><small>Bildquelle: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/29487767@N02\/\" target=\"_blank\">Daniela Hartmann<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-sa\/2.0\/\" target=\"_blank\">CC BY-NC-SA 2.0<\/a><\/small><\/p>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1314&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1314 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1314')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1314').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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