{"id":1005,"date":"2014-10-16T08:17:11","date_gmt":"2014-10-16T07:17:11","guid":{"rendered":"http:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1005"},"modified":"2014-10-16T08:17:11","modified_gmt":"2014-10-16T07:17:11","slug":"butter-bei-die-fische-oder-ein-paar-fakten-zur-eu-fischereipolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1005","title":{"rendered":"Butter bei die Fische oder: Ein paar Fakten zur EU-Fischereipolitik"},"content":{"rendered":"<ul>\n<ul>\n<li>Jeder 2. Fisch, der in Europa verzehrt wird, stammt aus Nicht-Europ\u00e4ischen Gew\u00e4ssern (Nach Sch\u00e4tzungen des WWF sind bereits 80 % des Mittelmeeres und 47 % des Nordostatlantiks \u00fcberfischt).<\/li>\n<li>Viel zu viele (die EU verf\u00fcgt \u00fcber 700 Schiffe) und viel zu gro\u00dfe EU-Trawler fischen seit Jahrzehnten die westafrikanischen K\u00fcsten leer.<\/li>\n<li>Die gr\u00f6\u00dften Trawler k\u00f6nnen bis zu 200.000 kg Fisch pro Tag und Schiff fangen und verarbeiten; dazu br\u00e4uchten 56 traditionelle Pirogen ein ganzes Jahr (Quelle: <a title=\" Fischfang vor Afrikas K\u00fcste: Europa kauft die Meere leer\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/fischfang-vor-afrikas-kueste-europa-kauft-die-meere-leer-a-712541.html\" target=\"_blank\">Spiegel online 6.9.2014<\/a>).<\/li>\n<li>Vor den K\u00fcsten Westafrikas leben ca. 1,5 Mio Menschen direkt von der Fischerei; weitere Millionen sind von der Fischerei abh\u00e4ngig (Fischverarbeitung, Verkauf, Transport, Bootsbau &#8211; Quelle: <a title=\"Wie Afrika Europa ern\u00e4hrt\" href=\"http:\/\/gruppen.greenpeace.de\/wuppertal\/service_files\/infoliste_files\/meere_fischerei\/eu_fischerei_vor_afrika_april_2011.pdf\" target=\"_blank\">Greenpeace e.V.<\/a>).<\/li>\n<li>Im Senegal stellt der Fischfang sogar den Wirtschaftszweig Nr. 1 dar mit einem Drittel der Exporterl\u00f6se (Bayern 5 vom <a href=\"http:\/\/www.br.de\/radio\/b5-aktuell\/sendungen\/notizen-aus-aller-welt\/uebersicht-notizen-sendungen-karfreitag100.html\" target=\"_blank\">18.4.2014<\/a>).<\/li>\n<li>F\u00fcr viele Westafrikaner stellt der Fisch die einzige M\u00f6glichkeit dar, sich mit dem wichtigen tierischen Eiwei\u00df zu versorgen.<!--more--><\/li>\n<li>Die EU subventioniert die EU-Fischereiindustrie durch Abkommen mit insgesamt 16 Staaten (davon 7 in Westafrika) f\u00fcr das Recht innerhalb der 200 Seemeilen-Grenze fischen zu d\u00fcrfen; hierf\u00fcr werden 160 Mio \u20ac pro Jahr aufgewendet, wovon der EU-Steuerzahler 90 % dieser Kosten tr\u00e4gt. Nutznie\u00dfer sind private Flotten die damit die \u00dcberfischung vor Westafrika fortsetzen k\u00f6nnen. Zudem wird ein Teil der Fangmengen au\u00dferhalb der EU exportiert wird (z.B. China).<\/li>\n<li>Und zudem gibt es auch noch eine Steuerbefreiung auf den Treibstoff. (<a title=\"Pl\u00fcndern um jeden Preis - EU-Fischfang vor Westafrika\" href=\"http:\/\/issuu.com\/greenpeaceat\/docs\/meere_pfa-report_2012_02\" target=\"_blank\">Greenpeace \u00d6sterreich 2\/2012<\/a>)<\/li>\n<li>Die sog. Ausgleichszahlungen f\u00fcr die Fanglizenzen kommen aber zum gro\u00dfen Teil nicht den einheimischen Fischern zu Gute (z. B. \u00fcber Ausbildung und Finanzierung der einheimischen Fischereiindustrie) sondern verschwinden \u00fcber die g\u00e4ngigen Korruptionswege in dunkle Kan\u00e4le. Ein besonders negatives Beispiel stellt Mauretanien dar, das 70 Mio \u20ac j\u00e4hrlich von der EU f\u00fcr die Fanglizenzen erh\u00e4lt (immerhin 15 % der gesamten Staatseinnahmen), aber davon kaum Mittel f\u00fcr den Aufbau der einheimischen Fischereiindustrie bereitstellt; das Geld verschwinde in dunkle Kan\u00e4le, beklagen Experten.<\/li>\n<li>Die Kontrolle der vereinbarten Fangmengen und die Unterbindung der illegalen Fischerei ist \u00e4u\u00dferst schwierig \u2013 die EU kontrolliert bis heute nicht und den Afrikanischen Staaten fehlen dazu die Mittel.<\/li>\n<li>Zudem ist es ein Leichtes, die Abkommen zu hintergehen: So kooperierten einzelne EU-Fischereiflotten mit senegalesischen Firmen und lie\u00dfen ihre Schiffe unter senegalesischer Flagge auflaufen und unterliefen damit die Fangquoten f\u00fcr die EU-Schiffe da sie offiziell ja f\u00fcr den Senegal unterwegs waren.<\/li>\n<li>Aber auch die einheimischen Pirogenschiffer tragen dazu bei, dass der Fisch zunehmend nicht im Inland landet; sie verkaufen lieber ihren Fang an die EU-Trawler auf hoher See da sie damit einen h\u00f6heren Preis bekommen als im eigenen Land (B5 18.4.2014).<\/li>\n<\/ul>\n<\/ul>\n<p><strong>Wende in Sicht?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Alle 10 Jahre \u00fcberarbeitet die EU ihre Fischereipolitik.<\/li>\n<li>Das Abkommen, das in 2014 neu vereinbart wurde, setzt als Kernziel die nachhaltige Fischerei fest; danach sollen lokale Fischer Vorrang haben und auch der sog. \u201eBeifang\u201c soll von 30 % auf 5% reduziert bzw.auf die Fangquoten angerechnet werden. (<a title=\"Wie die EU Afrikas Fischversorgung sichert: Mauretaniens Weg zu nachhaltiger Fischerei\" href=\"http:\/\/www.swr.de\/swr2\/wissen\/nachhaltige-fischerei-afrika\/-\/id=661224\/nid=661224\/did=13571668\/1ip5103\/index.html\" target=\"_blank\">SWR 2 17.6.2014<\/a>) Auch soll die Fischerei\u00fcberwachung \u2013 soweit technisch m\u00f6glich \u2013 versch\u00e4rft werden.<\/li>\n<li>Daf\u00fcr mussten die afrikanischen Staaten aber auch niedrigere Ausgleichszahlungen in Kauf nehmen (der Senegal bekommt nur mehr 8,7 Mio \u20ac daf\u00fcr, dass 38 EU-Schiffe den Seefang vor seinen K\u00fcsten betreiben d\u00fcrfen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Mein Fazit dazu:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der Fischfang ist nur ein \u2013 wenn auch wichtiger \u2013 Wirtschaftsbereich, bei denen die westlichen Industriestaaten die Ressourcen Westafrikas billig ausbeuten.<\/li>\n<li>In die andere Richtung gehen die hochsubventionierten Lebensmittelexporte der EU nach Afrika und verhindern damit den Aufbau lokaler Landwirtschaft und Infrastruktur (z. B. H\u00e4hnchenteile aus der EU und Brasilien, Zwiebeln aus Holland !, Tomatenmark aus Italien).<\/li>\n<li>Nur wenn diese Menschen keine Perspektiven mehr in ihren L\u00e4ndern finden und unter gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten versuchen ins gelobte Europa zu kommen weigern wir uns einzugestehen, dass wir die Ursachen z. T. selber herbeigef\u00fchrt haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<a href=\"https:\/\/nachdenken-in-muenchen.de\/?p=1005&amp;wp_email_popup=1\" onclick=\"email_popup(this.href); return false;\"  title=\"Beitrag versenden\" rel=\"nofollow\">Beitrag versenden<\/a>\n<p class=\"wpf_wrapper\"><a class=\"print_link\" href=\"\" target=\"_blank\">Drucken<\/a><\/p><!-- .wpf_wrapper --><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1005 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1005')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1005').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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