{"id":1103,"date":"2014-10-31T22:44:14","date_gmt":"2014-10-31T21:44:14","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1103"},"modified":"2014-10-31T22:44:14","modified_gmt":"2014-10-31T21:44:14","slug":"eurokrise-6-die-inflation-ist-nicht-die-gefahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1103","title":{"rendered":"Eurokrise (6) &#8211; Die Inflation ist nicht die Gefahr"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm3.staticflickr.com\/2888\/11697736305_d512ec7ce6_m_d.jpg\" alt=\"Inflation\" width=\"240\" height=\"180\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Foto: LendingMemo.com \/ CC-BY-2.0<\/p><\/div>\n<p>Die eiserne Sparpolitik des Kanzler Br\u00fcning war gepr\u00e4gt durch die Angst vor der Inflation. Deutschland hatte im Jahre 1931 4,5 Millionen Arbeitslose und die Preise sanken um 8,1%, aber besch\u00e4ftigungspolitische Ma\u00dfnahmen wurden nicht ergriffen. Das Land erlitt eine schwere Wirtschaftskrise, die den gesellschaftlichen N\u00e4hrboden bereitete f\u00fcr die Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten 1933.<!--more--><\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/imk_10_mythen.pdf\">IMK-Buch<\/a> Teil 6 behandelt Mark Schieritz den Mythos von der Inflation. Sein Beitrag lautet: &#8220;Die Weimarer Hyperinflation steht vor der T\u00fcr&#8221;.<\/p>\n<p>Wenn heute von Inflation gesprochen wird, dann sind zun\u00e4chst 2 Geldgr\u00f6\u00dfen zu betrachten:<br \/>\n1) Die gro\u00dfe Menge an Zentralbankgeld, die im Umlauf ist<br \/>\n2) Das Buchgeld der Gesch\u00e4ftsbanken, das entsteht, wenn sie Kredite vergeben<\/p>\n<p>Ad 1) Die Zentralbankgeldmenge der Eurozone hat sich in der Zeit zwischen 2008 und 2012 verdoppelt, auf fast 1.800 Mrd Euro. Dieses Geld haben sich die Banken von der Notenbank geliehen, um ihre sog. Mindestreservepflicht zu erf\u00fcllen. Dies ist ein variabler Prozentsatz ihrer Kundeneinlagen und muss mit Zentralbankgeld abgesichert werden. Da das Vertrauen der Banken untereinander gesunken ist, sind die Ausleihen zwischen den Banken erheblich gesunken. Um dieses auszugleichen, haben die Banken mehr Geld von der Notenbank in Anspruch genommen. Das in den Wirtschaftskreislauf gepumpte Geld hat sich deswegen nicht wirklich erh\u00f6ht und ist somit auch nicht zus\u00e4tzlich ausgabe- und nachfragewirksam geworden.<\/p>\n<p>Ad 2) In der Krise sind an private Haushalte und Unternehmen weniger Kredite vergeben worden als vorher. Deutschland z.B. hat einen Investitionsstau, vor allem im \u00f6ffentlichen Sektor aber auch in der privaten Wirtschaft. Da wirken die Schuldenbremse, der europ\u00e4ische Fiskalpakt und die Stagnation der Realeinkommen.<\/p>\n<p>Es ist eben nicht die verf\u00fcgbare Geldmenge, die f\u00fcr sich allein inflatorisch wirkt, sondern es ist die Nachfrage auf den G\u00fcterm\u00e4rkten, die Einfluss auf die Preisentwicklung hat. Erh\u00f6ht sich die Nachfrage bei konstantem Angebot, dann sind Spielr\u00e4ume f\u00fcr Preiserh\u00f6hungen gegeben. Relevant f\u00fcr den Warenkorb, dessen preisliche Entwicklung wir mit der Inflationsrate messen, sind die G\u00fcterm\u00e4rkte, nicht die Aktien- und die Immobilienm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Statistische Daten belegen den Unterschied zwischen dem Wachstum der Geldmenge und der tats\u00e4chlichen Inflation. In den USA wuchs die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geldmenge\" target=\"_blank\">Geldmenge M3<\/a>, die alle relevanten Geldgr\u00f6\u00dfen umfasst, zwischen 1997 und 2008 um j\u00e4hrlich 9,1%. Die Inflation betrug im Durchschnitt 2,7%. In der Eurozone stieg die Geldmenge zwischen 2001 und 2008 um durchschnittlich 8,2% im Jahr, die Preise stiegen im gleichen Zeitraum um 2,3% j\u00e4hrlich. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14074\" target=\"_blank\">NachDenkSeiten<\/a>)<\/p>\n<p>Eine wichtige Rolle in der Preisentwicklung spielen die Produktionskapazit\u00e4ten. Diese haben heute in der EU eine Auslastung, die die niedrigste seit dem zweiten Weltkrieg ist. Wegen der fehlenden Nachfrage sind Erweiterungsinvestitionen nicht erforderlich, steigende Nachfrage im Rahmen der Produktionskapazit\u00e4ten erh\u00f6ht die variablen Fertigungskosten und nicht die Fixkosten. Von der Angebotsseite geht somit kein Preisdruck auf die G\u00fcter aus. Wenn die vorhandenen Produktionskapazit\u00e4ten nicht genutzt werden, dann ist eine deflatorische Entwicklung gegeben.<\/p>\n<p>Deflation bedeutet ein sinkendes Preisniveau. Dies veranlasst die Konsumenten, ihre geplanten K\u00e4ufe zu verschieben. Damit verringert sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, was einen weiteren Preisdruck hervorruft \u2013 eine Spirale nach unten hat sich entwickelt, die Arbeitslosigkeit steigt. (Siehe auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deflation\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a>)<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind in unserem Warenkorb immer G\u00fcter enthalten, deren Preis sinkt, denken wir nur an viele elektronische Artikel. Wie oft haben wir uns schon gefragt, kaufen wir jetzt oder warten wir mit dem neuen Laptop, bis der Preis weiter sinkt. Diese deflatorischen Effekte, basierend auch auf dem st\u00e4ndigen Preisverfall in der Chipindustrie, werden meistens kompensiert durch inflatorische Tendenzen bei anderen G\u00fctern.<\/p>\n<p>Zu bef\u00fcrchten ist zur Zeit keine Hyperinflation wie in der Weimarer Republik. Die Gefahr einer Deflation ist nicht von der Hand zu weisen. Das Streben der Bundesregierung nach der \u201eSchwarzen Null\u201c, also keine Ma\u00dfnahmen zur Nachfragesteigerung \u00fcber eine h\u00f6here Staatsverschuldung zu ergreifen, wird vom <a href=\"https:\/\/de.nachrichten.yahoo.com\/diw-chef-schwarze-null-ist-fatales-signal-122148874--finance.html\" target=\"_blank\">DIW-Chef Marcel Fratzscher<\/a> als \u201eein fatales Signal\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Wir produzieren weniger als wir k\u00f6nnen, wir investieren weniger als erforderlich, wir verschenken Wachstumsspielr\u00e4ume. Wir werden unseren Enkeln weniger an Infrastruktur vererben als wir k\u00f6nnten, w\u00e4hrend den Schulden, die wir ihnen \u00fcberlassen, genauso hohe Verm\u00f6genspositionen gegen\u00fcberstehen werden. Zu jeder Schuldenuhr geh\u00f6rt auch eine Verm\u00f6gensuhr, die mit gleicher Geschwindigkeit tickt.<\/p>\n<p>Wenn uns Frau Merkel zu Silvester wieder erz\u00e4hlt, wir sollten den G\u00fcrtel enger schnallen, dann wissen wir, was wir davon zu halten haben.<\/p>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1103&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1103 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1103')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1103').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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