Green Economy

Es ist, als hätten wir den Stein der Weisen gefunden. Nachdem jahrzehntelang Ökonomie und Ökologie als unvereinbar angesehen worden sind, zeigt nun schon das reine Wording „Green Economy“, dass die Aussöhnung gelingen kann: Alles wird gut!

Federführend für die Definition von „Green Economy“ ist das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, deren Generalsekretär Ban Ki-moon sagt, Green Economy umfasse die „gesamte Bandbreite wirtschaftlicher Politiken mit Relevanz für nachhaltige Entwicklung“, es sei also

eine Wirtschaftsweise, die „menschliches Wohlergehen steigert und soziale Gleichheit sicherstellt, während gleichzeitig Umweltrisiken und ökologische Knappheiten erheblich verringert werden.“[2] In einfacher Form könne eine Green Economy demnach als eine Art zu wirtschaften verstanden werden, die CO2-arm, ressourceneffizient und sozial inklusiv sei. Öffentliche und private Investitionen flössen in einer Green Economy vor allem in Maßnahmen, die Kohlendioxid-Emissionen sowie Umweltverschmutzung senken, Energie- und Ressourceneffizienz erhöhen und die Abnahme von Artenvielfalt und Umweltdienstleistungen verhindern.

Die Anforderungen an „Green Economy“ sind damit umfassend festgehalten, ob es mit oder ohne Wachstum geht, das ist nicht weiter ausgeführt.

Stellung zu diesem Konzept der „Grünen Ökonomie“ bezieht die Heinrich-Böll-Stiftung in ihrem Papier „9 Thesen zur Kritik der Grünen Ökonomie“.

Das Ganze, so im Kritikpunkt 1, sei ein „Glaubens- und Ausblendungsprogramm“, die Welt sei begrenzt und ungerecht, „Grüne Ökonomie“ sei ein Versprechen, das basiere auf „Wunder des Marktes und der technologischen Innovation“ und „reale Machtstrukturen im ökonomischen und politischen Kontext“ würden ignoriert. Immerhin das Papier räumt ein:

Grüne Ökonomie wird nur eine realistische Zukunftsoption, wenn sie die planetarischen Grenzen anerkennt und Emissionen aller Art und Ressourcenverbräuche radikal reduziert und fair verteilt.

Zweiter Kritikpunkt ist, dass die „Grüne Ökonomie“ das Primat der Ökonomie aufrechterhält.
Aus der Natur wird in diesem Konzept das „Naturkapital“, die Natur soll neu definiert, „gemessen, erfasst, ökonomisch bewertet und verrechnet werden“.

Die entscheidende Frage – wie wir mit weniger, anders und vielfältig eine bessere Zukunft schaffen können wird gar nicht erst gestellt.

Das führt dann zum Punkt drei, dass die globale Krise mehr ist als eine Klimakrise, die in Form des Outputs von CO2 gemessen werden könne. Der Verlust der Biodiversität und die Stickstoffbelastung, vor allem durch den vermehrten Düngemitteleinsatz in der Landwirtschaft, werden als weitere Krisen genannt.

Punkt vier sagt, dass technologische Innovationen benötigt werden, diese aber „immer in ihren sozialen, kulturellen und ökologischen Kontexten zu betrachten“ sind. Das wichtige Argument hier lautet, dass Innovationen immer geprägt sind von den „Interessen und Machtverhältnissen der Akteure“.

Die Atomtechnologie hat nicht das Energieproblem der Welt gelöst, die grüne Revolution nicht das Hungerproblem. Die Beispiele Atomenergie, Gentechnologie oder Geoengineering zeigen, wie umstritten Technologien sein können, wenn ihre Grenzen und die sozialen wie ökologischen Schäden, die sie anrichten können, nicht vorab in allen Dimensionen und mit Sorgfalt geprüft werden.

Die Steigerung der Effizienz in der Wirtschaft wird nicht das Allheilmittel sein, so die These 5. Die Elektrogeräte verbrauchen weniger Strom, wir nutzen aber dann immer mehr von ihnen (Reboundeffekt). Gefordert ist der „radikale und absolute Rückgang von Energie- und Materialverbrauch, und das vor allem in den Industrieländern.“

Es gibt kein plausibles Szenario, das Wachstum, absolute Verminderung des Umweltverbrauchs und mehr globale Gerechtigkeit in einer Welt von neun Milliarden Menschen glaubhaft kombiniert.

Menschenrechte spielen in der „Grünen Ökonomie“ keine Rolle (Punkt 6):

Soziale Konflikte, wie beispielsweise beim Bau von Windparks, bei der Konstruktion großer Staudämme oder bei der Frage der Eigentumsrechte an der CO2-Speicherfähigkeit von Wäldern, werden ausgeblendet.

Die Politik ist gefordert, so Punkt 7, der politische Wille manifestiert sich z.B. in Verkehrskonzepten, die einseitig auf dem Automobil basieren. Wer als Motiv für Verkehrsentscheidungen vorrangig die Vermeidung von Staus heranzieht, der hat nicht verstanden, welche die wirklichen Folgen der Autogesellschaft sind oder er ist einfach nur ein Lobbyist.

Punkt 8 sagt, dass es nicht an Alternativen und guten Beispielen fehle:

Ökologische Landwirtschaft, auch im großen Maßstab, ist bereits Realität und hochproduktiver Wirtschaftsfaktor. Vor allem aber darf Innovation nicht auf den Technologiebegriff verengt werden: Auch die Entwicklung neuer Lebensstile und neuer Formen des urbanen Zusammenlebens sind Innovation. Eine dezentrale und erneuerbare Energieversorgung liegt genauso in Reichweite von Realpolitik wie der Abbau umweltschädlicher Subventionen.

Der letzte Absatz bringt es auf den Punkt (9): Es ist die Machtfrage zu stellen bei der Gestaltung der zukünftigen Gesellschaften. Die Einhaltung von fundamentalen Umwelt- und Menschenrechten ist gefordert, „demokratisch legitimierte Entscheidungsprozesse und -strukturen“ müssen eingehalten werden.

Wir plädieren für eine Repolitisierung der ökologischen Politik, für eine Rückkehr zum Terminus Politische Ökologie. Denn diese versucht das komplexe Verhältnis von Politik und Ökologie, das Mensch-Naturverhältnis zu erfassen und der politischen Gestaltung und Steuerung Vorrang vor dem Ökonomischen zu geben.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen – außer: Wenn die Demokratie nicht funktioniert, dann hilft auch der technische Fortschritt nicht.

Das Buchcover verweist auf das in München 2015, im oekom – Verlag erschienene Buch der Autoren Thomas Fatheuer, Lili Fuhr und Barbara Unmüßig, in dem sie die Thesen vertiefen.

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